Bettina Wulff - Jenseits Des Protokolls

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    26-Oct-2015

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<ul><li><p>Bettina Wulff mit Nicole Maibaum</p><p>Jenseits des Protokolls</p></li><li><p>Fr meine Familie</p></li><li><p>Bettina Wulff mit Nicole Maibaum</p><p>Jenseits des Protokolls</p></li><li><p>Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;</p><p>detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ber http://d-nb.de abrufbar.</p><p>www.rivaverlag.deGerne bersenden wir Ihnen unser aktuelles Verlagsprogramm.</p><p>Fr Fragen und Anregungen:info@rivaverlag.de</p><p>1. Auflage 2012</p><p> 2012 by riva Verlag, ein Imprint der Mnchner Verlagsgruppe GmbH,Nymphenburger Strae 86D-80636 MnchenTel.: 089 651285-0Fax: 089 652096</p><p>Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfltigung und Verbreitung sowie der bersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schrift-liche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektro-nischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfltigt oder verbreitet werden.</p><p>Umschlaggestaltung: Pamela GntherUmschlagabbildung: Harry Schnitger, BerlinSatz: Georg Stadler, MnchenDruck: GGP Media, PneckPrinted in Germany</p><p>ISBN Print 978-3-86883-273-0ISBN E-Book (PDF) 978-3-86413-294-0</p></li><li><p>5</p><p>Inhalt</p><p>Mama, habt ihr gelogen? ............................................................... 7</p><p>1 Die Mnner ................................................................................... 11</p><p>2 Mein Mann .................................................................................. 21</p><p>3 Das Haus ...................................................................................... 37</p><p>4 Die Wahl ....................................................................................... 47</p><p>5 Die Hauptstadt ............................................................................. 63</p><p>6 Die Freunde ................................................................................... 79</p><p>7 Die Promis .................................................................................... 91</p><p>8 Das Tattoo .................................................................................. 103</p><p>9 Die Beziehung ............................................................................. 113</p><p>10 Das Charity-Engagement ........................................................... 123</p><p>11 Die Kinder ................................................................................. 135</p><p>12 Die Vorwrfe ............................................................................. 149</p><p>13 Die Gerchte ............................................................................. 167</p><p>14 Die Medien ............................................................................... 175</p><p>15 Der Rcktritt ............................................................................. 191</p><p>16 Die Zukunft .............................................................................. 203</p><p>Mama, arbeitest du eigentlich schon immer als PR-Frau? .......... 215</p><p>Quellenverzeichnis .......................................................................... 218</p></li><li><p>7</p><p>Mama, habt ihr gelogen? </p><p> fragt mich mein Sohn Leander verunsichert und schiebt gleich hinterher: Das darf man doch nicht, oder? Er erzhlt, dass ein lterer Mitschler ihn auf dem Schulhof beschimpft hat. Pltzlich stand der Junge einfach vor ihm und meinte: Deine Eltern sind Lgner, hat mein Papa gesagt.