Webers (2012). The Hitchhiker's Guide to Coaching

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    25-Jan-2015

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<ul><li> 1. The Hitchhikers Guide To Coaching (for Young Professionals) Thomas Webers Coaching-Magazin 1 Einleitung Die Frage nach dem Sinn des Lebens, dem Universum und dem ganzen Rest das ist natrlich kein Thema fr (Wirtschafts-) Psychologen. Psychologen befas- sen sich mit wichtigen Fragen. Wichtige Fragen werden im Journal of Applied Psychology errtert. Manchmal findet man dort auch Antworten. Ob diese zum wirklichen Leben passen, berprft gerade ein unglcklicherweise depressiver Super-Computer. Bis der ein Ergebnis liefert, wird es wohl noch etwas dauern. Daher mgen die geschtzten Leserinnen und Leser an dieser Stelle zunchst das wichtigste Axiom fr die anstehende Reise ins Reich der Vogonen beherzigen: Dont panic! 2 Personale Rundumbetreuung der Organisationsmitglieder Gegenber lteren Generationen von Berufseinsteigern hat es die heutige leich- ter: Ohne Handtuch geht sie nirgendwo hin, erst recht nicht vor die Tr. Das ist auch nur zu verstndlich, wurde sie doch von Kindesbeinen an eingeseift. </li></ul><p> 2. 132 Thomas Webers Schwierigkeiten in der Grundschule? Kein Problem: Mama und Papa waren stets zur Stelle. Der Wechsel zum Gymnasium gefhrdet? Auch das haben sie geregelt frei nach der Parole: Guter Bulle, bser Bulle. Da wird gar manches Pdagogenherz weich! Irrungen und Wirrungen in der Jugendzeit? Nachhilfe, keine Frage. Zu oft gelbe Bagger gesehen? Dafr gibt es Beratungsstellen. Die Ehe der Eltern am Abgrund? Auch dafr gibts Experten. Tchterchen oder Soh- nemann haben keinen Plan, wo es hin gehen soll im Leben? Zum Geburtstag gibts den Karriere-Booster-Gutschein. Hnger im Studium? Der Coaching- Service der Hochschule ist kompetent besetzt. Alles wird gut ... Und fr die, die immer noch skeptisch sind: Wikipedia wei alles. Google lsst euch nie im Stich. Und Facebook liebt euch alle! Vogonen sehen die Welt aus anderen Augen. Da ist der Reisefhrer Per Anhal- ter (Adams, 1979-92) eindeutig: Sie sind hsslich, streng, grausam und zeichnen sich nicht gerade durch Gastfreundschaft aus. Bedauerlicherweise sind sie mchtig und reich. Und dummerweise planen sie eine mehrspurige Autobahn quer durch das Land, in dem Milch und Honig flieen (Anonymus, o. J.). Wie schn, wenn man dem entfliehen knnte. Geht nicht? Geht. Der Hyperantrieb des Raumschiffs Heart of Gold (Young, 1972) funktioniert dialektisch: Ich bin nicht perfekt, aber ich will besser werden! Da kapitulieren Vogonen auf der Stelle, denn mit Dialektik knnen sie nicht umgehen. Sie schicken dann ihre Personalentwickler. Und schon ist man ein Fall frs Coaching ... Aber alles wird gut! Und wenn nicht sofort, dann kann man Coaching auch noch mit Training, Mentoring, Supervision, Beratung, 360-Grad- Feedback oder anderen personalentwicklerischen Instrumenten und Konzepten kombinieren. Stefan Khl (2008) schraubt diese Argumentationsfigur brigens noch einen Zacken weiter: Er vertritt die These, dass die Popularitt neuer Per- sonalentwicklungsmanahmen sich vorrangig durch den Boom in der Personal- diagnostik in den letzten 20 Jahren erklren lsst. Erst dadurch konnte Coaching an Attraktivitt gewinnen: Die Diagnose verlangt die Therapie. Somit schliet sich der Kreis zur personalen Rundumbetreuung der Organisationsmitglieder. Eine gewagte These, aber immerhin eine Aufsehen erregende. 3. The Hitchhikers Guide To Coaching (for Young Professionals) 133 3 Eine unstillbare (skulare) Erlsungs- bedrftigkeit Coaching blieb nicht auf den unternehmerischen Kontext beschrnkt, sondern eroberte alle Lebensbereiche. Inzwischen wird alles und jedes als Coaching be- zeichnet. Coaching ist zu einem Containerbegriff (Bning &amp; Rauen, 2006) ver- kommen. Zur Inflationierung trug auch bei, dass der Begriff Coaching nicht geschtzt ist. Jeder kann sich selbst zum Coach kren. Was diverse Stilblten treibt, ber die sich auch Karikaturisten wie Jan Tomaschoff im Coaching- Magazin schon diverse Male lustig gemacht haben. 