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CLEAR IT Schweizer Fachzeitschrift für den Zahlungsverkehr Ausgabe 71 | Juni 2017 Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs passt ins Konzept des Bundes Interview mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann FINMA eröffnet neue Perspektiven Migration ISO 20022 – Endspurt oder erst Startschuss?

CLEARIT 71, Juni 2017 - Interbank Clearing – SIX · Schweizer Fachzeitschrift für den Zahlungsverkehr Ausgabe 71 | Juni 2017 ... Kunden attraktive Alternativen zur Barzahlung anzubie

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  • CLEARITSchweizer Fachzeitschrift fr den ZahlungsverkehrAusgabe 71 | Juni 2017

    Die Harmonisierung des Zahlungs verkehrs passt ins Konzept des Bundes Interview mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann

    FINMA erffnet neue Perspektiven

    Migration ISO 20022 Endspurt oder erst Startschuss?

  • 2

    Editorial Seite 3FINMA erffnet neue PerspektivenMit neuen Regelungen im Zahlungsverkehr habe die FINMA im internationalen Vergleich Neuland betreten, so Lonard Ble, Mitglied der Geschftsleitung der Eidgenssischen Finanzmarktaufsicht. Sie schaffe einen klaren regulatorischen Rahmen, der die technologi-sche Entwicklung nicht unntig behindert.

    Interview Seite 4Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs passt ins Konzept des BundesBundesrat Johann Schneider-Ammann begrsst die Initiative des Finanzplatzes Schweiz zur Harmoni-sierung und Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Er betont im Interview die Chancen, welche die digitale Transformation der Wirtschaft bietet und dass der Bundesrat den dafr ntigen Freiraum zur Verfgung stellen will. Zur Sprache kommen auch Fintech-Regu-lierung, Cyber sicherheit, digitale Identitt und das Ver-hltnis zur EU alles integrale Bestandteile der bundes-rtlichen Strategie Digitale Schweiz.

    Event Seite 9Der nchste Schritt im Zahlungsverkehr Der Countdown luftAm 30. Mrz 2017 fiel der Startschuss fr die Informati-onskampagne von PaymentStandards.CH/activating. Unter dem Motto Harmonisierung Zahlungsverkehr der Countdown luft haben Vertreter des Verwal-tungsrats der SIX Interbank Clearing AG und weitere namhafte Referenten den Journalisten vor laufender Kamera die Eckwerte der Harmonisierung erlutert und erst mals offiziell die neue QR-Rechnung vorge-stellt. Das Medienecho war sehr gross und durchwegs positiv.

    Facts & Figures Seite 10Mehrwert der Harmonisierung unter BeweisDer Finanzplatz Schweiz hat mit der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs eine wichtige Weiche fr die ganze Schweiz gestellt: Jeder Haushalt und jedes Unterneh-men muss Anpassungen vornehmen, angefangen bei eigenen Gewohnheiten ber einfache Softwareupdates bis hin zu substanziellen Investitionen in die IT-Systeme. Lohnt sich dieser Aufwand fr die Schweiz und lsst er sich rechtfertigen? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat der Finanzplatz beim Beratungsunternehmen Deloitte 2016 eine Studie in Auftrag gegeben.

    In & Outs Seite 12Der Einzahlungsschein wird GeschichteSeit mehr als 110 Jahren ist der Einzahlungsschein ob grn, blau, orange oder rot ein typisch schweize-risches Zahlungsprodukt. Eine Erfolgsstory, die die QR-Rechnung weiterschreiben drfte.

    Business & Partners Seite 14Migration ISO 20022 Endspurt oder erst Startschuss?Bei der Migration auf den ISO-20022-Standard zeigen sich aktuell grosse Unterschiede. Whrend im Inter-bankbereich die Umstellung planmssig voranschreitet, besteht im Kunde-Bank-Bereich noch Verbesserungs-potenzial. Die SIX Interbank Clearing untersttzt Banken und Softwarehuser mit Kommunikationsmassnahmen.

    Products & Services Seite 15Einziehen von Forderungen in der SchweizDas Forderungsmanagement befasst sich mit der effizi-enten Absicherung und Realisierung von Forderungen mit dem Ziel, Zahlungsausflle zu vermeiden und die Liquiditt eines Unternehmens nachhaltig zu sichern. Die Organisation des Forderungsmanagements im Unter nehmen lsst sich in die vier Bestandteile Boni-ttsprfung, Vertragsgestaltung, Debitorenbuchhaltung und Inkasso inklusive Mahnwesen unterteilen.

    INHALT / CLEARIT | Juni 2017

    Titelseite: Der Zahlteil der QR-Rechnung

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    Lonard Ble

    Fintech, Regtech, Technologieneutralitt sind in letzter Zeit hufig verwendete Begriffe. Sind es nur Modebegriffe? Nicht fr die FINMA. In engem Kontakt mit der Branche hat sie ihren Ankndigungen konkrete Taten folgen lassen. Diese wurden insbesondere im Bereich der Zahlungsdienste positiv aufgenommen.

    So fhrte die FINMA 2015 Erleichterungen bei der Kun-denidentifikation ein. Diese sind sowohl bei der Bezah-lung von Dienstleistungen und Waren als auch bei berweisungen von niedrigen Geldbetrgen zwischen Privatpersonen hilfreich. Das Resultat ist zufriedenstel-lend: Einige Dienstleister konnten diese Erleichterun-gen nutzen, um neue Produkte zu entwickeln und ihren Kunden attraktive Alternativen zur Barzahlung anzubie-ten. Mit den neuen Regelungen betrat die FINMA im internationalen Vergleich Neuland. Die Anpassungen basieren aber auf einer profunden Risikoanalyse und haben die krzlich durchgefhrte FATF-Lnderprfung mehrheitlich bestanden. Die FATF (Financial Action Task Force on Money Laundering) ist das internationale Gremium zur Bekmpfung der Geldwscherei.

    Allerdings steht die FATF bestimmten Aspekten der Schweizer Regulierung kritisch gegenber und hlt diese vereinzelt fr nicht przise genug. Einige Ein-wnde betreffen spezifisch die Zahlungsdienste. So fehlen beispielsweise klare Regeln bezglich der von der Bank durchzufhrenden Kontrolle bei der Erfassung des Auftraggebers in berweisungsmeldungen. Zudem wird die Schwelle von CHF 25000, ab der ein Kunde bei Zahlungen am Schalter identifiziert werden muss, als zu hoch angesehen.

