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EIN MUSIKALISCHER ABEND UM BERND ALOIS ZIMMERMANNbernd-alois-zimmermann- r... · PDF file SALUT FÜR BAZI EIN MUSIKALISCHER ABEND UM BERND ALOIS ZIMMERMANN Samstag, 21. März 2015,

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  • SALUT FÜR BAZI EIN MUSIKALISCHER ABEND

    UM BERND ALOIS ZIMMERMANN

    Samstag, 21. März 2015, 19.30 Uhr, im Anneliese-Geske-Musik- und Kulturhaus,

    Gustav-Heinemann-Straße 1a, Erftstadt

    PROGRAMMHEFT ZUR AUFTAKTVERANSTALTUNG DER

  • ZUM GELEIT

    Am 20. März 2015 wäre Bernd Alois Zimmermann 97 Jahre alt geworden – Grund genug, dieser zentralen Gestalt in der Neuen Musik des 20. Jahrhunderts heute, am 21. März 2015,

    einen Musikalischen Abend zu widmen: SALUT FÜR BAZI. Und wo wäre ein solches Geburts-

    tagskonzert eher am Platz als in der Region Rhein-Erft, der der Komponist zeit seines Lebens

    verbunden war? Geboren wurde Zimmermann 1918 in Bliesheim, wo er auch seine Kindheit

    verlebte, und gestorben ist er 1970 in Frechen-Großkönigsdorf, wo er mit seiner Familie seit

    1967 ein eigenes Haus bewohnte. Seit 1982 trägt die Erftstädter Musikschule seinen Namen

    und vor einem Jahr wurde in Erftstadt die Bernd-Alois-Zimmermann-Gesellschaft (BAZG)

    gegründet, die sich mit der heutigen Auftaktveranstaltung erstmals öffentlich präsentiert.

    Der Musikalische Abend soll vielfältige Einblicke in die Musik und die Persönlichkeit Bernd

    Alois Zimmermanns eröffnen:

    Unter dem Titel BERND ALOIS ZIMMERMANNS FRÜHE JAHRE widmet sich der erste Teil Zim-

    mermanns kompositorischen Anfängen. Hier erklingen Klavierlieder und Kammermusikwerke

    aus der Zeit zwischen 1942 und 1946 im Wechsel mit Ausschnitten aus Briefen und Tage-

    bucheinträgen des jungen Komponisten. Zimmermann begegnet hier als ein Musiker, der sich

    während des Zweiten Weltkriegs und in den Wirren der Nachkriegszeit gegen äußere und

    innere Widerstände auf die Suche nach einem eigenen künstlerischen Weg macht und dabei

    sein Denken, Fühlen und Tun kritisch reflektiert. Seine damals entstandenen Werke zeigen

    die Auseinandersetzung und Aneignung unterschiedlicher Idiome, die von spätromantischer

    Expressivität bis zu neoklassizistischer Verspieltheit reichen.

    Die Verflechtung von Vergangenem und Gegenwärtigen und dessen Bedeutung für die

    Zukunft sollte zu einem Lebensthema Zimmermanns werden. 45 Jahre nach dem Tod des

    Komponisten scheint es daher legitim, nach seiner Bedeutung für die weitere Entwicklung

    der Musik bis in unsere Zeit zu fragen. Die Gesprächsrunde des zweiten Teils steht daher

    unter dem Motto ZIMMERMANN ALS LEHRER – GESTERN, HEUTE UND MORGEN. Drei Komponisten unterschiedlicher Generationen kommen hier zu Wort: Georg Kröll, der zwischen 1957 und

    1962 bei Zimmermann Komposition studierte, sowie Michael Denhoff und Niklas Seidl, die

    von Zimmermann geprägt wurden, ohne ihm doch je persönlich begegnet zu sein.

    ZWISCHEN TRADITION UND AVANTGARDE – so ist das Gesprächskonzert des dritten Teils über- schrieben, denn auch in den späteren Schaffensphasen Zimmermanns bleibt das Spannungs-

    verhältnis zwischen der kompositorischen Reflexion vergangener Musik und dem Erproben

    neuer Klang- und Gestaltungsformen erhalten: so etwa, wenn er in seiner mitreißenden So-

    nate für Violine und Klavier neoklassizistische Motorik, atonale Ausdrucksgebärde und la-

    teinamerikanische Rumba-Rhythmen miteinander konfrontiert oder in seinem Flötenstück

    Tempus lo ue di… auf faszinierende Weise strenge serielle Organisation mit subtilster klang- farblicher Nuancierung und improvisatorischen Elementen verbindet.

    Ralph Paland

  • I. BERND ALOIS ZIMMERMANNS FRÜHE JAHRE Kleines Konzert mit Lesungen aus Zimmermanns Tagebüchern und Briefen*

    Kleine Suite für Violine und Klavier (1942)

    1. Capriccioso

    2. Intermezzo

    3. Rondino

    Aria für Violine und Klavier (1942)

    [Instrumentalbearbeitung des Klavierliedes Es fiel ein Stern ins Meer]

    Fünf Lieder für mittlere Singstimme und Klavier (1942-1946)

    1. Es fiel ein Stern ins Meer (Gloth)

    2. An der Brücke stand jüngst ich (Nietzsche)

    3. Stimme eines Armen an der Hand eines Engels (Rilke)

    4. Initiale (Rilke)

    5. Schenke im Frühling (Klabund nach Li-Tai-Pe)

    Roman Estl (Violine), Bernhard F. Schoch (Klavier)

    Claudia Böttcher (Sopran), Toni Ming Geiger (Klavier)

    Bernt Hahn (Rezitation)

    * Die rezitierten Auszüge aus Bernd Alois Zimmermanns Briefen und seinem Tagebuch ent-

    stammen der folgenden Publikation: Bernd Alois Zimmermann, „Du u d I h u d I h u d die Welt“: Doku e te aus de Jah e 9 is 9 (= Archive zur Musik des 20. Jahrhunderts, Band 4), im Auftrag der Stiftung Archiv der Akademie der Künste herausgegeben von Heribert

    Henrich, Hofheim: Wolke-Verlag 1998.

