137 Juli 2013 Prof. Wolfram Carius – Die bittere Pille ein ... 137 Juli 2013 Juli 2013 137 5 nach

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    137 Juli 2013 137Juli 2013

    Liebe Leserinnen und Leser,

    nach einem ereignisreichen ersten halben Jahr 2013 meldet sich der Pillendreher zurück.

    In den letzten Monaten hat uns so einiges beschäftigt. Allem voran hat uns der Weggang von Prof. Wolfram Carius sehr überrascht.

    Genauso intensiv hat uns der Warning Letter der FDA beschäftigt.

    Zum Thema Ausbildung gibt es einiges Neu- es zu berichten, denn Boehringer Ingelheim hat vor, auf den Zug der

    EU-Rekrutierung aufzuspringen. Was nicht nur mit positiven Stimmen diskutiert wird. Aber lassen wir uns mal überraschen, ob die spanischen Jugendli- chen zu uns kommen wollen.

    Zur Leiharbeit gibt es auch noch was zu sagen, also viel Spaß beim Lesen.

    Nicole Weiss für die Redaktion

    Inhalt

    Aktuelles

    Die Belastbarkeit der Schicht mit Flexibilität ist ausgereizt!

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    Bericht aus dem BR

    Zielvereinbarung: Crossvalidierungen Dienstleistungs- und Werkverträge bei BI

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    IG BCE-News

    Neues Mitglied in der Tarifkommission Chemie Baden-Württemberg

    6

    Wussten Sie schon?

    . . . was Altersfreizeiten sind? 6

    Schwerpunkt

    Besetzung von Ausbildungsplätzen mit ausländischen Auszubildenden

    7

    Die bittere Pille

    Prof. Wolfram Carius – ein rollender Kopf oder mehr?

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    Zeitung der IG BCE für Biberach – seit 1972

    137 Juli 2013

    V. i. S. d. P.:

    Rainer Holland-Moritz IG BCE Ulm Weinhof 23 89073 Ulm

    Redaktion:

    Nicole Weiss Anja Kiesle Johannes Oberdörfer Nikolai Roosz Freddy Speth

    Layout & Druck:

    BWH GmbH

    E-Mail: Pillendreher-IGBCE@ gmx.de

    I m p r e s s u m :

    Geht es euch auch so, dass man ungläubig zuschaut, was in der Firma passiert? Wir werden mit Rund- schreiben und Infos zu personellen und organisatorischen Änderungen geradezu bombardiert und können gar nicht alles so schnell lesen und einordnen.

    Die schockierendste Nachricht in all dieser Infoflut war si- cher für viele von uns, dass Prof. Wolfram Carius aus der Unternehmensleitung die Firma verlässt – verlassen muss? Die offizielle Floskel »hat sich entschieden, den Unterneh- mensverband zu verlassen« täuscht nicht darüber hinweg, dass das keineswegs seine eigene Entscheidung war. Wer Wolfram Carius kennt – und etliche am Standort Biberach kennen ihn seit vielen Jahren – weiß, dass er voller Power ist, voller Ideen und keineswegs vor schwierigen Situatio- nen davonlaufen würde.

    Das hat er viel zu oft bewiesen, dass er ein Kämpfer ist und seinen scharfen Verstand und seine Visionen in 25 Jah- ren Firmenzugehörigkeit in unterschiedlichsten Funktionen stets zum Wohl des Unternehmens eingesetzt hat. Nicht immer sind wir alle seinem Tempo hinterhergekommen, oft ist er uns einen Schritt voraus gewesen in dem, was er denkt, wie er handelt und was er erwartet. Er würde wohl in freier Entscheidung die Ärmel hochkrempeln und schauen, wie man den Karren aus dem Dreck zieht. Wie tief dieser Karren mit der tonnenschweren Last des FDA-Warning Letters und all der daraus folgenden Be- drohungen und möglichen Konsequenzen ist, wissen die meisten von uns gar nicht im Detail. Wir können daher auch nicht beurteilen, ob ein rollender Kopf gefordert wurde, um der FDA einen Richtungswechsel anzuzeigen und dass dieser Kopf an höchster Stelle rollen musste. Es ist das Risiko von Wolfram Carius, in seiner Funktion als weltweit Verantwortlicher für Operations auch den Kopf hinzuhalten und für Versäumnisse und falsche Entscheidungen in der Organisation oder den Abläufen geradestehen zu müssen. Aber, liebe Leser: Muss dies auf derartige Weise passie- ren? Wir finden die Art und Weise, wie mit Wolfram Carius umgegangen wird, gleichermaßen skandalös und scho- ckierend. Vor allem für eine Firma, die sich gerade aktuell die Leitwerte Respekt, Vertrauen, Empathie und Leiden-