    Weiter schuf die FINMA 2016 die Mglichkeit, dass Finanzintermedire ihre Kunden per Videokonferenz identifizieren knnen. Die elektronische Identifizierung erhht zwar das Risiko, dass geflschte Ausweisdoku-

    mente bersehen werden. Die FINMA hat jedoch die Mglichkeiten der neuen Technologien bercksichtigt, um mit diesen Risiken umzugehen. Mit dieser Regulie-rung stellte die FINMA also die Technologieneutralitt her. Dies bedeutet, dass sie einen klaren regulatori-schen Rahmen schuf, der die technologische Entwick-lung nicht unntig behindert.

    Ausserdem hat die FINMA eine Facheinheit geschaf-fen, die Fintech-Unternehmen im finanzmarktrechtli-chen Belangen untersttzt. So verfolgt die FINMA die Entwicklungen in diesem Bereich aufmerksam. Denn sie weiss: Einige Technologien, wie beispielsweise jene der Blockchain fr Clearing-Aktivitten, knnten dis-ruptiv sein. Die FINMA bietet sich denn auch als Gesprchspartnerin fr den Austausch ber Regtech-Produkte an.

    Schliesslich lancierte die FINMA auch regulatorische Ideen fr innovative Unternehmen, die zwar Kunden-gelder entgegennehmen, aber keine banktypischen Geschfte ttigen. Der Bundesrat hat diese Initiativen erfreulicherweise aufgegriffen, sowohl die Idee der bewilligungsfreien Sandbox als auch jene der neuen Bewilligungskategorie fr innovative Unternehmen. Diese Massnahmen sind noch auszuarbeiten, werden aber zweifellos neue Perspektiven im Bereich der Zah-lungsdienste erffnen. Denn Innovation ist ein wich-tiger Faktor, damit der Schweizer Finanzplatz wett-bewerbsfhig bleibt.

    Lonard BleMitglied der Geschftsleitung und Leiter des Geschftsbereichs Mrkte, FINMA

    Liebe Leserinnen und Leser

    EDITORIAL / CLEARIT | Juni 2017

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    Bundesrat Johann Schneider-Ammann begrsst die Initiative des Finanzplatzes Schweiz zur Harmoni-sierung und Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Er betont im Interview die Chancen, welche die digitale Transformation der Wirtschaft bietet und dass der Bundesrat den dafr ntigen Freiraum zur Verfgung stellen will. Zur Sprache kommen auch Fintech-Regulierung, Cybersicherheit, digi-tale Identitt und das Verhltnis zur EU alles inte-grale Bestandteile der bundesrtlichen Strategie Digitale Schweiz.

    CLEARIT: Herr Bundesrat Schneider-Ammann, wie zufrieden sind Sie als Privatperson mit der Art und Weise, wie der Zahlungsverkehr in der Schweiz funk-tioniert? Beispielsweise was Geldberweisungen im In- oder ins Ausland betrifft?

    Johann Schneider-Ammann: Ich muss gestehen, dass ich als Bundesrat immer weniger solche Alltags-aufgaben selber erledige. Meine Tage sind so durch-organisiert da ist man schon froh, wenn man wieder selber einmal einen Kaffee bezahlt (lacht). Zweifellos haben wir in der Schweiz ein solides, zuverlssiges System. Aber sicher kann es dank technologischem Fortschritt noch effizienter werden!

    Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs passt ins Konzept des Bundes

    INTERVIEW / CLEARIT | Juni 2017

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    Mit der Strategie Digitale Schweiz will der Bundesrat die Chancen der Digitalisierung konsequent nutzen da passt die QR-Rechnung gut ins Konzept.

    Die Harmonisierung des Schweizer Zahlungsverkehrs ist in erster Linie ein Ausdruck der verstrkten Digita-lisierung. Mit der E-Rechnung haben die Schweizer Banken schon vor vielen Jahren quasi den ersten digitalen Pflock eingeschlagen. Nun steht mit der QR-Rechnung auch eine digitale Umwlzung der Ein-zahlungsscheine an. Wie stehen Sie zu dieser Initia-tive? Inwiefern sehen Sie darin eine Untersttzung der bundesrtlichen Strategie Digitale Schweiz?

    Ich begrsse diese Initiative. Das derzeitige System im Schweizer Zahlungsverkehr basiert ja auf verschiede-nen Versionen von Einzahlungsscheinen. Durch die Einfhrung eines einheitlichen Scheins mit QR-Code werden die Geschftsprozesse effizienter. Gerade bei den kleinen und mittleren Unternehmen sind die Debi-toren- und Kreditorenprozesse meist noch gering automatisiert. Und es sind gleichzeitig die KMU, denen der Buchhaltungsaufwand und Papierkrieg auch am meisten zu schaffen macht. Mit dem QR-Code wird der Aufwand fr die Unternehmen wie auch fr Privatpersonen reduziert. Mit der Strategie Digitale Schweiz will der Bundesrat die Chancen der Digitali-sierung konsequent nutzen da passt die QR-Rech-nung gut ins Konzept.

    Wo mssten die Banken allenfalls nachbessern, um mit dem Ausland Schritt zu halten?

    Die Banken und damit der Finanzplatz sind dem Druck der Digitalisierung besonders stark ausgesetzt. Junge Fintech-Unternehmen fordern die etablierten, ehrwr-digen Finanzinstitute heraus. Darin liegt viel Potenzial: Wenn die Banken die Herausforderung annehmen und die Politik mit guten Rahmenbedingungen ihre Auf-gabe wahrnimmt, dann strkt das den Finanzplatz Schweiz. Ein erster Schritt ist mit der vom Bundesrat im Winter verabschiedeten Vernehmlassung zur neuen Fintech-Regulierung gemacht.

    Der Bundesrat hat als integralen Bestandteil seiner Stra-tegie Digitale Schweiz ber 40 Massnahmen definiert, mit deren Umsetzung die Bundesverwaltung einen kon-kreten Beitrag zur Erreichung der Strategieziele leisten will. Welches sind die bisher grssten Erfolgsstorys?

