Deutsch Im Spanischen Schulsystem

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    09-Aug-2015

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Opciones de estudio del alemn dentro del sistema educativo espaol (Goethe Institut)

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Hans-Gnter Lffler | Karin Thelemann | Andreas Beensen

DEUTSCHUNTERRICHT IN SPANIENberblick 1. Stellenwert von Deutsch als Fremdsprache 1.1. Deutsch im internationalen Vergleich 1.2. Sprachenlernen in der Europischen Union 1.3. Deutsch in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Spanien und Deutschland 2. Deutsch im spanischen Bildungswesen 2.1. Die gesetzliche Grundlage 2.2. Allgemeiner Aufbau des Bildungssystems im schulischen Bereich 2.2.1. Zahlen und Fakten 2.2.2. Vorschulische Erziehung (ISCED 0) 2.2.3. Primar- und Sekundarbereich I (ISCED 1 und 2) 2.2.4. Sekundarbereich Oberstufe und Berufsausbildung (ISCED 3A und 3B) 2.2.5. Escuela Oficial de Idiomas 2.2.6. Hochschulen 3. Die Frderung von Deutsch an spanischen Schulen durch die deutsche Bundesregierung 3.1. Frderung von Deutsch durch das Goethe-Institut 3.2. Deutsche Auslandsschulen 3.3. Die Initiative Schulen: Partner der Zukunft 4. Resmee und Ausblick

berblick Im ersten Abschnitt dieses Beitrags werden verschiedene belastbare Daten vorgestellt, die die Attraktivitt von Deutsch als Fremdsprache darlegen. Hierbei wird bercksichtigt, dass neben der Anzahl der Menschen, mit denen auf Deutsch kommuniziert werden kann, auch die wirtschaftliche Aktivitt dieser Personen sowie der Fremdsprachenbedarf von Unternehmen und Volkswirtschaften einbezogen werden muss. Gerade auch berufliche Perspektiven sind bei der Wahl einer Fremdsprache ausschlaggebend. Fr Spanien ist der Austausch mit den Mitgliedsstaaten der Europischen Union (EU) von zentraler wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Deshalb werden im Anschluss die Rahmenbedingungen und wichtigsten Kenngren des Sprachenlernens innerhalb der EU beschrieben. Den Abschluss des ersten Abschnitts bildet eine Charakterisierung der bilateralen Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland mit Fokus auf die Bereiche, in denen Fremdsprachenkompetenz von entscheidender Bedeutung ist: die wirtschaftlichen Beziehungen einschlielich Tourismus und der Austausch von Studenten. Der zweite Abschnitt erlutert den rechtlichen Rahmen und prsentiert Statistiken zum Deutschlernen an spanischen Schulen und Hochschulen. Im dritten Abschnitt wird die Frderung des Deutschunterrichts in Spanien durch deutsche Institutionen wie das Goethe-Institut und die von der Bundesregierung gefrderten deutschen Auslandsschulen vorgestellt, im vierten Abschnitt wird ein Resmee gezogen.

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1. 1.1.

Stellenwert von Deutsch als Fremdsprache Deutsch im internationalen Vergleich

Deutsch ist als staatliche Amtssprache in Deutschland, sterreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Belgien und Italien (Provinz Bozen) verbreitet und hat insgesamt 118 Millionen Sprecher. In der Rangfolge der am meisten gesprochenen Sprachen liegt Deutsch damit weltweit sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitsprachlern auf Platz 10 (s. Tab. 1).

Sprache

Sprecher in Millionen (Erstsprache) 1213 845 329 328 242 221 181 178 144 122 90 68

Sprecher in Millionen (Zweitsprache)

Sprecher in: Zahl der Lnder (auch Migration)

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Chinesisch Davon Mandarin (Hochchinesisch)

178 60 keine Angabe 224 246 140 15 110 1 28 50

31 20 44 112 23 57 10 37 33 25 43 601

2 3 4

Spanisch Englisch Hindi / Urdu (Hindustani) Arabisch Bengalisch Portugiesisch Russisch Japanisch Deutsch Franzsisch

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Tab. 1: Die meistgesprochenen Sprachen der Welt Anfang des 21. Jahrhunderts (Stand 2009, gerundet)

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Quelle: Etnologue 2009 www.ethnologue.com/ethno_docs/distribution.asp?by=size#3 (11.4.2010)

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Abbildung 1 kann entnommen werden, dass Deutsch die am meisten gesprochene Muttersprache in der Europischen Union ist. Die am meisten gesprochene Sprache in der EU ist Englisch, das von 13 % der EU-Brger als Muttersprache und von 38 % als Fremdsprache gesprochen wird. Deutsch folgt an zweiter Stelle mit 18 % Muttersprachlern und einem Anteil von 14 % der EU-Brger, die Deutsch als Fremdsprache beherrschen, gefolgt von Franzsisch, Italienisch und Spanisch.2

Abb. 1: Die meistgesprochenen Sprachen in der EU (in % der EU-Brger).

