Die Maske mit glühenden Augen

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    31-Dec-2016

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    Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

    Thomas Brezina: Die Knickerbocker-Bande / Thomas Brezina. - Wien ; Stuttgart :

    Neuer Breitschopf Verlag

    Die Maske mit glhenden Augen : Abenteuer auf einer Reise durch Mexiko. - 1. Aufl. 1996

    ISBN 3-7004-3558-4

    1. Auflage 1996

    Portrtfoto: Michael Fantur Lektorat: Wolfgang Astelbauer

    Satz und Repro: Zehetner Ges. m. b. H., A-2105 Oberrohrbach Druck und Bindung: Ueberreuter Buchproduktion,

    A-2100 Korneuburg Aus Umweltschutzgrnden wurde dieses Buch

    auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt.

    hpt-Verlagsgesellschaft m. b. H. & Co. KG, Wien 1996 Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der

    fotomechanischen Wiedergabe, der bersetzung und der bertragung in Bildstreifen, vorbehalten.

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    Inhalt

    Der Besuch des Dmons 04 Der falsche Koffer 09 Glhende Augen 14 Schmutzige Geschfte 19 Lauter Verdchtige 25 Was ist mit Dominik los? 31 Der Mann mit dem steinernen Gesicht 36 Nchtlicher Ausflug in die Sierra 42 Die Pyramide der gefiederten Schlange 46 In der Gewalt der weien Gestalten 51 Rettung in letzter Sekunde 56 Das Geheimnis der Masken 61 Die Warnung 66 Die Verfolgungsjagd 73 Ausgetrickst 79 Im Wrgegriff der Boa 84 Der Jaguar 90 Die vierte Maske 96 Die Wasserfalle 103 Ertrunken? 108 Ein berraschendes Wiedersehen 113 Die Trnen des Uaxa 120 Die brennende Brcke 125

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    Der Name KNICKERBOCKER BANDE ... entstand in sterreich. Axel, Lilo, Poppi und

    Dominik waren die Sieger eines Zeichenwettbewerbs. Eine Lederhosenfirma hatte Kinder aufgefordert, ausgeflippte und knallbunte Lederhosen zu entwerfen. Zum groen Schreck der Kinder wurden ihre Entwrfe aber verwirklicht, und bei der Preisverleihung muten die vier ihre Lederhosen vorfhren.

    Dem Firmenmanager, der sich das ausgedacht hatte, spielten sie zum Ausgleich einen pfiffigen Streich. Als er bemerkte, da er auf sie hereingefallen war, rief er den vier Kindern vor lauter Wut nach: Ihr verflixte Knickerbocker-Bande!

    Axel, Lilo, Dominik und Poppi gefiel dieser Name so gut, da sie sich ab sofort die Knickerbocker-Bande nannten.

    KNICKERBOCKER MOTTO 1: Vier Knickerbocker lassen niemals locker!

    KNICKERBOCKER MOTTO 2: berall, wo wir nicht sollen, stecken wir die Schnffelknollen, sprich die Nasen, tief hinein, es knnte eine Spur ja sein.

    scanned by: crazy2001 @ Oktober 2003 corrected by: Larentia

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    Der Besuch des Dmons

    Es war eine halbe Stunde nach Mitternacht, als Rolf Musmann sein Jausenbrot auspackte.

    Jausenbrot ist eigentlich nicht das richtige Wort dafr. Mein Muschen wird sich einen anderen Namen ausdenken mssen, murmelte er. Mitternachtsimbiss oder nchtlicher Krafthappen wrde die Sache schon besser treffen.

    Rolf Musmann war ein Mensch, bei dem alles seine Ordnung haben mute. Seine Hosen hatten exakte Bgelfalten, in seiner Geldtasche trug er exakt 300 Franken und seine nchtlichen Touren durch das Museum begann er exakt zur vollen Stunde.

    Er war Nachtwchter und nahm seine Arbeit sehr genau. Das Museum - in dem ausschlielich Masken und Dmonenfiguren aus aller Welt gezeigt wurden -verfgte zwar ber eine Alarmanlage; da es sich aber weit auerhalb der Stadt befand, htten Diebe die ausgestellten Kunstschtze garantiert rechtzeitig wegschaffen knnen, bevor die Polizei eintraf.

    Oft war Rolf Musmann schon gefragt worden, ob er sich zwischen den glotzenden Teufelsmasken, den wilden Fratzen der bsen Dmonen, den geschnitzten Drachenkpfen und Monsterschdeln nicht frchtete. Er hatte immer lssig den Kopf geschttelt und versichert: Fr mich gibt es keine Gespenster, sondern nur die exakten Zahlen der

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    Mathematik. Als er in dieser Nacht gerade in sein Brtchen bi,

    tauchte vor ihm etwas auf, das mit den Gesetzen der Mathematik nicht erklrbar war. Er verschluckte sich vor Schreck so sehr, da er exakt viermal heftig husten mute.