    Die Strategie ist jetzt ein Jahr alt. Sie wurde in verschie-denen Bereichen konkretisiert aber fr eine grosse Menge Erfolgsstorys ist es noch etwas frh. Ganz prinzi piell halte ich schon die Stossrichtung der Strate-gie fr einen grossen Erfolg: Der Bundesrat betont die Chancen. Wir wollen das Potenzial nutzen, welches die digitale Transformation bietet, damit neue Jobs, Wohlstand und Perspektiven entstehen. Dafr wollen wir den ntigen Freiraum zur Verfgung stellen. Die Fintech-Neuerungen sind ein konkretes Beispiel dafr: eine Sandbox mit reduzierten Vorschriften fr Start-ups. Im Januar hat mein Departement eine Aus lege-ordnung zur digitalen Wirtschaft prsentiert, die nun konkretisiert wird. Bereits im Juni werden wir fr die Bereiche Bildung und Forschung mgliche Handlungs-felder und Massnahmen vorstellen.

    INTERVIEW / CLEARIT | Juni 2017

    Fintech-RegulierungDer Bundesrat hat im Februar 2017 die Vernehm-lassung zu nderungen des Bankengesetzes und der Bankenverordnung im Bereich Fintech erff-net. Vorgeschlagen wird eine Deregulierung mit drei sich ergnzenden Elementen:

    Das Halten von Geldern zu Abwicklungs-zwecken soll fr 60 Tage gelten (anstatt sieben Tage), was insbesondere fr Anbieter von Crowdfunding-Dienstleistungen relevant ist.

    Die Entgegennahme von Publikumseinlagen

    bis zu einem Betrag von CHF 1 Mio. soll nicht als gewerbsmssig gelten und damit bewilli-gungsfrei mglich sein. Diese Anpassung soll den Unternehmen einen Innovationsraum (Sandbox) schaffen, der ihnen erlaubt, neue Geschftsmodelle zu erproben, bevor sie bei Publikumseinlagen von ber CHF 1 Mio. eine Bewilligung beantragen mssen.

    Schliesslich sollen fr Unternehmen, die Publikumseinlagen bis maximal CHF 100 Mio. entgegennehmen, ohne das Aktivgeschft zu betreiben, im Vergleich zur heutigen Bank-bewilligung erleichterte Bewilligungs- und Betriebsvoraussetzungen in den Bereichen Rechnungslegung, Prfung und Einlagen-sicherung gelten.

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    Die Fintech-Neuerungen sind ein konkretes Beispiel dafr: eine Sandbox mit reduzierten Vorschriften fr Startups.

    Eine Massnahme im Bereich E-Government und E-Health ist die Entwicklung eines Prototyps fr einen Identittsverbund Schweiz. Der Entwicklung sicherer digitaler Identitten wird grosses Potenzial zuge-schrieben, vertragliche und administrative Prozesse und somit auch den Zahlungsverkehr wesentlich zu vereinfachen (weniger Medienbrche, grssere Fl-schungssicherheit u.a.). Welche konkreten Schritte stehen an? Und wie sieht der Zeitplan aus?

    Das Projekt Identittsverbund Schweiz kurz IDV wird unter der Leitung des Staatssekretariats fr Wirtschaft SECO bis Ende 2019 umgesetzt. Es ist ein strategisches Projekt der E-Government-Strategie Schweiz. Sie ken-nen das Problem: Jeder moderne Web-Dienst verlangt sein eigenes Login. Irgendwann verliert man den ber-blick ber Konten, Passwrter und PINs. IDV Schweiz vereinfacht massiv und erffnet damit neue Mglich-keiten. Das Projekt schreitet planmssig voran. Aktuell ist ein grsserer Feldversuch von Gemeinden, Kantonen und Bund im Aufbau.

    Sicherheit und Vertrauen der Bevlkerung in die digi-talen Prozesse haben einen sehr hohen Stellenwert. Auch bezglich Cybersicherheit hat der Bundesrat Massnahmen im nationalen und internationalen Um-feld formuliert. Wo sieht der Bundesrat die akutesten

    INTERVIEW / CLEARIT | Juni 2017

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    Bedrohungen? Und welche konkreten Schritte unter-nimmt er, um diesem Thema ganzheitlich Rechnung zu tragen?

    Die Bedrohungen durch Cyberrisiken sind vielfltig. Sie reichen von der Cyberkriminalitt bis zu sehr gezielten Spionage- oder Sabotage-Angriffen gegen staatliche Institutionen und kritische Infrastrukturen. Die Angriffe nehmen nicht nur in ihrer Hufigkeit zu, sondern werden auch immer zielgerichteter und komplexer. Vor kurzem sorgte die WannaCry-Attacke weltweit fr Auf-ruhr. Aufgrund dieser Tatsachen hatte der Bundesrat Ende Mrz entschieden, die Arbeiten zur Umsetzung der nationalen Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyberrisiken weiterzufhren. Ab 2018 wird eine neue Strategie vorliegen, deren Inhalte aktuell ausgearbeitet werden.

    Vielversprechende Schweizer Startup-Unternehmen lagern ihre Entwicklungsabteilungen in andere Lnder aus, weil es hierzulande an Fachkrften fehlt. Was tut der Bund, um diesem Fachkrftemangel zu begegnen?

    Schon 2011 haben wir die Fachkrfteinitiative gestartet. Mehr als 40 Massnahmen des Bundes in verschiedens-ten Bereichen und bei verschiedenen Departementen sind am Laufen. Und ganz wichtig: Der Bund kann das Problem nicht allein lsen Kantone und vor allem die Sozialpartner, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, haben eine ebenso wichtige Rolle. Auch sie engagieren sich. Wir haben vier Hauptstossrichtungen: Erstens die verstrkte Qualifizierung zum Beispiel von Menschen, die nicht ber eine weiterfhrende Ausbildung verf-gen. Aber auch die fr die Schweizer Startup-Szene wichtige Strkung der Bildung in den Bereichen Mathe-matik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gehrt zu dieser Stossrichtung. Zweitens die Verbesse-rung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Drittens sollen die Bedingungen fr ltere Arbeitnehmende ver-bessert werden. Und viertens frdern wir Innovationen. Zum Beispiel im Bereich der Pflegeberufe haben wir deutliche Fortschritte erzielt die Zahl der Abschlsse hat sich mehr als verdoppelt. Aber in unserem liberalen Arbeitsmarkt und fderalistischen System braucht es Zeit, bis die Massnahmen greifen. Immerhin konnten von 2010 bis 2016 insgesamt mehr als 120000 zustz-liche Arbeitskrfte mobilisiert werden, allen voran Frauen und ltere Arbeitnehmende.

