Entwicklung eines Selbstmanagement-Trainingsprogramms f¼r ... vor allem bei Monika Holzer Gadola

  • View
    213

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Entwicklung eines Selbstmanagement-Trainingsprogramms f¼r ... vor allem bei Monika Holzer...

  • Entwicklung eines Selbstmanagement-Trainingsprogramms für

    Menschen in Selbsthilfegruppen mit bipolaren Störungen

    Von der Pädagogischen Hochschule Freiburg zur Erlangung des Grades

    einer Doktorin der Erziehungswissenschaften (Dr. paed.)

    genehmigte Dissertation

    von

    Heike Scheidhauer

    aus

    Magdeburg

    Fach: Erziehungswissenschaften Erstgutachter: Prof. Dr. Walter Mattl Zweitgutachter: Prof. Dr. Mathias Berger

    (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg )

    Tag der mündlichen Prüfung: 14.07.2005

  • 2

    Zusammenfassung Der Selbsthilfe kommt eine erhebliche gesellschaftliche Bedeutung zu. Neben der ambu-

    lanten, stationären und rehabilitativen Versorgung von Patienten werden Selbsthilfeinitia-

    tiven im medizinischen Bereich als „vierte Säule“ im System gesundheitlicher Versorgung

    heranwachsen.

    Ist es machbar, dass psychisch Kranke - ohne direkte Beteiligung von Experten - eigen-

    verantwortlich und erfolgversprechend ein Schulungsprogramm zum Management ihrer

    Krankheit absolvieren?

    Erstmals im deutschsprachigen Raum wurde für die Zielgruppe bipolar erkrankter Men-

    schen ein salutogenetisch ausgerichtetes Selbstmanagement-Trainingsprogramm (SMTP)

    für die Anwendung in der Selbsthilfegruppe entwickelt und erprobt. Mit dem Ziel, Kompe-

    tenzen zu stärken sowie Eigenverantwortlichkeit und Selbsthilfefähigkeit von Individuen

    und Gruppen zu forcieren, zeigt das SMTP große Nähe zu Empowerment-Ansätzen.

    Um die Meinung der Betroffenen zu erfahren und Anforderungen an ein solches Pro-

    gramm abzuleiten, wurden bundesweit 15 Selbsthilfegruppen nach ihren Wünschen, Be-

    denken und Voraussetzungen interviewt. Auf dieser Grundlage entstand ein aus sechs

    Modulen à 90 Minuten umfassender Entwurf inklusive Handbuch mit methodischen Hilfe-

    stellungen, Informationsblättern, Lernimpulsen, Hausaufgaben und diversen anderen

    Zusatzmaterialien. Während einer sechs Wochen dauernden Testphase erprobte eine der

    interviewten Selbsthilfegruppen in Eigenregie das im Rahmen dieser Studie entwickelte

    SMTP. Retrospektiv wurde das Programm anhand einer standardisierten schriftlichen Be-

    fragung der Teilnehmer evaluiert.

    Die Resultate dieser Studie lassen den Schluss zu, dass Betroffene in Selbsthilfegruppen

    selbstgesteuert und erfolgversprechend ein Selbstmanagementprogramm absolvieren

    können. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die selbständige Auseinandersetzung

    mit krankheitsspezifischen Inhalten möglicherweise zur Erhaltung bzw. Verbesserung des

    Gesundheitszustandes beitragen kann. Weitere Untersuchungen sollten sich deshalb -

    denkbar in prä-post-Studiendesigns - konkreten medizinischen Outcomes bei der Ziel-

    gruppe der bipolar erkrankten Menschen in Selbsthilfegruppen (die das SMTP absolvie-

    ren) widmen.

    Mit dieser Studie wurde der Grundstein für die Weiterentwicklung und mögliche Einfüh-

    rung des SMTP in allen interessierten (deutschsprachigen) Selbsthilfegruppen gelegt.

    Wenn davon ausgegangen wird, dass es sich mit bipolar Betroffenen um eine krankheits-

    bedingt „schwierige“ Indikationsgruppe handelt, stellt sich weiterführend die Frage, wel-

    chen Erfolg gesundheitsbezogene Selbstmanagementprogramme bei anderen Krank-

    heitsbildern (Chronischer Schmerz, Osteoporose etc.) oder auch indikationsübergreifen-

    den Zielgruppen (Arbeitslose, sozial Benachteiligte, andere Risikogruppen etc.) haben

  • 3

    könnten. Die in dieser Studie vorgelegten Ergebnisse bieten Ansätze, die sich sicher nicht

    nur aus medizinischer Sicht zu untersuchen lohnen.