    Vor ihm stand eine furchteinflende Gestalt. Sie trug ein Gewand, das aus verschiedenen Tierfellen genht war, und hatte eine unheimliche Maske ber den Kopf gestlpt. Es war ein verzerrtes, grimmiges Gesicht, aus dessen Maul lange gebogene Zhne ragten. Durch die riesige Knollennase war ein Ring gezogen, und die Augen glichen zwei mchtigen weien Kugeln.

    Das Haar war schwarz und lang und mit bunten Federn, Menschenknochen und einem Totenkopf geschmckt.

    Rolf Musmann wollte aufstehen, doch seine Beine versagten ihm den Dienst. Hatte er die Gestalt nicht schon einmal gesehen?

    Jetzt erinnerte er sich. Es war in einer Sonderausstellung gewesen, die vor zwei Jahren im Museum gezeigt worden war. Sie hatte die grausamen Rituale der Mayas und Azteken zum Thema gehabt. Oder waren es andere Vlker gewesen? Dem Nachtwchter war das im Augenblick egal. Er wute aber, da auf einem Bild genau dieser Dmon abgebildet gewesen war. Es handelte sich um einen Priester, der einem Sonnengott Menschenopfer darbrachte.

    Die Erscheinung schob ein kurzes Blasrohr in das

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    Mundloch der Maske. Es zischte, und Herr Musmann sprte einen Stich am Hals.

    Sofort wurde er von schrecklichen Wahnvorstellungen geplagt. Er war nicht mehr im Museum, sondern in einem Dschungel. Er erkannte das ppige Grn und nahm hohe Berge aus. Der Priester und er standen auf der Plattform einer Stufenpyramide. Die Sonne brannte vom Himmel, und am Fu des Baues lagen Tausende dunkelhutige Menschen auf den Knien.

    Der Priester trat nher zu ihm, und Rolf Musmann wollte weglaufen. Aber er war an einer Sule festgebunden.

    Der Priester streckte die Hand aus, um ihm das Herz bei lebendigem Leibe aus der Brust zu reien.

    Nein! schrie der Nachtwchter. Nein! Hilfe! In Wirklichkeit wurde ihm in diesem Moment

    nicht das Herz aus der Brust, sondern der Schlsselbund aus der Innentasche seiner Uniformjacke gerissen. Es war nicht schwierig, den Schlssel zu finden, mit dem die Alarmanlage ausgeschaltet werden konnte. Der ordentliche Herr Musmann hatte jeden Schlssel mit einem beschrifteten Anhnger versehen.

    Kaum war die Alarmanlage auer Betrieb gesetzt, lief der Unbekannte im Dmonenkostm zu einer Vitrine, in der eine Kupfermaske ausgestellt war. Sie war mehr als tausend Jahre alt und stellte ein Gesicht dar, das die Zhne zu fletschen schien.

    Geschmckt wurde die Fratze von einem pyramidenfrmigen Aufbau und mchtigen

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    Ohrgehngen, die um ein Vielfaches grer waren als das eigentliche Maskengesicht. Da und dort waren auf dem Metall noch Reste von Farbe zu erkennen, und als Augen waren zwei Edelsteine eingesetzt.

    Die Vitrine wurde aufgesperrt, die Maske vorsichtig herausgenommen. Dann schlo der Dieb den Glasschrank wieder ab und setzte die Alarmanlage in Gang. Da er Gummihandschuhe trug, hinterlie er keine Fingerabdrcke.

    Der Unbekannte brachte dem Nachtwchter den Schlsselbund zurck und zog ihm einen stecknadelgroen Pfeil aus dem Hals. Mit groen Schritten eilte er auf den Notausgang zu, dessen Schlo er geknackt hatte. Die Alarmanlage sicherte nur die Vitrinen, nicht aber die Ein- und Ausgnge.

    So still und schnell, wie er gekommen war, verschwand der Eindringling.

    Rolf Musmanns Augen waren auf die Stelle gerichtet, an der die rtselhafte Gestalt erschienen war. In seiner Phantasie befand er sich noch immer auf der Pyramide im Urwald, wo er geopfert werden sollte. Zwei Stbe im Boden dienten als Sonnenuhrzeiger, und wenn die Schatten am allerkrzesten waren und die Sonne direkt ber ihm stand, wrde sein Leben vorbei sein.