4. 134 Thomas Webers Die Parole lautet: Coaching fr alle! Der Homo Faber (Frisch, 1957) darf sich nicht mit dem momentanen Stand seiner persnlichen Entwicklung zufrieden geben, es knnte doch noch ein Level (an Erkenntnis, Fhigkeit, Wirksamkeit etc.) hher gehen. Und das wre natrlich unverantwortlich, das nicht zu versu- chen sich selbst gegenber, dem Schicksal, der Menschheit oder wem auch immer man sich verpflichtet fhlt. Ist Coaching eine Antwort auf die Orientie- rungslosigkeit?, warf der sterreichische Coach Michael Tomaschek im Inter- view mit mir als Frage auf (Webers, 2009). Natrlich gibt es Abgrenzungsbestrebungen: seris vs. halbseiden, wissenschaft- lich fundiert vs. esoterisch, Life- vs. Business-Coaching, wirksam vs. gut, dass wir darber geredet haben ... Diese Definitionsversuche kommen vor allem von Seiten der Coaching-Verbnde; von denen es alleine in Deutschland mehr als 20 verschiedene gibt was schon viel ber die Wirksamkeit der Definitionsversu- che verrt. Auch die Wissenschaft (z. B. Greif, 2008) steuert Definitionen bei. Interessant wren aus Stakeholder-Perspektive Initiativen der Verbraucherzentra- len, die sich aber bislang zurckhalten. Vielleicht, weil sie (auch) keinen Plan haben? Um die Frage, wie Coaching reguliert werden soll, ging es auch in einer Podi- umsdiskussion auf dem Coaching-Kongress 2008 in Potsdam: Selbstorganisation der Coachs (Verbnde), Markt, Staat, Wissenschaft oder eine Kombination dieser Stakeholder? Die Diskussion blieb vllig offen nach dem alten Motto: Jetzt haben wir zwar nicht weniger Fragen, aber interessantere als zuvor. 4 Vom Wechseln der Schreibtischseite Bse Zungen behaupten, der Sekundrmarkt im Coaching sei der grere. Dafr spricht so einiges, unter anderem die Zahl von ber 300 Coaching-Ausbildungen aus Deutschland, sterreich, der Schweiz und Liechtenstein, die der Coaching- Index (www.coaching-index.de) als Portal erschliet. Nach den Ergebnissen des European Coaching Survey (Bresser, 2009) drften weltweit etwa 50.000 Personen als Business Coach ttig sein, davon in Europa ca. 16.000. Innerhalb Europas ist das Coaching wiederum im UK (ca. 6.500 Coachs) und in Deutschland (ca. 5.000 Coachs) am weitesten verbreitet. Im Jahr 2007 wurden nach Schtzungen des Coaching-Report (Rauen, o.J.) in Deutsch- land ca. 75.000 Coaching-Prozesse mit Fhrungskrften durchgefhrt. Dies be- deutet, dass ca. 1,5 Prozent der deutschen Fhrungskrfte 2007 ein Coaching in 5. The Hitchhikers Guide To Coaching (for Young Professionals) 135 Anspruch genommen haben also in etwa jede 66. Fhrungskraft; da ist noch Luft nach oben. Dabei knnten etliche Zahlen auch nachdenklich stimmen: So wird der Markt seit vielen Jahren von Jrg Middendorf (2010) beforscht. Seine Coaching- Umfrage luft soeben zum neunten Mal. Einige Eckpunkte aus den vergangenen Befragungen: - Der statistische Coach ist Mitte 40, verfgt ber einen Universittsab- schluss und ber mehr als zehn Jahre Berufserfahrung, bevor er Coach wur- de. Er oder hufiger eine Sie hat sowohl Management- als auch Fhrungs- verantwortung und erlernte sein/ihr Beratungshandwerk in einer umfassen- den Coaching-/Beratungs-Weiterbildung. - Der Teilzeit-Coach: Coaching ist fr zwei Drittel der Coachs eine Ergn- zung zu anderen Beratungsangeboten und Dienstleistungen. Nur knappe fnf Prozent der Coachs sind Hauptberufler, die damit mehr als 80 Prozent ih- res Jahreseinkommens erzielen. - Das durchschnittliche Stundenhonorar liegt bei ungefhr 150 Euro; es streut zwischen 50 und 300 Euro; als Trainer mit festem Tagessatz