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Das PCO-Syndrom. Ein Faszinosum der Evolution. PCO-Syndrom. Ein Faszinosum der Evolution. 3 Der Begriff Polyzystische Ovarien ist etwas ver-wirrend, da es sich dabei nicht um Zysten

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Text of Das PCO-Syndrom. Ein Faszinosum der Evolution. PCO-Syndrom. Ein Faszinosum der Evolution. 3 Der...

  • HORMONE. Dirigenten des Lebens.DAS PCO-SYNDROM. Ein Faszinosum der Evolution.

  • Das PCO-Syndrom. Ein Faszinosum der Evolution.

    3

    Der Begriff Polyzystische Ovarien ist etwas ver-wirrend, da es sich dabei nicht um Zysten am Eier-stock handelt, sondern um ein bestimmtes Aussehen der Eierstcke.

    Das PCO-Syndrom ist die hufigste Hormonstrung bei Frau-en. Das Wort leitet sich vom Lateinischen her. PCO ist die Abkrzung fr Polyzystische Ovarien. Damit ist ein bestimmtes Aussehen der Eierstcke gemeint: Es findet sich eine grere Zahl an kleinen Eiblschen im Vergleich zu normalen Eierstcken. Der Begriff ist etwas verwirrend, denn man assoziiert damit Zysten am Eierstock und solche liegen eben gerade nicht vor! Deshalb hat man in der Vergangenheit versucht, diesen Begriff durch einen weniger verwirrenden zu ersetzen, nmlich MFO-Syndrom (mul-tifollikulres Ovarsyndrom), aber mit wenig Erfolg. Die Menschen haben sich einfach an den alten Begriff gewhnt.

    Im Jahre 1721 wurde erstmals von einem Italiener ein PCO-Syn-drom bei einer bergewichtigen Frau mit unerflltem Kinder-wunsch beschrieben. 1921 stellte eine franzsische Internistin den Zusammenhang zwischen erhhten mnnlichen Hormonen und einer damit einhergehenden Strung des Kohlenhydratstoff-wechsels her. Sie gab dieser Krankheit den Namen diabte des femmes barbe. Es gab aber schon ltere Berichte ber diesen Zusammenhang, die bis ins Altertum datiert werden knnen. So notierte Soranus von Ephesus (98138 v. Chr.), dass es manch-mal natrlich ist, nicht zu menstruieren ... Es ist weiterhin natr-lich fr Frauen, deren Krper eher einem maskulinen Typ ent- sprechen ... Diese Frauen wurden als robuster beschrieben. 1935 wurde das komplette Krankheitsbild dann zum ersten Mal von Irving Stein und Michael Leventhal im American Journal of Obstetrics and Gynecology beschrieben: Amenorrhea associated with bilateral polycystic ovaries.

  • 4 5

    Beim PCO-Syndrom handelt es sich um eine

    Beschreibung von verschiedenen mglichen

    Symptomen.

    Ein hufig auftretendes Symptom des PCO-Syndroms ist die Erhhung von mnnlichen Hormonen, was sich in Haarausfall, vermehrter Krperbehaarung und Akne widerspiegelt.

    Etwa 58 % aller Frauen weltweit sind betroffen. Das Syndrom gehrt zu den Hauptursachen der Unfruchtbarkeit! Hufig auf-tretende Symptome sind Gewichtsprobleme, unregelmige Blu-tungen, fehlender Eisprung sowie eine Erhhung von mnnlichen Hormonen mit Symptomen wie Haarausfall, vermehrter Krper-behaarung und Akne. Beim PCO-Syndrom handelt es sich also um eine Beschreibung von verschiedenen mglichen (!) Symptomen. Entsprechend gibt es auch keine Standardtherapie, die sozusagen fr jeden passt. Die Diagnose PCO lst bei vielen Frauen Angst und Schrecken aus. Fragen wie Mssen die Zysten herausgeschnitten werden?, Sind meine Eierstcke krank?, Kann ich jemals Kinder haben? hren wir tglich in unserer Sprechstunde. Das PCO-Syndrom ist ein komplexes Bild mit vielen Facetten. Nur wenige dieser Facetten liegen im jeweiligen Einzelfall vor! Mit anderen Worten: Fast keine Frau hat alle Symptome!In der folgenden Publikation aus dem Jahre 2006 kann man die wichtigsten Merkmale dieser Hormonstrung nachlesen: Under-

    standing PCOS, Issue 15: 17 Jul 2006, Best Practice & Research Clinical Endo-crinology & Metabolism.

