Die Russische Bombe - eichhorn/vorlesungs-scripts/2018s... · Motivation und Zielstellung ... Deportation

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  • Die Russische Bombe

    Unvollstndige Notizen

    Dr. Sebastian Pflugbeil - Gesellschaft fr Strahlenschutz - HNPSC - 2018 1

    Hiroshima-Nagasaki Peace Study Course

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    Motivation und Zielstellung Erinnern an wenig bekannte Opfer bei der Entwicklung der sowjetischen Atombombe und die Rolle der Geheimdienste Skizzieren der besonders schwierigen Ausgangsbedingungen nach Kriegsbeginn in der Sowjetunion (im Unterschied zu den USA) Erinnern an den gefhrlichen Einsatz deutscher Spezialisten bei der Entwicklung der sowjetischen Atombombe Erinnern an herausragende russische Wissenschaftler Skizzieren des Netzes kerntechnischer Zentren in der UdSSR Skizzieren des Umfangs friedlicher Kernexplosionen in der UdSSR Erinnern an den fast vergessenen Uranbergbau WISMUT in der DDR

  • L.D. Ryabev u.a.: Das Atomprojekt der UdSSR, 12 Bnde, russisch, Ende der 90er Jahre, kleine Auflage, erstaunliche Dokumentensammlung

    Sehr detaillierte Zusammenstellung des Schriftverkehrs in Zusammenhang mit der russischen Bombe. Leider Russisch und nicht leicht zu lesen. Enthlt viele Belege, die in der klassischen Atombombengeschichtsliteratur bestritten wurden oder gar nicht

    vorkommen.

  • David Holloway Stalin and the Bomb London, 1994 Ein sehr gutes Buch

  • Zhores Medwedjew Bericht und Analyse der bisher geheim gehaltenen Atomkatastrophe in der UdSSR Hamburg 1979

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    ZM war Biochemiker und hat bemerkt, da von einem bestimmten Zeitpunkt an berraschend viele Publikationen in russischsprachigen Fachzeitschriften erschienen, die sich mit genetischen Vernderungen bei Tieren und Pflanzen befaten. Aus den Tier- und Pflanzenarten schlo er richtig, da etwas an der Ostseite des Ural passiert sein mte, das zu diesen Vernderungen gefhrt hat. Spter kam heraus, da sich bei Kyshtym im Sd-Osten des Ural, wo das erste Plutonium fr die russischen Atombomben gewonnen wurde, ein schwerer Unfall ereignet hatte. Ein Tank mit hochradioaktivem flssigen Abfall flog in die Luft und verseuchte ein sehr groes Gebiet. Das war 1957/58. Der Unfall wurde aber geheimgehalten. Der erste Bericht von ZM wurde am 30.6.1976 im New Scientist verffentlicht, also fast 20 Jahre spter. Er wurde deshalb nicht nur von Fachleuten aus der UdSSR sondern auch von Kollegen in England, wohin er geflohen war, kritisiert.

  • Zhores & Roy Medwedev: The unknown Stalin London, NY 2003 ZM hat gemeinsam mit seinem Bruder Roy (Historiker) dieses Buch verfat. Es enthlt viele bis dahin wenig oder gar nicht bekannte Details. Das Kapitel 5 heit Stalin und die Atombombe. Kapiel 7 Stalin und der Atom-GULAG enthlt Daten ber die erste atomare Katastrophe im Januar 1949, die von den Russen erst 1995 eingestanden wurde.

  • Heinz und Elfi Barwich Das rote Atom Mnchen 1967 Barwich folgte seinem Freund Gustav Hertz in die Sowjetunion und beschreibt sehr anschaulich die Arbeits- und Lebenssituation der deutschen Fachleute, die an der russischen Atombombe gearbeitet haben und die Zeit nach der Rckkehr in die DDR, spter die Flucht in die BRD.

