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Erkneraner Hefte Nr - Carl Bechstein Gymnasium - ... Panzerkorps und der SS-Division "Wiking", nur mit Mühe ausbrechen konnten. In den Tagen vor dem 8. März verschärft sich die

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  • Erkneraner Hefte Nr.2

    Bernd Rühle

    Der 8. März 1944 - das Ende des alten Erkner

  • Quellennachweis: Laurenz Demps: Die Luftangriffe auf Berlin 1998 Die großen Luftschlachten des II. Weltkrieges o.D. Erinnerungen von Zeitzeugen Erkner1994 Färber: Der II. Weltkrieg in Bildern Stuttgart 1990 A. Girbig: Im Anflug auf die Reichshauptstadt o.D. Olaf Groehler: Zum Luftangriff auf Erkner am 8.März 1994 o.D. P. Young: Atlas zum II. Weltkrieg 1998 Impressum: Herausgeber: Heimatverein Erkner e.V. 2000 Text: Dr. Bernd Rühle Bildnachweis: Heimatkundliches Archiv Erkner, Bundesarchiv Layout, Satz und Druck: Testomat Druck GmbH 15345 Eggersdorf, Landhausstraße

  • Vorwort Mit dem sichtbar fortschreitenden Ausbau der Friedrichstraße und der angrenzenden Straßenzüge zu einem von pulsierendem Leben, Handel und Gewerbe erfüllten Zentrum unserer Heimatstadt Erkner reduziert sich, von jährlichen Gedenkminuten an den Denkmälern abgesehen, die Erinnerungen an die Katastrophe des 8.März 1994 auf diejenigen Einwohner, die das Grauen jenes Tages selber miterlebt haben. Aber auch die letzten Spuren der Tragödie verschwinden mehr und mehr aus dem Stadtbild und das ist gut so. Das vorliegende Heft 2 unserer Schriftreihe soll dazu beitragen, die Kenntnisse über das, was damals geschah, bei den älteren vielleicht ein wenig zu vertiefen und den Jüngeren dadurch die Schrecken des Krieges Bewusst zu machen. Dank sei denjenigen Zeitzeugen gesagt, die in ihren hier auszugsweise zitierten Erinnerungen ihr Erleben an die Nachwelt weitergegeben haben. Da auch die amtlichen und wissenschaftlichen Darstellungen oft voneinander abweichende Zahlen und Fakten enthalten und manches Detail überhaupt nicht erwähnt ist, nehmen wir ergänzende bzw. kritische Hinweise gerne entgegen. Herrn Heinz Schulz und Herrn Dr. Präkel sei für Durchsicht und wertvolle Ergänzungen gedankt, ebenso den Sponsoren und dem Landkreis Oder- Spree für ihre Unterstützung. Der Herausgeber

  • Am Ende des 19. Jahrhunderts war aus der bis dahin relativ lose verbundenen Gruppierungen verstreut zwischen Wäldern und Seen liegender Wohnplätze die Gemeinde Erknergeworden, die diesen Namen 1889 erhielt, und von der es einen zeitgenössischen Touristenführer hieß: "frische, reine Seeluft und würziger Kiefernduft sind die angenehmen Vorteile, die sich für Erkner aus seiner schönen Lage in Wasser- und Waldreicher Landschaft ergeben. Gestützt auf die Nähe Berlins auf die günstige Verkehrslage an Straße, Schiene und Wasserwegen siedelten sich zwar bedeutende Industriegebiete wie das Rügerswerk und später Bakelitefabrik an, aber der Ort wurde dennoch mehr und mehr zu einem "Umschlagsplatz" für die zunehmenden Touristenströme, die sich in die Erholungslandschaft östlich Berlins ergossen. Für ihr leibliches Wohl sorgten u.a. ca. 30 Gaststätten; viele Bootshäuser an Seen und Flüssen machten Erkner zu einem Eldorado des Wassersports. Viele Dampferlinien verbanden die Ausflugsorte miteinander. Freundliche Siedlungen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen entstanden, in einer Vielzahl von Vereinen konzentrierte sich das gesellschaftliche Leben. Der 1933 fast 8000 zählende Ort war erfüllt von pulsierendem gewerblichem Leben, es lebte sich gut in der hübsch und verkehrsgünstig gelegenen Gemeinde, die sich stetigen inneren wie äußeren Wachstums erfreuten. Bekannte Persönlichkeiten wie Gerhart Hauptmann, Carl Bechstein und Albert Kiekebusch wählten Erkner zeitweise als Wohnsitz; die Einwohnerzahlen stiegen mit zunehmender Bebauung an, und im Laufe der Zeit nahm der Ort in mancher Hinsicht Städtischen Charakter an.

