F oxysporum 04-2014 - bgrci.de ?· 2 Stand: 04/2014 Pathogenitätsfaktoren : unbekannt. Die Fähigkeit…

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    09-Jun-2019

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Stand: 04/2014 1

Allgemeine Angaben Name (Synonym): Fusarium oxysporum Schlechtendahl 1824 (emend. Snyder & Hansen 1940);

Gattungsbezeichnung nach lat. fusus (= Spindel) mit Suffix -arium (Ort; vgl. Herbarium) nach der Sporenform; Artname griech. oxys (= scharf, spitz)

Tax. Status: Anamorpher Ascomyzet; Teleomorph unbekannt; vermutlich in der Familie Nectriaceae; zahlreiche Synonyme. Gilt heute als Komplex morphologisch sehr hnlicher Formen; eine akzeptierte Neugliederung auf genetischer oder molekularer Basis ist aber bisher nicht gelungen.

Risikogruppe: 1, + (BioStoffV); fr gentechnische Arbeiten: 2 (GenTSV) Konsiliar-/Referenzlabor: Nationales Referenzzentrum fr Invasive Pilzinfektionen am Leibniz-Institut fr

Naturforschung und Infektionsbiologie (Prof. Dr. O. Kurzai), Adolf-Reichwein-Str. 23, 07745 Jena

Molekularbiologie, Morphologie und Physiologie : Morphologie: Das Kulturbild ist sehr variabel und stark von den Wachstumsbedingungen abhngig

(vgl. Abb.; Medieninformation: www.dsmz.de); schnellwchsig, bis 0,5 cm/Tag bei 25 C. Luftmyzel wollig, anfangs farblos, spter auch mit blauroten Tnen. Die Rckseite ist farblos oder blulich. Bei starker Konidienbildung knnen schleimige, orangefarbige Sporenmassen (Sporodochien) auffallen.

Die Konidienbildung erfolgt an flaschenfrmigen, kurzen Bildungszellen (Phialiden), die einzeln oder in Gruppen an beliebigen Stellen des Luftmyzels gebildet werden. Einzellige Mikrokonidien (ellipsoid bis zylindrisch; 5 12 x 2,5 3,5 m) werden meist schnell und in groer Zahl in schleimigen Kpfchen nie in Ketten gebildet; die mehrzelligen, dnnwandigen und typisch bananenfrmigen Makrokonidien erreichen 25 50 m Lnge. Dickwandige, kugelige Chlamydosporen (8 10 m ) werden bevorzugt unter Nhrstoffmangel als Dauerstadien gebildet.

Physiologie: Ungewhnlich ist die Fhigkeit, noch bei sehr geringen Nhr- und Sauerstoffkonzentrationen wachsen zu knnen. Das Temperaturmaximum fr Wachstum liegt bei 37 C, das Optimum zwischen 25 und 30 C.

Identifizierung: Die Identifizierung gelingt nur an Reinkulturen unter optimalen Kulturbedingungen; diagnostisch ist der Nachweis von Chlamydosporen und Mikrokonidien in schleimigen Kpfchen auf kurzen, unverzweigten Phialiden. Verwechslungsmglichkeiten bestehen vor allem mit Fusarien der Sektion Liseola (F. moniliforme (syn. F. verticillioides, F. fujikuroi), F. proliferatum und F. subglutinans), die im Koloniebild sehr hnlich sind und nur durch mikromorphologische Merkmale sicher unterschieden werden knnen. Die starke natrliche Variabilitt und der Einfluss von Kulturbedingungen auf die Ausprgung charakteristischer Strukturen erschweren die richtige Zuordnung. Klinische Isolate werden hufig als untypisch beschrieben.

Genetische und molekulare Untersuchungen besttigen die Komplexitt und Heterogenitt von F. oxysporum, haben aber bisher keine taxonomisch verwertbaren Erkenntnisse gebracht. Die Identifizierung auf der Basis von ribosomaler DNA ist beschrieben worden.

