Diabetes und Gastrointestinaltrakt; Diabetes and the gastrointestinal tract;

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    23-Dec-2016

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  • Diabetologe20139:515516DOI10.1007/s11428-013-1063-xOnlinepubliziert:26.November2013Springer-VerlagBerlinHeidelberg2013

    J.KellerMedizinischeKlinik,IsraelitischesKrankenhaus,Hamburg

    DiabetesundGastrointestinaltrakt

    Nahezu jeder Diabetologe behandelt Pa-tienten mit gastroenterologischen Be-schwerden, und nahezu jeder Gastro-enterologe behandelt Diabetespatien-ten. Dies ist allein aufgrund der Hufig-keit dieser Erkrankungen bzw. Beschwer-den praktisch unumgnglich. Allerdings stehen hierbei nur selten die Interaktio-nen zwischen dem Diabetes mellitus und den gastroenterologischen Erkrankungen bzw. Beschwerden im Vordergrund. Dies gilt teils, weil diese in der jeweiligen kli-nischen Situation weniger relevant sind, vielfach aber auch, weil die diversen As-soziationen zwischen gastrointestinalen Strungen und Diabetes mellitus unzu-reichend bekannt sind und deshalb nicht ausreichend bercksichtigt werden. Zu-dem sind die Zusammenhnge zwischen Diabetes mellitus und Gastrointestinal-trakt komplex.

    AssoziationenzwischengastrointestinalenStrungenundDiabetessindunzureichendbekannt

    Zum einen knnen bei Diabetespatienten praktisch alle relevanten regulatorischen Systeme und Effektororgane, die fr den physiologischen Ablauf der gastrointesti-nalen Funktionen von Bedeutung sind, al-teriert sein. Die autonome Neuropathie ist der bekannteste, aber keineswegs der ein-zige relevante Pathomechanismus. Hier-durch verursachte gastrointestinale Funk-tionsstrungen knnen sich mit unter-schiedlichsten Symptomen an smtlichen Abschnitten des Magen-Darm-Trakts ma-nifestieren und fhren zu einer signifi-kanten Beeintrchtigung der Lebensqua-

    litt betroffener Diabetespatienten. Gast-rointestinale Funktionsstrungen knnen wegen ihrer Auswirkungen auf die Nhr-stoffresorption und die Blutglukoseregu-lation bei Patienten mit Diabetes zudem sogar dann bedrohlich und behandlungs-bedrftig sein, wenn sie ansonsten subkli-nisch verlaufen, also nicht mit relevanten Magen-Darm-Beschwerden einhergehen.

    Andererseits ist unbedingt zu beden-ken, dass gastrointestinale Beschwer-den auch und gerade bei Diabetespatien-ten nicht nur durch Funktionsstrungen, sondern durch unerwnschte Wirkun-gen der Antidiabetika oder organische Erkrankungen hervorgerufen oder ver-strkt werden knnen. Hierbei spielt das gemeinsame Vorkommen unterschiedli-cher Risikofaktoren bei Patienten mit Dia-betes mellitus eine Rolle. So kann eine Re-fluxerkrankung bei einem Typ-2-Diabe-tes-Patienten sowohl durch sophagus-motilittsstrungen im Rahmen der auto-nomen Neuropathie als auch durch Adi-positas begnstigt werden. Zudem tra-gen Patienten mit Diabetes ein gestei-gertes Risiko fr das Auftreten bestimm-ter gastrointestinaler Erkrankungen. Dies gilt fr Typ-1-Diabetes-Patienten z. B. fr Erkrankungen mit autoimmuner Kompo-nente wie die Sprue. Fr alle Diabetespa-tienten bedeutsam ist das gehufte Auftre-ten gastrointestinaler Tumoren, insbeson-dere von Pankreaskarzinomen.

    Als dritter Komplex kommt hinzu, dass bestimmte gastrointestinale Erkran-kungen einen Diabetes mellitus verursa-chen knnen. Am wichtigsten und be-kanntesten ist hier der pankreatoprive Diabetes mellitus, beispielsweise im Rah-men einer chronischen Pankreatitis. Es gibt auerdem enge und vielfach unter-

    schtzte Zusammenhnge zwischen einer Leberzirrhose und Strungen der Blutglu-koseregulation.

    Das vorliegende Heft der Zeitschrift Der Diabetologe widmet sich den Zusam-menhngen zwischen Diabetes mellitus und Gastrointestinaltrakt. Es stellt zum einen die komplexen Pathomechanismen dar, die bei Diabetespatienten zu gastro-intestinalen Funktionsstrungen fhren knnen und deren Kenntnis einen An-satzpunkt fr neue Therapieformen lie-fern kann.

    Des Weiteren werden die Folgen dieser Funktionsstrungen diskutiert, nmlich unterschiedlichste Beschwerden im Be-reich des gesamten Gastrointestinaltrakts. Hierbei wird auf sinnvolle diagnostische Strategien eingegangen, die die mangeln-de Eindeutigkeit der jeweiligen Symptome bercksichtigen. Auerdem werden ge-sttzt auf die aktuelle Nationale Versor-gungsLeitlinie Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter adquate thera-peutische Optionen dargestellt.