kommt man schneller auf sein Umsatz-Soll. Ebenfalls erleuchtend und ergnzend lesen sich die Ergebnisse der sogenannten Marburger Studie zum deutschen Coaching-Markt 2008/09 (Stephan et al., 2009). Die erste umfassende Untersuchung zu Marketing und Organisation von Coaching. Viele Coachs verfgen zwar ber eine professionelle und primr psychologisch verankerte Berufsausbildung, so die Forscher, ihr Qualittsmana- gement und vor allem das Marketing des eigenen Angebots seien aber oft man- gelhaft. Die ZHAW-Forscher rund um Hansjrg Knzli (2010) schtzen das Gesamt- marktvolumen des Coaching-Markts in der Deutschschweiz aktuell (2010) auf rund CHF 27 Millionen (entspricht gut 20 Millionen Euro). Verglichen mit dem Hype, der um Coaching gemacht werde, merken die ZHAW-Forscher sffisant an, nimmt sich das geschtzte Gesamtmarktvolumen eher bescheiden aus. Es entspricht in etwa dem jhrlichen Schweizer Umsatz mit frischen Ananas. Es gibt weniger Schmackhaftes. Viele eint offenbar auch beflgelt durch einen wahrgenommenen Verffentlichungsboom (Taffertshofer, 2008) die berzeu- gung: Da ist noch mehr drin! Und sogleich geben sie die Parole aus: Ran an die Ananas! 6. 136 Thomas Webers 5 Coaching-Weiterbildung Sicher, es gibt die Meinung, zum Coachen bruchte man eine gewisse Lebenser- fahrung. Das wrde dafr sprechen, zunchst erste Anzeichen des Alterns (Fal- ten, graue Haare, diverse Krperfettansammlungen) sozusagen als uerliche Zeichen innerer Reife abzuwarten (oder knstlich zu erzeugen) und gegebenen- falls durch weitere, Sicherheit induzierende Insignien (edler Schmuck, Textilien, Autos, Rumlichkeiten) anzureichern. Andererseits gibt es den belegten (Knzli, 2009) und akzeptierten Glaubenssatz, Nichtwissen sei neben der Beziehungspflege die wichtigste Coaching- Ressource. Warum also mit dem Coaching nicht frhzeitig beginnen? Der erste Klient muss ja nicht unbedingt ein austherapierter Vorstandsvorsitzender eines DAX-notierten Konzerns sein Wo kann man nun Coaching studieren? Oder wre die bislang verbreitete Wei- terbildung nicht die bessere Wahl? Gegen letztere Variante, die privatwirtschaft- lich angeboten wird, lsst sich prinzipiell nichts sagen. Die Ausbildungen zeich- nen sich meist durch einen hohen Praxisanteil aus. Etliche Ausbildungen unter- werfen sich dem Akkreditierungsreglement eines Coaching-Verbands, was Qua- litt suggeriert. Diese Reglements unterscheiden sich von Verband zu Verband (Fritsch, 2010). Etliche Verbnde zertifizieren Coachs nach absolvierter Weiter- bildung und/oder zustzlich vorliegenden Leistungsnachweisen. Wiederum ande- re lehnen das als Qualittssurrogat ab. Auch hier ist die Bandbreite nicht uner- heblich. Unter Kosten/Nutzenaspekten wird man da abwgen mssen. Die Vogonen sehen das ganz entspannt: Wir kennen ja unsere Pappenheimer, uerte sich die ehemalige Leiterin der Coaching-Abteilung eines groen Kon- zerns dem Autor gegenber einmal zum Thema. Und wenn man sich gelegent- lich des Verdachts nicht erwehren vermag, es gebe Coaching- Weiterbildungsanbieter, die gleich ihren eigenen Verband zu Legitimierungs- zwecken grndeten, knnten angesichts solcher Qualittsbemhungen gewisse Glaubwrdigkeitsdefizite virulent bleiben. Qualittsdruck knnte vom Qualittsmanagement kommen (DIN 33430 und 29990). Beide Normen konnten bislang aber in dieser Richtung kaum Wirkung entfalten (Steinke, 2010) und schlielich ist deren Einhaltung freiwillig. Aber aus einer anderen Richtung erwchst nun mittelfristig, wenn auch kein Druck, dann vielleicht doch ein Sog: Erst mit der Anbindung an Hochschulen und die Wissenschaft, so unter anderem meine These (Berninger-Schfer &amp; Webers, 2010), wird Coaching sich nachhaltig professionalisieren knnen. 