Die Welt verändern - Ausgabe 1

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Zwei Dutzend Universitäten, Hochschulen und Akademien, mehr als 59.000 Studierende und zahlreiche öffentliche und private Forschungseinrichtungen machen die Region Stuttgart zu einem herausragenden Hochschul- und Wissenschaftsstandort. Mit Porträts, Meldungen, Infos und vielen unterhaltsamen Elementen steht beim neuen Magazin "Die Welt verändern" die Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart im Mittelpunkt.

Text of Die Welt verändern - Ausgabe 1

  • N1Ernst Messerschmid

    RaumfahrerSonja Kumbarji

    TrickfilmerinTobias Wallisser

    Architekt

    Michael ReschHchstleistungsrechner

    Rolf-Dieter HeuerUrknallforscher

    Wiltrud PekarekMathematikerin

    Thomas Jorbergkobanker

    Anja KordowichUmweltmanagerin

    AUSGABEDEZEMBER 2010

    die welt verndern.

    typisch Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart.

  • 2Rolf-Dieter Heuer | von der Uni Stuttgart zum CERN-Direktor

    Der Herr ber den Urknall Seite 4Anja Kordowich | von der Uni Hohenheim zur Umweltmanagerin

    Das grne Gewissen Seite 8Tobias Wallisser | von der Uni Stuttgart in die Stadt der Zukunft

    Der die Dinge neu denkt Seite 12Wiltrud Pekarek | von der HFT Stuttgart in die Vorstandsetage

    Die Frau fr die Zahlen Seite 16Thomas Jorberg | von der Uni Hohenheim zu Deutschlands kobank Nr. 1

    Der etwas andere Banker Seite 20Michael Resch | von der Uni Graz zum Stuttgarter Hchstleistungsrechenzentrum

    Der begnadete Problemlser Seite 24Sonja Kumbarji | von der Filmakademie in die freie Wirtschaft

    Die virtuelle Puppenspielerin Seite 28Ernst Messerschmid | vom Mond zum Institut fr Luft- und Raumfahrttechnik

    Der Astronaut mit Bodenhaftung Seite 32

    Studierende bers Studieren Seite 36Hochschulen in der Region Stuttgart Seite 38Impressum Seite 42

    N1

    Weitere Informationen rund um Studienmglichkeiten, Forschungseinrichtungen und kooperierende Unternehmen in der Region Stuttgart finden Sie in unserem neuen Internetportal:

    www.die-welt-veraendern.de

    +

    AUSGABEDEZEMBER 2010

    2

  • 3DIE WELT VERNDERN.

    Editorial

    ie Welt verndern typisch Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart. Ein hehrer

    Anspruch. Eine hohe Messlatte. Provokant gewiss, aber nicht zu hoch gegriffen, denken wir, wenn man auf einen Hochschulstandort blickt, der mit mehr als zwanzig Universitten und Hochschulen, mit Forschungsinstitutionen von Weltruf und renom-mierten Wissenschaftlern in Forschung und Lehre aufwarten kann. Viele Menschen also, die durch ihre Persnlichkeit, ihre Fhigkeiten, ihr Wissen und ihre Tatkraft helfen, die Welt zu verndern! Im Sommer vorigen Jahres wurde aus der Mitte der Hochschulen an den Vorsitzenden des Verban-des Region Stuttgart der Wunsch herangetragen, den Hochschul- und Wissenschaftsstandort Region Stuttgart besser sichtbar zu machen und Koopera-tionen zwischen Hochschulen, Wissenschaftsein-richtungen und Unternehmen zu frdern. Diesen Gedanken haben wir im Rahmen eines intensiven Dialogs mit den Hochschulen der Region aufgegrif-fen und vertieft. Am 23. Juni 2010 hat der Verband Region Stuttgart die regionale Wirtschaftsfrde-rung beauftragt, den Dialog mit den Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen weiterzuverfolgen und darauf hinzuwirken, die Wahrnehmung des Standorts zu optimieren und verstrkte Kooperati-onsstrukturen zu schaffen. Wir freuen uns, Ihnen heute als ersten Schritt das neue Magazin fr die Hochschul- und Wissen-schaftsregion Stuttgart vorstellen zu drfen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Region Stuttgart mit den Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Hoch-schulkommunen und Unternehmen des Standorts. Im Mittelpunkt des Magazins stehen interes-sante Kpfe, die bei der Lsung globaler Fragen en-gagiert sind, besondere Projekte verantworten, wis-senschaftlich exzellente Leistungen vollbringen und gesellschaftliche Verantwortung zeigen. Kurz gesagt: Menschen, die helfen, die Welt zu verndern! Dar-ber hinaus soll der Leser auch ber Hochschulen,

