Chinesisch Laute Historie Einfuehrung

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Dieser Artikel gibt eine kurze Einfhrung in die Chinesische Sprache: Ihre Herkunft, Entwicklung, besonders aber ihr Lautsystem. Dieses wird detailliert beschrieben und immer weiter systematisiert.

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Man nimmt gemeinhin an, dass Chinesisch zur Sino-Tibetischen Sprachgruppe gehrt

Die Chinesische Sprache

Eine kurze Einfhrung mit Fokus auf die Lautstruktur und ihre diachrone Entwicklung unter besonderer Bercksichtigung des genauen Klangeindrucks

Fragen, Anmerkungen und Korrekturvorschlge senden an: In China selbst und den angrenzenden Lndern werden eine Vielzahl unterschiedlicher Sprachen und Dialekte gesprochen. Einen Groteil dieser Sprachen klassifiziert man als miteinander verwandt d.h. diese verwandten Sprachen sollen sich ber lange Zeitrume hinweg aus einer gemeinsamen Ausgangssprache entwickelt haben, deren Tochtersprachen als eine Familie zusammengefasst werden. Unter Sprachforschern gibt es verschiedene Namen fr diese Familie: Am gebruchlichsten ist Sinotibetisch, daneben kommen auch Tibeto-Burmesisch und Trans-Himalayanisch vor; auerdem ist man verschiedener Ansicht darber, welche von ihnen jeweils nher zusammengehren, man sagt: Gruppen innerhalb der Familie bilden. Die Sprachen Indiens, das Vietnamesische, Thailndische und viele andere Sprachen in Sdostasien gehren aber nicht zu dieser Familie.Van Driem (2001) kommt zu nebenstehender Gliederung der sinotibetischen Familie, die hier sehr vereinfacht dargestellt ist:

Das Chinesische genauer gesagt: die sinitische Gruppe bzw. die Sprachen des Han-Volkes ist wiederum in viele Dialekte aufgespalten. Der Dialekt von Peking gilt als offizielle Sprache in China und Singapur; er wird auch Hochchinesisch, Mandarin oder Putonghua (normale Sprache) genannt. Was die gesprochene Sprache betrifft, so knnen sich Sprecher des Mandarin nicht mit Sprechern anderer Dialekte (wie z.B. Kantonesisch) verstndigen. Als gemeinsames Band gilt stattdessen seit Alters her die einheitliche Chinesische Wortschrift, heutzutage aber auch das an Schulen gelehrte und in den meisten Rundfunksendungen gehrte Hochchinesische.In lteren Zeiten hatte das Chinesische einen ganz anderen Klang und einen etwas anderen Aufbau, als es heute der Fall ist. Da schon in den ltesten Zeiten eine Wortschrift verwendet wurde, kann man heute noch die alten Texte lesen, sofern man die Schriftzeichen gelernt hat, die mittlerweile nicht mehr benutzt werden. Altchinesisch umfasst den Zeitraum zwischen 1200 und 300 vor Christus, spter folgt das Klassisches Chinesisch zwischen ca. 450 v. Chr. und 220 n. Chr., dann das Mittelchinesische, und seit einigen Jahrhunderten spricht man von modernem Chinesisch, das sich aber auch stetig im Wandel befindet.Die Aussprache des Alt- und Mittelchinesischen ist nicht genau bekannt. Forscher versuchen sie zu rekonstruieren. Dabei helfen ihnen 1. allgemeine Regeln der Lautentwicklung, 2. Gemeinsamkeiten innerhalb des Sinotibetischen, 3. Reime in Gedichten (es gibt auch ein Reimlexikon aus dem 7. Jahrhundert), und 4. Ausspracheangaben von Verfassern antiker chinesischer Grammatiken.