7. The Hitchhikers Guide To Coaching (for Young Professionals) 137 In der Empfehlung des EU-Parlaments und des EU-Rates vom 23. April 2008 wurde der Europische Qualifikationsrahmen (EQF: European Qualification Framework) als europisches Referenzinstrument eingerichtet. Der EQF soll zu einer erhhten Transparenz von Qualifikationen in Europa beitragen und die Durchlssigkeit zwischen und innerhalb der Bildungssysteme erhhen. Er ver- bessert vor allem die Transparenz und erleichtert Arbeitgebern und Bildungsein- richtungen, die von einem Brger erworbenen Kompetenzen zu beurteilen. Ma- geblich dafr ist das anzuwendende Kreditpunktesystem (ECTS European Credit Transfer System), das schon Bestandteil der nach der Bologna-Reform konzipierten neuen Studiengnge (Bachelor und Master) ist. In Deutschland wird derzeit der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) unter Federfhrung des Bun- desministeriums fr Bildung und Forschung (BMBF, 2009) entwickelt. 6 Coaching studieren Die Hochschulen sind also schon am Start. Die Weiterbildungsinstitute werden sich, wenn sie clever sind, an diesen Zug hngen und mit Hochschulen kooperie- ren. So entsteht eine Triple-Win-Situation: Die Hochschulen profitieren vom Praktikerwissen, die Praktiker von der Wissenschaft, die Unternehmen werden in Forschungsbemhungen eingebunden. Neben dem Instituts- und gegebenenfalls Verbandszertifikat erhlt der Absolvent auch noch einen weiteren Benefit in ECTS. So wird sich vermutlich in einigen Jahren die Weiterbildungsszene hier- zulande deutlich verndert haben. 6.1 Coaching als Kontaktstudiengang Kontaktstudiengnge sind Elemente der wissenschaftlichen Weiterbildung von Hochschulen. Ein Kontaktstudiengang grndet auf einer Studien- und Prfungs- ordnung, erfordert Prfungsleistungen, wird mit einem Hochschulzertifikat abge- schlossen und ist die Besttigung eines wissenschaftlichen Abschlusses. Ein Kontaktstudium fhrt allerdings nicht zu einem akademischen Grad. Derzeit lassen sich sechs Kontaktstudiengnge zum Coaching in Deutschland (s. Tabelle 1) ausmachen. Sie werden berufsbegleitend angeboten und sind offen fr alle Berufsgruppen oder zielen insbesondere auf Fach- und Fhrungskrfte. Ge- legentlich wird ein Hochschulabschluss oder Berufserfahrung vorausgesetzt. 8. 138 Thomas Webers 6.2 Coaching als Bestandteil von Masterstudiengngen Soweit erkennbar, gibt es im deutschsprachigen Raum auer dem Angebot der European Systemic Business Academy (ESBA) in Wien derzeit keinen laufen- den eigenstndigen Coaching-Masterstudiengang. Akademische Aus- und Wei- terbildungen im Coaching werden heute berwiegend als Bestandteile von brei- ter angelegten Studiengngen angeboten dieses aber bereits in beachtlicher Zahl. Die Studienangebote verbinden Coaching hufig mit den Themen Supervi- sion und Organisationsberatung. Oder Coaching ist ein Thema innerhalb eines noch breiteren Curriculums wie beispielsweise Wirtschaftspsychologie (Hoch- schule Fresenius, Hamburg, Kln, Mnchen). Das Angebot lsst sich eher als heterogen bezeichnen (s. Tabelle 2); es bleibt abzuwarten, ob die Konzepte in Zukunft eher differenzieren oder konvergieren werden. 6.3 Coaching als Bestandteil von Bachelorstudiengngen Coaching findet sich auch als Bestandteil von psychologischen Studiengngen an den Universitten Bamberg und Berlin (FU), die zu einem Bachelorabschluss fhren. Vom Umfang (2 SWS/3 ECTS) und von den Inhalten der Module her betrachtet, knnen in diesen Studienangeboten wohl nur Grundlagen vermittelt werden, weniger aber eine berufspraktische Qualifizierung. Diese wird sich erst aus weiteren spezifischen Coaching-Weiterbildungen oder eben dem Master- studiengang ergeben mssen. Dafr kann im Bachelor durchaus eine beachtli- che Grundlage geschaffen werden, wie die Verankerung im Schwerpunkt des Studiengangs Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius (Hambu...</p>

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