    Wir lesen und hren praktisch jeden Tag in den Medien, dass die Digitalisierung irgendeinen Wirtschaftsbereich revolutioniert. Sie sind als Wirtschaftsminister mit vie-len Dossiers in der EU unterwegs. Gibt es auch so etwas wie eine Agenda Digitalisierung, ber die Sie sich mit Ihren europischen Ministerkollegen austauschen?

    Strategie Digitale SchweizIm Zentrum der Strategie des Bundesrats steht die konsequente Nutzung der Chancen der Digita-lisierung, damit sich die Schweiz als attraktiver Lebensraum und innovativer, zukunftsorientierter Wirtschafts- und Forschungsstandort behaupten kann.

    Um dieses Ziel zu erreichen, gibt die Strategie die Leitlinien fr das staatliche Handeln vor. Sie zeigt auf, wie Behrden, Wirtschaft, Wissen-schaft und Forschung sowie Zivilgesellschaft zusammenarbeiten sollen, damit die mit der Digitalisierung einhergehenden Transformations-prozesse zum Nutzen der Schweiz gestaltet wer-den knnen.

    Grundstze Raum geben zur digitalen Entfaltung Den Strukturwandel aktiv angehen Transformationsprozesse vernetzt gestalten

    KernzieleDer Bundesrat strebt mit seiner Strategie fol-gende Kernziele an: Innovation, Wachstum und Wohlstand in der

    digitalen Welt Chancengleichheit und Partizipation aller Transparenz und Sicherheit Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung

    Aktionsfelder und Ziele Digitale Wirtschaft Daten und digitale Inhalte Infrastrukturen und Umwelt E-Government und E-Health Neue Formen der politischen Partizipation Weiterentwicklung der Wissensgesellschaft Sicherheit und Vertrauen Die Schweiz im internationalen Umfeld posi-

    tionieren

    Umsetzung der StrategieDie Strategie wird durch die zustndigen Depar-temente und Bundesstellen in Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft umgesetzt. Alle Massnahmen der Departemente und Bundes-stellen zur Umsetzung der Strategie sind in einem Aktionsplan zusammengefasst. Dieser Aktions-plan wird jhrlich aktualisiert. Mehr In formationen dazu auf https://www.bakom.admin.ch/infosociety

    INTERVIEW / CLEARIT | Juin 2017

    https://www.bakom.admin.ch/infosociety

  • 8 INTERVIEW / CLEARIT | Juni 2017

    Ja, das ist sogar oft ein Thema. Krzlich gab es zwei solche Begegnungen: Vor kurzem traf ich am St. Gallen Symposium die estnische Prsidentin Kersti Kaljulaid. Estland nimmt hinsichtlich der Digitalisierung eine Vor-reiterstellung ein. Davon knnen auch wir lernen. Und vor einigen Wochen unterhielt ich mich mit dem fr den digitalen Binnenmarkt zustndigen Vizeprsidenten der EU-Kommission, Andrus Ansip. Die EU treibt mit viel Einsatz ihre Agenda fr einen digitalen Binnenmarkt voran. Die Instrumente sind nicht immer die gleichen wie in der Schweiz. Aber wir haben vereinbart, den Austausch zu diesem Thema zu vertiefen und von den Erfahrungen auf beiden Seiten zu profitieren. Auch mit EU-Forschungskommissar Carlos Moedas ist die Digi-talisierung immer wieder ein Schwerpunkt.

    Das SECO beobachtet die Um setzung der Digital Single Market- Strategie der EU genau.

    Was sind die wichtigsten Schweizer Interessen, die Sie im Zusammenhang mit dem digitalen Binnenmarkt der EU vertreten?

    Das SECO beobachtet die Umsetzung der Digital Single Market-Strategie der EU genau. Wichtig ist, den Anschluss fr unsere Wirtschaft sicherzustellen, so dass Schweizer Unternehmen auf dem digitalen Binnenmarkt Europas aktiv sein knnen. Der Bundesrat hat dazu im Rahmen der Strategie Digitale Schweiz eine mter-bergreifende Koordinationsgruppe eingesetzt.

    Die EU macht bei der Regulierung vorwrts, um inno-vativen Modellen speziell im Zahlungsverkehr Rech-nung zu tragen (Stichworte: E-Money Directive, PSD2). Wie wird sich die Schweiz diesbezglich positionie-ren? Und falls sie einen eigenstndigen Ansatz whlt (Stichwort: Fintech-Lizenz): Wie kann die Schweiz den Marktzugang zum EU-Raum sicherstellen?

    Der Markzugang zum EU-Raum ist fr Schweizer Finanzdienstleister von grosser Bedeutung. Dies trifft insbesondere auf Fintech-Unternehmen zu, deren Geschftsmodelle oft stark skalierbar und ortsunab-hngig sind. Der grenzberschreitende Marktzutritt gestaltet sich aber je nach Rechtsprechung schwierig und kann nicht einseitig von der Schweiz verbessert werden. Der Bundesrat verfolgt deshalb die Regulie-rungsentwicklung in der EU genau. Gerade in Bezug auf die von Ihnen angesprochene PSD2 ergibt sich aus Marktzutrittsperspektive kein Handlungsbedarf fr die

    Schweiz. Ob sich ein Handlungsbedarf aus Sicht der Innovationsfrderung im Zahlungsverkehr ergibt, wird derzeit vom Finanzdepartement abgeklrt.

    Schweizer Chemie, Uhren, Maschinen und Schoko-lade haben eine starke internationale Ausstrahlung. Klar gibt es Chancen zur Modernisierung der Old Economy durch Anwendung neuer Technologien bzw. Produktinnovationen. In welchen neuen digitalen Bereichen hat die Schweizer Wirtschaft Ihrer Meinung nach die besten Chancen, sich zu profilieren?

    Die Digitalisierung erfasst smtliche Branchen und durchdringt alle Sektoren und vielfltige Bereiche eines Unternehmens von der Produktentwicklung ber den Vertrieb bis zum Kundenservice. Insofern ist es fr die ganze Wirtschaft relevant, sich damit auseinander-zusetzen und die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Wir haben hoch innovative, schnelle und wett be-werbsfhige Unternehmen. Und damit beste Chancen. Nutzen wir sie!

