EU-Reform der gesetzlichen Abschlussprüfung - ey.· 4 Die EU­Reform der Abschlussprüfung ... Bestätigungsvermerk

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  • EU-Reform der gesetzlichen AbschlussprfungNeue Regeln fr die Berichterstattung im Besttigungsvermerk und Prfungsbericht

    Was Unternehmen jetzt beachten mssen (Stand August 2015)

  • Inhalt

    I. Europische Rechtsakte und ihre Umsetzung in nationales Recht 3

    II. Neue Regelungen zur Bericht-erstattung im berblick 4

    III. Neufassung des Besttigungsvermerks 5

    1. Besttigungsvermerk nach bisherigem Recht 5

    2. Der Auditors Report entsprechend den ISAs 5

    2.1. Grundlegende Anforderungen der ISAs an einen Besttigungsvermerk 5

    2.2. Ergnzende Berichterstattung ber Key Audit Matters (KAMs) 8

    3. Europische Anforderungen an den Besttigungsvermerk fr PIEs 9

    3.1. Vorgaben nach Art. 10 EU-VO 9

    3.2. Zweifelsfragen 11

    4. Nationale Anforderungen an den Besttigungsvermerk fr Nicht-PIEs 11

    IV. Neufassung des Prfungsberichts 12

    1. Prfungsbericht nach bisherigem Recht 12

    2. Europische Anforderungen an den Prfungsbericht 12

    3. Sollte die Prfungsbericht- erstattung im Nicht-PIE-Bereich im Sinne einer adressaten-orientierten Berichterstattung geffnet werden? 14

    V. Zusammenfassung und Ausblick 15

    Ansprechpartner/Kontakt 15

    Abkrzungen und Verweise 15

    Die EU-Neuregelungen bringen tief greifen-de Vernderungen fr den Besttigungs-vermerk und den Prfungsbericht. In dieser Broschre stellen wir Ihnen die nde-rungen und ihre erheb lichen praktischen Auswirkungen vor. Hervor zuheben ist ins-besondere, dass knftig im an die ffent-lich keit gerichteten Besttigungs vermerk ber sogenannte Key Audit Matters zu be-richten ist. Erste Erfahrungen aus den Niederlanden und Grobritannien zeigen, dass der Umfang der Besttigungs-vermerke infolge der Erweiterung um un-ternehmensindividuelle Inhalte deutlich zunimmt. Damit wird der heute bekannte relativ kurze, standardisierte Besttigungs-vermerk nicht mehr mglich sein. Auch hinsichtlich des Prfungs berichts ergeben sich zahlreiche Detail nderungen, da die neuen Berichtspflichten ber die bisherigen Regelungen hinausgehen. Ziel ist es, mit-hilfe des neu gefassten Prfungsberichts die Kommunikation zwischen Abschluss-prfer und Prfungsausschuss zu ver-bessern.

    Die genderten EU-Regelungen zur Ein-fhrung einer externen Rotation des Abschluss prfers und zur Begrenzung von Nichtprfungsleistungen bei Unternehmen von ffentlichem Interesse sowie zur Corporate Governance stellen wir Ihnen in separaten Broschren vor.

  • 3Die EU-Reform der Abschlussprfung |

    Die EU-Kommission hat im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 eine Reform der gesetzlichen Abschlussprfung auf den Weg gebracht. Die Reform mndete in die Richt-linie (2014/56/EU) vom 16. April 2014 zur nderung der Abschlussprferrichtlinie (2006/43/EG), nachfolgend: EU-RL, und in eine neue Abschlussprferverordnung (Nr. 537/2014) vom 16. April 2014, nachfolgend: EU-VO. Die einzelnen Mit-gliedstaaten mssen die EU-RL sowie die Wahlrechte der EU-VO bis zum 17. Juni 2016 in nationales Recht umsetzen. Die genannten Vorgaben unterscheiden sich in ihrem Anwendungsbereich. Die EU-VO, die ab dem 17. Juni 2016 unmittelbar anzuwenden ist, gilt fr Unternehmen von ffentlichem Interesse (Public Interest Entities, kurz: PIEs).

