DIE ECHTE WIRTSCHAFT - RSM DIE uSA: bEWEIS uS-AmERIkANISCHE kmu-ExPoRTE NACH koREA wie Freihandelsabkommen

  • View
    0

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of DIE ECHTE WIRTSCHAFT - RSM DIE uSA: bEWEIS uS-AmERIkANISCHE kmu-ExPoRTE NACH koREA wie...

  • DIE ECHTE WIRTSCHAFT

    NovEmbER 2016 I AuSgAbE 23

    gLobALE AuSgAbE

  • r s m | d i e E C H T E W I R T S C H A F T | 32 | N OV e m B e r 2 0 1 6

    THOUGHT LEADERS

    Unsere Thought Leaders („Vordenker“) sind erfahrene Profis mit jahrelanger Erfahrung auf ihrem Gebiet, die versuchen, Sie und Ihr Unternehmen zum Erfolg zu führen. Thought Leader, die zu dieser Ausgabe beigetragen haben:

    • Joe Brusuelas, Chief Economist, RSM US LLP • Aidan Byrne, Tax Partner, RSM Ireland • Howard Freedman, Partner, RSM UK • Alistair Hynd, Partner, RSM UK • Charlie Jolly, Partner, RSM UK • Andy Murray, Partner, RSM UK • Mike Thornton, National Head of Manufacturing, RSM UK

  • r s m | d i e E C H T E W I R T S C H A F T | 32 | N OV e m B e r 2 0 1 6

    diese Veröffentlichung spiegelt die meinungen der Autoren wider und nicht notwendigerweise die meinungen von rsm. diese Veröffentlichung stellt keine professionelle Beratung dar.

    Warum die TPP wichtig ist Die Transpazifische Partnerschaft wäre ein starker Impuls für weltweit tätige mittelständische Unternehmen 4

    brexit: Die bisherige Entwicklung 9

    Wie der Brexit den Infrastruktur-Sektor beeinflusst 10

    Großbritanniens Hersteller erwarten unsichere Zeiten, doch auch einmalige Chancen 11

    Die Immobilienbranche hat den Brexit-Schock noch nicht verdaut 12

    Das schwache britische Pfund bietet selektive Möglichkeiten für Beteiligungsgesellschaften 13

    Irlands Haushalt 2017 bereitet multinationalen Unternehmen Kopfschmerzen 14

    iNHALTsVerZeiCHNis

  • r s m | d i e E C H T E W I R T S C H A F T | 54 | N OV e m B e r 2 0 1 6

    In den letzten Jahren ließ sich in Ansätzen eine trotzdem wichtige Neuentwicklung bei Freihandelsabkommen beobachten: Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges fanden nämlich im multilateralen Zeitalter die Interessen der mittelständischen, weltweit tätigen Unternehmen Berücksichtigung. Dieses lässt sich ablesen an der Vorrangstellung, die diese mittlerweile bei der Entwicklung, Ausführung und Aufsicht von Freihandelsabkommen einnehmen.

    Die Transpazifische Partnerschaft (TPP) stützt sich auf eine bereits in einem früheren Freihandelsabkommen zwischen den USA und Korea verankerte Neuerung. Konzipiert, um kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) mehr Raum zu geben, soll sie diesen Zugang in das Handelsabkommen zwischen zwölf Ländern verschaffen, die 37 % bzw. 2,74 Billionen USD des globalen Handels ausmachen.

    Die TPP 12

    • Australien • Brunei • Kanada • Chile • Japan • Malaysia • Mexiko • Neuseeland • Peru • Singapur • Vietnam • Vereinigte Staaten

    Der Wegfall von ca. 18.000 Steuern, die dem Handel zwischen den zwölf Volkswirtschaften zwischengeschaltet waren, ist nur ein Baustein dieses großen Durchbruchs. Global tätigen mittelständischen Unternehmen soll die TPP eine Perspektive für eine Ausweitung ihrer Operationen außerhalb der traditionellen Absatzmärkte, somit auch in neue Märkte, schaffen.

    Wirft man einen Blick auf die großen Volkswirtschaften, wie die Vereinigten Staaten, in denen etwa 98 % der exportierenden Unternehmen aus kleinen und mittelständischen Betrieben bestehen, offenbaren sich die signifikanten Chancen, die hier liegen. Zwar exportieren die größeren Unternehmen rein quantitativ immer noch die meisten Güter, wie in der globalen Wirtschaft üblich, doch gibt es nun eine realistische Gewähr, dieses zu ändern.

    Große Unternehmen werden naturgemäß immer einen Größenvorteil haben. Sie können Transportkosten auffangen, Handelsfinanzierungen realisieren und Hürden bei der Zollabwicklung beseitigen. Doch die Ausschaltung von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen und die damit verbundenen Handelserleichterungen stimulieren den Export nicht nur für große, sondern gleichermaßen auch für kleine und mittlere Unternehmen. Während letztere dank der in der TPP implementierten Neuerungen vom Wachstum sowie von den niedrigeren Teilnahmekosten profitieren, können größere Unternehmen über den Umsatz wachsen. Mit anderen Worten: Was zählt, ist nicht die Verteilung von Wachstumsvorteilen, sondern vielmehr die Aussicht, das gesamte Handelsvolumen zu erhöhen.