    Interview:Gabriel JuriSIX Interbank Clearing

  • 9

    Der nchste Schritt im Zahlungsverkehr Der Countdown luft

    Am 30. Mrz 2017 fiel der Startschuss fr die In-formationskampagne von PaymentStandards.CH/activating. Unter dem Motto Harmonisierung Zahlungsverkehr der Countdown luft haben Vertreter des Verwaltungsrats der SIX Interbank Clearing AG und weitere namhafte Referenten den Journalisten vor laufender Kamera die Eckwerte der Harmonisierung erlutert und erstmals offiziell die neue QR-Rechnung vorgestellt. Das Medienecho war sehr gross und durchwegs positiv.

    Die Medienkonferenz hat mit einem vielseitigen Refe-rentenprogramm die Harmonisierung aus verschiede-nen Blickwinkeln beleuchtet und so rund 40 Medien einen guten Grund fr die Berichterstattung gegeben. Die von Deloitte Schweiz erstellte Studie (siehe auch Seite 10 f.) hat viel Beachtung gefunden, angefangen bei der Finanz & Wirtschaft bis hin zu Tagesschau und Radio SRF 1 haben diverse Medien die Investitions-kosten und das Einsparpotenzial zum Anlass genom-men, um ber die Harmonisierung zu berichten.

    Ein weiteres Medienmagnet war die neue QR-Rech-nung. Es ist gelungen, nicht nur die digitalen Vorteile zu vermitteln, sondern auch die mit der Einfhrung ver-bundene Voraussetzung, dass alle Banken und Firmen-kunden ihre Zahlungsablufe bis Mitte 2018 vollstndig auf ISO 20022 umgestellt haben mssen. Die Medien haben durchwegs sachlich und mit einer hohen Infor-mationstiefe ber den Anpassungsbedarf, den Zeitplan, die Vorteile und die Beweggrnde zur Harmonisierung berichtet. Es wurde anerkannt, dass es sich um ein fr die Schweiz wesentliches Infrastrukturprojekt handelt, das allen Teilnehmern am Zahlungsverkehr Vorteile bringt, das aber auch mit Systemanpassungen verbun-den ist, die jetzt angegangen werden mssen. Wir werden in den kommenden Monaten mit News, Fachbeitrgen und Interviews an die erste Medien-berichterstattung anknpfen, um so das Verstndnis fr die Harmonisierung und die damit verbunden Migra tionsaufgaben auf breiter Ebene zu frdern.

    Maya M. BertossaSIX Interbank Clearing

    EVENT / CLEARIT | Juni 2017

    Das Echo in den Medien

  • 10

    Der Finanzplatz Schweiz hat mit der Harmonisie-rung des Zahlungsverkehrs eine wichtige Weiche fr die ganze Schweiz gestellt: Jeder Haushalt und jedes Unternehmen muss Anpassungen vorneh-men, angefangen bei eigenen Gewohnheiten ber einfache Softwareupdates bis hin zu substanziellen Investitionen in die IT-Systeme. Lohnt sich dieser Aufwand fr die Schweiz und lsst er sich rechtfer-tigen? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat der Finanzplatz beim Beratungsunternehmen Deloitte 2016 eine Studie in Auftrag gegeben.

    In Anbetracht der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Zahlungsverkehrs war von Anfang an klar, dass eine grundlegende Erneuerung der Infrastruktur auf viel Interesse stossen wird, aber auch kritische Fragen von allen Seiten aufwerfen kann: von der Politik, weil der Zahlungsverkehr systemrelevant ist, von Unter-nehmensseite, weil Investitionen anstehen, und vom Konsumentenschutz, weil man mit der QR-Rechnung Neuland betritt und den seit mehr als 110 Jahren bekannten Einzahlungsschein ablst. Um Fragen nach dem Nutzen und den Kosten quantitativ zu be ant-worten, hat das Beratungsunternehmen Deloitte Schweiz eine unabhngige Studie erstellt, die den volkswirtschaftlichen Nutzen des Zahlungsverkehrs und insbesondere der Harmonisierung aufzeigt.

    Vertrauen die wichtigste Whrung im ZahlungsverkehrDie Studie wurde der breiten ffentlichkeit an der Medienkonferenz vom 30. Mrz 2017 vorgestellt. Im Vorfeld haben wir die Ergebnisse mit dem Bundes-amt fr Kommunikation BAKOM, dem Staatssekreta-riat fr Wirtschaft SECO sowie mit verschiedenen Wirtschafts- und Branchenverbnden geteilt. Die Gesprche haben gezeigt, dass es wichtig war, die Implikationen nicht nur prozessorientiert zu unter-streichen, sondern mithilfe finanziell nachvollzieh-barer Investitions- und Nutzenberechnungen. Diese Studie und der offene Dialog mit allen wichtigen Bezugsgruppen haben das Vertrauen in die Harmoni-sierung gestrkt und die Bedeutung des Zahlungs-verkehrs fr die Schweizer Volkswirtschaft verdeut-licht. Und genau das ist das Ziel von PaymentStan-dards.CH, dem offiziellen Kommunikationsorgan zur Standardisierung und Harmonisierung des Zahlungs-verkehrs. Wir wollen mit der Informationsoffensive einen Beitrag leisten, damit die breite ffentlichkeit dem Infrastrukturprojekt positiv gegenbersteht, die Vorteile der neuen Lsungen erkennt und so die anstehenden Vernderungen konsequent angeht und mittrgt. Dass es dafr auch aus unternehmeri-scher Sicht gute Grnde gibt, zeigen die Ergebnisse der Studie.

    Deloitte-Studie: Ergebnisse im berblickDie Deloitte-Studie zeigt, dass nach Abschluss der Har-monisierung die jhrlichen Prozess- und Kapitalkosten insgesamt CHF 272 Mio. tiefer ausfallen werden als heute. CHF 197 Mio. oder drei Viertel der Einsparungen entfallen auf die privaten Unternehmen und CHF 9 Mio. auf den ffentlichen Sektor. Die Finanzinstitute selber sparen jhrlich CHF 65 Mio., tragen aber mit CHF 550 Mio. einen Grossteil der Investitionskosten. Die Privat-wirtschaft muss mit einmaligen Kosten von CHF 500 Mio. rechnen, amortisierbar in rund 2,5 Jahren, wh-rend es beim ffentlichen Sektor CHF 80 Mio. sind.