    Zusammenfassend lsst sich sagen, dass die hormonellen Strungen, die mit einem PCO-Syndrom einhergehen, seit mehr als zwei Jahrtausenden bekannt sind.

    Das PCO-Syndrom gehrt zu den Hauptursachen der Unfruchtbarkeit.

  • T

    T

    TT

    *****

    0 (n=33) 1 (n=34) 2 (n=22) 3 (n=17)Anzahl der Flle des Auftretens von PCO-Symptomen

    60

    50

    40

    30

    20

    10

    0

    SH

    BG-S

    pieg

    el (

    nmol

    /L)

    76

    n Erhhte Prolaktin-Spiegeln Insulin- und IGF-1-Erhhungen (als Folge einer Erniedri-

    gung des IGF-1-Bindungsproteins analog zum SHBG)n Erhhungen der Leptin-Spiegel, einem Hormon aus den

    Fettzellenn Erhhungen des LH-/FSH-Quotienten. Diese LH/FSH-

    Erhhung wird oft als zwingend angesehen, was nicht zutrifft! Es gibt auch PCO-Syndrome mit niedrigem LH/FSH-Spiegel insbesondere dann, wenn das Syndrom von einer hypothalamischen Insuffizienz berlagert wird.

    n In letzter Zeit wird vermehrt auf den SHBG-Spiegel geach-tet, da eine Erniedrigung dieses Bindungsproteins im Blut mit einer ungnstigen Verteilung der Blutfette einhergeht.

    Low sex hormone-binding globulin is associated with lowhigh-density lipoprote-in cholesterol and metabolic syndrome in women with PCOS. Low levels of SHBG in women with PCOS were associated with low levels of HDL-C, independent of insu-

    lin resistance and obesity. The SHBG level was inversely related to the occurrence of

    metabolic syndrome, further strengthening the potential link between SHBG levels

    and cardiovascular disease in women with PCOS. Human Reproduction 2006; 21(9):

    22662271

    1) J Assist Reprod Genet. 2014(10): 13116

    Was sind die Hauptmerkmale des PCO-Syndroms?

    Am hufigsten finden sich erhhte mnnliche Hormonspiegel (Testosteron, Dihydro-Testosteron, Androstendion, DHEA-S). Typische Symptome sind dann: Akne, fettige Haut, vermehrtes Haarwachstum im Bereich des Krpers und beschleunigter Haarausfall im Bereich der Kopfhaut. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ein PCO-Syndrom im Tierexperiment knstlich durch Zufuhr von mnnlichen Hormonen ausgelst werden kann. Allerdings ist immer noch nicht geklrt, was Ursa-che und was Wirkung ist. Unregelmige Eisprnge mit der Folge unregelmiger Regelblutungen sind fast immer eine Folge dieser Hormonstrung. Typisch ist in diesem Zusammen-hang auch die hufig etwas verzgerte Pubertt der betroffenen Mdchen. Im Ultraschallbild finden sich am Eierstock viele kleine Eiblschen, die manchmal perlschnurartig angeordnet sein knnen. Die Kapsel des Eierstocks (Tunica albuginea) kann verdickt sein. Manchmal wird diese Diagnose auch im Rahmen einer Bauchspiegelung gestellt.

    Welches sind die hufigsten hormonellen Befunde beim PCO-Syndrom?

    Alle nachfolgend genannten Abweichungen der Hormonwerte sind fakultativ, d. h. sie knnen auftreten, mssen jedoch nicht auftreten!n Erhhte mnnliche Hormonspiegel (freies Testosteron,

    Dihydro-Testosteron, Androstendion, DHEA-S)n Erniedrigtes SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin:

    Dieses ist sehr wichtig, denn es bindet freie Androgene im Blut!)

    n Erhhte AMH-Spiegel (Anti-Mller-Hormon, das AMH spiegelt die Ovarialreserve wider und ist erhht, wenn viele Eiblschen vorliegen), Spiegel >5 ng/ml gelten als patho- gnomonisch (charakteristisch/beweisend) fr ein PCO-Syn- drom 1)

    Zusammenhang zwischen Hhe der SHBG-Spiegel und dem Auftreten von PCO-Symptomen

    Ein erhhter mnnlicher Hormonspiegel ist das

    hufigste Hauptmerkmal des PCO-Syndroms.