</p><p>Es ist Anfang Februar 2012 und ich merke, dass mir mein Le-ben aus den Hnden gleitet. Was passiert hier gerade? Was soll ich tun? Lngst schon bin ich an meine Grenzen gekommen. Seit zwei, drei Wochen lasse ich das Radio ausgeschaltet und lege nur noch CDs ein, um so nicht schon wieder eine Nachricht ber meinen Mann Christian zu hren und das, was er, auch was wir, angeblich Unrechtes getan haben sollen. Denn mir fllt es schwer, meinem Sohn die Antworten zu geben, nach denen er verlangt. Leander ist acht Jahre, er liest die Zeitung, hat ein iPad, geht ins Internet. Er lebt schlielich nicht auf dem Mond und bekommt so das mit, was mich selbst berrollt. </p><p>Mit am schlimmsten ist die mediale Belagerung. Selbst hier in Groburgwedel, wo ich aufgewachsen bin, wo unser neues und auch altes Zuhause ist, lassen sie uns nicht in Ruhe. Auch mein jngster Sohn Linus, drei Jahre, ist vllig verwirrt. Mor-gens ffnet er erst einmal die Tr und streckt vorsichtig den Kopf hinaus, um sie dann schnell wieder zu schlieen und zu mir in die Kche gerannt zu kommen mit den Worten: Mama, </p></li><li><p>Jenseits des Protokolls</p><p>8</p><p>die stehen schon wieder da. Gemeint ist ein Pulk an Journalis-ten und Fotografen. Selbst am Wochenende belagern sie unser Haus, und so wird es Linus zu bunt und voller Tatendrang und aus dem Brustton der berzeugung sagt er zu mir: Mama, ich setze mich jetzt auf meinen Trecker und fahre die einfach um. Leander vermeidet unter diesen Umstnden jeden Schritt vor das Haus. Denn bereits der Weg zum Freund, nur einige Huser, nur einige Meter weiter, wird fr ihn zum Spierutenlauf. Zwar erscheinen die Fotos spter nicht in irgendeiner Zeitung, so viel Anstand beweisen die Journalisten dann doch, aber allein die Tatsache, dass ein Fotograf mit seinem Riesenobjektiv drauf-hlt, wenn Leander an ihm vorbeigeht, verwirrt meinen Sohn. Warum macht der das? Warum gehen die nicht weg? Warum lassen die uns nicht in Ruhe? Leander lchert mich mit diesen Fragen und ich wei, dass ich ihn damit nicht alleine lassen kann. Denn er ist verunsichert. In der Zeitung hat er et-was ber die umstrittene Finanzierung unseres Hauses gelesen. Aufgeregt kam er gleich zu mir und fragte: Mama, mssen wir jetzt hier ausziehen? Er hat Angst, dass man ihm sein Zuhause nimmt. In Berlin ist er nie wirklich angekommen, hier in Gro-burgwedel aber fhlt er sich sicher und hier sind seine Freunde. </p><p>Es muss etwas geschehen. Ich mchte mich nicht verstecken und meine Kinder sollen es auch nicht tun mssen. Ich mchte auch nicht, dass meine Kinder beschimpft werden fr Dinge, die schlicht unwahr sind oder mit denen sie rein gar nichts zu tun haben. Ich bin wtend auf die Eltern dieses Jungen, die sagten, wir seien Lgner, doch ich schiebe meine Verrgerung beisei-te und werde Leander erklren, wie diese Schlagzeilen zustande </p></li><li><p>Mama, habt ihr gelogen? </p><p>9</p><p>kamen. Er soll die Wahrheit kennen. Die ist wichtig. Mit diesem Wissen wurde ich erzogen, so habe ich versucht zu leben und so soll dies auch fr mein zuknftiges Dasein gelten. </p><p>Ich kann nur eines sagen: Wenn es mir egal wre, dass Leute Gerchten ber meine Person Glauben schenken, wenn es mir egal wre, dass diese Menschen auch meinen, ich wrde bewusst stndig nach einem Profit fr mich und meine Familie suchen und ich eine oberflchliche, luxusverliebte und auf Glamour er-pichte Frau sei, dann wrde ich einfach alles auf sich beruhen lassen und kein weiteres Wort darber verlieren. Aber es ist mir nicht egal, was Menschen ber mich denken beziehungsweise dass in ihren Kpfen mglicherweise ein Bild ber meine Person herumspukt, welches mir selbst absolut fremd ist. Und brigens auch engsten Freunden und meiner Familie. Ich wei, dass es schwierig ist, ein verankertes und auch von Medien geformtes Urteil zu verndern oder besser gesagt ins rechte und gerechte Licht zu rcken. Dafr sind Vorurteile ein zu komplexes Phno-men. So schnell sie entstehen, so schnell gelten sie als ein Stck Wahrheit. Ich wei, dass es mitunter lange dauern wird, diese Meinung, die manche Menschen ber mich haben, vielleicht doch ein Stck weit zu revidieren. Aber genau