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Die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung Deutschlands und der weiteren Lnder mit deutschsprachiger Bevlkerung macht die deutsche Sprache auch ber Europa hinaus attraktiv. Nach der letzten Erhebung der 4 Lernerzahlen lernen weltweit ber 14 Millionen Menschen Deutsch . Im Jahr 2005 wurde Deutsch als Fremdsprache in 114 Staaten (auerhalb des deutschen Sprachgebietes) an ffentlichen Schulen gelernt gegenber 88 Staaten im Jahr 1983.5 Bei der Wahl einer Fremdsprache spielt eine Rolle, welchen Mehrwert bzw. welchen persnlichen Vorteil der Lernende fr sich sieht. Um die Anziehungskraft einer Sprache z.B. aus einer wirtschaftlichen Perspektive zu quantifizieren, bietet sich eine Kombination der Sprecherzahl mit dem Bruttonationaleinkommen als Mastab der konomischen Strke einer Sprache an, wie ihn der Soziolinguist Ulrich Ammon vorschlgt.6 Bei einem derartigen Vergleich rangieren die Muttersprachler des Deutschen nach der Hhe an dritter Stelle aller Sprachen. In Abb. 2 ist ein solcher Vergleich der konomischen Strke der weltweit am meisten gesprochenen Sprachen dargestellt. Anhand dieser Aufstellung ist die Diskrepanz zwischen Sprecherzahlen und Wirtschaftskraft der Sprachgemeinschaften ersichtlich.

Quelle: Eurobarometer, Die Europer und ihre Sprachen, Februar 2006, http://ec.europa.eu/education/languages/pdf/doc629_de.pdf. Dazu wurden 2005 ber 64 Mio. EU-Brger befragt sowie Brger aus Bulgarien, Rumnien, Kroatien und der Trkei. 3 Quelle: ebd, 4 Quelle: Netzwerk Deutsch, Berlin, Bonn, Kln, Mnchen 2010, www.diplo.de/diplo/de/Aussenpolitik/KulturDialog/DSDI/PublStatistik.pdf (August 2010) 5 Quelle: U. Ammon, Welche Rolle spielt Deutsch international?, in: magazin-deutschland 2/2010, www.magazine-deutschland.de/nc/de/heftarchiv/heftdetail/mdissue/102.html. 6 Quelle: ebd.

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Abb. 2: konomische Strke weltweit in Mrd. $ der am meisten gesprochenen Sprachen. Dazu wurde das jeweilige Bruttonationaleinkommen entsprechend der Anteile der Muttersprachler aufgeschlsselt und nach Sprachen zusammengefasst. So wurde z.B. fr Deutsch 63,7 % des Bruttonationaleinkommens der Schweiz eingerechnet, was dem 7 Anteil der Schweizer entspricht, die Deutsch als Muttersprache sprechen.

Die konomische Strke eines Landes ist fr Fremdsprachenlerner ein wichtiges Entscheidungskriterium, sie macht neben Faktoren, wie der der Anzahl der Sprecher, die Attraktivitt einer Fremdsprache aus. In Abb. 3 sind die Lnder mit den hchsten Einfuhren und Ausfuhren im Jahr 2008 dargestellt. Man erkennt, dass Deutschland zum damaligen Zeitpunkt nicht nur der grte Exporteur, sondern auch das Land mit der

Abb. 3: Lnder mit der hchsten Ein- und Ausfuhr 2008.7

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Quelle: U. Ammon, Die Stellung der deutschen Sprache in der heutigen Welt, 2009, unverffentlichtes Manuskript. 8 Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2009, S. 718