  • Andreas Heinemann Grder Die sowjetische Atombombe Mnster 1992 Leichter lesbare und trotzdem detailreiche gute Geschichte der sowjetischen Atombombe. (s. Kopie anbei)

  • Rainer Karlsch: Uran fr Moskau; 2007 Rainer Karlsch: Hitlers Bombe; 2005 Rainer Karlsch, H. Petermann: Fr und Wider Hitlers Bombe, 2007 Wladimir Gubarew: Arsamas-16; 1992 IPPNW: Atom ohne Geheimnis, Moskau-Berlin 1992 Nikolaus Riehl: 10 Jahre im Goldenen Kfig, 1988

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    Die fettgedruckten Bcher von R. Karlsch sind sehr wichtig. Karlsch weist akribisch nach, da in Deutschland im Frhjahr 1945 ein oder zwei Tests mit kleinkalibrigen Atombomben/nuklearen Sprengstzen durchgefhret worden sind. Er hat dazu in russischen Archiven wichtige Besttigungen gefunden. Dies Detail fehlt in nahezu allen Bchern ber die Geschichte der Atombombe. Ich bin davon berzeugt, da die Befunde von Karlsch handfest sind. Gubarew hatte als Journalist Zugang zu vielen der fhrenden russischen Wissenschaftler , die die russischen Atombomben entwickelt haben. Sehr lesenswert. Die gemeinschaftliche Studie der deutschen und der sowjetischen Sektion der IPPNW (Internationale rzte zur Verhtung eines Atomkriegs) enthlt zahlreiche Karten, auf denen eine Vielzahl von Standorten eingetragen sind, an denen die Kernenergie milirisch oder friedlich genutzt wurde.

  • Henry DeWolf Smyth: Atomic Energy for Military Purposes Princeton 1945 (!) nuclear weapons faq

    David Hankin: Die rote Bombe, 3-teilige Serie mit vielen Interviews damals aktiv beteiligter Fachleute. Auf youtube zu finden. Etwas amerikanische Sicht der Dinge.

    Sebastian Pflugbeil: - Zwischen Semipalatinsk und Tschernobyl; Strahlentelex 1995 - Die erste Atomkatastrophe; 2007 - 50 Jahre Kyshtym; Strahlentelex 2007 - Zwei Exkursionen nach Semipalatinsk und eine nach Archangelsk

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    Photos von den Exkursionen: Semipalatinsk/Archangelsk: Detlev Steinberg WISMUT: Michael Beleites

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    Der Bericht von Smyth wurde von den Russen sofort bersetzt und in einer hohen Auflage gedruckt. Die Fachleute haben spter gemerkt, da der Bericht auch einige (beabsichtigte ?) Fehler enthielt. Detaillierte Informationen ber Kernwaffen sind gesammelt unter http://nuclearweaponarchive.org/Nwfaq/Nfaq8.html Die Rote Bombe: Mehrere interessante Dokumentationen, zu finden auf youtube.com , die Autorenfrage ist mir nicht ganz transpaarent Zwischen Semipalatinsk und Tschernobyl: Strahlentelex Heft 200-201, 1995, S.4,9-11, leider noch nicht digitalisiert Pflugbeil: Die erste Atomkatastrophe http://strahlentelex.de/Stx_07_490_S06-08.pdf Pflugbeil: 50 Jahre Kyshtym http://strahlentelex.de/Stx_07_498_S06-07.pdf

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    1. Handelnde Personen in Stichworten 2. Chronologisches Telegramm 3. Spionage und lebendige und materielle

    Reparationsleistungen 4. Exkurs 1: der erste Unfall in einem KKW 5. Exkurs 2: die groen Atomwaffentestgebiete

    Nowaja Semlja und Semipalatinsk 6. Exkurs 3: Gesundheitsprobleme im Bereich

    Semipalatinsk 7. Friedliche Kernexplosionen 8. Das Uranproblem

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    Punkt 8 ber den Uranbergbau kommt in der Vorlesung aus Zeitgrnden nicht vor, hat aber eine enge Beziehung zur Geschichte der Russischen Atombombe. Er wird am Ende anghngt.