    Er sah die Schatten der Stbe wandern und krzer und krzer werden. Es blieb nicht mehr viel Zeit. Schon nahten die Priester mit goldenen Opferschalen und langen Messern in den Hnden. Die Knochenketten an ihren Armen und Beinen rasselten

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    schaurig. Als wre der Film gerissen, war der Alptraum mit

    einem Schlag vorbei. Rolf Musmann wischte sich den Angstschwei von der Stirn und atmete tief durch.

    Du bist ein paar Minuten lang eingeschlafen, und das ist in exakt 23 Dienstjahren noch nie geschehen! sagte er streng zu sich. Seine Frau hatte ihn in letzter Zeit fter darauf angesprochen, da es hchste Zeit fr einen Urlaub war. Rolf Musmann mute ihr rechtgeben.

    Als er sich um Punkt ein Uhr zur nchste Runde durch das Museum aufmachte, bemerkte er nichts von dem, was geschehen war. Das Gift der Pfeilspitze zeigte Nachwirkungen: er war noch ziemlich benebelt.

    Als er um fnf Uhr morgens die leere Vitrine entdeckte, verstndigte er sofort die Polizei und beteuerte, da er sich weder an einen Alarm noch an sonst etwas erinnerte.

    Der Dieb der Maske sa um diese Zeit in seinem Wagen und fuhr zum Flughafen. Liebevoll streichelte er die in ein Hemd eingewickelte Beute. Bereits in wenigen Stunden sollte er nach Mexiko aufbrechen. Und die Maske wrde ihm helfen, die Trnen des groen Herrschers Uaxa zu finden.

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    Der falsche Koffer

    Als Poppi im Hotelzimmer den Koffer ffnete, wute sie sofort, da er nicht ihr gehrte.

    Das jngste Mitglied der Knickerbocker-Bande suchte nach einem Namensschild, konnte aber keines finden. Der Koffer sah haargenau wie ihrer aus, und deshalb hatte Poppi auch ohne zu zgern zugegriffen, als er auf dem Gepckfrderband des Flughafens an ihr vorbeigerumpelt war.

    Merkwrdig, dachte Poppi, der Besitzer htte mich doch auf den Irrtum aufmerksam machen knnen. Bestimmt steht er jetzt vor meinem Koffer und berlegt, was er mit meinem Pinguin-Nachthemd anfangen soll.

    Als das Mdchen seiner Freundin Lilo erzhlte, was geschehen war, meinte diese: Wir werden den Koffer morgen zum Flugplatz zurckbringen. Vielleicht wartet deiner dort schon auf dich!

    Dann aber kam ihr ein anderer Gedanke: He, Moment mal, in dem Flugzeug waren doch nur Mitglieder unserer Reisegruppe. Der Koffer mu einem von ihnen gehren!

    Lieselotte begann den Koffer Stck fr Stck auszurumen und nach einem Hinweis auf den Eigentmer zu forschen. Vielleicht war in ein Hemd ein Monogramm eingestickt, vielleicht stie sie auch auf eine Rechnung mit dem Namen des Besitzers.

    Sie nahm die Kleidungsstcke, die hastig in den

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    Koffer gestopft worden waren, unter die Lupe, hatte aber kein Glck.

    Sollen wir ihn Onkel Willbert zeigen? fragte Poppi verzagt.

    Lilo nickte. Die Knickerbocker-Bande war erst vor wenigen

    Stunden in Mexiko angekommen. Das erste Ziel ihrer Reise war Mexico City, die grte Stadt der Welt, von der sie bis jetzt noch nicht viel gesehen hatten, weil es bereits dunkel gewesen war, als sie den Flughafen verlassen hatten.

    Onkel Willbert war eine Sache fr sich. Dominik bezeichnete ihn als Nervensge, fr Poppi war er ein Horror-Oberlehrer, und Lilo hielt ihn fr einen Quatschkopf'. Nur Axel gab sich zurckhaltend, denn der Mann war sein Patenonkel, und ber seinen Patenonkel schimpft man nicht. Freilich wute er, da seine Kumpel recht hatten. Onkel Willbert ging mit seinen endlosen langweiligen Vortrgen einfach jedem auf den Geist. Er war einmal Lehrer gewesen und konnte es auch im Ruhestand nicht lassen, seine Zuhrer abzuprfen.

    Onkel Willbert trug immer Stoffhte, die wie Rhrschsseln aussahen, hatte eine Nickelbrille, der Dominik das Prdikat megastreberhaft verliehen hatte, und war stets mit Anzug und Schlips bekleidet. An seinen Schuhen war nie auch nur ein Krnchen Staub zu entdecken, und sein graues Haar und der Vollbart waren stets perfekt gestutzt.