    Zusammengefasst wurde mit dieser Arbeit die Basis geschaffen, das vorliegende SMTP

    einer großen Zahl von interessierten Selbsthilfegruppen anzubieten, es weiterzuentwi-

    ckeln und an die Bedürfnisse der Anwender anzugleichen. Die bundesweite Einführung

    des Programms in der vorliegenden Version wird derzeit vorbereitet. Zukünftig soll es

    möglich sein, dass sich die Nutzer im Internet eine speziell nach ihren Vorkenntnissen

    und Wünschen erzeugte Programmversion ausgewählter SMTP-Bausteine zusammenstel-

    len, diese testen und auch bewerten können. Geplant ist die Entwicklung und Weiterent-

    wicklung der Konzeption in einem interdisziplinären Team aus Patienten und Professionel-

    len (Selbsthilfegruppenleiter, Mediziner, Psychologe, Medizinpädagoge).

  • 4

    Inhaltsverzeichnis

    1. Selbsthilfe .................................................................................................... 12

    1.1 Zur Bedeutung der Selbsthilfe ..................................................................... 12

    1.2 Patienten-Schulung.................................................................................... 14 1.2.1 Patientenratgeber und Therapiemanuale ................................................. 14 1.2.2 Das Beispiel der MDF/Großbritannien...................................................... 17 1.2.3 Erfahrungen aus Deutschland................................................................ 19

    1.3 Fragestellung ............................................................................................ 23

    2. Bipolare affektive Störungen ........................................................................ 25

    2.1 Definition und Deskription........................................................................... 25

    2.2 Ätiologie und Pathogenese .......................................................................... 27

    2.3 Therapie................................................................................................... 28 2.3.1 Übersicht............................................................................................ 28 2.3.2 Pharmakotherapie ............................................................................... 29 2.3.3 Weitere Therapieoptionen ..................................................................... 30 2.3.4 Psychotherapie und Psychoedukation ..................................................... 31

    2.4 Verlauf und Prognose ................................................................................. 33

    3. Zum Selbstmanagement bipolarer Störungen............................................... 35

    3.1 Vorbemerkungen....................................................................................... 35

    3.2 Medizinische Aspekte ................................................................................. 35 3.2.1 Frühwarnzeichen ................................................................................. 35 3.2.2 Die Life Chart Methode ......................................................................... 38 3.2.3 Stabilisation sozialer Rhythmen ............................................................. 43 3.2.4 Salutogenese ...................................................................................... 48 3.2.5 Stressbewältigung, Coping, Empowerment .............................................. 51

    3.3 Pädagogische Aspekte ................................................................................ 58 3.3.1 Selbstgesteuertes Lernen ..................................................................... 58 3.3.2 Projektarbeit und Problemorientiertes Lernen .......................................... 62 3.3.2 Lernen und Metakognition..................................................................... 63 3.3.3 Lernen und Verhalten........................................................................... 67 3.3.4 Kompetenz ......................................................................................... 68 3.3.5 Selbstwirksamkeitserwartung und Lernmotivation .................................... 70 3.3.6 Besonderheiten des (selbstgesteuerten) Lernens in Gruppen...................... 73

    4. Methode und Ergebnis .................................................................................. 79

    4.1 Vorbemerkungen....................................................................................... 79

    4.2 Die Entwicklung des SMTP .......................................................................... 80 4.2.1 Die Auswertung der Interviews.............................................................. 82

    4.3 Das Selbstmanagement-Trainingsprogramm.................................................. 89 4.3.1 Vorbemerkungen................................................................................. 89 4.3.2 Die methodische Konzeption ................................................................. 91 4.3.3 Der inhaltliche und organisatorische Aufbau ............................................ 99

    4.4 Die Untersuchungsgruppe und der Ablauf des SMTP...................................... 106 4.4.1 Vorbemerkungen............................................................................... 106 4.4.2 Die soziodemografischen Grunddaten der Untersuchungsgruppe............... 107 4.4.3 Die Evaluation des SMTP in der Untersuchungsgruppe............................. 114

    4.5 Die Vorbereitung der Verbreitung des SMTP ................................................ 120

  • 5

    5. Diskussion und Schlussfolgerungen ........................................................... 121

    5.1 Zur Entwicklung des SMTP ..............................