    Mit einer Erniedrigung des SHBG-Spiegels geht eine

    ungnstige Verteilung der Blutfette einher.

  • LH

    Androgen(Insulin )

    stron

    98

    Welches sind die hufigsten Fehlurteile in Zusammenhang mit dem PCO-Syndrom?

    Vor- und Fehlurteile gibt es in allen Bereichen des menschlichen Lebens. Allerdings scheinen die ber das PCO-Syndrom beson-ders hartnckig zu sein. Die hufigsten sind: Sie werden keine Kinder bekommen knnen!Nehmen Sie einfach Gewicht ab, dann erledigt sich das Ganze von alleine!Wenn Sie keine Pille nehmen, knnen Sie Krebs bekommen!Die Zysten mssen operativ entfernt werden!

    Welches sind die Ursachen des PCO-Syndroms?

    Die genauen Ursachen des PCO-Syndroms sind unklar. Evoluti-onsbiologische Erklrungen gehen davon aus, dass Frauen mit PCO-Syndrom aufgrund ihrer hufig erhhten Glucosespiegel infolge einer Insulinresistenz in Hungerperioden fr eine Eizell-reifung und einen Eisprung genug zirkulierende Energie bereit-stellen konnten. Darber hinaus war bei vom PCO-Syndrom betroffenen Frauen die Mttersterblichkeitsrate geringer, weil die aufgrund fehlender Verhtungsmethoden bliche rasche Schwangerschaftsfolge bei ihnen weniger wahrscheinlich war. 2)

    Ein solcher Selektionsvorteil, der in unseren Wohlstandsgesell-schaften natrlich keine Rolle mehr spielt, knnte die Weiterver-breitung des PCO-Syndroms erklren.Beim PCO-Syndrom verstrken sich mehrere Hormonstrungen gegenseitig quasi wie in einem hormonellen Teufelskreis. Eine der endokrinologischen Grundkonstellationen mglicherweise der Anfang des bels ist die vermehrte Ausschttung des Hor-mons LH und eine verminderte Ausschttung des Hormons FSH aus der Hirnanhangdrse. Das LH stimuliert die Bildung mnn-licher Hormone, aus denen dann in einem zweiten Schritt weib-liche Hormone entstehen. Beim PCO-Syndrom fhrt der basal erhhte LH-Spiegel zu einer unnatrlichen Erhhung der mnn-lichen Geschlechtshormone. Diese mnnlichen Hormone werden

    in weibliche Hormone (strogene) umgewandelt (aromatisiert) und entgegen dem normalen Menstruationszyklus also azyk-lisch abgegeben. Dies strt den normalen Takt der Fruchtbar-keitsuhr und ist quasi ein sich selbst unterhaltender Prozess. Durch die kontinuierlich hohen LH-Spiegel im Zyklus werden die Eizellen zu einem zu frhen Zeitpunkt mit dem Hormon LH konfrontiert, das unter anderem fr die Auslsung des Eisprungs verantwortlich ist. Sie bleiben unreif knnen also nicht zur normalen Gre eines Eiblschens (ca. 25 mm) heranreifen und es kommt somit zu keinem normalen Eisprung und auch zu keiner Monatsblutung. Die berflutung mit mnnlichen Hormonen kann am Eierstock zu einer Verdickung (Fibrose) der ueren Eierstockwand (Kap-sel) fhren. Dies lsst sich durch Ultraschall nachweisen. Auer-dem finden sich typischerweise erniedrigte Spiegel an Sexual- hormon-bindendem Globulin, einem wichtigen Bindungseiwei im Blut, das normalerweise einen Teil der aktiven mnnlichen Hormone bindet und somit unwirksam macht.

    2) Fertil Steril. 2011; 95(5): 15441548.

    Schaubild zum hormonellen Teufelskreis beim PCO-Syndrom

    Diverse Vor- und Fehlurteile halten

    sich hartnckig.