    Studienangebote, Forschungsergebnisse, Wissen-schaftsgeschichte und aktuelle Projekte informiert werden. Durch das neue Webportal der Hochschul-region Stuttgart stehen Interessierten ergnzend ausfhrlichere Daten und Fakten zur Verfgung. Fr die Portrts konnten wir in Michael Ohne-wald einen herausragenden Journalisten gewinnen, der vielfach ausgezeichnet ist, unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis, dem Robert-Bosch-Preis, dem Ernst-Schneider-Preis der deutschen Wirt-schaft und als Journalist des Jahres 2009. Gemein-sam mit seinem Team ist er fr Portrts, Fotos und fr das Layout zustndig. Wer sich nicht positioniert, der wird positi-oniert. Diese Regel gilt auch fr den Hochschul-standort Region Stuttgart. Er hat einiges zu bieten weit mehr als bekannt. Vor diesem Hintergrund wollen wir einerseits informieren, andererseits aber auch dem Bedrfnis von Hochschulen, Forschungs-einrichtungen und Unternehmen zur engeren Zu-sammenarbeit gerecht werden. Diesem Ansinnen werden wir mit der Grndung einer Geschftsstelle Rechnung tragen, die gemeinsame Projekte unter-sttzen und begleiten soll. Fr die Leitung konnten wir in Dr. Matthias Knecht einen ausgewiesenen Kenner der Hochschul- und Forschungslandschaft gewinnen. Durch seine gegenwrtige Ttigkeit bei der regionalen Wirtschaftsfrderung und seine Ver-gangenheit an der Ludwig-Maximilians-Universitt Mnchen sowie im Wissenschaftsmanagement der Max-Planck-Gesellschaft sind ihm sowohl die Regi-on Stuttgart als auch andere erfolgreiche Wissen-schaftsstandorte bestens vertraut. Wir wnschen Ihnen viel Freude mit dem neu-en Magazin, dessen nchste Ausgabe im April 2011 erscheint. Wir freuen uns ber Ihre rege Beteiligung und tatkrftige Untersttzung fr die Hochschul-region Stuttgart. Lassen Sie uns gemeinsam ver-suchen, in vielen kleinen und groen Schritten die Welt zu verndern!

    d

    Dr. Walter RoggGeschftsfhrer

    Wirtschaftsfrderung

    Region Stuttgart

    Thomas S. BoppVorsitzender

    Verband Region

    Stuttgart

  • 44

  • FORTSETZUNG5

    DIE WELT VERNDERN.

