Antike Diokletian

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Hausarbeit im Einfhrungsmodul Antike

Universitt: Semester: Dozent: Thema der Arbeit: Autor: Anschrift: Matrikelnummer: Internetadresse: Studiengang: Fachsemester: Datum:

Martin-Luther-Universitt Halle-Wittenberg Sommersemester 2009 Dr. Christian Mileta Die sakralen Grundlagen der Herrschaftsideologie der Tetrarchie Mller, Andr Groe Brunnenstr. 51a, 06114 Halle 206227764 andre.muellerz@freenet.de BA Soziologie/Geschichte(120/60) 6 28.06.2009

Titel der Veranstaltung: Das Zeitalter Diocletians

Gliederung:1. Einleitung 2. Situation Roms bei der Machtbernahme Diocletians 3. Die sakralen Grundlagen der Tetrarchie 3.1 Die Iovius-Herculius-Ideologie 3.2 Das kaiserliche Zeremoniell 4. Mngel der sakralen Komponenten der Herrschaftsideologie 5. Fazit 6. Quellen und Literaturverzeichnis 6.1 Quellenverzeichnis 6.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung Zu Diodetianus schauten sie alle wie zu einem Vater oder wie zu einem mchtigen Gott auf.1 Diese von dem sptantiken rmischen Geschichtsschreiber Aurelius Victor(320-390) vorgenommene Einschtzung Diocletians zeigt einen aus der irdischen Sphre weitestgehend entrckten und von einer sakralen Aura umgebenden Herrscher. Doch wie kam es zu dieser sakralen berhhung Diocletians, und welche Auswirkungen gingen damit einher. Um adquate Antworten auf diese Fragen zu erhalten, soll in dieser Arbeit folgende These einer wissenschaftlichen Analyse unterzogen werden: Die Iovius-Herculius-Ideologie und das kaiserliche Zeremoniell als Fundamente der tetrarchischen Herrscherideologie stabilisierten einerseits die Herrschaft Diocletians , konnten aber andererseits den spteren Untergang der Tetrarchie nicht verhindern. Aus dieser Ausgangsthese ergeben sich somit weitere forschungsrelevante Fragen: Wie konnten die sakralen Grundlagen der Tetrarchie die kaiserliche Herrschaft Diocletians stabilisieren, welche Innovationen entstanden unter Diocletian, und warum konnten die sakralen Komponenten der Ideologie den Untergang der Tetrarchie nicht verhindern? Zur Beantwortung dieser Fragestellungen ist es zunchst notwendig, die krisenhafte Situation Roms im dritten Jahrhundert kurz darzustellen, damit verdeutlicht werden kann, welche Ausgangssituation Diocletian bei seinem Machtantritt vorfand. Im Hauptschwerpunkt dieser Arbeit sollen dann die Iovius-Herculius-Ideologie und das kaiserliche Zeremoniell als zentrale Komponenten der tetrarchischen Herrschaftsideologie genauer untersucht werden, und es soll geprft werden, inwieweit diese fr die Stabilitt der 21 Jahre andauernden Herrschaft Diocletians sorgen konnten. Als Quellen fr die hier vorgenommene Untersuchung der sakralen Grundlagen der Herrschaftsideologie dienen unter anderem die Diocletianresidenz in Spalato (Split), der Galeriuspalast in Romuliana (Gamzigrad), die Porphyrgruppe an der Basilika S. Marco in Venedig, einzelne Inschriften, Mnzfunde aus der Zeit Diocletians sowie einige literarische berlieferungen der antiken Zeitgenossen Lactantius und Aurelius Victor. Der vierte Punkt dieser Arbeit befasst sich mit den Mngeln der sakralen Komponenten der Herrscherideologie und deren Einfluss auf den spteren Untergang der Tetrarchie. Im Schlusspunkt wird dann ein kurzes Resmee gezogen, in dem die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst werden, um zu prfen, inwieweit die Ausgangsthese falsifiziert bzw. verifiziert werden kann. 2. Situation Roms bei der Machtbernahme Diocletians1

Victor Aurelius, Liber de caesaribus 39, 29.