    schaft auf die Fahnen geschrieben hat. Eine Firma, die ihre Mitarbeiter als wertvollstes Gut bezeichnet, serviert einen ihrer fähigsten Köpfe dermaßen kaltherzig ab. Wie passt das zu den Leitwerten, wo ist der Respekt geblieben? Von Vertrauen gar nicht zu reden und die Empathie ist bei die- ser Entscheidungsfindung auch weit im Minus gewesen. Soll man das als Beweis verstehen, dass das alles nur leere Worte sind, schöne Worthülsen, über die aber rücksichts- los hinweggegangen wird? Auch ein Manager in der Un- ternehmensleitung ist ein Mensch und keiner von uns will so behandelt werden. Und es sei auch durchaus die Frage erlaubt, wie man dann mit Lieschen Müller und Hans Mus- termann im Labor, in der Werkstatt, der Produktion oder im Büro umgeht. Bekommen wir den Tritt genauso schnell, werden wir ebenso kaltblütig abserviert? Und hat man nicht gerade die vernichtenden Umfrageer- gebnisse der Mitarbeiterbefragung vom vorigen Jahr als Anlass genommen, das Vertrauen in die Führung stärken zu wollen, mehr und besser zu kommunizieren. Wo ist die- ser hehre Vorsatz geblieben? Für viele bleibt ein hochgra- dig ungutes Gefühl zurück, Unverständnis und auch tiefes Misstrauen. Wenn es schon zu diesem personellen Wechsel kommen musste, ein prominentes »Opfer« unausweichlich war, dann hätte man das anders handhaben können, anders handha- ben müssen. Nicht nur hier macht der Ton die Musik und diese Musik erzeugt einen absoluten Missklang. Zu denken gibt uns auch, dass innerhalb kurzer Zeit das halbe obere Management ausgewechselt wurde, auch in anderen hohen Leitungsfunktionen gibt es Wechsel und Rotationen in einem Tempo, das einen schwindlig macht. Talent Management und Personalentwicklung in allen Eh- ren, aber es braucht auch eine gewisse Kontinuität, um ein Schiff in stürmischer See halbwegs sicher führen zu kön- nen. Nachdenkliche Grüße aus der BP

    Prof. Wolfram Carius – ein rollender Kopf oder mehr?

    Die bittere Pille

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    Bericht aus dem BR

    Crossvalidierungen im Tarif- bereich – wie läuft es an?

    Talent Management wird seit diesem Jahr nun auch im Tarifbereich E09– E13 umgesetzt. Hierdurch wurde die Bedeutung des Mitarbeitergesprächs (MAG) nochmals deutlich gestärkt. Ein wesentlicher neuer Bestandteil ist die Beurteilung jedes einzelnen Mitar- beiters im Mitarbeitergespräch, die in der sog. »9-grid-box« festgehalten wird. Das heißt, dass der Mitarbeiter vor der Crossvalidie- rung weiß, wie er von seinem Vorgesetzten gesehen wird.

    Wer nimmt an einem Crossvalidierungs- meeting teil?

    An dem Meeting, das von der Personalabteilung mode- riert wird, nehmen die Vorgesetzten der jeweiligen Gruppe und die nächsthöhere Führungskraft (z. B. Gruppenleiter) teil. Der Betriebsrat legt Wert darauf, dass die direkten Vorgesetzten (z. B. Coache oder Koordinatoren aus dem Tarifbereich) dabei sind. Es sind auch andere Konstella- tionen möglich, wenn die Gruppen einen Bezug zueinander haben. In der Einführungsphase hat sich der Biberacher Betriebsrat entschlossen, als stiller Beobachter an den Meetings teilzunehmen, um zu sehen, wie das Ganze um- gesetzt wird.

    Wird man nach der Soll- oder Ist-Ein- gruppierung bewertet?

    Ganz klar: Die Mitarbeiter werden nach ihren jeweiligen Ist-Eingruppierungen bewertet. Beispiel: Ein Berufsanfänger, der sich in der Einarbei- tungszeit befindet und die Erwartungen des Vorgesetzten bei Weitem übertrifft, kann durchaus rechts oben in der »9-grid-box« landen. Im anderen Fall kann ein sehr guter E13-Mitarbeiter, der in der Abteilung als alter Hase immer

    wieder als Ansprechpartner gefragt wird, in der Mitte liegen – deswegen ist er ja in E13! Dies wirft immer wieder Fragen auf!

    Wie sollen Vorgesetzte, die mich nicht kennen, mich beurteilen können?

    Häufigstes Bedenken der Mitarbeiter war, dass Vorgesetz- te die einen Mitarbeiter nicht kennen, bei der Crossvalidie- rung mitentscheiden würden. Um sich einen Eindruck zu verschaffen, haben die freigestellten Betriebsräte an sehr vielen Crossvalidierungen teilgenommen. Unser Eindruck war, dass die Vorgesetzten sehr gut vorbereitet waren und die Diskussionen sehr sachlich geführt wurden. Die Bewer- tungen aus den Mitarbeitergesprächen wurden als Grund- lage für die Crossvalidierung herangezogen. Es konnte beobachtet werden, dass sich tatsächlich nur Vorgesetzte an der Diskussion beteiligten, die wesentliche Berührungspunkte mit den jeweiligen Mitarbeitern hatten. Änderungen der vorab im Mitarbeitergespräch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter abgestimmten Bewertungen im »9-box grid« fanden nur in begründeten Ausnahmefällen statt (und es wurde im überwiegendem Fall nach oben kor- rigiert). Die Vorgesetzten wurden nochmals sensibilisiert, jedem Mitarbeiter zeitnah Rückmeldung über das Ergebnis zu geben, auch dann, wenn die Einstufung in das 9-box grid »nur« bestätigt wurde. ►

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  • 137 Juli 2013 137Juli 2013

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    nach oben kann man kommunizieren, dass die Budgetzah- len eingehalten werden. Auf der anderen Seite haben wir durch unsere hartnäcki- gen Verhandlungen erreicht, dass zukünftig keine Zustän- de wie bei Mercedes in Sindelfingen herrschen.

    Konzernbetriebsvereinbarung über Strukturflexibilität abgeschlossen

    Zum 1. Juli 2013 tritt die neue KBV in Kraft. Geregelt wer- den Befristungen von Beschäftigungsverhältnissen sowie der Einsatz von Leiharbeitsverhältnissen.

    Befristungen Neben den Befristungsmöglichkeiten über Sachgrund sind sachgrundlo