    s gibt eine hbsche Geschichte von Paul Watzlawick, die von einem Autofahrer han-

    delt, der unter einer Laterne nach seinem Schlssel sucht. Ein Passant sieht dem Treiben eine Weile zu und erkundigt sich dann bei dem rmsten, ob er sicher sei, den Schlssel gerade hier verloren zu ha-ben. Worauf der Mann antwortet: Nicht hier, son-dern dort hinten aber dort ist es viel zu finster. Auch Rolf-Dieter Heuer sucht einen Schlssel unter einer Laterne, ohne zu wissen, ob er dort ist. Er wei nicht einmal, ob es ihn wirklich gibt. Seine Hoffnungen ruhen auf einem 27 Kilometer groen Mikroskop, dem nichts entgeht. Mit ihm will er den Schlssel finden den Schlssel zur Antwort auf die Frage, was die Welt zusammenhlt. Es ist Mittagszeit am Conseil Europen pour la Recherche Nuclaire, kurz CERN, dem weltgrten Forschungszentrum auf dem Gebiet der Teilchen-physik. An den Rand des Jura, nicht weit vom Gen-fer See entfernt, schmiegen sich graue Bauten, hin-ter denen kluge Kpfe ihrem Tagwerk nachgehen. An diesem Ort pulsiert die Forschung wie vielleicht nirgendwo sonst. 2.400 Angestellte, 600 Stipendi-aten, 10.000 Gastwissenschaftler aus 90 Nationen, Jahresbudget 1,1 Milliarden Schweizer Franken. Gar nicht so leicht, hier den Durchblick zu behalten. Der Generaldirektor Heuer versucht es trotzdem. 62 Jahre alt ist der Stuttgarter, die meisten da-von hat er der Physik gewidmet. Sie trgt ihn und sie treibt ihn. Amerika, Japan, China, Korea, Indien. Heuer ist einer der Stars seiner Branche und eine Art Forschungsreisender. Im vergangenen Jahr ist er mehr als 100 Tage unterwegs gewesen. Der Profes-sor ist gefragt, denn Heuer steht fr das Ungeheu-erliche. Unter seiner Regie hat am CERN das grte nichtmilitrische Experiment aller Zeiten begonnen. In einem 27 Kilometer langen und hundert Meter tiefen Ringtunnel lenken Forscher mit Hilfe gewalti-ger Teilchenbeschleuniger zwei gegenlufige Proto-nenstrahlen aufeinander, auf dass die Atombaustei-ne mit nie zuvor erreichter Energie kollidieren. Auf diese Weise simulieren die Physiker den Urknall. In drei Jahren soll der Large Hadron Collider, wie das Technikwunder heit, auf volle Energie ge-fahren werden. Man kann sich das wie bei einem Hammerwerfer vorstellen, der im Moment sein Trai-ningspensum steigert. Bei der Weltmeisterschaft gibt er alles und schleudert das Teil zum Weltre-kord. Trifft sein Hammer mit dem eines Kollegen zusammen, gibt es jede Menge Kollisionssplitter. Im CERN werden diese Elementarteilchen von gewal-tigen Detektoren aufgefangen und untersucht, die

    Ausmae von Kathedralen haben. Die beteiligten Wissenschaftler erhoffen sich dabei Hinweise, die so manches Rtsel der Physik erklren knnen. Rolf-Dieter Heuer ist ein glnzender Botschaf-ter solcher Grundlagenforschung. Nur fnf Prozent des Universums besteht aus Materie, die wir ken-nen. 95 Prozent kennen wir nicht, sagt er. Wir wissen, dass ein Viertel davon aus dunkler Materie besteht, die wir nicht sehen. Wenn wir Glck ha-ben bei unserem Experiment, bekommen wir dieses eine Viertel in die Hnde. Dafr ackert er, dafr vergisst er auch einmal das Mittagessen. Can you look for a sandwich?, fragt der Generaldirektor ins Vorzimmer, wo zwei Sekretrinnen sitzen. Die eine kommt aus Kroati-en, die andere aus Finnland. Ihr Chef ist ein ange-nehmer Mensch. Er sitzt vor einer Tasse Kaffee mit schlohweiem Haar, Trnenscken unter den Au-gen und der Gewissheit im Bauch, am richtigen Ort zu sein. Ich war nie der beste Forscher, behauptet er. Aber ich konnte das Gefhl fr Menschen mit der Physik gut verbinden. Genau darauf kommt es an im weltgrten Forschungslabor. Dort gibt es Professoren, die sich mit der Aura einer Diva umgeben, Sommerstu-denten aus Israel und Palstina sowie Teile-lieferanten aus China, die in einer Werkhalle mit kritisch beugten Kollegen aus Taiwan an einem Projekt arbeiten. Vlkerverstndigung und Wissenstransfer sind am CERN lange gelebte Phi-losophie. Nicht von ungefhr ist hier eher zufllig die Idee fr das weltweite Datennetz entstanden. Wissenschaftler aus allen Kontinenten berlegten, wie sie in Kontakt bleiben knnen und erfanden da-bei eine neue Softwareplattform, aus der sich das World Wide Web entwickelt hat. Solche Zufallsprodukte gibt es fter, wenn sich die Gelehrten aufmachen, die Welt zu ergrnden. Als Michael Faraday einst ber Elek