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Die Rede von Gott in Gleichnissen Jesu · PDF file K. SNODGRASS, Stories with Intent. A Comprehensive Guide to the Parables of Jesus. A Comprehensive Guide to the Parables of Jesus

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  • Prof. Dr. Martin Ebner – HV: Die Rede von Gott in Gleichnissen Jesu – WS 2009/10 1

    Die Rede von Gott in Gleichnissen Jesu

    1. Zwei Gleichnisse und eine Parabel im Herzen des LkEv (Lk 15,1–32)

    Von Verlorenen, die sich finden lassen – und ihrer lk Interpretation

    2. Parabeln vom Königreich Gottes und ihre Rezeption im MtEv (Mt 13,24–53)

    Vom Senfkorn und vom Sauerteig, von einem Schatz und einer Perle, vom Taumellolch und von einem Schleppnetz – und ihren unterschiedlichen Sinnpotentialen.

    3. Allegorische Gleichnisse und die mt Geschichtstheologie (Mt 21f.)

    Von zwei unterschiedlichen Brüdern, bösen Bauern und einem erzürnten König, der seinem Sohn das Hochzeitsfest ausrichten wollte – als Hintergrundfolien für die Geschichte Gottes mit seinem Volk.

    4. Beispielgeschichten fürs menschliche Handeln im LkEv

    Vom Mna, das einer in sein Schweißtuch eingewickelt hat (Lk 19,12–27) Von einer Einladung, die nicht angenommen wurde (Lk 14,16–24) Von einem nur auf den ersten Blick zwielichtigen Verwalter (Lk 16,1–9) Von einem Samariter, der anders ist als man gewöhnlich denkt (Lk 10,30–35) Von einer Witwe, die sich nicht klein kriegen ließ (Lk 18,1–8)

    5. Gleichnis oder Realität der Eschatologie?

    Vom Öl, das man nicht teilen kann (Mt 25,1–12) Vom großen Weltgericht (Mt 25,31–46) Vom Rollentausch im Jenseits (Lk 16,19–31)

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    Literaturhinweise

    Kompendien

    R. ZIMMERMANN (Hrsg.), Kompendium der Gleichnisse Jesu. Gütersloh 2007. K. SNODGRASS, Stories with Intent. A Comprehensive Guide to the Parables of Jesus.

    Grand Rapids (MI) 2008 (vgl. die Rez. in: BZ NF 53 [2009] 137–142). L. SCHOTTROFF, Die Gleichnisse Jesu, Gütersloh 2005.

    Klassiker

    A. JÜLICHER, Die Gleichnisreden Jesu, Bd. 1–2 (1886/1888), Repr. Darmstadt 1969. J. JEREMIAS, Die Gleichnisse Jesu, Göttingen 81970. E. LINNEMANN, Gleichnisse Jesu. Einführung und Auslegung, Göttingen 61975.

    Gleichnistheorie

    P. RICOEUR, Die lebendige Metapher (Übergänge 12), München 32004. R. ZYMNER, Art. Parabel, in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik VI (2003) 502–514. H.-J. KLAUCK, Art. Gleichnis, Gleichnisforschung, in: NBL I (1991) 851–856 K. SCHÖPFLIN, משל – ein eigentümlicher Begriff der hebräischen Literatur, in: BZ NF 46

    (2002) 1–24. R. ZIMMERMANN, Metapherntheorie und biblische Bildersprache. Ein methodologischer

    Versuch, in: ThZ 56 (2000) 108–133. DERS. (Hrsg.), Hermeneutik der Gleichnisse Jesu. Methodische Neuansätze zum

    Verstehen urchristlicher Parabeltexte (WUNT 231), Tübingen 2008. H. WEINRICH, Sprache in Texten, Stuttgart 1976, 276–341. G. LAKOFF/M. JOHNSON, Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von

    Sprachbildern (Übers. A. Hildenbrand), Heidelberg 22000. S. CURKPATRICK, Between Mashal and Parable. „Likeness” as a Metonymic Enigma, in:

    HBT 24 (2002) 58–71.

    zum Thema

    K. ERLEMANN, Das Bild Gottes in den synoptischen Gleichnissen (BWANT 126), Stuttgart 1988.

    zum Einlesen

    K. ERLEMANN, Wohin steuert die Gleichnisforschung, in: Zeitschrift für Neues Testament 2 (1999) 2–10.

    W. KIRCHSCHLÄGER, Die Gleichnisse Jesu in den vier Evangelien. Grundlegende Betrachtungen, in: BiKi 63 (2008) 81–88.

    Didaktik

    P. MÜLLER/G. BÜTTNER/R. HEILIGENTHAL/J. THIERFELDER, Die Gleichnisse Jesu. Ein Studien- und Arbeitsbuch für den Unterricht, Stuttgart 2002.