    Die Friedrichstraße in den 30er Jahren

  • Doch mit der Machtübernahme Hitlers 1933 wurde deutlich, wohin der Weg der neuen Machthaber führen würde. Das gesamte gesellschaftliche Leben wurde von nationalsozialistischem Gedankengut durchdrungen, Verfolgung von Juden und Andersdenkender lassen sich noch heute nachweisen. Die Kriegsvorbereitung wurde offenkundig; der Anschluss Erkners an die Autobahn am 6.Juni 1936 und die Produktionsaufnahme des neu errichteten Kugellagerwerkes 1938, das 1943 beispielsweise 44000 Kugellager täglich nahezu ausschließlich für militärische Zwecke herstellte, verliehen dem Ort, dessen Einwohnerzahl inzwischen auf über 9000 gestiegen war, eine wichtigen kriegswirtschaftlichen Stellenwert. Entsprechend wurden dann vor Kriegsbeginn bemerkenswerte kommunale Projekte wie zum Beispiel die Anlage einer größeren Siedlung in der Nähe des Karutzsees mit eigenem Bahnhof oder die Errichtung eines repräsentativen Neubau für die Theodor- Fontane-Schule nicht mehr verwirklicht. Die Bedeutung Erkners als Standort der Rüstungsproduktion Schon im ersten, vor allem aber währen des zweiten Weltkrieges war Erkner zum Standort kriegswichtiger Produktion geworden. Der Ort lag deshalb im Blickpunkt der alliierten Luftkriegsstrategie. Betrachtet man unter diesem Aspekt die einzelnen Betriebe, so ergibt sich folgendes Bild: Die 1861 gegründeten Rütgerswerke (Teerwerk) stellte bereits im I. Weltkrieg nach eigener Darstellung "Benzole für die Verkehrs- und Fliegertruppen, Heizöle, Schiffsanstriche und Naphaltin für die Marine, Toluol für die Sprengstoff-Fabriken..." usw. her.