Bevor die sakralen Grundlagen der Tetrarchie analysiert werden, ist es - wie bereits erwhnt - zunchst sinnvoll, die Probleme Roms im 3. Jahrhundert darzustellen. Dabei spielte vor allem die auenpolitische Lage eine wesentliche Rolle, welche die rmischen Kaiser dieser Zeit in arge Bedrngnis brachte.2 Diese war durch eine Mehrfrontenbelastung, einer Zunahme der militrischen Konflikte sowie durch ein vermehrtes Auftreten starker Reiterheere, denen die stationren rmischen Garnisonen teilweise nicht gewachsen waren, gekennzeichnet.3 So stellten unter anderem die Sasaniden im Osten und die germanische Vlker der Goten, Franken und Alamannen im Norden eine gewaltige Bedrohung Roms dar. Da es dem jeweiligen rmischen Herrscher unmglich war, an allen Brandherden gleichzeitig prsent zu sein und die Soldaten dazu neigten, ihren siegreichen Feldherrn zum Kaiser auszurufen, kam es zu zahlreichen Usurpationen, weshalb die Regierungszeiten der rmischen Kaiser im Zeitraum von 235-284 meist von kurzer Dauer waren und diese Zeit als die der Soldatenkaiser deklariert wird.4 Auch Diocletian, der eine Soldatenkarriere durchlaufen hatte, verdankte seine Machterlangung dem Militr und der Ermordung seiner Konkurrenten wie z.B. Numerianus, Aper und Carinus.5 Die anwachsenden Grenzkonflikte und der zunehmende Bedeutungszuwachs der Soldaten fr die Herrschaftssicherung fhrten zu einem exorbitanten Anstieg der finanziellen Ausgaben im militrischen Sektor, wodurch es zu einer rapiden Geldentwertung kam.6 Auerdem konnten die Grenzgebiete aufgrund der fortwhrenden kriegerischen Auseinandersetzungen und des Fortzugs groer Bevlkerungsteile nicht bewirtschaft werden. Die Folge dieser Entwicklung war, dass die Wirtschaftskraft Roms sank und die Unzufriedenheit der Bevlkerung wuchs. Weitere defizitre Merkmale der Herrschaftsstruktur des rmischen Reiches vor dem Machtantritt Diocletians waren die Dysfunktionalitt der traditionellen rmischen Religion im imperialen Rahmen sowie die Legitimittsbasis des Kaisers.7 Denn durch das expansive Vorgehen Roms kam es dazu, dass die an rtlichkeiten gebundenen gttlichen Fhigkeiten (numina) verloren gingen, feste und sicherheitsfrdernde Riten ins Wanken gerieten und importierte Gottheiten von der

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O. Schmitt, Constantin der Groe(275-337). Stuttgart 2007, S.28 M. Sommer, Die Soldatenkaiser. Darmstadt 2004, S.71-75. 4 A. Demandt, Der Fall Roms. Die Auflsung des rmischen Reiches im Urteil der Nachwelt. Mnchen 1984, S.20. 5 Victor Aurelius, 39, 9-13. 6 A. Cameron, Das spte Rom. Mnchen 1994, S.16-17. 7 M. Sommer, Die Soldatenkaiser. S.114.