    Die ökonomischen Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen gleichwie des freien Handels liegen auf der Hand. Umfragen bei kleinen und mittleren Unternehmen, die vom International Trade Centre durchgeführt wurden, ergaben, dass für diese Betriebe folgende Kriterien wichtig sind: Zum einen der Zugriff auf Informationen über Exportchancen, darüber hinaus die Beseitigung von nichttarifären Handelshemmnissen, die beispielsweise in sanitären und technischen Standards liegen, oder auch die Reduzierung bürokratischer Grenzformalitäten. Zum anderen auch die Einführung von Liefersystemen für internationale Kunden und die Etablierung einer Netzwerkinfrastruktur für Daten. Nicht zuletzt stehen Fragen der Kommunikationstechnologie, Elektrizität und Wasserversorgung auf der Handelsagenda.

    FAkTEN zu mITTELSTäNDISCHEN uNTERNEHmEN Die TPP ist für global tätige mittelständische Unternehmen aufgrund der Vereinfachung der Zollabfertigung und der Förderung von elektronischem Handel in großen und kleinen Volkswirtschaften besonders attraktiv.

    von Joe Brusuelas, Chief Economist, RSM US LLP

    WARum DIE TPP WICHTIg IST die TrANspAZifisCHe pArTNersCHAfT wäre eiN sTArker impULs für weLTweiT TäTiGe miTTeLsTäNdisCHe UNTerNeHmeN

  • r s m | d i e E C H T E W I R T S C H A F T | 54 | N OV e m B e r 2 0 1 6

    Kürzlich hat das Petersen Institute for International Economics auf Basis der über zehn Jahre lang von der US- Volkszählungsbehörde gesammelten Daten zur Warenausfuhr in 25 ausländische Märkte eine differenzierte Untersuchung anhand eines Gravitationsmodells durchgeführt, um zu untersuchen, wie die Exportbilanz der KMU auf Handelskosten reagiert. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig: Marktrelevante Handelshemmnisse schrecken KMUs genauso wenig ab wie große Unternehmen, der Abbau von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen führt zu einem Exportanstieg sowohl bei großen als auch kleinen Betrieben. Darüber hinaus generiert das Abkommen selbst durch die in ihm enthaltenen Möglichkeiten die realistische Option einer Expansion von mittelständischen Märkten auf globaler Basis, wenn die mikroökonomischen Ursachen der Handelshemmnisse in Hinsicht auf einen erwünschten verstärkten Handel in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt werden.

    Die Haupthindernisse, die sich einem Markteintritt entgegenstellen, sind fixe und variable Kosten, die einen mikroökonomischen Ursprung haben. Diese werden in der TPP direkt angegangen, indem jedes Land dazu verpflichtet wird, eine Internetseite einzurichten, auf der KMUs maßgeschneiderte Informationen finden, um sich zu 100 % in die TPP einbringen zu können. Das Abkommen soll hohe variable Kosten senken, die häufig mittelständische Unternehmen unverhältnismäßig belasten können. Diese hohen variablen Kosten entstehen aufgrund von komplexen Formalitäten, fehlender Transparenz bei Regulierungsprozessen, korrupter Zollverwaltung sowie Einschränkungen bei Datenflüssen und Logistik.

    Die TPP thematisiert also insbesondere Probleme bezüglich fixer und variabler Kosten, die den Handel eindämmen. Außerdem ruft sie einen permanenten TPP-KMU-Ausschuss ein, der sich regelmäßig trifft, um das Engagement von kleinen und mittelständischen Unternehmen innerhalb des Abkommens zu prüfen, und um den KMUs etwaige Optionen zur Vorteilserweiterung zu empfehlen. Zu den weiteren Aufgaben des Ausschusses gehören Exportberatung, Handelsförderung und Informationsaustausch.

    Einige Kritiker lehnen dieses Szenario als bloße Theorie ab. Es gibt jedoch ein erfolgreiches Beispiel für eine solche Herangehensweise: das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Korea. Dieses Abkommen, das am 15. März 2012 rechtskräftig wurde, gestaltete sich von Anfang an als ein

    Erfolg für beide Länder sowie die KMUs, die darin operieren. Der koreanische Export stieg insgesamt um 4 %, und die Anzahl der koreanischen Zolltarifpositionen, die einen zollfreien Export für die Vereinigten Staaten garantieren, wuchs bereits am ersten Tag nach Inkrafttreten von 13 % auf 80 %.

    Bis Ende 2013 konnten die US-amerikanischen KMUs einen sofortigen Umsatzanstieg verzeichnen, auch wenn einige lamentierten, dass die Handelsgewinne aufgrund der langen Realisierungszeit schleppend anliefen. Obwohl der Handelsanstieg von 25,5 % hauptsächlich den Getränke- und Tabakherstellern zuzuschreiben war, meldeten Hersteller von Leder- und verwandten Produkten eine Erhöhung von 10,8 %. Der Export in der Textilbranche stieg um 3,9 %, und in der Transport- und Anlagebaubranche konnte man sich um 3,5 % verbessern. Im lukrativen Servicesektor stieg der KMU- Handel um 8,4 % bzw. 13,3 Mrd. USD, verglichen mit demselben Zeitraum zwei Jahre zuvor. Die Nutzungs- und Lizenzhonorare schossen auf 23,4 %. Der Reisemarkt verzeichnete einen 10-prozentigen Anstieg. Umso beeindruckender ist es, dass diese Zahlen während eines sonst schwachen regionalen Wirtschaftswachstums zu beobachten waren.

    Leider herrscht heute, insbesondere in den Industrieländern, ein falsches Verständnis vom freien Handel und freiem Kapitalverkehr. Es ist ein verbreiteter Mythos, dass der freie Verkehr von Gütern und Kapital für den Stellenabbau in der Produktion und anderen Wirtschaftszweigen verantwortlich ist.