  • Igor W. Kurtschatow 1903 - 1960 17

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    (Zu den genannten Namen: Wikipedia ist fr wissenschaftliche Fragen ungengend , das gilt insbesondere fr politische Fragen und solche, die irgendwie den mainstream infrage stellen. Die biographischen Eckdaten der genannten Personen sind aber korrekt angegeben. Besser sind aber die angegebenen Bcher.) I.W. Kurchatov wurde 1903 im Gebiet Chelyabinsk geboren und hat an der Staatlichen Universitt auf der Krim Physik studiert und dort auch bei seinem Lehrer Abram Joffe seine Physik-Doktorarbeit geschrieben. Am Polytechnischen Institut in Petrograd machte er seinen Abschlu als Schiffbauer. Dann war er Forschungsassistent an der Physikalischen Fakultt des Physikalisch-technischen Instituts in Baku. Dort hat er sich auch unter Joffe mit Radioaktivitt befat. Dann ging er kurze Zeit an das Azerbaijanische Politechnische Institut in Baku und 1925 an das Leningrader Institut fr Physik und Technik. Dort betrieb er erfolgreich Kristallphysik (Doktor fr Physik und Mathematik ohne eine Doktorarbeit geschrieben zu haben). 1932 konnte er ein eigenes Team fr Kernforschung aufbauen, Arbeiten am berhmten Leningrader Radiuminstitut unter V G Chlopin. Bau des ersten Zyklotrons in Europa. Nach der Entdeckung der Kernspaltung in Deutschland konnte er die Obrigkeit nicht davon berzeugen, richtig in die Kernenergie einzusteigen. Frustriert befate er sich mit der Entmagnetisierung von Schiffen zum Schutz vor deutschen Minen.. 1943 begannen in Moskau seine ernsthaften Arbeiten in Richtung Atombombe.. Er wurde Mitglie des Urankomittes der Akademie der Wissenschaften usw. Zahlreiche hochdotierte Preise, erster Atombombentest 1949 in Semipalatinsk,

  • Reaktor F1 auf dem Gelnde des heutigen Kurtschatow-Instituts in Moskau, luft seit Dezember 1946

    Foto: S. Schlindwein

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    Der erste Kernreaktor in Europa F1 im Kurtschatov-Institut in Moskau Angefahren Weihnachten 1946 mit 110 t Uran, luft heute noch

  • Lavrenty P. Berija 1899 1953 (erschossen) 21

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    L. P. Berija 1919-1938 Geheimdienstmitarbeiter in Aserbaidschan u. Georgien Ab 1938 Chef des NKWD Verantworlich fr einen groen Teil der Stalinschen Suberungen, fr Terror und Angst in gigantischem Ausma 1940 Verantwortlich fr das Massaker in Katyn, Ermordung von etwa 26500 polnischen Soldaten, Offizieren und Intelligenzlern, die man den Deutschen in die Schuhe schieben wollte 1941 als die Eroberung Moskaus drohte, lie er tausende Hftlinge in Moskauer Gefngnissen umbringen Deportation von 1,5 Mio Menschen verschiedener Voksgruppen, davon starben etwa 500.000 Persnlich durchgefhrte Folterungen und Ermordungen 1945 Organisatorischer Chef des Atombombenprojekts Nach Stalins Tod am 23.12.1953 zum Tode verurteilt und erschossen 2002 Rehabilitierungsantrag abgelehnt

  • Georgi N. Fljorow () 1913 - 1990 23

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    Fljorow war ein bemerkenswerter Mann. Er bemerkte, da ab 1940 die internationale Fachdebatte um die Entdeckung der Kernspaltung abbrach und schlo daraus richtig, da an der militrischen Nutzung in mehreren Lndern nun offensiv gearbeitet wrde. Er wagte es als junger Laborant, Briefe an fhrende Politiker bis hinauf an Stalin zu schicken mit der Aufforderung, zgig mit der Entwicklung einer Atombombe zu beginnen. Er hat spter eng mit Kurtschatow zusammengearbeitet u