Chinesisch ist also mit Burmesisch und Tibetisch verwandt. Die Verwandtschaft sieht man ohne Schwierigkeit, wenn man im Altchinesischen, Alttibetischen und Altburmesischen die folgenden Wrter vergleicht:AltchinesischAlttibetischAltburmesisch

dreisumgsumsumH

Namemjengmjengming

Giftdukdugtok

(Die Aussprache wird weiter unten erklrt.)Bis heute haben sich diese Sprachen weit auseinander entwickelt, die Wortgestalt verwandter Wrter hat sich stark verndert. Und das sogar innerhalb der sinitischen Gruppe, wie man am Vergleich zwischen Mandarin, Kantonesisch und Taiwanesisch erkennen kann. Im Laufe der Sprachentwicklung kommt es allerdings hufig vor, dass ein Wort seine Bedeutung ndert oder durch ein anderes Wort ersetzt wird. Die Zahlwrter sind jedoch gut vergeichbar:AltchinesischMittelchinesischMandarinTibetischBurmesischKantonesischTaiwanesisch

eins#jitqjititi#jed(th)it

zweinijsnjinjhni#njiji

dreisumsmsansumoun samsam

vier(s)lhi(d)ssjihsilesejsu

fnfngha#ngo()ungangangngo

Im Chinesischen ist wortinitiales ng irgendwann im vergangenen Jahrtausend weggefallen, sodass beim heutigen Wort fr 5 nur ein Vokal brig geblieben ist. Man schreibt fr die Entwicklung des Wortes fnf im Chinesischen: ngha# > ngo > u, das heit: ngha# verndert seine Gestalt zu ngo, das wiederum seine Gestalt in u verwandelt.Zur Schreibweise

Das Chinesische wird seit jeher in einer Wortschrift geschrieben: Jeder der tausenden von Buchstaben hat eine bestimmte Bedeutung. Da die Wrter im Chinesischen einsilbig sind, bezeichnet jeder Buchstabe gleichzeitig auch eine ganze Silbe: wird mu gesprochen und bedeutet Baum oder Holz.

Manche Begriffe werden auch durch eine Kombination aus zwei oder mehr Schriftzeichen bzw. Silben ausgedrckt:

wird tung kwo gesprochen. Das erste Schriftzeichen bedeutet Mitte, das zweite Land, zusammengenommen: Land der Mitte. Die Kombination bedeutet China.Da es im Chinesischen keine Leerzeichen, also Zwischenrume zwischen zusammengehrigen Wrtern, gibt, muss man eine Kombination wieschon kennen bzw. die Zusammengehrigkeit von und aus dem Kontext erschlieen:

wo tsaj tung kwo tu ist wrtlich: ich in Mitte Land leben

bersetzt: Ich wohne in China. Zur Verdeutlichung kann man schreiben: wo tsaj tungkwo tu.Beim Hren ist das Erkennen von Kombinationen weniger schwierig, weil man beide als eine Einheit spricht, das zweite Wort ist dann gewhnlich weniger stark betont als das erste, mitunter auch ganz unbetont (das heit, es wird im 5. Ton gesprochen, der weiter unten noch erklrt wird).Im heutigen Chinesisch werden immer mehr Kombinationen verwendet besonders in der Alltagssprache , whrend alte Wrter und ihre Schriftzeichen verschwinden:wird i gesprochen und bedeutet in der Schriftsprache Knie. In der Umgangssprache benutzt man stattdessen die Kombination, die wan-thow gesprochen wird und wrtlich bersetzt Biegekopf bedeutet. Wenn man irgendwann anfngt, auch in der Schriftsprache zu benutzen, wird das Zeichen nur noch selten Verwendung finden und mag irgendwann aus dem Zeicheninventar gestrichen werden und in Vergessenheit geraten.Das kommt vor allem daher, dass viele Silben des Chinesischen, die in lteren Zeiten einmal eine differenzierte Aussprache hatten, heute identisch ausgesprochen werden und es daher zu Missverstndnissen kommen kann. Deshalb wird z.B. im modernen Chinesisch ein ehemals isoliert verwendetes Wort nur noch zusammen mit einem anderen, es erklrenden Wort gebraucht:, gesprochen thwn, ist das alte Wort fr Lippe. Die Silbe mit der Aussprache twn kann jedoch auch andere Bedeutung haben, die jeweils mit einem anderen Schriftzeichen geschrieben werden: rein/keusch, schlicht/einfach, rein. Um Unklarheiten zu vermeiden, benutzt man fr Lippe heutzutage die Kombination , gesprochen twej-thwn, die aus den Wrtern twej Mund und Lippe zusammengesetzt ist. Statt thwn isoliert zu benutzen, drckt man sich heutzutage so aus: das thwn, das etwas mit dem twej (dem Mund) zu tun hat.Zur UmschriftDa die Wortschriftzeichen gewhnlich keinerlei Hinweise auf ihre Aussprache liefern, muss man eine Umschrift verwenden, wenn man die Aussprache eines Wortes darstellen will. Im Laufe der letzten Jahrhunderte sind mehrere solcher Umschriften entwickelt worden. Die heute offiziell gebrauchte Umschrift mit lateinischen Buchstaben nennt man Pinyin (gesprochen pin-jin). Die Unterschiede zu lteren Umschriften sind teilweise erheblich, auch deshalb, weil sich die Sprache im Laufe der Zeit verndert hat:19. JahrhundertWade-GilesTongyong PinyinHeutiges PinyinSchriftzeichen