Natrlicher Standort Weltweit verbreiteter, hufiger Bodenbewohner. Pathogenitt Pathogen fr: Pflanzen: als Erreger von Welkekrankheiten an zahlreichen Wild- und Kulturpflanzen

(z. B. Baumwolle, Raps, Mais, Spargel) von besonderer konomischer Bedeutung. Beim Menschen sind Erkrankungen uerst selten; Einzelflle von Infektionen wurden

erst in den letzten 25 Jahren bei schwer immunsupprimierten Patienten (z. B. Leukmie, Knochenmarkstransplatation) beschrieben, meist allerdings ohne zuverlssige Identifizierung des Erregers.

Keine Pathogenitt im Tiermodell (Maus).

Fusarium oxysporum

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Pathogenittsfaktoren: unbekannt. Die Fhigkeit zum Wachstum unter Sauerstoffmangel begnstigt unter Umstnden die Ausbreitung im Gewebe und in der Blutbahn. Gegen eine systemische Ansiedlung spricht aber das relativ niedrige Temperaturmaximum.

Infektise Stadien: vermutlich Konidio- bzw. Chlamydosporen oder besiedelte Pflanzenteile bzw. Erdpartikel

Allergenitt: keine gesicherten Erkenntnisse Toxinbildung: im Vergleich zu anderen Fusarium-Arten eher gering bis fehlend. Nachgewiesen

wurden: Moniliformin, Beauvericin, Fusarinsure, Fumonisin B, C und Nectriafuranone mit antibiotischer und phytotoxischer Aktivitt. Die Humantoxizitt ist nicht besttigt.

Krankheit Bezeichnung: Haut- und Nagelinfektionen ; Keratitis ; systemische Infektionen (uerst selten; nicht

ganz gesichert) Inkubationszeit: unbekannt Symptome: Die klinische Symptomatik ist hnlich der anderer Pilzinfektionen (Hyalohyphomykosen):

Ulzerationen, Nagelzerstrung; Nekrosen Schwere, Verlauf und Prognose: Der Krankheitsverlauf wird durch den Immunstatus bestimmt. Die

Prognose bei eventuellen systemischen Infektionen (s.o.) ist an die Wiederherstellung des Immunsystems gebunden.

Pathologie: Gewebsnekrose Diagnose: Erregernachweis durch Histologie (unspezifisch) und Kultur. Blutkulturen bei

systemischen Fusariosen in etwa 50% der Flle positiv. Therapie: keine spezifische Therapie. Die hohe Resistenz gegen viele bekannte Antimykotika

erschwert die Behandlung eventueller systemischer Infektionen; empfohlen werden Amphotericin B und Voriconazol. Wiederherstellung der Immunkompetenz ist wichtig. Oberflchliche Hautinfektionen sind therapierbar und ohne Risiko.

Prophylaxe (Prvention): Strikte Betriebshygiene im Krankenhaus; berwachung mglicher Infektionsquellen (dauerfeuchte Bereiche: Duschen; Zimmerpflanzen; Luftbefeuchter; Kontaktlinsen)

Epidemiologie bertragungswege und Eintrittspforten: Verletzungen durch Pflanzen oder Pflanzenteile bzw. Kontaktlinsen;

vermutet auch durch Einatmen oder Verschlucken von Konidio- oder Chlamydosporen. Erregerreservoire: F. oxysporum ist ein weltweit verbreiteter, hufiger Erreger von Pflanzenkrankheiten,

der auch im Boden langfristig berdauern kann. Mortalitt/Letalitt: unbekannt; meist kein sicherer Erregernachweis Widerstandsfhigkeit Tenazitt Resistenzen: relativ hohe Resistenz gegen viele Antimykotika ( in vitro: > 2 mg/ml Amphotericin B; >

600 mg/ml 5-Fluorcytosin; 33 mg/ml Ketoconazol)1

Arbeits- und Gesundheitsschutz/Gefhrdungsbeurteilu ng Schutzstufe/Sicherheitsstufe: Schutzstufe 1 nach BioStoffV, Sicherheitsstufe 2 nach GenTSV Gefhrdende Ttigkeiten/Expositionssituationen: keine speziellen Vorsichtsmanahmen; geringes Risiko

der Bildung von sporenhaltigen Aerosolen. Geringes Risiko beim Umgang mit infizierten Pflanzen (gezielte und ungezielte Ttigkeiten).

Ttigkeitsbezogene Schutzmanahmen: gute mikrobiologische Praxis Berufsbedingte Erkrankungen/gefhrdete Personen und Berufsgruppen: keine Informationen

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