    Beim PCO-Syndrom verstrken sich mehrere

    Hormonstrungen gegen-seitig wie in einem hormo-

    nellen Teufelskreis.

  • 1110

    Ist ein PCO-Syndrom vererbbar?

    Ja. Familienstudien weisen beim PCO-Syndrom auf einen auto-somal-dominanten Erbgang hin. Die Genetik des PCO-Syndroms ist allerdings heterogen, das heit, es sind mehrere Gene bzw. Genorte bekannt (Polymorphismen im CYP11A1, CYP 17 oder Follistatin-Gen u. a.). Die Vererbung findet entsprechend einem autosomal-dominanten Erbgang ber Vater und Mutter statt. So hatten 52 % der Mtter, 21 % der Vter und 55 % der Geschwister von PCO-Syndrom-Patientinnen ebenfalls einen PCO-hnlichen Phnotyp. Mnner leiden entweder an einer zu frhen Glatzenbildung oder einer vermehrten Behaarung. 3) Eine Studie an Mttern und Tchtern konnte nachweisen, dass fast alle Tchter von Mttern mit PCO-Syndrom ebenfalls das Syndrom geerbt hatten. 4)

    Eine aktuelle Arbeit zeigt, dass genetische Vernderungen, die zu einer nderung der neuroendrinen Hormonausschttung von LH und FSH fhren, urschlich fr die Entstehung eines PCO-Syndroms sind.

    ... the region of the follicle-stimulating hormone B polypeptide (FSHB) gene stron- gly associates with PCOS diagnosis and luteinizing hormone levels. These findings implicate neuroendocrine changes in disease pathogenesis. Hippokratia. 2009 Oct-Dec; 13(4): 216223 and Nat Commun. 2015; 6: 7502

    3) Proc Natl Acad Sci U S A. 1999; 96(15): 85738578

    4) Hum Reprod 2002; 17(3): 771776

    Inwieweit gibt es einen Zusammenhang zwischen PCO-Syndrom und der Schilddrsenfunktion?

    Frauen mit PCO-Syndrom haben berdurchschnittlich hufig eine sogenannte latente Hypothyreose, also eine leichte Unter-funktion der Schilddrse. Symptome einer solchen Unterfunk-tion knnen sein: Mdigkeit, kalte Hnde, Abgeschlagenheit, Vitalittsverlust, eingeschrnkte Fruchtbarkeit sowie eine etwas erhhte Abortneigung. Auerdem wurde in neuerer Zeit eine berdurchschnittliche Hufung von Autoimmun-Schilddrsen- erkrankungen (vor allem Hashimoto-Thyreoiditis) nachgewiesen. Hierbei finden sich entsprechend erhhte Antikrper (TPO-Anti-krper, Thyreoglobulin-Antikrper und andere). Solche Hypo-thyreosen mssen in jedem Fall behandelt werden! Schwangere Frauen mit einer solchen unbehandelten Unterfunktion der Schilddrse haben nachweislich eine erhhte Abortrate und ein erhhtes Risiko einer entsprechenden Schilddrsenerkrankung beim Neugeborenen! 5) 6)

    5) Eur J Endocrinol. 2004 Mar; 150(3): 363369.

    6) Indian J Endocrinol Metab. 2015; 19(1): 2529.

    Sowohl Schilddrsen-unterfunktion als auch Autoimmun-Schild- drsenerkrankungen werden bei Frauen mit PCO-Syndrom ber- durchschnittlich hufig nachgewiesen.

    Laut einer aktuellen Arbeit sind genetische

    Vernderungen urschlich fr die Entstehung des

    PCO-Syndroms.

  • 13

    Was hat Insulin mit dem PCO-Syndrom zu tun?