kyan`chien4jinjin sehen

i,jihrihr Sonne

tao,tao1daodo Messer

thutu3tt Erde

Die Akzente auf bzw. die Zahlen hinter einem Wort deuten auf die Tne, auf den Melodieverlauf, in dem ein Wort gesprochen wird. Siehe dazu den nchsten Abschnitt.Der Umschrift in der 1. Spalte zufolge (verwendet in einem Buch von Carl Faulmann, 1880) wurde das Wort fr sehen frher einmal kjan oder so hnlich gesprochen, whrend man heute tjn spricht. (Auch gibt er fr das Wort Erde einen anderen Ton an, als er heute verwendet wird.) Dadurch, dass im Laufe der Zeit verschiedene Lautschriften in Europa und Amerika gebruchlich waren, kommt es z.B. vor, dass man Tao Te King oder Tao Te Ching zu lesen gewohnt ist, man im heutigen Pinyin aber Dao De Jing schreiben wrde. Das gleiche gilt fr Tai Chi, das eigentlich in der Umschrift von Wade-Giles Tai chi geschrieben werden msste: Im Pinyin msste man Taiji schreiben.Da Pinyin einerseits fr den Anfnger nicht so leicht zu lesen ist, und andererseits hier auch ltere chinesische Sprachformen wiedergegeben werden sollen, die nicht im Pinyin wiedergegeben werden knnen, wird hier eine besondere Umschrift verwendet, die im nchsten Abschnitt beschrieben wird.Nach dieser Lautschrift wrde man die Wrter der obigen Tabelle (die Tne einmal beseite gelassen) so schreiben: tjn tao thu. Dao de Jing wrde hier tao te ting geschrieben, Tai Chi wre thaj-ti, Putonghua wre phu-thong-wa.Zur Umschrift und lautlichen VariationenIm Chinesischen kommen einige Laute vor, die im Deutschen nicht oder nur in gewissen Umgebungen existieren. Daher bentigt man unbedingt eine Lautschrift und kann das Chinesische nicht einfach so wiedergeben, als wenn es deutsche Wrter wren. Bei der Erklrung der Umschrift werden folgende Fachausdrcke verwendet:

stimmlos bedeutet im Folgenden ohne schwingende Stimmbnder, stimmhaft das Gegenteil retroflex zurckgebeugt bedeutet, dass man einen Laut mit zurckgebogener Zungenspitze spricht, wie es etwa bei der Artikulation des amerikanischen r gebraucht wird aspiriert behaucht bedeutet, dass man Konsonanten wie p, t, k oder ts ein h folgen lsstJe nachdem, aus welcher Region Chinas jemand stammt, wird sein Mandarin eine besondere Frbung tragen; daher gibt es leichte Aussprachevariationen. Das r im Pinyin, das hier als umschrieben wird, sprechen manche am Wortanfang wie ein amerikanisches r, andere wie das j im Wort Journal (aber retroflex). Auch knnen ei