    Boris Brunner SIX Interbank Clearing

    Mehrwert der Harmonisierung unter Beweis

    FACTS & FIGURES / CLEARIT | Juni 2017

    Die Zusammenfassung der von Deloitte Schweiz erstellten Studie Auswirkungen der Harmoni-sierung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz kann bestellt werden unter:[email protected] Das Management Summary ist abrufbar unter: PaymentStandards.CH/Deloitte_de

    7090(7%*)

    500600(49%*)

    450550(44%*)

    10201240(100%)

    Erwartete einmalige Umstellungskosten ausgewhlter Anspruchsgruppen1 (in CHF Mio.)

    Finanzinstitute(exkl. Clearinggesellschaft)Private Unternehmen

    ffentlicher Sektor

    * Relativer Anteil

  • 11

    Systemkritische Bedeutung des Zahlungsverkehrs

    Zwar ist die Grsse des Zahlungsverkehrs gemessen an seiner Bruttowertschpfung und der Anzahl Beschftigter relativ zu anderen Wirtschaftsbereichen nur gering; seine sys-temkritische Bedeutung gleicht dies allerdings bei Weitem aus.

    Der Zahlungsverkehr befindet sich dabei in einer Gruppe von Wirtschaftsbereichen, die allesamt einen sehr viel grsseren Wert zur Volkswirtschaft beitragen, als ihre blosse Wertschpfung vermuten lsst; diese Berei-che werden in ihrer Bedeutung daher oft unterschtzt.

    Dabei ermglicht der Zahlungsverkehr letztlich allen anderen Wirtschaftsteilnehmern und -bereichen, dass sie auf das altertmliche Tauschgeschft und auf die Verwendung von Bargeld verzichten knnen; neben Kosten- und Effizienzvorteilen bietet dies auch Sicherheit und eine einfache Anbindung an den internati-onalen Handel.

    FACTS & FIGURES / CLEARIT | Juni 2017

    1 Gemessen an der Bruttowertschpfung (2014) und der Anzahl Beschftigter (2015).2 Gemessen an der Bedeutung fr den Wirtschaftskreislauf und die Grundversorgung sowie

    gemss Substituierbarkeit.

    Quelle: Deloitte (2016): Studie ber die Auswirkungen der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz

    500600450

    550

    7090

    197

    65 9

    xJhrliche Auswirkungen Einmalige Umstellungskosten Amortisationszeit

    Erwartete Amortisationszeit der einmaligen Umstellungskosten aus der Gegenberstellung mit den jhrlichen Auswirkungen (in CHF Mio.)

    8,4 Jahre2,5 Jahre

    ffentlicher SektorFinanzinstitutePrivate Unternehmen

    9,3 Jahre

    271,9(100%)

    1,2 (0%*)

    8,6 (3%*)

    65,1(24%*)

    197,0(73%*)

    Erwartetes jhrliches Einsparpotenzial der Anspruchsgruppen (in CHF Mio.)

    Private Unternehmen

    ffentlicher Sektor

    Finanzinstitute

    Private Endkunden

    * Relativer Anteil

    Systemkritische Bedeutung2

    Grsse1

    Wasserversorgung Energieversorgung Verkehr und Transport ffentliche Verwaltung

    Detailhandel

    Grosshandel

    Baugewerbe

    Gesundheitswesen

    Postdienste

    Telekommunikation

    Forschung undEntwicklung

    Zahlungsverkehr

    Textilherstellung

    Landwirtschaft

    Maschinenbau

    Pharmaindustrie

    Uhrenherstellung

    Kunst, Unterhaltung,Kultur

    Verlagswesen und Medien

    Finanzdienstleistungen

    Ergebnisse aus der Deloitte-Studie

  • 12

    Seit mehr als 110 Jahren ist der Einzahlungsschein ob grn, blau, orange oder rot ein typisch schwei-zerisches Zahlungsprodukt. Eine Erfolgsstory, die die QR-Rechnung weiterschreiben drfte.

    Hunderte von Millionen Einzahlungsscheinen werden heute noch jhrlich gedruckt. Dabei ist im digitalen Zeitalter das Bezahlen von Rechnungen am Postschal-ter genauso altmodisch wie Briefe schreiben. Mit der QR-Rechnung, die den Papierbeleg ins elektronische Zeitalter berfhrt, will der Finanzplatz Schweiz allen Nutzern der Papierrechnung den Weg in den digita-len Zahlungsverkehr erleichtern. Zumindest einer der Medienbrche lsst sich vermeiden, wenn der Zahler die Papierrechnung, die er per Post erhlt, nicht mehr in sein E-Banking bertragen muss (siehe S. 15). Das mag nicht gerade visionr erscheinen, setzt aber einen Para-digmenwechsel in Gang. Die QR-Rechnung soll nm-lich so das Kalkl des Finanzplatzes die Verbreitung der E-Rechnung frdern und damit zum vllig medien-bruchfreien Zahlungsverkehr fhren. Immer mehr Zah-lungspflichtige, die eine QR-Rechnung per Post erhal-ten, sollen auf den digitalen Geschmack kommen und schliesslich den Extra-Schritt hin zur E-Rechnung machen. Die Verknpfung mit der E-Rechnung ist auf dem Zahlteil der QR-Rechnung ersichtlich.

    QR-Rechnung, das neue Schweizer KulturgutAb Januar 2019 werden die Einzahlungsscheine durch die QR-Rechnung abgelst, wobei die Parallelphase nicht lnger als zwei Jahre dauern soll. Es ist absehbar, dass die QR-Rechnung in der Folge die typisch schwei-zerische Tradition von Einzahlungsscheinen auf zeit-gemsse Weise interpretiert und ihrerseits weltweit ein-zigartig bleibt. Denn sie wird sich in dieser Ausprgung gepaart mit der ihr eigenen Nutzungs- und Anwen-dungs-Flexibilitt nirgendwo sonst finden lassen. Die Vollintegration des Swiss QR Codes in die E-Banking-Umgebung der Finanzinstitute etwa ist beispiellos.