    Richtlinie versus Verordnung

    Eine EU-Richtlinie ist an den jewei-ligen Mitgliedstaat gerichtet, der diese innerhalb einer Umsetzungs frist (i. d. R. zwei Jahre) mit einem Umsetzungsgesetz richtlinienkonform in nationales Recht transformieren muss.

    Eine EU-Verordnung wirkt dagegen unmittelbar in jedem Mitgliedstaat, sodass es hinsichtlich der zwingenden Inhalte der Verordnung keines Umsetzungs gesetzes bedarf. Nur soweit eine EU-Verordnung Mitglied-staatenwahlrechte enthlt, bestehen fr den Mitgliedstaat Freiheitsgrade, die in nationales Recht umgesetzt werden knnen.

    Zur Umsetzung der EU-RL sowie zur Ausbung der Wahlrechte der EU-VO (z. B. Mitgliedstaatenwahlrecht zur Normierung zustzlicher Bestandteile des Prfungs-berichts) hat das BMJV am 27. Mrz 2015 einen Referentenentwurf (RefE) eines Abschlussprfungsreformgesetzes (AReG) verffentlicht, im Folgenden: HGB-E. Am 1. Juli 2015 hat zudem die Bundesregierung den Regierungsentwurf (RegE) eines Abschlussprferaufsichtsreformgesetzes (APAReG) beschlossen. Die nachfolgenden Ausfhrungen stehen unter dem Vorbehalt, dass im weiteren Gesetzgebungsverfahren keine abweichen-den Regelungen normiert werden.

    In dieser Broschre stellen wir die ge-nderten Regelungen zur Ausgestaltung von Besttigungsvermerk und Prfungs-bericht dar. Dabei sollen die praxis-relevanten Auswirkungen der Neuregelun-gen aufgezeigt werden. Die wesentlichen Auswirkungen der Einfhrung einer Pflicht zur externen Rotation und zum Verbot bzw. zur Beschrnkung von Nichtprfungs-leistungen bei Unternehmen von ffent-lichem Interesse sowie die nderungen im Bereich Corporate Governance stellen wir Ihnen in separaten Broschren vor.

    I.Europische Rechtsakte und ihre Umsetzung in nationales Recht

  • 4 | Die EU-Reform der Abschlussprfung

    Vorgaben zur Ausgestaltung des Bestti-gungsvermerks sowie des Prfungsberichts finden sich in folgenden Regelungen:

    EU-RL EU-VO

    HGB ISAs

    Die genannten Vorgaben unterscheiden sich in ihrem Anwendungsbereich und nach ihrer Rechtsqualitt. Whrend die EU-VO nur fr PIEs gilt, sind die Vorgaben des HGB fr alle gesetzlichen Abschlussprfungen in Deutschland verbindlich.

    II.Neue Regelungen zur Berichterstattung im berblick

    EUVO 1) HGBE (i. d. F. AReG) ISAs

    Besttigungs Art. 10 EU-VO 2) 322 HGB-E 3) ISA 700 (revised)vermerk 322a HGB-E 4) ISA 701 5) ISA 705 (revised) ISA 706 (revised)

    Prfungsbericht Art. 11 EU-VO 6) 321 HGB-E N/A 7)

    1) Gilt unmittelbar (nur) fr die Prfung von EU-PIEs.

    2) Verweist auf Art. 28 EU-RL, der seinerseits u. a. auf die von der EU-Kommission angenommenen ISAs verweist; enthlt das Mitgliedstaatenwahlrecht zur Festlegung zustzlicher Anforderungen, das Deutschland nach dem AReG-RefE in 322 HGB ausbt.

    3) Dient der Umsetzung von Art. 28 EU-RL in nationales Recht; verweist u. a. auf die ISAs, die somit vorbehaltlich einer Annahme durch die EU-Kommission mittelbar Gesetzeskraft entfalten.

    4) bernimmt die Anforderungen aus Art. 10 EU-VO zum Besttigungsvermerk von PIEs auch zur verpflichtenden Anwendung durch Nicht-PIEs in nationales Recht.