  • II. ZIMMERMANN ALS LEHRER – GESTERN, HEUTE UND MORGEN Podiumsgespräch mit Komponisten verschiedener Generationen

    Georg Kröll, Michael Denhoff, Niklas Seidl

    Moderation: Rainer Nonnenmann

    III. ZWISCHEN TRADITION UND AVANTGARDE Kleines Gesprächskonzert

    Tempus loquendi… – Pezzi ellittici per flauto grande, flauto in sol e flauto basso solo (1963)

    Pezzi I – XIV

    Sonate für Violine und Klavier (1950)

    1. Sonata

    2. Fantasia

    3. Rondo

    Susanne Petersdorff (große Flöte, Altflöte und Bassflöte)

    Anna Neubert (Violine), Toni Ming Geiger (Klavier)

    Moderation: Dietrich Kämper

  • LIEDTEXTE

    1 – Es fiel ein Stern ins Meer

    Es fiel ein Stern ins Meer.

    Ich fühlte bang und schwer,

    wie einsam wir doch sind,

    bei Nacht und kühlem Wind.

    Es fiel ein Stern ins Meer.

    Ich stand und sah von fern,

    wie er verlöscht versunken,

    vom Wasser aufgetrunken.

    Es fiel ein Stern ins Meer.

    Wir liebten uns so sehr.

    Harald Gloth

    2 – An der Brücke stand ich jüngst

    An der Brücke stand

    jüngst ich in brauner Nacht.

    Fernher kam Gesang:

    golde e T opfe uoll’s über die zitternde Fläche weg.

    Gondeln, Lichter, Musik – t u ke s h a ’s i die Dämmerung hinaus.

    Meine Seele, ein Saitenspiel,

    sang sich unsichtbar berührt,

    heimlich ein Gondellied dazu,

    zitternd vor bunter Seligkeit.

    – Hörte Jemand ihr zu? Friedrich Nietzsche

    3 – Stimme eines Armen an der Hand des Engels

    Mitte im Gerichte,

    Vater, ich verzichte:

    Was ich seh, erreicht

    nicht, was ich immer wußte:

    die rauschende Herrlichkeit

    aller meiner Verluste.

    Weißt du denn, wie weit

    meine Gefühle waren,

    wenn ich in deinen klaren

    irdischen Nächten stumm

    saß vor dem Nachtasyle?

    Hunde gingen herum

    um meine großen Gefühle.

    Meines Herzens Vermögen

    nahm unendlich zu

    unter den Brückenbögen.

    Und der Schnee im Schuh,

    er zerging mir lind

    wie die Tränen zergehen

    einem getrösteten Kind.

    Rainer Maria Rilke

    4 – Initiale

    Gieb mir deine Schönheit immer hin

    ohne Rechnen und Reden.

    Du schweigst. Sie sagt für dich: Ich bin.

    Und kommt in tausendfachem Sinn,

    kommt endlich über jeden.

    Rainer Maria Rilke

    5 – Schenke im Frühling Sieben Schimmel

    Traben

    Über Berg und Himmel.

    Blütenwind muß Sporen haben.

    Vor der Schenke wacht

    Eine alte Vettel.

    Sieben Herren beugen sich auf ihre

    silberweißen Sättel.

    Sieben sind bedacht:

    Frühling, junge Mädchen, guter Wein – Sieben treten ein.

    Klabund nach Li-Tai-Pe

  • DIE AUSFÜHRENDEN

    Claudia Böttcher, geboren in Frankfurt am Main, absolvierte ihr künstlerisches und gesangspädagogi-

    sches Studium an der Hochschule für Musik Köln bei Claudio Nicolai. Als Stipendiatin der Studienstif-

    tung des Deutschen Volkes vervollkommnete sie ihr Repertoirestudium bei Elisabeth Schwarzkopf in

    Zürich sowie bei Cornelius Reid in New York. Zusätzlich schloss sie ein Magisterstudium an der Universi-

    tät Köln in den Fächern Musikwissenschaft, Romanistik und Pädagogik ab. Engagements und Gastver-

    träge als lyrischer Sopran an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, am Staatstheater

    Hannover und an der Deutschen Oper Berlin folgten. Als Liedsängerin gastierte sie an vielen Orten

    Europas und Südamerikas. Als Preisträgerin der Stiftung Yehudi Menuhin in Paris wirkte sie regelmäßig

    bei Orchesterkonzerten unter der Leitung Menuhins im Rahmen von Festivals in Frankreich und Tsche-

    chien mit. Heute lebt und arbeitet Claudia Böttcher in Köln. Sie widmet sich in ihrer Lehrtätigkeit und

    als Konzertsängerin insbesondere dem zeitgenössischen Musikrepertoire.

    Michael Denhoff wurde 1955 in Ahaus/Westfalen geboren. Erste Kompositionsversuche unternahm er

    mit zehn Jahren und erhielt dabei entscheidende Impulse durch Günter Bialas. Ab 1973 studierte er bei

    Siegfried Palm und Erling Blöndal-Bengtsson Violoncello, bei Jürg Baur und Hans Werner Henze Kompo-

    sition sowie beim Amadeus-Quartett Kammermusik. 1984/85 lehrte er Tonsatz an der Universität

    Mainz. Heute lebt er als freis

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