    NischenverhaltenEs wird auch in Zukunft Zahlungspflichtige geben, die die QR-Rechnung per Post erhalten, dann zur Hausbank gehen, dort das Geld abheben, zum Postschalter eilen, um samstags vor Mittag mit dem Zahlteil der QR-Rech-nung die Bareinzahlung zu ttigen und sie im gelben Postbchlein quittieren zu lassen. Genauso wie es Menschen gibt, die im Computer-Zeitalter das Hand-schriftliche pflegen, wird es auch jene geben, die ein solches Zahlungsverhalten koste es, was es wolle aufrechterhalten. Beides wird nach und nach nur noch am Rande eine Rolle spielen.

    Gabriel JuriSIX Interbank Clearing

    IN & OUTS / CLEARIT | Juni 2017

    Der Einzahlungsschein wird Geschichte

    Untersttzt Mobile Banking E-Banking TWINT E-Rechnung

    Alle Informationen sind ohne technische Hilfsmittel lesbar

    ErkennungsmerkmalSchweizer Kreuz

    Alle Daten sind im QR-Code enthalten

    Freie Papierwahl,keine farbigen Zahlteile

    Ausdruck ber jeden handels-blichen Drucker

    Zustzliche Informationen fr den Rechnungs-empfnger

    Platzierung unten rechts auf der Rechnung oder auf einer neu-tralen Folgeseite im Format A6

    Zahlungen am Postschalter und auf dem Postweg sind nach wie vor mglich

    Betrag kann auch frei bleiben

    Nutzungs- und AnwendungsflexibilittEine Flle von Informationen zur QR-Rechnung findet sich auf PaymentStandards.CH.

  • 13IN & OUTS / CLEARIT | Juni 2017

    Tweets auf der Website PaymentStandards.CH

  • 14

    Migration ISO 20022 Endspurt oder erst Startschuss?

    Bei der Migration auf den ISO-20022-Standard zei-gen sich aktuell grosse Unterschiede. Whrend im Interbankbereich die Umstellung planmssig voran-schreitet, besteht im Kunde-Bank-Bereich noch Ver-besserungspotenzial. Die SIX Interbank Clearing untersttzt Banken und Softwarehuser mit Kom-munikationsmassnahmen.

    Die im Juli 2016 gestartete Migration auf ISO 20022 geht im Interbankbereich gut vonstatten. Am 24. April waren knapp 80% der an die SIC-Teilnehmer ausgelieferten Mel-dungen migriert, die Zahl der von den Teilnehmern einge-lieferten Meldungen weicht mit 67% nur unwesentlich davon ab. Dies ist eine sehr erfreuliche Quote und zeigt, dass die Finanzinstitute ihre Migrationsprojekte gut vor-bereitet und umgesetzt haben. Die Anzahl von Verschie-bungsantrgen ist berschaubar. Wir gehen davon aus, dass auch die kleineren Institute fristgerecht bis Novem-ber 2017 ihre Migration abgeschlossen haben werden. Damit sind dann alle 451 Millionen Zahlungen mit Mel-dungsstandard SIC auf ISO 20022 umgestellt. 2018 fol-gen auch noch die wenigen Zahlungen, die ber SWIFT FIN eingeliefert werden. Dass die Migration im Inter-bankbereich gut vorankommt, zeigt sich zum einen bei den Transaktionen, bei denen sich die Planung nur gering von der effektiven Migration unterscheidet. Zum ande-ren auch bei den Fragen, die an SIX Interbank Clearing gerichtet werden: Whrend es sich in der Vergangenheit vor allem um Fragen generischer Art handelte, betreffen sie inzwischen sehr detailliert und konkret Aspekte der Umsetzung bzw. der Anwendung im praktischen Alltag.

    Migration Kunde-Bank hinter PlanDie Migration der Firmenkunden auf ISO 20022 liegt klar hinter den Erwartungen zurck. Die von SIX Interbank Clearing im Januar 2017 erhobenen Daten vermitteln noch kein sehr optimistisches Bild. Bemerkenswert sind allerdings die Ergebnisse der Umfrage. Sie zeigen, dass einige Institute die Migration im Kunde-Bank-Bereich sehr aktiv vorantreiben mit entsprechend positiven

    Ergebnissen. Andere Institute hingegen haben die Mig-ration ihrer Firmenkunden noch nicht einmal gestartet.

    Hier sind noch grssere Anstrengungen ntig, um die Kunden von den Vorteilen, aber auch von der Dringlich-keit der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs und von ISO 20022 zu berzeugen. Denn bis Ende 2017 (EZAG) bzw. bis Mitte 2018 (DTA) muss die Migration abgeschlos-sen sein. Ab dann gilt nur noch der ISO-20022-Standard. Der genaue Terminplan findet sich auf PaymentStan-dards.CH. Auf dieser Website, der zentralen Plattform fr die Harmonisierung des Schweizer Zahlungsverkehrs, sind alle wichtigen Informationen publiziert.

    Untersttzung der Banken und Softwarehuser bei der Harmonisierung Kunde-BankSIX Interbank Clearing begleitet das Programm mit zent-ralen Kommunikationsmassnahmen sowie mit einer gross angelegten ffentlichkeitskampagne. Gleichzeitig werden auch die Softwarehuser bei der Entwicklung von Lsungen im Kunde-Bank-Bereich durch entspre-chende Gesprche oder zentrale Veranstaltungen unter-sttzt, wie den Infoanlass fr Business-Software-Anbie-ter vom 31. Mai in Zrich.

    Aktuelles Thema ist eine Przisierung der Implementa-tion Guidelines Kunde-Bank (z.B. bei camt-Meldungen). Zwar verwenden die Banken dieselben Guidelines, doch ihre Leistungsangebote haben sich ber viele Jahre unterschiedlich entwickelt. Sie unterscheiden sich in der Verarbeitung und auch im Output an die Kunden. Ver-schiedene Softwarefirmen stellten deshalb fest, dass es teilweise sehr schwierig sei, Applikationen ohne Anpas-sung gleichzeitig bei unterschiedlichen Banken anzu-wenden. Sie wnschen sich eine grssere Harmonisie-rung. Diese Aufgabe wird nun angepackt. Weil aber einzelne Unterschiede tief in den Kernbankensystemen verankert sind, wird dies noch etwas Zeit brauchen.