    Die manchmal verringerte Ansprechbarkeit von Insulin auf den Blutzuckerspiegel beim PCO-Syndrom (Insulinresistenz) fhrt kompensatorisch zu einer vermehrten Insulinfreisetzung des Krpers. Die so entstehenden erhhten Insulinspiegel verstrken die bereits erhhten mnnli-chen Hormonspiegel dadurch, dass In- sulin eine LH-hnliche Aktivitt hat und somit die ohnehin schon erhhten LH-Spiegel weiter getriggert werden. Insulin hemmt zudem die Bildung des fr die Minderung der mnnlichen Hor-monspiegel wichtigen Bindungsproteins SHGB in der Leber. Also findet sich auch auf dieser Ebene ein endokrinolo-gischer Teufelskreis. In der Praxis ist es manchmal nicht ganz einfach, eine erhhte Insulinaktivitt nach- zuweisen, wie die folgende wissenschaftliche Arbeit beschreibt.Bei 5070 % der Frauen mit einem PCO-Syndrom findet man eine Insulinresistenz. Tatschlich kann eine Insulinresistenz bei schlanken und adipsen Frauen vorliegen. 7)

    The OGTT is probably the best simple, office-based method to assess women with PCOS because it provides information about both insulin resistance and glu-cose intolerance. The diagnosis of glucose intolerance holds greater prognostic and treatment implications. All obese women with PCOS should be screened for the presence of insulin resistance by looking for other stigmata of the insulin resistance syndrome such as hypertension, dyslipidemia, central obesity, and glu-cose intolerance. Obstet Gynecol Surv. 2004 Feb; 59(2): 141154

    7) Fertil Steril. 2010; 94(5): 15651574

    Ein endokrinologischer Teufelskreis: Insulin hemmt die Bildung des fr die Minderung der mnnlichen Hormon- spiegel wichtigen Bindungsproteins SHGB in der Leber.

    Eine Insulinresistenz beim PCO-Syndrom fhrt kompensatorisch zu einer vermehrten Insulinfreisetzung des Krpers.

  • 1514

    Gibt es Sptfolgen eines PCO-Syndroms?

    Das Auftreten eines Altersdiabetes und eines Schwangerschafts-diabetes ist bei PCO-Patientinnen zwar erhht, aber die Wissen-schaft ist sich immer noch nicht endgltig darber einig, wie ausgeprgt diese potenziellen Sptfolgen wirklich sind, wie die folgende Arbeit aus dem Jahre 2003 widerspiegelt:

    The existing data suggest that PCOS may adversely affect or accelerate the de-velopment of an adverse cardiovascular risk profile, and even of subclinical signs of atherosclerosis, but it does not appear to lower the age of clinical presentation to a premenopausal age group. Endocr Rev. 2003 Jun; 24(3): 302312

    PCOS women with show milder endocrine and metabolic abnormalities. ... women with PCOS are at higher risk of impaired glucose tolerance and undiagnosed dia- betes. Reprod Health. 2015; 12: 7

    Dauerhaft hohe Insulinspiegel knnen in ungnstigen Fllen wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen zu Abla-gerungen in den Blutgefen fhren. Liegen mehrere der folgenden Sympto- me vor, fat man dies in der Fachsprache mit dem Begriff metaboles Syndrom zusammen: bergewicht (Adipositas), Bluthochdruck (Hypertonie), Fettstoff-wechselstrung (Hyperlipidmie), Gef- verkalkung (Arteriosklerose), hoher Blut- zucker (Diabetes mellitus). Bereits im Jahre 2005 wurde ein Entzndungs-

    marker im Blut beschrieben, der solche Vernderungen unter Umstnden vorzeitig entdecken lsst. Bei diesem Marker handelt sich um das hochsensitive CRP. Sollte ein entsprechender Verdacht bestehen, werden Ihnen die rzte am Kinderwunsch- zentrum an der Oper empfehlen, die folgenden kardivaskulren Risikomarker im Rahmen einer Nchternblutentnahme zu be- stimmen: Blutfette, Homocystein, Lipoprotein a, Insulin, Blutzu-cker, CRP-hs.

    PCOS patients clearly present a higher risk of cardiovascular diseases, linked to metabolic dysfunction due to its peculiar hormonal pattern, characterized by hyperandrogenism, insuline resistance, dyslipidemia, and inflammatory state. Int J Endocrinol Metab. 2012; 10(4): 611618

    Eine solche Situation kann anhand von Blutwerten gemessen werden. Solche Werte sind u. a.: Leptin, Insulin, Blutzucker, HbA1c, Blutfette, Wachstumshormon (IGF). Aufgrund der Mg-lichkeit der Prvention von Folgeerkrankungen ist es von grter Bedeutung, ein PCO-Syndrom bereits im frhen Jugendalter zu erkennen! Hierfr reicht wie bereits erwhnt bereits eine einzige Blutentnahme.