das wre mir wichtig. Ich mchte, dass die Menschen mich so sehen, wie ich bin: als eine ziemlich normale Frau und Mutter, die ihr Leben so leben mchte, wie sie es will, und nicht, wie andere es von ihr erwarten. Und die sich verantwortungsvoll fr andere, vor al-lem eben auch fr die eigenen Kinder, und fr Themen einsetzt, die ihr wichtig sind. So einfach ist das eigentlich</p></li><li><p>11</p><p>1 Die Mnner</p><p>Adrett, solide, gebildet und absolut seris erscheinend: Als kon-servativer Politiker, als Katholik und frsorglicher Familien-vater war Christian Wulff sicher so einiges, zum Beispiel der Liebling vieler, wenn nicht gar aller Schwiegermtter, aber ganz gewiss war er kein Womanizer. Wenn ich mich frher mit mei-nen Arbeitskollegen und vor allem -kolleginnen ber Christi-an Wulff unterhalten habe und wir ihn uns in der Zeitung an-schauten, fragten wir uns schon: Was findet eine Frau an diesem Mann? Irgendwie fehlten da ein paar Ecken und Kanten, etwas Besonderes und Eigenes. Christian Wulff wirkte glatt, wie der klassische Juristentyp. In puncto Kleidung kannte er scheinbar keine Alternative zu einem dunkelblauen Anzug und die Aus-wahl seiner Brillen war auch nicht gerade spektakulr. </p><p>Genauso habe ich es damals empfunden, als ich Christian noch nicht kannte. Und manchmal ist es seltsam, sich jetzt, nach all dem Geschehenen, was wir als Paar gemeinsam erlebt haben und was die Beziehung auch geprgt hat, an die Anfnge und die Zeit der groen Verliebtheit zu erinnern. Aber es ist wichtig, dies zu tun, zumal ich wei, dass sich etliche Auenstehende ge-nau das fragten, was ich ja einmal selbst dachte: Wie kann sich eine junge Frau in einen Mann wie Christian Wulff verlieben?</p><p>Zunchst einmal: Ich habe bei Mnnern kein festes Beutesche-ma. Wenn ich in Zeitungen manchmal lese, dass da irgendwel-</p></li><li><p>Jenseits des Protokolls</p><p>12</p><p>che Frauen gerne von einem Prominenten zum anderen wech-seln, finde ich das merkwrdig. Das schreit dann schon gewaltig nach dem Drang, blo einen Partner abzubekommen, der be-rhmt oder vermeintlich berhmt ist, daher eventuell ber das ntige Kleingeld verfgt und von dem im Idealfall etwas Glanz der Bekanntheit auf einen selbst abfllt. Nein, so ticke ich nicht. Auch wenn mir einige Medien gerne unterstellten, dass ich es auf Luxus und Glamour abgesehen und mir deshalb bewusst einen Christian Wulff ausgesucht htte totaler Quatsch. Wenn dies so wre, htte ich meinen Beutezug durch die mnnliche Prominentenwelt doch wohl viel frher gestartet. Vielleicht mit Anfang 20, wenn die Chancen noch besser stehen. Aber nicht mit Mitte 30, wenn langsam der Zahn der Zeit an einem nagt. Ich bin nicht die Frau, die ffentlichkeit sucht. Ich gehe beim Verlieben nicht nach einem Schema von wegen Reich und be-rhmt!. Und wenn ich das sage, tue ich dies im Hinblick auf meine bisherigen Beziehungen.</p><p>Ich war 16, Tom 24. Er war Rettungsschwimmer auf Sylt, oder besser gesagt war er Teilzeit-Rettungsschwimmer. Im Semester studierte Tom in Mainz, in den Ferien kam er auf die Insel. Die erste Begegnung mit Tom am Strand werde ich nicht vergessen: Ich steuerte gerade meinen neuen Lenkdrachen, als jemand hin-ter mir sagte: Drachensteigen ist im Badefeld verboten, bitte mal wieder das Gert zusammenfalten! Ich drehte mich erschrocken um und da stand dieser Typ: gro, blond, blaue Augen und na-trlich wartete er aufgrund seines Semesterjobs nicht mit dem schlechtesten aller Bodys auf. Ich war ziemlich schnell schwerst-verliebt, und das nicht ohne schlechtes Gewissen. Zu Hause, </p></li><li><p>1 Die Mnner</p><p>13</p><p>in Hannover, gab es damals seit einigen Monaten einen festen Freund. Doch gegen Sylt, Sonne und Strand und auch gegen Tom war dieser letztlich chancenlos. Allerdings: Die Urlauberin und der Rettungsschwimmer, war das nicht der Liebesklassiker nur fr einen Sommer oder eine typische Folge fr die TV-Serie Baywatch? Konnte das berhaupt gut gehen? Es konnte. Zwar packte ich traurig am Ende der Ferien meine Tasche, doch gleich am folgenden Wochenende besuchte ich Tom wieder auf Sylt und war glcklich. Nach zwei Jahren, in denen wir uns nur in den Ferien sahen, aber uns dazwischen regelmig schrieben, kamen wir dann richtig fest zusammen und fhrten von da an eine Wo-chenendbeziehung. Die war anstrengend, aber wir hielten durch. Und als Tom sein Physikum in der Tasche hatte, wechselte er den Studienort und kam nach Hannover. 