    Das Kugellagerwerk ca. 1941

  • Diese Produktion wurde im Prinzip beibehalten. Das Werk bezeichnete sich 1942 als "ein OKW-Betrieb, ..... also in kriegswichtiger Bedeutung." 1943 betrug die Gesamtproduktion 8300 t monatlich, 1944 werden jährlich 56217 t spezieller Produkte hergestellt. Nach dem 8. März 1944 wird mit Hochdruck an der Beseitigung der Bombenschä den gearbeitet, und das Werk wird dabei sogar in die höchste Dringlichkeitsstufe (Zi., Wehrmachtsnr. SS4900) eingestuft, womit dei Bedeutung für die Rüstung unterstrichen wird. Die 1938 neu errichtete Bakelitefabrik konnte schon 1939 die Gesamtproduktion von Phenolharzen und Phenolharzpressmassen auf jährlich 13000 t steigern. Ein Großteil der Produktion wurde für Rüstungszwecke verwendet. Das 1938 als modernes Zweigwerk der Schweinfurter Kugellagerfabriken errichtete Kugellagerwerk galt den Alliierten neben Schweinfurt "als das wichtigste Kugellagerwerk der deutschen Rüstungsindustrie". In ihm waren 2000 Arbeiter und 140 Angestellte beschäftigt, und 1943 betrug die Produktion täglich 44000 Kugellager aller Größen für Flugzeuge, Panzer und Geschütze. Um deutlich zu machen, dass der Angriff auf Erkner ein Teil gesamten Luftkrieges im Jahr 1944 war, aber auch in einem Zeitpunkt erfolgte, an dem der Krieg für Nazideutschland praktisch schon verloren war, sei in den folgenden Abschnitten die militärische Gesamtlage noch einmal kurz skizziert. Der Krieg beginnt an einem Ausgangspunkt zurückzukehren - die militärische Lage an den wesentlichen Fronten im I. Quartal 1944 Nach dem Untergang der deutschen 6. Armee im Januar 1943 in Stalingrad und der faktische Niederlage der Wehrmacht nach der letzten Großoperation zur Begradigung des sogen. Kursker Bogens (Operation "Zitadelle") im Juli 1943 war die Initiative auf allen Kriegsschauplätzen entgültig an die sowjetischen, britischen und amerikanischen Streitkräfte übergegangen. Die Wehrmacht wurde zunehmend in die defensive gedrängt. Wie sah die Frontlage zwischen Januar und März 1944 im einzelnen aus? Im Nordabschnitt der Ostfront mussten die im Verband Heeresgruppe Nord eingesetzte 16. und 18. Armee die nahezu 900 Tage lang Leningrad (jetzt: St. Petersburg) eingeschlossen hatten, zwischen 19. Januar und 1. März 1944 dem starken Angriffsdruck von drei sowjetischen Fronten (Heeresgruppen) weichen und die Belagerung der Stadt aufgeben. Die Heeresgruppe Nord wurde auf die Linie von Narwa im Norden-Pleskau- Pustoschka im Süden zurückgedrängt und später bis zum Kriegsende auf der Halbinsel Kurland eingekesselt.

  • Im Bereich der Heeresgruppe Mitte wölbte sich zu Jahresbeginn die deutsche Front in einem Weiten Bogen um die Städte Witebsk, Mogilew und Bobruisk nach Osten, für dessen Verteidigung nur 40 Divisionen und als Reserve lediglich eine Panzerdivision sowie die Luftflotte 6 mit 829 Flugzeugen zu Verfügung standen. Viel zu wenig Kräfte, um wenig später der großen sowjetischen Sommeroffensive wiederstehen zu können, die am 22. Juni 1944 mit 126 Schützendivisionen, 6 Kavalleriedivisionen, 45 Panzerbrigaden und 16 mot. Brigadensowie 4500 Flugzeuge in diesen Frontabschnitt losbrach. Im Süden konzentrierten sich die Kämpfe im Bereich der Heeresgruppen A und Süd in der Ukraine auf den Kessel bei Tscherkassy, wo die eingeschlossenen deutschen Einheiten, das XI. Korps, Teile des 47. Panzerkorps und der SS-Division "Wiking", nur mit Mühe ausbrechen konnten. In den Tagen vor dem 8. März verschärft sich die Lage weiter: am 4. März beginnt die Frühjahrsoffensive der sowjetischen 1. ukrainischen Front, die die deutschen Linien durchbricht und bis Tarnopol durchstößt. Am 5. März greifen die Truppen der 2. ukrainischen Front die Deutsche 1. und 4. Panzerarmee an. Zwischen dem 5. und 10. März stehen die deutschen Truppen der Heeresgruppe Mitte in heftigen Abwehr- und Rückzugskämpfen westlich Smolensk und an Bug und Dnjestr.. Am 6. März greift die sowjetische 3. ukrainische Front auf einer Breite von 800 km die Heeresgruppe A an. Am 8. März meldet das OKW (Oberkommando Der Wehrmacht) schwere Abwehrkämpfe um Kretsch (Krim) sowie heftige Angriffe sowjetischer Verbände mit erheblichen Gel