    Die vier Knickerbocker waren nicht in einem der riesigen Hotels im Zentrum untergebracht worden,

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    sondern wohnten in einer Bungalow-Anlage im Sdwesten der Stadt.

    Als Lieselotte die Tr des Bungalows ffnete, den Poppi und sie bezogen hatten, wurde ihr mulmig zumute. Die Nacht war unheimlich - noch nie hatte sich das Mdchen so fremd und allein gefhlt. Nein, selbst das Superhirn der Knickerbocker-Bande hatte jetzt keine Lust, durch die Dunkelheit zu tappen. Lilo beschlo, sich morgen um die Angelegenheit zu kmmern, und machte kehrt.

    Die zwei Freundinnen ghnten. Der lange Flug und der Zeitunterschied hatten sie geschafft. Erschlagen kletterten sie in ihre Betten.

    Schlaf gut! flsterte Lieselotte. Gute Nacht, Lilo! sagte Poppi leise. Doch es wurde keine gute Nacht. Ungefhr eine Stunde spter ging die Tr eines

    Bungalows am Rande der Anlage auf, und jemand schlpfte in den Garten hinaus. Die Person hielt ein dnnes Blasrohr in der Hand und schlich damit zu dem Haus, in dem sie die beiden Mdchen vermutete.

    Sie hatte auf Poppis Koffer den Anhnger mit ihrem Namen entdeckt und wute daher, wer ihren Koffer erwischt hatte. Ein Anruf beim Hotelempfang hatte gengt, um in Erfahrung zu bringen, wo das Mdchen zu finden war.

    Unter keinen Umstnden wollte sie sich jedoch zu erkennen geben. Bestimmt hatte das Kind im Koffer gewhlt und war auf die Maske gestoen.

    Die Gestalt war nun vor dem Bungalow von Lilo

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    und Poppi angelangt und nherte sich dem Schiebefenster rechts von der Tr, das halb offen stand. Ein feinmaschiges Gitter schtzte die Schlafenden vor lstigen Insekten.

    Der Unbekannte schnitt mit einem Taschenmesser ein Loch in das Gitter und steckte das Blasrohr durch. Es handelte sich um eine hochmoderne Waffe mit einem Laser-Zielgert. Ein kleiner roter Punkt tanzte ber die Wnde und Mbel, bis er die schlummernde Lilo erreichte.

    Als der Punkt genau auf ihrem Hals war, holte die Gestalt tief Luft.

    Du Bengel, wirst du wohl schlafen gehen! Schmst du dich nicht, in das Schlafzimmer der Mdchen zu sphen? sagte auf einmal eine strenge Stimme hinter ihr.

    Schnell ri der Unbekannte das Blasrohr aus dem Fliegengitter und ergriff die Flucht - als Onkel Willbert die Stelle erreichte, wo der gefhrliche Mitreisende gestanden hatte, war dieser lngst in der Dunkelheit verschwunden.

    Axels Patenonkel nahm seine Aufgabe als Aufpasser sehr ernst und hatte daher noch einmal nach dem Wohl der vier Freunde sehen wollen.

    Lilo und Poppi waren durch den Lrm aufgewacht und blinzelten verschlafen. Lieselotte knipste das Licht an und erblickte Onkel Willi in einem blauwei gestreiften Pyjama mit einer altmodischen Taschenlampe in der Hand.

    Was ... was ist denn los? wollte sie wissen. Einer der Jungen hat euch beim Schlafen

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    beobachtet. Ich bilde mir ein, er hatte sogar ein Fernrohr dabei. Vielleicht war es aber auch ein Blasrohr. Auf jeden Fall wollte euch einer der beiden einen Streich spielen! erklrte der Onkel.

    Das Superhirn der Bande musterte ihn unglubig. Was faselte der Quatschkopf da? Das wrden Axel und Dominik doch niemals tun. Bist du sicher, da es einer der beiden war? erkundigte sich Lilo.

    Der Onkel nickte, wurde aber dann unsicher. Naja, ich denke schon.

    Lilo war pltzlich sehr munter. Sie sprang auf und schlpfte in ihre Sportschuhe. Die brauch' ich kurz, sagte sie, ergriff Onkel Willis Taschenlampe und hastete nach drauen.

    Axel und Dominik wohnten zwei Bungalows weiter. Das Mdchen trat ohne anzuklopfen ein und fand die beiden im Tiefschlaf vor. Ihr Atem ging langsam und regelmig.

    Wer war also am Fenster gewesen?

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    Glhende Augen

    Die Jungen schnarchen, was das Zeug hlt! berichtete Lieselotte, als sie zurckkehrte.

    Onkel Willberts Augenbrauen schoben sich zu einem Strich...

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