1993, unmittelbar nach meinem Abitur, zogen wir zusammen. Das jedoch war der An-fang vom Ende. Leider ziemlich schnell landeten Tom und ich auf dem Boden der Tatsachen. Die gemeinsame Wohnung, der Alltag mit Studium und damit auch mit Stress hatten so rein gar nichts mehr mit der Sylter Leichtigkeit zu tun. Auch nicht mit den Wo-chenenden, wo wir uns vorher aufeinander gefreut und die Tage bis zum Wiedersehen gezhlt hatten. Diese Erkenntnis war sehr ernchternd. Nach drei Jahren Beziehung haben wir uns ge-trennt. Mehrere Monate hatten wir noch eine On-off-Beziehung. Wir konnten nicht wirklich ohneeinander, aber miteinander ging es auch nicht. Trotzdem bleibe ich dabei: Es war eine aufregende, besonders schne, intensive und sehr prgende Zeit.</p><p>Tom heit nicht wirklich Tom. Er ist aber der einzige Mann, mit dem ich lnger zusammen war und heute keinen Kontakt </p></li><li><p>Jenseits des Protokolls</p><p>14</p><p>mehr habe und dem ich deshalb lieber einen anderen Namen gebe. Ich erwhne ihn berhaupt auch nur, weil er von anderen nicht erwhnt wurde. So war beispielsweise Anfang Juli 2010, also kurz nach Christians Wahl zum Bundesprsidenten, in ei-nem Bericht des Magazins Focus, nichts von einem Freund auf Sylt zu lesen. Vielmehr hie es dort, dass ich als Jugendliche aus der Hannoveraner Welt ausbrach. Dass ich meinen Lehrer hu-figer bat, freitags frher freizubekommen, um noch rechtzeitig den Zug nach Sylt zu erwischen. Weiter stand in dem Artikel: Dort verbrachte die gerade einmal 17-Jhrige viele Wochenen-den, genoss das aufregende Nachtleben. Vorzugsweise vergngte sie sich im schicken Pony-Club in Kampen. Am Montag erzhlte sie dann ihren verblfften Klassenkameraden, welche irren Par-tys sie erlebt und welche Typen sie kennengelernt hatte.</p><p>Bestimmt: Ein fester Freund als Grund fr die Fahrten nach Sylt htte die Sache wohl zu normal und zu unspektakulr klingen lassen. Aber eine Bundesprsidentengattin, die man als Partygirl abstempeln und in die Ecke der bereits zu Schulzei-ten wild herumtanzenden Szenequeen drngen konnte, war da willkommener. Als ich den Bericht las, habe ich mich gergert. Jedoch ahnte ich damals noch nicht, dass dies nur ein kleiner Vorgeschmack auf Folgendes sein wrde und welch extreme Eigendynamik Gerchte annehmen knnen. Aber dazu spter mehr</p><p>Auf Tom folgten knapp zwei Jahre, in denen ich Single war, bevor ich mit 23 Achim kennenlernte. Er war der Besitzer des Fitnessstudios in Hannover, in dem ich zu der Zeit fast jeden Tag trainierte. Woher auch immer wusste Achim, als er mich </p></li><li><p>1 Die Mnner</p><p>15</p><p>ansprach, dass ich Medienwissenschaften studierte. Er fragte, ob ich mich nicht an zwei Nachmittagen in der Woche um das Marketing fr sein Studio kmmern wolle. Klar habe ich da zugesagt. Fr eine Studentin mit besagter Studienrichtung ein hervorragender Nebenjob. Auf diesem Weg kamen Achim und ich uns nher. Der Altersunterschied von 15 Jahren, Achim war damals 39, ist mehr unserer Umgebung als uns selber aufge-fallen. Ich wei noch, dass eine Freundin zu mir meinte, dieser Mann sei doch definitiv zu alt fr mich. Mir waren derartige Bemerkungen egal. Fr mich spielte das Alter keine Rolle und auch heute ist es fr mich unwichtig, wenn ich Menschen ken-nenlerne. Entweder man hat eine gemeinsame Eben...</p></li></ul>

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