    5) Von den ISAs nur verpflichtend vorgesehen fr listed entities oder sofern nach lokalen Vorgaben erforderlich (required by law or regulation).

    6) Enthlt ein Mitgliedstaatenwahlrecht hinsichtlich einer Pflicht zur Vorlage des Prfungsberichts an das Verwaltungs- oder Aufsichtsorgan sowie zur Festlegung zustzlicher Anforderungen, die Deutschland nach dem AReG-RefE in 321 HGB ausbt.

    7) Ein Prfungsbericht ist nach den ISAs nicht obligatorisch. Einzelne Berichtspflichten ergeben sich u. U. jedoch aus ISA 260.

    Die International Standards of Auditing (ISAs) enthalten detaillierte Vorgaben zum Besttigungsvermerk. Eine mittelbare Gesetzes kraft entfalten sie jedoch nur im Falle einer Annahme durch die Europische Kommission (adoption). Die Aufnahme der ISAs in europisches Recht erfolgt, hnlich der bernahme der IFRS, im Rahmen eines sog. Komitologieverfahrens. Abzuwarten bleibt, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die Europische Kommission von der Ermchtigung zur An-nahme der ISAs Gebrauch machen wird. Da

    es sich bei den ISAs jedoch um international abgestimmte Prfungsstandards handelt, kommt ihnen auch ohne eine bernahme in europisches Recht eine erhebliche Bedeu-tung zu. So haben sich beispielsweise die im Forum of Firms zusammengeschlossenen, welt weit ttigen Wirtschaftsprfungs-gesellschaften im Rahmen einer freiwilligen Selbst verpflichtung dazu verpflichtet, weltweit fr eine konsistente Anwendung von anerkannten Prfungsgrundstzen einzutreten und sich den Regelungen der ISAs zu unterwerfen.

  • 5Die EU-Reform der Abschlussprfung |

    III.Neufassung des Besttigungsvermerks

    1. Besttigungsvermerk nach bisherigem Recht

    2. Der Auditors Report entsprechend den ISAs

    Der bislang in 322 HGB normierte Besttigungsvermerk beschreibt die Aufgabe des Abschlussprfers (auch in Abgrenzung zur Verantwortlichkeit der gesetzlichen Vertreter fr die Buchfhrung, den Jahresabschluss und den Lagebericht), stellt Gegenstand, Art und Umfang der Prfung dar und fasst das Prfungsergebnis in einer Beurteilung zusammen. Da der Besttigungsvermerk zusammen mit dem Jahresabschluss nach 325 Abs. 1 Satz 2 HGB im Bundesanzeiger offenzulegen ist, richtet sich dieser an die ffentlichkeit.

    Seit dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbe-reich (KonTraG) aus dem Jahr 1998 ist der Besttigungsvermerk nicht mehr als Formeltestat konzipiert. Durch die Formulierungsvorschlge des Instituts der Wirtschaftsprfer (IDW PS 400) ist in der Praxis gleichwohl ein weitgehend identischer Wortlaut blich.

    Die rechtliche Bedeutung des Besttigungs-vermerks besteht darin, dass mit seiner Er-teilung die Prfung materiell abgeschlossen ist. Hat eine Prfung nicht stattgefunden, so kann ein Jahresabschluss einer mittleren oder groen Kapitalgesellschaft nicht festgestellt ( 316 Abs. 1 Satz 1 HGB) und ein Konzernabschluss nicht gebilligt ( 316 Abs. 2 Satz 2 HGB) werden. Unbeachtlich fr die Feststellung eines Abschlusses ist hingegen, ob der Abschlussprfer zu einem positiven (Besttigungsvermerk) oder negativen (Versagungsvermerk) Gesamt-urteil gelangt ist.

    2.1. Grundlegende Anforderungen der ISAs an einen Besttigungsvermerk

    Ende 2014 hat der International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) ein Projekt zur Neuformulierung des Besttigungsvermerks abgeschlossen. Die berarbeiteten Anforderungen an den Besttigungsvermerk sind insbesondere in den folgenden genderten ISAs verankert:

    ISA 700 (Revi