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6. Körperkonzept – Körperschema - Körperbild Hypothesen · PDF filePraxis der Motopädie - Psychomotorik Körperkonzept – Körperschema - Körperbild Manfred Bechstein 60 6

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  • Praxis der Motopdie - Psychomotorik Krperkonzept Krperschema - Krperbild Manfred Bechstein

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    6. Krperkonzept Krperschema - Krperbild Die Entwicklung der Vorstellung vom eigenen Krper in seinen physikalischen Gegebenheiten sowie die Einstellungen, Haltungen und Wertungen ihm gegenber steht in enger Wechselwirkung zur Entwicklung der Handlungskompetenzen. Beide Bereiche der Persnlichkeit bedingen sich gegenseitig. Die Vorstellungen strukturieren sich in einem persnlichen Krperkonzept, welches unbewut und bewut die Mglichkeiten erffnen in bestimmter Weise am sozialen Leben teilzuhaben. Hypothesen Handlungskompetenzen entwickeln sich aus dem Spren und Erleben des Krpers. Das Spren und Erleben des Krpers bewirken eine Vorstellung vom Krper und die Entwicklung eines

    Konzeptes vom Krper. Die Entwicklung des Krperkonzeptes als Teil des Selbstkonzeptes ermglicht eine zunehmend

    differenzierte Orientierung im Umgang mit der dinglichen und sozialen Welt. 6.1. Informationsgewinnung ber den eigenen Krper In der krperbezogenen Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt gewinnt das Individuum Informationen ber sich selbst bzw. ber den eigenen Krper. ber den Kontakt werden Informationen zur Krperlichkeit ausgetauscht und bewertet. Es entwickeln sich Haltungen, Vorstellungen, Wertungen, Einstellungen und Einschtzungen zur Beschaffenheit des eigenen Krpers. Die krperliche Wertung und Merkmalszuweisung kann erfolgen ber direkte Informationen, Berhrungen in der Bedeutung von Geborgenheit, Zuwendung Berhrungen in der Bedeutung von Abwendung, Ablehnung Bewertungen von Sozialpartnern (z.B. Eltern, Lehrer) in der Bedeutung von Aufwertung Bewertungen von Sozialpartnern (z.B. Eltern, Lehrer) in der Bedeutung von Abwertung indirekte Informationen. Aus dem Verhalten einer anderen Person wird geschlossen, dass die eigene Person als sympathisch, krperlich attraktiv angenommen wird, dass die eigene Person als unsympathisch, unattraktiv abgelehnt wird. den Vergleich. Die Person vergleicht sich mit anderen und stellt fest, dass sie krperlich strker bzw. schwcher ist. die Reflexion. Die Person beobachtet ihr eigenes Verhalten in der sozialen und materialen Umwelt und schliet auf die eigene Kompetenz. Das Verhalten gelingt bzw. misslingt i.S. der Vorgaben. die Vorstellung. Die Person erinnert sich an Erfahrungen, die sie fr sich als positiv bzw. negativ bewertet. Sie knnen auf das zuknftige Selbst und den Krper projeziert werden. Wie werde ich als Erwachsener wahrscheinlich aussehen, ber welche krperlichen Fhigkeiten werde ich verfgen und welche mchte ich gerne besitzen? die theoretische Entwicklung von Soll-Zustnden Die Person entwickelt aus soziokulturellen Gegebenheiten heraus ein neues Modell zum Krper-Selbst. Abmagerung, Fettsucht, Dit 6.2. Entwicklung1 9. - 12. Monat:

    Alternierendes Bewegen und Fortbewegen sind bedeutend fr: die Entwicklung der rumlichen Wahrnehmung, die strkere Verknpfung der Funktionen beider Krperseiten,

    1 vgl.: Wemer Hgel: Entwicklung und Behinderung des Krperschemas. Dortmund 86.

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    das Lernen der berkreuzung der Mittellinie durch Drehungen. Es baut sich ein "Inneres Koordinationssystem" auf.

    2. Lebensjahr: ber Herumtoben, Schaukeln, Klettern, Rollen, Verstecken, Springen wird der Einflu der Schwerkraft und das Zusammenwirken der verschiedenen Teile des Krpers gefhlt. Der Krper des Kindes, sowie die Welt darum herum, wird strukturiert in Unten und Oben. Die Trennebene verluft horizontal in Hhe der Schultern.

    3. - 4. Lebensjahr: Gedankliche Konstruktion einer imaginren frontalen Ebene", die die Welt des aufrechten Kindes in Vorne und Hinten trennt. Es kann damit unterscheiden zwischen vorne - hinten, unten oben.

    Bis 7. Lebensjahr: Gedankliche Entwicklung der 3. Trennebene, welche den Krper des Kindes in Rechts und Links untergliedert. Der Raum kann nun mit Hilfe eines gedanklich konstruierten Koordinatensystems perspektivisch strukturiert werden. Das Kind kann sich damit gedanklich in die Situation anderer Personen versetzen und den Raum aus deren Perspektive betrachten. Das Gefhl fr Schwerkrafteinflu und Krperbewegung vervollstndigt sich. Es entwickelt sich die Spezialisierung der Funktionen, und die Dominanz (Gebrauch einer Aktivhand, Fhrung eines Auges, Springen mit dem Sprungbein).