    Um mglichen Folge- erkrankungen vorbeugen

    zu knnen, ist bereits im frhen Jugendalter

    eine Diagnose des PCO-Syndroms von grter

    Bedeutung.

    Bei dem hochsensitiven CRP handelt es sich um einen Marker, der Vernderungen im Blut frhzeitig entdecken lsst.

    Die Wissenschaft ist sich immer noch nicht einig ber die Ausprgung der potenziellen Sptfolge, die das erhhte Auftreten eines Schwangerschafts- diabetes bei PCO-Patien-tinnen mit sich bringt.

  • 1716

    Der Reduktion von Kohlenhydraten kommt im Rahmen des PCO-Syndroms eine zentrale Bedeutung zu, da Frauen mit dieser Hormonstrung Kohlenhydrate besonders gut verwerten und in Fett umwandeln knnen. Zustzlich hilft die Gabe von Metfor-min, einem altbewhrten Prparat aus der Diabetes-Behandlung. Metformin reguliert die Aufnahme von Zucker aus dem Darm und erhht die Insulin-Empfindlichkeit. Allerdings ist dieses weltweit angewandte Prparat in Deutschland fr die Behand-lung des PCO-Syndroms nicht zugelassen, deshalb muss es im Rahmen eines sogenannten off-label use auf Privatrezept ver-ordnet werden. Es gibt Hinweise, dass es unter Metformin zu Erhhungen des Homocysteinspiegels kommen kann. Homocys- tein ist ein Stoff im Blut, welcher das kardiovaskulre Risiko erhhen kann. Wir empfehlen aus diesem Grunde die Messung des Homocysteinspiegels.

    Fr die Behandlung der erhhten Spiegel mnnlicher Hormone und ihrer Symptome sind eine Reihe von antiandrogenen Prpa-raten auf dem Markt. Die wichtigsten sind: Flutamid blockiert den Androgen-Rezeptor (Eulexin, Flutamin, Fugerel) sowie Finasterid, ein 5-alpha-Reductase-Inhibitor (Propecia, Proscar), der die Umwandlung von Testosteron im Dihydrotestosteron bremst. Veraltete Prparate, die kaum noch eine Rolle spielen, sind: Spironolacton (Aldactone) und Cyproteronacetat (Androcur).

    Welche Behandlungsmglichkeiten gibt es zurzeit?

    Es gibt keine Einheitsbehandlung! Ist die Erhhung der mnnli-chen Hormone oder die Zyklusstrung das entscheidende Prob-lem, wird bislang eine Antibabypille mit antiandrogener Kom- ponente eingesetzt. Das ist eine Pille mit einem Gestagen, wel-ches die Eigenschaft hat, mnnliche Hormone im Blut herunter- zuregulieren. Die Pille dient auch der Substitution von stro- genen (wegen des hufig bestehenden Mangels an weiblichen Hormonen) und der Unterdrckung der erhhten mnnlichen Hormone. Auerdem wird einer dauerhaften Verdickung der Gebrmutterschleimhaut (Endometriumhyperplasie) vorgebeugt, da es durch die Pillengabe zu regelmigen Abbruchblutungen kommt. Niedrig dosierte Glucocortikoid-Prparate (z. B. Dexa-methason 0,25 mg) knnen zur Hemmung der erhhten mnnli-chen Hormone bei Kinderwunsch fr viele Monate gefahrlos eingesetzt werden.

    Six-month treatment with low-dose dexamethasone further reduces androgen levels in PCOS women treated with diet and lifestyle advice, and metformin. Com-pared with the placebo, dexamethasone reduced testosterone by 27 %, androste-nedione by 21 %, dehydroepiandrosterone sulphate by 46 % and free testostero-ne index by 50 % in women with PCOS treated with diet and lifestyle advice, and metformin. BMI, fasting glucose, insulin c-peptide and serum lipid levels were un-affected. CONCLUSIONS: Six-month, low-dose dexamethasone treatment further reduces androgen levels in metformin-treated PCOS women. Human Reproduction 2004; 19(3): 529533

    Bei bergewicht ist immer eine Gewichtsreduktion erforderlich, die auf der Basis der neuen ernhrungsphysiologischen Erkennt-nisse zum glykmischen Index von Nahrungsmitteln (GLYX) erfolgen sollte.