    Ein weiterer Beitrag des Schwerpunkt-hefts beschftigt sich ausfhrlich mit den hufig unzureichend beachteten Zusam-menhngen zwischen Leberzirrhose und Diabetes. Hierbei wird v. a. auf die Beson-derheiten der Diabetesmanifestation und -therapie bei Patienten mit Leberzirrhose eingegangen.

    Abschlieend werden die Assoziatio-nen zwischen Diabetes mellitus und gast-rointestinalen Tumoren behandelt, insbe-sondere in Bezug auf das Pankreaskarzi-nom und unter Bercksichtigung der ak-tuellen pathophysiologischen Erkennt-nisse.

    Das vorliegende Schwerpunktheft von Der Diabetologe ist vorwiegend aus gastro-

    515DerDiabetologe72013 |

    Einfhrung zum Thema

  • enterologischer Perspektive geschrieben, d. h. von gastroenterologisch ttigen Kol-legen, die sich klinisch und wissenschaft-lich in besonderer Weise mit der Assozia-tion zwischen gastrointestinalen Erkran-kungen und Diabetes mellitus beschf-tigen. Ich hoffe, dass diese fr die meis-ten Leser dieser Zeitschrift ungewhnli-che Perspektive bereichernd ist und neue Erkenntnisse liefert. Fr die optimale Be-treuung von Patienten mit Diabetes mel-litus und gastrointestinalen Erkrankun-gen besonders wnschenswert und be-deutsam wre jedoch der vermehrte Aus-tausch zwischen gastroenterologisch und diabetologisch spezialisierten rzten.

    PD Dr. J. Keller

    Korrespondenzadresse

    PD Dr. J. KellerMedizinischeKlinikIsraelitischesKrankenhausOrchideenstieg14,22297Hamburgj.keller@ik-h.de

    Interessenkonflikt. J.Kellergibtan,dasskeinInter-essenkonfliktbesteht.

    DerBegriffderAtherosklerosefasstarteriel-leGeferkrankungenzusammen,diedurchfibrseUmbauprozesseinderGefwandge-kennzeichnetsindundalschronischeentznd-licheReaktionderGefwandaufDyslipid-mieundEndothelstressgedeutetwird.DerchronischeProzessinduzierteinemultifokalePlaquebildung.DieMehrzahldieserPlaquesbleibtklinischstumm,einigeverursachenObs-truktion,ThromboseundEmbolieunddamitatherothrombotischeEreignissewieHerzin-farkt,SchlaganfalloderdieperipherearterielleVerschlusskrankheit(pAVK).DiePrvalenzderpAVKistindenletzten10Jahrendramatischangestiegen, inLndernmithohemEinkommenwieDeutschlandum13,1%.Eswirdgeschtzt,dassbeiunsca.3MillionenMenschenvondieserErkrankungbetroffensind.DieshaterheblicheAuswirkun-genaufunserGesundheitssystem:dieRck-vergtungskostenfrstationreBehandlungderpAVKstiegenvon2,14MilliardenEuroimJahr2007auf2,56MilliardenEuroimJahr2009anundmachtendamit4,84%allerKranken-hauskostenaus.

    ber50%derPatientenmitpAVKsterbenamHerzinfarkt,ca.15%amSchlaganfall.

    Die AWMF-Leitlinien betonen:FDieBedeutungderpAVKwirdvonrzten

    undPatientenunterschtzt.FPatientenmitpAVKsind

    hinsichtlichihrerRisikofaktorenundBegleiterkrankungenunterbehandelt.

    BegrndetwirddieseFeststellungmitStudien,diebelegenkonnten,dasszwar2von3Patien-tenmitkoronarerHerzkrankheit(KHK)einenThrombozytenfunktionshemmer erhielten,abernuretwajederzweitePatientmitpAVK.Bei der Lipidsenkungmit Statinen sieht eshnlichaus:46%derPatientenmitKHK,abernur23%derPatientenmitsymptomatischerpAVKwerdenmiteinemStatinversorgt.Hin-zukommt:NurwenigePatientenwissen,waseinepAVKist.Vondenen,diedenBegriffken-nen,istetwaderHlftenichtbewusst,dasseinDiabetesmellitusundRauchendasRisikofreinepAVKerhhen.

    Fachnachrichten

    Die Deutsche Gesellschaft fr Gef chir urgie und Gefmedizin (DGG) empfiehlt in Anlehnung an die aktuellen WHO-Empfehlungen und europischen Leitlinien,FdasRauchenaufzugebenodernichtdamit

    zubeginnen,Fsichgesundzuernhren,Fkrperlichaktivzusein(wenigstens30

    MinutenandenmeistenTagenderWochebzw.wenigstens1StundeandenmeistenTagenderWoche),

    FbergewichtundAdipositaszuvermeiden,FdenBlutdruckzureduzieren

    (5mmol/L)und/oderLDL-Cholesterin>3,0mmol/L(trotzLipid-senkenderDit)einStatinzuverordnen.

    FdenBlutzuckerregelmigberprfenzulassenundwennerforderlicheinzustellen,

    FThrombozytenaggregationshemmerfallserforderlicheinzunehmensowie

    FbeiderErnhrung gesttigteFettsurendurchvielfachungesttigteFettsurenzuersetzen,

    FTrans-ungesttigteFettsurensowenigalsmglichaufzunehmen(mglichstkeinKonsumvonindustriellhergestelltenProdukten)und

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