Future Search - Die Zukunftskonferenz - Microsoft Future Search - Die Zukunftskonferenz Wie Organisationen

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  • Future Search - Die Zukunftskonferenz

    Wie Organisationen zu Zielsetzungen und gemeinsamem Handeln finden

    von Sandra Janoff, Marvin Weisbord, Christoph Trunk

    1. Auflage

    Future Search - Die Zukunftskonferenz – Janoff / Weisbord / Trunk

    schnell und portofrei erhältlich bei beck-shop.de DIE FACHBUCHHANDLUNG

    Schäffer-Poeschel 2008

    Verlag C.H. Beck im Internet: www.beck.de

    ISBN 978 3 7910 3042 5

    Inhaltsverzeichnis: Future Search - Die Zukunftskonferenz – Janoff / Weisbord / Trunk

    http://www.beck-shop.de/Weisbord-Janoff-Future-Search-Zukunftskonferenz/productview.aspx?product=269628&utm_source=pdf&utm_medium=clickthru_lp&utm_campaign=pdf_269628&campaign=pdf/269628 http://www.beck-shop.de/Weisbord-Janoff-Future-Search-Zukunftskonferenz/productview.aspx?product=269628&utm_source=pdf&utm_medium=clickthru_lp&utm_campaign=pdf_269628&campaign=pdf/269628 http://www.beck-shop.de?utm_source=pdf&utm_medium=clickthru_lp&utm_campaign=pdf_269628&campaign=pdf/269628 http://www.beck.de http://www.beck-shop.de/fachbuch/inhaltsverzeichnis/9783791030425_TOC_001.pdf

  • KAPITEL 1

    DAS GRUNDKONZEPT

    Ein Überblick über Gruppenaufgaben und Gruppendynamik

    »Wenn wir jemand anderem zuhören, dann wird, ob uns das gefällt oder nicht, das Gesagte zu einem Teil von uns. (…) Der gemeinsame Ideen-Fundus entsteht, wenn Menschen damit beginnen, von ihren eige- nen Meinungen einmal abzusehen und sich die der anderen anzuhören. (…) An einem bestimmten Punkt wird den Menschen allmählich klar, daß dieser gemeinsame Fundus wichtiger ist als die Vorstellungen, die jeder für sich hegt.«

    David Bohm

    In diesem Kapitel führen wir Sie durch das Grundgerüst einer Zukunfts- konferenz, umreißen die verschiedenen Gruppenaufgaben und zeitlichen Abläufe, deuten an, welche Art von Resultaten von einer Zukunftskon- ferenz zu erwarten ist, welche Arten von Kleingruppen sich womit be- schäftigen und welche emotionalen Phänomene in jeder Phase auftreten. Die inhaltliche und die zeitliche Abfolge einer Zukunftskonferenz sind sehr bewußt gestaltet. Wir schauen zunächst in die Vergangenheit zurück, betrachten dann die Gegenwart und bekennen uns zu dem, was wir an Sinnvollem oder weniger Sinnvollem tun, um schließlich eine gemeinsame Zukunftsvision zu entwerfen und entsprechende Maßnahmen zu planen. Wir haben festgestellt, daß aus diesem Ablaufschema ausgezeichnete Maß- nahmenpläne hervorgehen können, falls auf die Einhaltung der Kern- bedingungen geachtet wird. (Ein Beispiel für ein Grundschema, von dem wir bei der Ausarbeitung einer Zukunftskonferenz ausgehen, finden Sie in Anhang C.)