    Vergleichen Sie auch unsere Broschre Gesunde Ernhrung. Fakten statt Mrchen.

    Bei erhhten mnnlichen Hormonen wird die Anti- babypille mit neutralen Komponenten eingesetzt.

    Die Reduktion von Kohlenhydraten und die Gabe von Metformin hilft bei der Behandlung des PCO-Syndroms.

  • 1918

    Gibt es neue Therapiekonzepte in der Kinderwunsch-behandlung bei einem PCO-Syndrom?

    Metformin: Wie bereits erwhnt, ist das PCO-Syndrom hufig mit einer Insulinresistenz assoziiert, welche zur Verschlechte-rung der Gesamtsituation beitrgt. Der Einfluss des Insulin-Sen-sitizers Metformin auf das PCO-Syndrom wurde von mehreren anerkannten internationalen Studiengruppen untersucht. Hier zeigten sich sehr gute Ergebnisse bei der Behandlung des PCO-Syndroms. Es konnte eine Verbesserung der Insulinresistenz, eine Senkung des LH-Spiegels, eine Erhhung der SHBG-Syn-these, eine Verminderung der Androgene und eine Regulierung des Menstruationszyklus nachgewiesen werden. Zudem zeigt sich ein beraus gnstiger Effekt auf gewichtsreduzierende Ma-nahmen. In der Anfangsphase der Metformin-Gabe auftretende

    Nebenwirkungen wie Vllegefhl, Blhungen und Durchfall sind hufig durch die Nahrungszusammensetzung mitbedingt (fett-reich!) und knnen durch eine einschleichende Dosierung be- herrscht werden (The problem is not the drug but the diet!). 8)

    8) The Cochrane Database of Systematic Reviews 2003, Issue 2. Art. No.: CD003053.

    Myo-inositol: Myo-inositol, eine Vitamin-B-hnliche Substanz, fhrt ber die Korrektur des insulin pathways zu einer Verbes-serung der Insulinresistenz und damit ebenfalls zu einer Regu-lierung des Menstruationszyklus. Die Re- gulierung des Menstruationszyklus, d. h. dass eine Eizellreifung im Eierstock wieder stattfindet, ist die Voraussetzung fr die Verbesserung der spontanen Schwangerschaftsrate. 9)

    9) Biochemistry 2010,49 (59): 1075610764.

    Clomifen, Gonadotropine, Aroma-tase-Hemmer: Zur Herbeifhrung einer Eizellreifung kommen mehrere Substanzen in Frage. Frher, aber auch heute noch wurde und wird bei Kinder-wunsch zur Eizellreifung Clomifen ver-wendet. Es gehrt zu der Gruppe der sog. SERMs, den selektiven strogenrezeptor-Modulatoren, und besticht durch den niedrigen Preis sowie die Einfachheit der Anwendung, z. B. 25 bis 50 mg oral vom 5. bis 9. Zyklustag. Allerdings lassen sich unter Clomi-fen hufiger Nebenwirkungen (Hitzewallungen, depressive Stim-mungen) beobachten als bei der Verwendung der hherwertigen Gonadotropine. Darber hinaus konnten verschiedene Arbeiten zeigen, dass Clomifen die Konsistenz des Zervikalschleims nach-teilig verndert und zu einem verzgerten Endometriumwechsel in der mittleren Gelbkrperphase fhrt. 10) 11) 12)

    Zur Untersttzung der Eizellreifung kommen neben Myo-inositol mehrere Substanzen wie zum Beispiel Clomifen, Gonadotropine und Aromatase-Hemmer in Frage.

    Der Einfluss des Insulin-Sensitizers Metformin

    wurde von mehreren anerkannten internati-

    onalen Studiengruppen untersucht und zeigte

    sehr gute Ergebnisse bei der Behandlung.