  • Prof. Dr. Martin Ebner – HV: Die Rede von Gott in Gleichnissen Jesu – WS 2009/10 3

    1. Metapherntheoretisches

    – Überblendung zweier semantischer Konzepte Metapher von griech. µεταφέρειν = hin- und hertragen Bildspender (vehicle/focus) – Bildempfänger/Referent (tenor/frame)

    – Heuristische Funktion

    – Deutungsangebot

    – Handlungsimpuls

    – Genese (geprägte bzw. kühne Metapher)

    – Entschlüsselung und Effekt

    – Metaphernbündel und gattungskritische Differenzierung

    Syntaktische Ausfaltung der Metapher

    Metapher/

    Vergleich

    (unterhalb der Satzebene)

    Frucht der Umkehr (vgl. Mt 3,8)

    Bildwort/

    Doppelbild- wort

    (Satzebene) Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen (Mt 3,10).

    Nicht kann ein guter Baum schlechte Früchte bringen, und auch nicht ein fauler Baum gute Früchte bringen (Mt 7,18).

    Gleichnis/

    Parabel

    (Textebene) 6 … Einen Feigenbaum hatte einer gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam, suchend Frucht an ihm, und nicht fand er. 7 Er sprach aber zu dem Winzer: Siehe, drei Jahre, seitdem ich komme, suchend Frucht an diesem Feigenbaum, und nicht finde ich; hau ihn [nun] aus, weshalb auch saugt er die Erde aus? 8 Der aber antwortend sagt ihm: Herr, lass ihn auch dieses Jahr, bis dass ich grabe (herum) um ihn und werfe Mist, 9 vielleicht auch trägt er Frucht in der Zukunft; wenn aber nicht, aushauen wirst du ihn (Lk 13,6–9)

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    2. Jesus und seine Gleichnisse

    Ein unkonventionelles Leben und kühne Metaphern

    Ameise (Spr 6,6–11) vs. Raben und Lilien (Lk 12,24.27f.)

    Die Gottesherrschaft als Senfkorn und Sauerteig

    Lk 13,18f.: 18 Er sagte nun: Wem ist gleich das Königtum Gottes, und wem soll ich es vergleichen? 19 Gleich ist es einem Senfkorn, das nehmend ein Mensch warf in seinen Garten, und es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

    Lk 13,20f.: 20 Und wieder sprach er: Mit wem soll ich vergleichen das Königtum Gottes? 21 Gleich ist es einem Sauerteig, den nehmend eine Frau [hinein]verbarg in drei Saton Mehl, bis dass es durchsäuert wurde ganz.

    M. EBNER, Jesus von Nazaret. Was wir von ihm wissen können, Stuttgart 2007, 124–142 (= 8.3).

    3. Ein neuer Vorstoß auf dem Prüfstand (R. Zimmermann)

    (1) Nur Parabeln! (2) Definition: „Eine Parabel ist ein kurzer narrativer (1), fiktionaler (2) Text, der in der erzählten Welt auf die bekannte Realität (3) bezogen ist, aber durch implizite oder explizite Transfersignale zu erkennen gibt, dass die Bedeutung des Erzählten vom Wortlaut des Textes zu unterscheiden ist (4). In seiner Appellstruktur (5) fordert er einen Leser bzw. eine Leserin auf, einen metaphorischen Bedeutungstransfer zu vollziehen, der durch Co- und Kontextinformationen (6) gelenkt wird“ (25).

    Ein Test

    Mt 7,24–27: 24Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, wird gleichen einem verständigen Mann, der sein Haus auf Fels gebaut hat (ᾠκοδόµησεν). 25Und es kam herab der Regen, und es kamen die Flüsse, und es bliesen die Winde, und sie schlugen an jenes Haus, und es stürzte nicht zusammen, denn es war auf den Felsen gegründet. 26Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem dummen Mann gleichen, der sein Haus auf den Sand gebaut hat. 27Und es kam herab der Regen, und es kamen die Flüsse, und es bliesen die Winde und sie schlugen an jenes Haus, und es stürzte zusammen, und sein Sturz war groß.

    Mt 7,21–23 als Kontext: 21Nicht jeder, der mir sagt: Herr! Herr!, wird hineingehen in das Königreich der Himmel, sondern wer den Willen meines Vaters in den Himmeln tut. 22Viele werden mir an jenem Tag sagen: Herr! Herr! Haben wir nicht in deinem Namen prophezeit, und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Krafttaten getan? 23Und dann werde ich ihnen bekennen: Niemals habe ich euch gekannt. Geht weg von mir, die ihr Ungesetzlichkeit tut.

  • Prof. Dr. Martin Ebner – HV: Die Rede von Gott in Gleichnissen Jesu – WS 2009/10 5

    I. Zwei Gleichnisse und eine Parabel im Herzen des Lukasevangeliums (Lk 15,1–32)

    1. Der Imaginationsraum „Schaf – Hirte“

    Ez 34,1–31: 1Das Wort des Herrn erging an mich: 2Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet, und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden? 3Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide. 4Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht, und die starken misshandelt ihr. 5Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere. 6Meine Herde irrte auf allen Bergen und Höhen umher und war über das ganze Land verstreut. Doch keiner kümmerte sich um sie; niemand suchte sie. 7Darum ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: 8So wahr ich lebe – Spruch Gottes, des Herrn: Weil meine Herde geraubt wurde und weil meine Schafe eine Beute der wilden Tiere wurden – denn sie hatten keinen Hirten – und weil meine Hirten nicht nach meiner Herde fragten, sondern nur sich selbst und nicht meine Herde weideten, 9darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: 10So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein. 11Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. 12Wie ein H