    Bruno KudermannSIX Interbank Clearing

    BUSINESS & PARTNERS / CLEARIT | Juni 2017

    Meldungsstandard Migration Zahlungseingnge im SIC

    Zahlungsausgnge der Banken Zahlungseingnge der Banken Plan der Umstellung

    ISO20022

    SIC

    ISO20022

    SIC

    76%

    22%

    68%

    30%

    100 %

    0 %31.06.2016 31.11.2016 31.06.2017 31.11.2017

    50 %

    75 %

    25 %

    Planung kumuliert Migration effektiv kumuliert

  • 15

    Einziehen von Forderungen in der Schweiz

    Das Forderungsmanagement befasst sich mit der effizienten Absicherung und Realisierung von For-derungen mit dem Ziel, Zahlungsausflle zu ver-meiden und die Liquiditt eines Unternehmens nachhaltig zu sichern. Die Organisation des Forde-rungsmanagements im Unternehmen lsst sich in die vier Bestandteile Bonittsprfung, Vertragsge-staltung, Debitorenbuchhaltung und Inkasso in-klusive Mahnwesen unterteilen.

    Zu den wichtigsten Aufgaben der Debitorenbuchhaltung zhlen die Kontrolle und die Verwaltung der offenen For-derungen und der Abgleich der offenen Posten mit den Zahlungseingngen. Idealerweise wird die Rechnungs-stellung automatisch bei Lieferfreigabe angestossen, um die Zahlungsfrist mglichst kurz zu halten und dadurch die Kreditfinanzierungskosten zu reduzieren. Auch die Zahlungseingnge sollen automatisch mit den offenen Posten abgeglichen werden, damit sich Zahlungsver-zgerungen und ungerechtfertigte Skontoabzge sofort erkennen lassen. In der Schweiz stehen Rechnungsstel-lern verschiedene Verfahren mit Referenz zur Verf-gung, die eine automatisierte Verbuchung der Zahlungs-eingnge in der Debitoren-Software ermglichen und so nicht nur die Kreditfinanzierungskosten reduzieren, son-dern auch den betrieblichen Aufwand.

    Die wichtigsten Verfahren mit Referenz in der Schweiz sind: Einzahlungsschein mit Referenz (ESR bzw. oranger

    Einzahlungsschein) als Papier- oder PDF-Rechnung Schweizer Lastschriftverfahren (LSV+, BDD, Debit

    Direct) QR-Rechnung (neue Rechnungsstellung ab 2019) E-Rechnung

    Vergleicht man die Verfahren bezglich Einfachheit beim Bezahlen, ist die E-Rechnung einmal eingerichtet das Verfahren mit der besten Nutzererfahrung, da der Zahler die Zahlung nicht mehr selber erfassen muss.

    Bei jedem Medienbruch (speziell vom Papier ins Digi-tale und umgekehrt) besteht die Gefahr, dass nicht alle Informationen weitergegeben werden, dass Fehler passieren, Aufwnde entstehen und unntige Liege-zeit verstreicht. Vergleicht man die Verfahren bezg-lich mglichst weniger Medienbrche, schwingt auch hier die E-Rechnung obenauf.

    ESR

    QR-Rechnung

    E-Rechnung

    LSV+/BDD

    Medienbrche

    Nut

    zere

    rfah

    rung

    gut

    schl

    echt

    viele wenige

    Da das Bezahlen mit Rechnung die weitaus belieb-teste Zahlungsart der Schweizer und Schweizerinnen ist und sowohl Papier- als auch PDF-/E-Mail-Rech- nungen zu viele Medienbrche aufweisen, wird sich wohl lang fristig die digitale Rechnung der Schweiz die E-Rechnung durchsetzen.

    Peter Ruoss UBS Switzerland

    PRODUCTS & SERVICES / CLEARIT | Juni 2017

    Medienbrche bei Einzahlungsschein als Papier- und PDF-Rechnungen Keine Medienbrche bei E-Rechnung

    Szenario 1 und 2 (Einzahlungsschein als Papier- und PDF-Rechnung)

    Szenario 3 (E-Rechnung)

    Rechnungssteller

    Guts

    chrif

    t Av

    isier

    ung

    Bank desRechnungssteller

    Interbankzahlung

    Medienbruch 1: Papierrechnung zu E-Banking-Zahlung2: PDF-Rechnung zu E-Banking-Zahlung

    Medienbruch1: Computer zu Papier2: Computer zu PDF

    Medienbruch (Transport)1: Transport mit Couvert2: Transport mit E-Mail

    Zahler

    Bank desZahlers

    Rechnungssteller

    Digitale Rechnung

    Bank desRechnungssteller

    Zahler

    Bank des Zahlers

    Interbankzahlung

    Frei

    gabe

    im

    E-B

    anki

    ng

    Guts

    chrif

    t Av

    isie

    rung

    Kein Medienbruch

  • Weitere Informationen zu den Schweizer Zahlungsverkehrssystemen finden Sie im Internet unter www.six-interbank-clearing.com

    HerausgeberinSIX Interbank Clearing AGHardturmstrasse 201CH-8021 Zrich

    Bestellungen/Feed[email protected]

    AusgabeAusgabe 71 Juni 2017Erscheint regelmssig, auch online unter www.CLEARIT.chAuflage Deutsch (1300 Exemplare) und Franzsisch (400 Exemplare) sowie Englisch (elektronisch auf www.CLEARIT.ch)

    FachbeiratSamuel Ackermann, PostFinance, Peter Ruoss, UBS Switzerland AG, Susanne Eis, SECB, Boris Brunner, SIX Interbank Clearing AG, Andr Gsponer (Leiter), ConUm AG, Gabriel Juri, SIX Interbank Clearing AG, Daniela Meyer-Brauss, Credit Suisse AG, Jean-Jacques Maillard, BCV, Stefan Michel, SNB, Thomas Reske, SIX Interbank Clearing AG, Bettina Witzmann-Walter, Liechtensteinischer Bankenverband

    RedaktionAndr Gsponer, ConUm AG, Thomas Reske, Gabriel Juri (Leiter) und Karin Pache, SIX Interbank Clearing AG

    bersetzungFranzsisch, Englisch: Word+Image AG

    GestaltungFelber, Kristofori Group, Werbeagentur

    Drucksprngli druck ag

    KontaktSIX Interbank Clearing AGT +41 58 399 4747

    Impressum