Bevlkerung angenommen wurden, wodurch es zu einem zunehmenden Sinnverlust und einem Verblassen der rmischen Gtter kam. Und auch die Legitimittsbasis des Kaisers, die sich allein auf dessen Akzeptanz durch die rmische Bevlkerung und das rmische Militr grndete, konnte die kaiserliche Herrschaft nicht festigen, weshalb es in Zeiten innerer Krisen und uerer Bedrohungen oftmals zu Usurpationen kam. Die durch brgerkriegshnliche Zustnde im Landesinneren sowie den stetig vorkommenden Usurpationen hervorgerufene Instabilitt des rmischen Reiches erhhte dessen Verwundbarkeit z.B. im Hinblick auf feindliche Invasionen.8 Dies zeigt erneut, dass die uere Bedrohung und die inneren Unruhen unmittelbar miteinander verquickt waren und nur schwerlich trennscharf voneinander betrachtet werden knnen. Es muss m. E. jedoch zweifelsfrei festgehalten werden, dass Rom beim Machtantritt Diocletians mit schwerwiegenden strukturellen, fiskalischen, politischen und militrischen Problemen zu kmpfen hatte. 3. Die sakralen Grundlagen der Tetrarchie Die Lage Roms zum Ende des 3. Jahrhunderts war, wie im vorangegangen Abschnitt verdeutlicht wurde, relativ instabil und unkontinuierlich, weshalb die berechtigte Frage aufkommt, wie es Diocletian schaffen konnte, 21 Jahre an der Herrschaft zu bleiben? In diesem Abschnitt soll deshalb geprft werden, inwieweit die sakralen Grundlagen der Tetrarchie eine adquate Antwort auf diese Frage bieten, wohl wissend, dass eine Vielzahl anderer Komponenten wie z.B. die zahlreichen Reformen in Bereichen wie Militr, Provinzial- und Dizesenverwaltung, Rechtswesen, Steuer- und Whrungspolitik unter Diocletian dessen Regierung stark beeinflusst haben.9 Hierfr soll zunchst die Iovius-Herculius-Ideologie im Hinblick auf deren Konzeption und Wirkung einer genaueren Analyse unterzogen werden. Im zweiten Teil werden dann die Bestandteile und Effekte des kaiserlichen Zeremoniells untersucht und geprft, wie der architektonische Rahmen des Herrschaftszeremoniells ausgesehen hat.

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M. Sommer, Die Soldatenkaiser. S. 127. J. Martin, Sptantike und Vlkerwanderung. Oldenburg 2001, S 1-3.

3.1 Die Iovius-Herculius-Ideologie Bei der Iovius-Herculius-Ideologie handelt es sich um eine Herrschertheologie, in deren Mittelpunkt der hchste rmische Staatsgott Jupiter und Herkules, der heldenhafte Bezwinger von unheilstiftenden Ungeheuern, standen.10 Diocletian als Iovius war dabei der Sohn und Schtzling Jupiters und Maximian als Herculius war der Sohn und Schtzling Herkules`. Maximian, der von Diocletian zum Mitherrscher erhoben wurde, hatte vermutlich im Sommer 286 den Beinamen Herculius angenommen, weshalb auch die Begrndung der Iovius-Herculius-Ideologie in diesem Zeitraum angesiedelt werden kann.11 Im Jahre 293 adoptierte Diocletian Galerius und Maximian Constantius, wodurch die beiden adoptierten Caesaren von da an Mitglieder der gttlichen Familie waren und das Regierungssystem der Tetrarchie begann.12 Damit waren ideologisch gesehen Diocletian und Maximian nicht nur von Gttern hervorgebracht sondern auch ihrerseits Erzeuger von Gttern wie es auch eine fragmentarisch erhaltene Inschrift13 aus der Nhe des antiken Dyrrhachium verdeutlicht, deren bersetzung Den von Gttern hervorgebrachten und Erzeugern von Gttern, unseren Herren Diocletian und Maximian, den unbesiegbaren Augusti lautet.14 Diese propagierte Zugehrigkeit der Tetrarchen zur gttlichen Sphre spiegelt sich auch in den Mnzfunden aus der damaligen Zeit wider.

Abb.1 aus J.P.C. Kent(u.a.), Tafel 129 Nr. 579

So zeigt die Vorderseite der in Abb. 1 dargestellten Goldmnze, wie die Umschrift IMP(erator) C(aius) DIOCLETIANUS P(ius) F(elix) AUG(ustus) unmissverstndlich wiedergibt Diocletian, whrend das Revers neben Jupiter, der mit langem Zepter und10

H. Brandt, Geschichte der rmischen Kaiserzeit. Von Diokletian und Konstantin bis zum Ende d