Europ¤ische Und Amerikanische Faulbrut

  • View
    34

  • Download
    4

Embed Size (px)

DESCRIPTION

api

Text of Europ¤ische Und Amerikanische Faulbrut

  • Europische Faulbrut und

    Amerikanische Faulbrut,

    ein kurzer berblick

    von PD Dr. Elke Genersch

    Lnderinstitut fr Bienenkunde Hohen Neuendorf e. V.

  • Danksagung: Wir danken Frau Dominique Yue fr die Hilfe bei der Erstellung dieses Skripts.

    Impressum: Herausgegeben vom Lnderinstitut fr Bienenkunde Hohen Neuendorf e. V. mit Frderung durch die Lnder Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thringen und Berlin

  • Was sind Bakterien?

    Abbildung 1: Bakterien sind kleine Einzeller, die einzeln nur durch ein Mikroskop zu erkennen sind (links). Wenn sie sich auf einem geeigneten Nhrboden vermehren, wachsen sie zu mit dem bloen Auge sichtbaren Kolonien mit charakteristischem Aussehen heran (rechts).

    Bakterien sind einzellige, eigenstndig lebensfhige Organismen, die sich ausschlielich

    durch Teilung vermehren. Sie kommen berall vor, da sie smtliche Lebensrume der Erde

    besiedelt haben. Es gibt Bakterien, die in heien Quellen leben, andere leben nur in

    Abwesenheit von Sauerstoff und wieder andere leben von chemischen Stoffen, wie Methan,

    oder sind Aasfresser (Saprophyten) und ernhren sich von anderen, toten Lebewesen. Das

    wichtigste Merkmal, durch welches sie sich von den hheren Lebewesen unterscheiden, ist

    ihre frei in der Zelle liegende Erbsubstanz, die nicht von einem so genannten Kern

    umschlossen ist. Viele Arten besitzen eine oder mehrere Geieln, mit denen sie sich aktiv

    fortbewegen knnen. Einige Bakterienarten sind Krankheitserreger, das heit, dass sie ein

    anderes Lebewesen (Pflanze, Tier, Mensch) als Nahrungsquelle nutzen, sich dort vermehren

    und dadurch Krankheitssymptome verursachen.

    Welche Krankheiten bei Bienen werden von Bakterien verursacht? Bei Bienen gibt es lediglich zwei Erkrankungen, die von Bakterien verursacht werden: Die

    Europische Faulbrut und die Amerikanische Faulbrut. Beide Erkrankungen sind

    Bruterkrankungen. Bei erwachsenen Bienen gibt es keine bekannte Krankheit, fr die eine

    Infektion mit bestimmten Bakterien verantwortlich ist. Lediglich eine allgemeine Septikmie

    wird in einigen Bchern beschrieben, womit wohl so eine Art Blutvergiftung gemeint ist, das

    heit eine allgemeine, sich ber die Hmolymphe ausbreitende Infektion mit unspezifischen

    Bakterien.

    1

  • Tabelle 1: berblick ber die durch Bakterien verursachten Bienenkrankheiten (Entsprechend der Herkunft der Wissenschaftler, die die jeweiligen Erreger erstmals beschrieben, wurde die durch Melissococcus plutonius verursachte Infektion Europische Faulbrut und die durch Paenibacillus larvae hervorgerufene Krankheit Amerikanische Faulbrut genannt.)

    Bakterium Krankheit Brut erwachsene Bienen

    Melissococcus plutonius Europische Faulbrut + -

    Paenibacillus larvae Amerikanische Faulbrut + -

    Die Europische Faulbrut (EFB)

    Die Europische Faulbrut (EFB) wird durch das Bakterium Melissococcus plutonius

    (M. plutonius) verursacht. ltere Bezeichnungen fr diesen Erreger waren Bacillus pluton

    (White, 1912), Streptococcus pluton (Bailey, 1967) und Melissococcus pluton (Bailey &

    Collins, 1982). Aufgrund des suerlichen Geruchs, der von den erkrankten Bienenvlkern

    ausgehen kann, ist auch die Bezeichnung Sauerbrut verbreitet. In Deutschland spielt die

    EFB zur Zeit nur eine untergeordnete Rolle und ist nicht anzeigepflichtig.