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    1 Das Grundkonzept

  • Der Begriff »Zukunftskonferenz« meint unser Grundkonzept einer Gruppenarbeit in fünf Zeitsegmenten, die sich jeweils über zwei bis vier

    Stunden erstrecken und auf drei Tage verteilt sind. Wir möchten den Begriff nicht auf Großgruppenveranstaltungen anwenden, bei denen zwar dieselben Benennungen oder Ar- beitsblätter verwendet werden, aber die grundlegenden Erfolgsbedingungen nicht ge- geben sind (siehe Kapitel 3). Das Konzept stützt sich auf vier Grundprinzipien: das »ganze System« in einem Raum, lokal han- deln mit Blick auf den »ganzen Elefanten«, Konzentration auf die Zukunft und eigenver- antwortliches Arbeiten. Wir denken, daß sich diese Prinzipien auch mittels vieler anderer

    Techniken umsetzen lassen und daß viele Herangehensweisen möglich sind. Das Konzept der Zukunftskonferenz aber ist dasjenige, in das wir unser Vertrauen setzen, weil wir es in 15 Jahren des Experimentierens ent- wickelt haben und erleben, daß auch Hunderte von anderen es mit Erfolg einsetzen. (In Kapitel 5 schildern wir unseren Weg hin zu einer Methode, die mit unseren Wertvorstellungen und Idealen im Einklang steht.)

    Typische Tagesordnung einer Zukunftskonferenz 1. Tag, nachmittags

    S Blick zurück S Blick auf die Gegenwart: externe Trends

    2. Tag, morgens S Fortsetzung: externe Trends S Blick auf die Gegenwart: zu unserem Handeln stehen

    2. Tag, nachmittags S Idealszenarios der Zukunft S gemeinsame Ziele herausarbeiten

    3. Tag, morgens S Fortsetzung: die gemeinsamen Ziele bekräftigen S Maßnahmenplanung

    »Wir haben die Gruppe sozusagen als einen vertikalen Querschnitt durch die Einwohnerschaft der Gemeinde zusammengestellt. Die Teilnehmer fanden sich auf einem Spielfeld wieder, auf dem sie ein- ander von gleich zu gleich begeg- nen konnten und jeder die Chance hatte, eine Führungsrolle zu über- nehmen. Und die Zukunftskonfe- renz hat diese Führungsqualitäten wirklich ans Tageslicht gebracht.«

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    Teil I – Lernen

  • Begrüßung

    »Unsere Stadt« in den nächsten

    10 Jahren

    Eine Zukunftskonferenz

    Schauen wir uns nun einen typischen Konferenzverlauf an. Eine ausführli- chere Darstellung folgt dann in Kapitel 5.

    1. Tag – Nachmittag Die Konferenz beginnt am Nachmittag des ersten Tages zwischen 13 und 17 Uhr. Für diese erste Phase veranschlagen wir etwa viereinhalb Stunden. Die Teilnehmer sitzen in gemischten Gruppen, von denen jede einen Querschnitt durch die Gesamtgruppe bildet, und arbeiten an Aufgaben, die eine gemeinsame Ausgangsbasis herstellen helfen.

    Die erste Aufgabe, der Blick in die Vergangenheit, nimmt ungefähr zweieinhalb Stunden in Anspruch. An den Wänden sind lange horizontale Bahnen aus Flipchartpapier angebracht, die mit »Selbst«, »Welt« und »X« (Name der Organisation oder Gemeinde oder Konferenzthema) über- schrieben und in Segmente von jeweils 5 oder 10 Jahren unterteilt sind.

    1 Das Grundkonzept

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  • Auf diesen »Zeitbahnen« halten die Teilnehmer fest, was für sie in dem betreffenden Zeitraum Meilensteine und Wegmarken waren. In Klein- gruppen sprechen sie dann darüber, welche Trends und Grundmuster ihnen auf den Wandzeitungen auffallen. Sie überlegen sich, ausgehend von den Erfahrungen aller, eine Geschichte, die sie dann im Plenum vortragen. Schließlich wird im Plenum darüber reflektiert, was sich an neuen Aspek- ten und Perspektiven ergeben hat.