    6.3. Krperschema und Krperbild Sandra und Matthew Blakeslee2 unterscheiden grundstzlich zwei Bereiche von Bewutsein, das an der Krperlichkeit des Menschen gebunden ist, das Krperschema und Krperbild. Krperschema Die Vorstellung eines Krperschemas wurde 1911 von den britischen Neurologen Sir Henry Head und Gordon Holmes entwickelt. Das Krperschema ist ein physiologisches Konstrukt, das aus der Integration der taktilen, propriozeptiven, vestibulren, visuellen und akustischen Informationen entsteht. Es ndert sich stndig in Abhngigkeit der Lernerfahrungen und vermittelt auf der anderen Seite eine Orientierung und Konstanz von Wie ich bin. Die Vorstellung von der eigenen Krperlichkeit endet nicht an der Krperoberflche sondern reicht bis zur Grenze der unmittelbar mit dem Krper in Kontakt stehenden physikalischen und personalen Umwelt. Das Schema wird genutzt, um sich im ueren Raum zu orientieren und mit dem eigenen Krper die Umgebung zu gestalten und zu formen. Das Krperschema ist ein mentales Konstrukt, das sich auszeichnet durch ein stndiges Gefhl, einen Krper zu bewohnen, der in eine grer Welt eingebettet ist. Krperbild Der Begriff Krperbild wurde 1935 vom sterreichisch-amerikanischen Neurologen Paul Schilder geprgt. Das Krperbild reprsentiert die Vorstellungen, berzeugungen, Sichtweisen und Haltungen zum eigenen Krper und stellt eine Ergnzung zum Krperschema dar. Whrend das Krperschema sich auf die neurophysiologischen und morphologischen Entwicklungsprozesse bezieht, weitet sich beim Krperbild die Sicht auf die mentalen Einstellungen. Im Gegensatz zum Krperschema, das weitgehend unbewut in die Alltagshandlungen eingebettet ist, ist das Krperbild die bewusstere Wahrnehmung des eigenen Krpers. Dem Krperbild wird eine grere kognitiv-emotionale Kraft und ein strkerer Einfluss auf die Persnlichkeitsentwicklung zugestanden. Es umfasst die im Laufe des Lebens erworbenen persnlichen Erfahrungen und Erinnerungen. berzeugungen, Einstellungen, Annahmen, Erwartungen, Illusionen und Interpretationen, die in der sozialen Auseinandersetzung mit Familie, Freunde, Berufskollegen und kulturellen Einflssen der Gesellschaft prgen die Bedeutung der eigenen Krper-Wertigkeit.

    2 Vgl.: S./M. Blakeslee: Der Geist im Krper. Das Ich und sein Raum. S. 38f.

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    Hufig treten massive Diskrepanzen zwischen der Vorstellung des Schemas und des Bildes zum eigenen Krper auf. Bulimie und Anorexie sind Beispiele, wie Wahrnehmungen zum entsprechenden Krperschema und Krperbild auseinanderfallen knnen. Auf der praxeologischen Ebene gibt es eine Vielzahl von kategorialen berlegungen einzelner Autoren, Krperschema und Krperbild unter gezielten Aspekten zu beschreiben. Diesen werden Praxisfelder zugeordnet, die Frdermglichkeiten erffnen.3 6.3.1. Nach Marianne Frostig4 Die Entwicklung des Krperbewutseins erfolgt in der Interaktion mit der materialen und personalen Umwelt. Krperimago Summe aller auf den Krper bezogenen Empfindungen; Gesamtheit der Lebenserfahrungen und Denkprozesse; Gefhle und Gemtsbewegungen; Physische Charakteristika einer Person; Empfindungen von sich selbst; Vorstellung von dem, wie andere ber ihn denken; Stimmungen und Verhaltensformen. Reize, die aus dem Inneren und von der Oberflche des Krpers herrhren. Das Krperimago wird beeinflut von sensomotorischen Funktionen, kommunikativen Fhigkeiten,

    Wahrnehmung, geistigem Fassungsvermgen, emotionaler Entwicklung und sozialer Anpassung. Krperschema Automatische Anpassung von Teilen des Skelettsystems und auf die Spannung und Entspannung der

    Muskeln, um eine Krperhaltung beizubehalten und Gegenstandemanipulieren zu knnen; Lernvorgang, Stellungen beizubehalten, sich zu bewegen, sich derart zu organisieren, da das

    Gleichgewicht gehalten werden kann; Die Stellung der Krperteile zueinander, die Gelenkstellung; Die Seitigkeit des Krpers; Das Gefhl, im Gleichgewicht zu sein; den Krper beherrschen; Die Orientierung am eigenen Krper, die Orientierung zur Umgebung, die Raumlage. Die Entwicklung

    der Krper-/Raumrichtungen oben-unten, vorne-hinten, rechts-links; Rechts-Links Unterscheidung, Rechts-Links Orientierung, Rechts-Links Koordination. Krperbegriff Faktische Kenntnisse vom Krper. 6.3.2. Nach Bielefeld5 Teile des menschlichen Krpers und deren Funktionen erfassen, Seitigkeit des menschlichen Krpers erfassen, Ausmae des menschlichen Krpers erfahren und abschtzen, Den eigenen Krper in verschiedenen Ruhelagen erfahren, Den eigenen Krper in Bewegung erfahren, Den eigenen Krper aktiv anspannen und entspannen.

    3 vgl.: Manfred Bechstein: PSYCHOMOTORIK. Reader zum Lernbereich Praxis der Motopdie - Psychomotorik Praxisanregungen. 4 vgl.: Marianne Frostig: Bewegungserziehung. Mnchen 85. S. 44ff. 5 vgl.: Bieleteld, Jrgen: Ein motopdagogisches Frderprogramm zur Krpererfahrung. In: Motorik 4/83. dgl. (Hrsg.): Krpererfahrung. Grundlagen menschlichen Bewegungsverhaltens. Gttingen 86, 91. S. 17.

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    6.3.3. Nach Eggert/Reichenbach/Bode6 Das Selbstkon

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