    Abbildung 2: Melissococcus plutonius kommt in zwei Formen vor: Die vermehrungsfhigen Bakterien sind lanzettfrmig, woher auch der Namensbestandteil coccus kommt; unter ungnstigen Bedingungen bildet M. plutonius widerstandsfhige Kapseln als Dauerform. Diese Kapseln sind die infektise Form von M. plutonius.

    An der EFB erkrankt nur die Bienenbrut, die erwachsenen Bienen knnen sich nicht

    infizieren. Die Infektion erfolgt durch die Aufnahme von Pollen, der M. plutonius-Kapseln

    enthlt. Diese Kapseln keimen im Larvendarm zu lanzettfrmigen, vermehrungsfhigen

    Bakterien aus. Auf welchem Weg M. plutonius die Bienenlarven dann ttet, ist noch nicht

    genau geklrt. Es gibt Hinweise darauf, dass M. plutonius im Larvendarm von der

    aufgenommenen Larvennahrung lebt und sich vermehrt. Durch die Nahrungskonkurrenz

    2

  • bekommen die Larven zu wenig zu essen und verhungern schlielich. Sollte sich diese

    Hypothese bewahrheiten, wre M. plutonius fr Bienenlarven gar kein klassischer

    bakterieller Krankheitserreger, sondern eher ein bakterieller Parasit.

    Die erkrankten Larven sterben meist im 4. oder 5. Larvenstadium in den offenen Zellen ab.

    Werden die infizierten Larven verdeckelt, so werden die Wachsdeckel lchrig und sinken ein.

    Die abgestorbenen Larven werden von aasfressenden Bakterien (Saprophyten) wie

    Streptococcus faecalis und/oder Paenibacillus alvei zu einer breiigen Masse zersetzt, die zu

    einem locker sitzenden Schorf eintrocknet. Geht ein saurer Geruch von einem EFB-

    erkrankten Volk aus, so wird man hauptschlich Streptococcus faecalis aus den toten Larven

    isolieren, geht ein eher fauler Geruch von dem Volk aus, so hat vor allem Paenibacillus alvei

    die toten Larven zersetzt.

    Abbildung 3: Der Infektionskreislauf der EFB. Larven, die Pollen aufnehmen, der mit M. plutonius-Kapseln kontaminiert ist, erkranken an der EFB. Erkrankte Larven knnen von den Ammenbienen an ihrem erhhten Futterbedarf erkannt werden und werden dann ausgerumt. Nicht ausgerumte, erkrankte Larven sterben im Rundmaden- oder Streckmadenstadium meistens in der noch offenen Zelle. Putzbienen tragen die M. plutonius-Kapseln erneut ins Futter ein und tragen so zur Verbreitung der EFB im Brutnest bei.

    3

  • Symptome der EFB: lckiges Brutbild

    eingefallene, lchrige Zelldeckel

    abgestorbene Larven liegen verdreht in den Zellen

    graugelber Klumpen im Darm der abgestorbenen Larven

    zersetzte Larven in Form einer verfrbten, breiigen Masse

    lockerer, am Zellboden oder in der unteren Zellrinne liegender Schorf

    schwarzer lackartiger Fleck an der Innenseite des Zelldeckels

    saurer oder fauliger Geruch

    Anhand dieser Symptome ist lediglich eine Verdachtsdiagnose mglich, da einige der

    Symptome auch einen Verdacht auf die Amerikanische Faulbrut begrnden. Nur ber den

    Ausschluss des Erregers der Amerikanischen Faulbrut, bzw. den Labornachweis von

    M. plutonius oder P. alvei oder S. faecalis in den toten Larven ist die Europische Faulbrut

    eindeutig zu diagnostizieren.