    Diese Übung sorgt dafür, daß bereits in der ersten Dreiviertelstunde alle etwas auf Wandzeitungen oder Flipcharts schreiben, und macht deutlich, daß jeder und jede wertvolle Informationen und Erfahrungen beizutragen hat. Die einzelnen werden dazu animiert, sich frei im Raum umherzube- wegen. Die beschriebenen Papierbahnen bleiben bis zum Ende der Kon- ferenz an der Wand hängen. Von Anfang an ist offenkundig, daß Wände, Stifte und Flipcharts für alle da sind und nicht nur von den Moderatoren benutzt werden sollen. Die Aufgabe läßt rasch ein Wir-Gefühl entstehen, weil alle die Welt auch durch die Augen der anderen erleben.

    Dann rücken wir die Gegenwart ins Blickfeld. Gegen Ende dieses ersten Tages erforschen wir im Plenum, welche globalen Einflüsse und Trends zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf unser Leben und unsere Institutionen einwirken. Diese aktuellen Trends und Entwicklungen, die die Gruppen- mitglieder im Weltgeschehen wahrnehmen, werden auf einer »Mind-Map« (Ideendiagramm) festgehalten. (In Kapitel 5 gehen wir ausführlicher auf die Mind-Map ein.) Alle bekommen mit, welche Beobachtungen die anderen machen, welche Beispiele sie anführen und welche Trends ihnen am wichtigsten erscheinen. Aus »meinen Fakten« und »deinen Fakten« werden »unsere Fakten«.

    Das kann zunächst eine durchaus verstörende Erfahrung sein. Manche verspüren den starken Drang, das Weite zu suchen. Sie setzen sich aber dennoch mit diesem komplexen Geflecht auseinander, gehen zur Mind- Map hin und markieren mit farbigen Klebepunkten die Trends, die sie für wesentlich halten. Das heißt, jeder und jede legt mit Hand an die Mind- Map. Damit ist der Boden bereitet für ein gemeinsames Nachdenken und Diskutieren und für das Übernehmen konkreter Verantwortung. Entschei- dend bei dieser Übung ist, daß keine Prioritäten gesetzt werden. Es geht vielmehr darum, den Dialog zu fördern und aufzuzeigen, daß sich das Gewirr mit der Zeit überschaubar und handhabbar machen läßt. Damit

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    Teil I – Lernen

  • endet der erste Konferenzabschnitt, so daß das Erlebte über Nacht »ein- wirken« und in den einzelnen weiterarbeiten kann.

    Hinweise für Moderatoren, die mit früheren Versionen unseres Konzepts vertraut sind In der ersten US-amerikanischen Auflage dieses Buches zeichneten wir nach, wie wir unser Vorgehen bis 1994 immer wieder abgewandelt hatten. Im Rückblick stellen wir fest, daß wir uns im Vergleich zu damals bei einer Zukunftskonferenz noch stärker zurücknehmen und nicht mehr, sondern weniger tun. Bis 1999 hatten wir folgende Modifikationen vorgenommen, damit die Gruppenarbeit reibungsloser und leichter vonstatten gehen kann: Logistik: Wir haben stets 6 bis 20 Hartschaumplatten mit Kartonoberfläche von 1,20 mal 2,40 Metern (oder Dämmplatten, die sich mit Papier be- spannen lassen) dabei, so daß wir in jedem beliebigen Raum rasch beschreibbare Wandflächen zur Verfügung haben. Wir arbeiten ohne Tische und stellen jeweils sechs bis acht Stühle im Kreis auf. Das steigert die Flexibilität und das Gefühl, daß der Raum allen gehört, ganz enorm. Mind-Map: Wir gehen am liebsten so vor, daß zwei Personen auf die Mind- Map schreiben und eine dritte Person auf die Wortmeldungen achtet, damit alle drankommen, die etwas beisteuern möchten. Falls es sehr viele Wortmeldungen gibt, gehen wir dazu über, daß die einzelnen, wie das auf manchen Ämtern üblich ist, eine Nummer »ziehen« und dann nachein- ander an die Reihe kommen. Bevor wir mit der Mind-Map weiterarbeiten, bitten