  • 21

    The administration of Clomiphene produces aberrant endometrial beta3 integrin expression in conjunction with a failure in down-regulation of the progesterone receptor during the window of implantation ... Therefore, Clomiphene might af-fect the expression of endometrial receptivity marker.

    Dies erklrt u. a., warum die Gabe von Gonadotropinen, also dem krpereigenen Botenstoff FSH und in manchen Fllen auch zustzlich LH, im Vergleich zu Clomifen zu signifikant hheren Schwangerschafts- und Lebendgeburtraten fhren. Die Lebend-geburtenrate bei Einsatz der krpereigenen Botenstoffe betrgt 32,2 % im Vergleich zu 23,3 % bei Clomifen. 13)

    Die aktuellen Ergebnisse zum Einsatz von Aromataseinhibitoren wie z. B. dem Letrozol sind dagegen enttuschend. Hier betrug die Lebendgeburtenrate lediglich 18,7 %. 13)

    10) Fertil Steril. 1993; 59(6): 117986

    11) Ginecol Obstet Mex. 1995; 63: 115118

    12) Fertil Steril. 2005; 83(3): 587593

    13) N Engl J Med. 2015; 373: 12301240

    Laparoskopische Punktion bzw. Verschweiung der polyzystischen Ovarien (sog. Drilling): Fasst man die gro-en Studien zum laparoskopischen Drilling zusammen, so konnte kein Vorteil der operativen Methode gegenber den her-kmmlichen Therapiemglichkeiten gezeigt werden, weder fr die Schwangerschafts- noch Lebendgeburten- oder Abortrate. Im Gegenteil, man sollte die Indikation hierfr eher zurckhal-tend stellen, da man die Langzeitwirkung fr die hormonelle Aktivitt des Eierstocks noch nicht absehen kann.

    However, there are ongoing concerns about the long-term effects of LOD (la-paroscopic ovarian drilling) on ovarian function. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Jun 13;(6)

    Zusammenfassung: Das Syndrom der Polyzystischen Ovarien ist eine komplexe Strung, die keine allgemeine Standardthera-pie zulsst. Dennoch ist die Diagnose eines PCO-Syndroms keine medizinische Katastrophe, wenn bestimmte prventionsme-dizinische Aspekte bercksichtigt bleiben, z. B. die Sicherstel-lung der Hormonversorgung bei anovulatorischen Zyklen, rechtzeitige Behandlung der Insulinresistenz, Ernhrungs- und Lifestyle-Beratung, Metformin/Myoinositol-Gabe etc. Bei Hyper- androgenmie mit Symptomen wie Haarausfall oder Akne sollte eine rechtzeitige Suppression der mnnlichen Hormone erfolgen. Bei Kinderwunsch knnen wir mit den in dieser Broschre genannten Manahmen eine Follikelreifung wiederherstellen, hierunter ist die Schwangerschaftsrate sogar hher als in einem Spontanzyklus. Nur selten lsst sich fr eine Frau mit PCO-Syn-drom nicht die geeignete Stimulationsdosis finden. Ist man zu niedrig mit der Dosis, kommt es nicht zur Follikelreifung. Ist man zu hoch, reifen zu viele Eizellen zeitgleich heran, dann kann es sein, dass aus reproduktionsmedizinischer Sicht die In-vitro-Fertilisation (IVF) die richtige Behandlungsform ist.

    Nur selten lsst sich fr eine Frau mit PCO nicht die geeignete Stimulations- dosis finden.

    Die Lebendgeburtenrate bei Einsatz der krper-

    eigenen Botenstoffe be-trgt 32,2 % im Vergleich

    zu 23,3 % bei Clomifen.

  • 2322

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    Hormonzentrum an der OperMaximilianstrae 2a80539 MnchenTel. 089. 54 70 41 - 0

    v. l. n. r.: Dr. Silke Michna, Dr. Jrg Puchta, PD Dr. Hans-Ulrich Pauer, Dr. Helmut Lacher.Gynkologie, Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

  • 24

    PartnerschaftsgesellschaftDr. med. Helmut LacherDr. med. Jrg PuchtaPD Dr. med. Hans-Ulrich Pauer

    SchwerpunkteReproduktionsmedizinKryokonservierungGynkologische EndokrinologiePrventionsmedizinMedizinische GenetikHormon-Einsendelabor

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    Stan

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