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zweitgrten Nachfrage nach Waren aus anderen Lndern ist. Um ein vollstndiges Bild zu zeichnen, sind Deutschland und die anderen Lnder mit deutschsprachiger Bevlkerung also nicht nur als starker Wirtschaftsstandort, sondern auch als attraktiver Absatzmarkt zu betrachten, auf dem Wettbewerber mit Deutschkenntnissen im Vorteil sind. Der Zusammenhang zwischen Wettbewerbsvorteilen und Fremdsprachenkenntnissen ist wissenschaftlich belegt. Die 2006 im Auftrag der EU-Kommission durch die Befragung von 30 multinationalen und fast 2.000 kleinen und mittleren Unternehmen aus 29 europischen Lndern durchgefhrten ELAN-Studie zeigt, dass Mehrsprachigkeit die Chancen von Bewerbern auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Das Beherrschen mehrerer Fremdsprachen gewinnt nicht nur in groen, sondern auch in mittelstndischen Unternehmen immer grere Bedeutung. Der Studie zufolge ist Englisch als weltweite Lingua Franca zwar inzwischen unverzichtbar, macht allerdings nur einen Teil der Fremdsprachenkenntnisse aus, die fr die Mitarbeit in den befragten Unternehmen bentigt werden. 29 % der groen und 26 % der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gaben an, dass Englisch die wichtigste Fremdsprache sei, in der es zur Deckung des derzeitigen bzw. knftigen Bedarfs einer Verbesserung der Kenntnisse 9 unter ihren Mitarbeitern bedrfe. Umgekehrt betrachtet sehen ber 70 % der Unternehmen die Prioritten bei anderen Sprachen. Deutsch liegt mit 18 % bei den KMU hinter Englisch klar an zweiter Stelle gefolgt von Franzsisch und Russisch mit 13 % bzw. 12 %. Aus der Studie ergibt sich auch, dass kleine und mittlere Unternehmen anders als die weltweit ausgerichteten groen Unternehmen vor allem auf Mrkte in ihrer Nachbarschaft achten und daher in Zukunft eine bessere Kenntnis der Sprachen europischer Lnder gegenber Chinesisch, Arabisch oder Japanisch als prioritr betrachten. Nach einer konservativen Rechnung knnten 945.000 kleinen und mittleren Unternehmen in Europa wirtschaftliche Nachteile durch den Verlust von Auftrgen entstehen, wenn sie keine Mitarbeiter finden, die ber die erforderlichen Fremdsprachenkenntnisse verfgen.10 Es kann festgehalten werden: Mehrsprachigkeit und damit die Fhigkeit zur zielmarktadquaten Kommunikation ist in einem globalen Markt keinesfalls hinfllig geworden, sondern hat im Gegenteil als Wettbewerbsvorteil u.a. bei 11 Bewerbungen an Bedeutung gewonnen. 1.2 Sprachenlernen in der Europischen Union

Die soeben skizzierte Bedeutung der Beherrschung mehrerer Sprachen ist von der europischen Politik aufgegriffen worden. Eingedenk der wichtigen Rolle, die Fremdsprachenkenntnisse bei der politischen und wirtschaftlichen Integration sowie beim kulturellen Austausch in Europa und darber hinaus spielen, haben die Staats- und Regierungschefs der Europischen Union 2002 auf der Tagung des Europischen Rates in Barcelona die Verbesserung der Aneignung von Grundkenntnissen, insbesondere durch Fremdsprachenunterricht in mindestens zwei Sprachen vom jngsten Kindesalter an gefordert.12 Erstmalig 2001 und wiederum 2005 wurden Eurobarometer-Umfragen zur Fremdsprachenkompetenz und zur Einstellung zu Fremdsprachen durchgefhrt. Im

Quelle: The National Centre for Languages (Hg.), ELAN: Auswirkungen mangelnder Fremdsprachenkenntnisse in den Unternehmen auf die europische Wirtschaft, 2006, http://ec.europa.eu/education/policies/lang/doc/elan_de.pdf (21.7.2010) 10 Quelle: ebd. 11 Quelle: J. Bolten, Mehrsprachigkeit und Wirtschaft, 2009, www.goethe.de/ges/spa/prj/sog/fst/de4094907.htm (11.4.2010) 12 Vgl. http://europa.eu/european-council/index_de.htm

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13 Jahr 2001 gaben 47 % der EU-Brger an, eine Fremdsprache zu sprechen, im Jahr 2005 waren es bereits 56 %. In Bezug auf das Ziel, dass jeder EU-Brger neben seiner Muttersprache zwei Fremdsprachen sprechen sollte, gaben 28 % an, dass sie mindestens zwei und 11 %, dass sie mindestens drei Fremdsprachen sprechen. Allerdings haben 44 % der Befragten erklrt, dass sie neben ihrer Muttersprache keine Fremdsprachen sprechen: in Irland (66 %), in Grobritannien (62 %), in Italien (59%), in Ungarn und Portugal (58 %) sowie in Spanien (56 %).