    Im Falle eines Verdachts sollte zur Sicherheit auf jeden Fall eine Probe untersucht werden,

    um die Amerikanische Faulbrut auszuschlieen!

    Hufig findet eine Selbstheilung eines an der EFB erkrankten Bienenvolkes statt. Den

    Infektionsdruck (Menge der M. plutonius-Kapseln im Volk) kann man in einem erkrankten

    Volk durch pflegerische Manahmen reduzieren:

    Entfernung der befallen Brutwaben

    zur Verdnnung der Kapselmenge im Pollen fr guten Polleneintrag sorgen den Putztrieb der Bienen frdern

    bei einem extrem starken Befall Anwendung des Kunstschwarmverfahrens

    Da es sich bei der EFB um eine Infektionskrankheit handelt, kann sie nur verhindert werden,

    indem eine Infektion mit M. plutonius vermieden wird. Deshalb gilt als gute imkerliche Praxis:

    Vorsicht bei der Verwendung von fremdem Futter

    Vorsicht beim Erwerb von fremdem Wabenmaterial bzw. Gertschaften und fremden

    Vlkern

    Strke der Vlker durch pflegerische Manahmen frdern

    4

  • Amerikanische Faulbrut (AFB) Die Amerikanische Faulbrut (AFB) ist eine schwerwiegende, auf allen Kontinenten

    verbreitete bakterielle Krankheit der Honigbienenbrut. Die AFB wird weltweit als Tierseuche

    eingestuft. In einigen Lndern ist es gestattet, zur Bekmpfung der Seuche Antibiotika

    einzusetzen. Abgesehen von der Gefahr, dass bakterielle Erreger beim Einsatz von

    Antibiotika schnell Resistenzen entwickeln, ist ihre Anwendung in Europa an Bienenvlkern

    aufgrund der damit verbundenen Rckstnde im Honig verboten. Ein an der AFB erkranktes

    Bienenvolk ist darber hinaus durch eine medikamentse Behandlung ohnehin nicht zu

    heilen, da die widerstandsfhigen infektisen Sporen des Erregers durch Antibiotika nicht

    abzutten sind. Durch den Einsatz von Antibiotika wird die Erkrankung lediglich maskiert,

    nicht aber geheilt oder verhindert. Nach dem Tierseuchengesetz und der

    Bienenseuchenverordnung ist die Amerikanische Faulbrut in Deutschland anzeigepflichtig.

    Das bedeutet, dass bei dem geringsten Verdacht der zustndige Amtstierarzt verstndigt

    werden muss!

    Die Amerikanische Faulbrut wird durch das Bakterium Paenibacillus larvae (P. larvae)

    verursacht (Genersch et al., 2006). Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die im Laufe der

    letzten 100 Jahre gewonnen wurden, hatten mehrmals Namensnderungen des Erregers zur

    Folge. So sind die lteren Bezeichnungen Bacillus larvae (White, 1906) und Paenibacillus

    larvae larvae (Heyndrickx et al., 1996) heute nicht mehr gltig. Auch der frher als Bacillus

    pulvifaciens (Katznelson, 1950), Paenibacillus pulvifaciens (Ash et al., 1993) bzw.

    Paenibacillus larvae pulvifaciens (Heyndrickx et al., 1996) bezeichnete Erreger, der als

    Verursacher der powdery scale disease galt, konnte letztendlich als Paenibacillus larvae

    und Verursacher der AFB identifiziert werden (Genersch et al., 2006).

    Paenibacillus larvae ist ein stbchenfrmiges, rundherum begeieltes Bakterium, welches

    sich wie alle Bakterien durch Teilung vermehrt. Nach der Teilung bleiben bei P. larvae die

    Bakterien anein