Die Schule ist der Ort, an dem die meisten Europer Fremdsprachenkenntnisse erwerben. In fast allen EU-Lndern wird mit dem Lernen der ersten Fremdsprache im Primarbereich (ISCED 1)14 begonnen, in Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft) und Spanien bereits im Elementarbereich (ISCED 0). Im Schuljahr 2006/2007 erlernen ber 50 % der Primarschler eine Fremdsprache, allerdings steht nur ein geringer Anteil des Stundenvolumens fr den Fremdsprachenunterricht zur Verfgung, in der Regel weniger als 10 % der Gesamtunterrichtszeit (Spanien: 6,5 %). Etwas besser sieht es im Sekundarbereich aus (ISCED 2), hier entfallen zwischen 9 und 20 % der Unterrichtszeit auf den Fremdsprachenunterricht (Spanien: 10,7 %). In den meisten EULndern haben die Schler die Pflicht, fr mindestens ein Jahr whrend der Vollzeitschulpflicht mindestens zwei 15 Fremdsprachen zu lernen. In Deutschland und sterreich gilt dies bereits fr fast alle Schulformen. In Spanien , Tschechien, Belgien, Norwegen und Slowenien haben die Schler nicht die Pflicht, aber das Recht, zwei Fremdsprachen zu lernen. Die erste Fremdsprache ist Pflichtfach, die zweite wird als Wahlpflichtfach angeboten, d.h. man hat die Option, eine Fremdsprache zu whlen oder sich fr ein anderes Fach zu entscheiden. In Irland und Grobritannien obliegt es den Schulen, die Mglichkeit des Erlernens einer zweiten Fremdsprache zu erffnen.16 Grundstzlich wird deutlich, dass sich seit der Empfehlung des Europischen Rates von Barcelona das Angebot an Fremdsprachenunterricht an Schulen in Europa verbessert hat. Die Bedeutung des frhen Fremdsprachenlernens ab ISCED 0 und 1 wurde von den Bildungspolitikern erkannt. Die Voraussetzungen sind gnstiger geworden, durch die Verlngerung der Lernzeit und der damit zusammenhngenden Erhhung der Stundenzahl ein hheres Sprachniveau zu erreichen. Von der groen Mehrheit der Schler im Sekundarbereich I und II wird Englisch als erste Fremdsprache gelernt. Eine zweite Fremdsprache sollte daher im Sinne der Umsetzung der Mehrsprachigkeitspolitik der EU - in allen Mitgliedslndern verpflichtend gelernt werden. Auch ber die Erhhung der fr den Fremdsprachenunterricht zur Verfgung stehenden Stundenzahl in den Lehrplnen sollte nachgedacht werden. Bislang erwerben lediglich 58 % der Schler im Sekundarbereich I Kenntnisse in mindestens zwei Fremdsprachen, wobei in den Statistiken keine Aussagen zur Qualitt des Fremdsprachenunterrichts gemacht werden. Die am meisten gelernten Fremdsprachen in der EU neben Englisch sind Franzsisch und Deutsch, gefolgt von Spanisch und Russisch. Wenn Schler mit der ersten Fremdsprache im Elementar- bzw. Primarbereich beginnen, kann davon ausgegangen werden, dass im Sekundarbereich I ein Sprachniveau erreicht wird, auf dem es sinnvoll und motivierend ist, Fachinhalte in der Fremdsprache zu vermitteln. Durch empirische Untersuchungen, zum Beispiel die DESI-Studie

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Quelle: Die Europer und ihre Sprachen, Februar 2006 http://ec.europa.eu/education/languages/pdf/doc629_de.pdf , 2005 wurden ber 64 Mio. EU-Brger befragt sowie Brger aus Bulgarien, Rumnien, Kroatien und der Trkei 14 ISCED = International Standard Classification of Education ist ein Klassifizierung von Schultypen, das von der UNESCO entwickelt wurde, vgl. http://www.uis.unesco.org/publications/ISCED97. 15 In den meisten autonomen Gemeinschaften ist der Unterricht in einer zweiten Fremdsprache ab dem Alter von 10 Jahren Teil des Bildungsangebots.(Stand 2006/2007), Vgl. http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/key_data_series/095DE.pdf(11.4.2010) 16 ebd.

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17 (=Deutsch-Englisch- Schlerleistungen-International) , ist belegt, dass integriertes Fremdsprachen- und Sachfachlernen (= Content and Language Integrated Learning, CLIL) die Schlerleistungen sowohl im Sachfach als auch in der Fremdsprache steigern kann. Allerdings mssen entscheidende Voraussetzungen erfllt sein. Es muss geeignetes Lehrmaterial zur Verfgung stehen,...

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