Herausforderung Webgesellschaft - Vortrag

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    25-Jan-2015

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Susanne Robra-Bissantz: Herausforderung Webgesellschaft Neujahrsvortrag Rotenburg / Wmme

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  • 1. Die Webgesellschaft als Herausforderung fr mittelstndische Unternehmen Rotenburg/Wmme, 17.01.2013 (Vorlage) Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich sehr, Sie beim Start in dieses neue Jahr begleiten zu drfen. Beim Start in das Jahr 2013. Rechtzeitig zu diesem Jahr 2013 findet sich auf den Beststellerlisten das Werk von Florian Illies zum Jahr 1913. Was er im Wesentlichen beschreibt, ist eigentlich ganz klar trotzdem finde ich es super interessant, wie er aufzeigt, dass keiner in diesem Jahr damit rechnete, wie stark sich die Welt im darauf folgenden Jahr 1914 ndern sollte. Leider ist es ja immer so, dass man erst im Nachhinein so richtig schn und einfach erklren kann, warum und wie sich Entwicklungen andeuteten. Wenn man mitten drin steckt, dann stellt man wie z. B. 1913 fest, dass eine erste Boutique einer Kleiderei in Paris erffnet wird heute Chanel, dass ein kleiner Junge das erste Mal eine Trompete in der Hand hlt und dann Louis Armstrong wird, oder Hitler, Stalin, Trotzki und Tito im Schlosspark Schnbrunn spazieren gehen, zwar nicht gemeinsam aber im selben Jahr. Doch bevor Sie nun beginnen, in Ihrer Einladung zu blttern, ob der diesjhrige Vortrag vielleicht doch eher ber schne Literatur als ber das Internet gehen sollte halten Sie ein. Denn genau nun wenden wir uns wieder dem kommenden Jahr 2013 zu. In diesem stecken wir nun auch schon wieder eine Zeitlang drin. Was erwarten wir, was beobachten wir? Revolutionen in Nordafrika, eine Vernderung in politischen Landschaften, von denen die mangelnde Wahlbeteiligung nur eine Sorge ist, sowie, wie schon lange, Mrkte, die immer enger werden, auf denen Kunden individuell und mit ihren Bedrfnissen bedient werden wollen und auf denen wir uns, gerade als mitteltstndische Unternehmen immer aufs Neue Gedanken ber neue Technologien, eben z. B. diese Soziale Medien, neue Entwicklungen damit neue Strategien machen mssen. Aber was erwarten wir vielleicht nicht? Kann es nicht vielleicht sein, dass wir uns auch mitten in einer groen Vernderung befinden? Dass diese Zeichen fr eine groe Vernderung sprechen? Wir unser Institut fr Wirtschaftsinformatik glauben

2. das. Wir glauben, dass wir uns zur Zeit mitten in einer groen Transformation befinden. In einer Transformation zu einer Webgesellschaft. Das ist sicher eine deutlich angenehmere Aussicht, als diejenige, die man 1913 htte voraussehen knnen. Trotzdem ist es, jedenfalls fr eine Gesellschaft und damit fr ihre Mitglieder auch in und um Unternehmen - eine groe Transformation. hnlich der letzten groen Transformation im letzten Jahrhundert, die den Wandel von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft markierte. Die Gesellschaft passt sich an neue Bedingungen an, an Bedingungen der Massenproduktion, mit individuellem Gewinnstreben, mit hierarchischen und auf einen Markt ausgerichteten Strukturen und nicht zuletzt mit einem Medienset, das auf entsprechend auf Massenkommunikation ausgerichtet ist. Das ist dann letztlich, wenn man einmal bercksichtigt, dass Medien Gesellschaften beeinflussen, eine Gesellschaft der Massenmedien. Eine Gesellschaft, in der wir so Luhmann noch 1996 alles wichtige aus den Massenmedien erfhrt. Eine Gesellschaft aber auch, in welcher man sich, egal ob in Politik oder Wirtschaft, aber auch in der Lehre oder in jeglichem Arbeitsprozess positioniert, eine Botschaft, eine Ausrichtung formuliert und diese dann an eine Masse durchkommuniziert ein Lieblingswort von mir, wenn es z. B. darum geht, Mitarbeiter von einer Strategie zu berzeugen. Aber was soll nun, dem entgegen eine Webgesellschaft sein. Eine Webgesellschaft, die laut des Titels meines heutigen Vortrags eine Herausforderung fr mittelstndische Unternehmen darstellt? Was ich ber die Welt und aktuelle Entwicklungen wei, wei ich im Wesentlichen ber meine Freunde und Netzwerke das ist ein neues Prinzip der Webgesellschaft. Die Webgesellschaft, ist eine Gesellschaft, die auf einem neuen Medienset basiert, nmlich auf dem Medienset des Internet, des Web 2.0, der Sozialen Medien, des Facebook, Wikipedia, YouTube, Twitter und vielen mehr. Eine Gesellschaft, die sich mit diesem Medienset in Zukunft insgesamt deutlich von einer Gesellschaft unterscheiden kann, die auf Massenmedien beruht. Und genau das meinen wir, wenn wir eine groe Transformation kommen sehen. Eine ganz deutliche Vernderung sehr vieler Gegebenheiten, Konventionen oder Prozesse. Mit ganz deutlichen Auswirkungen auch auf Unternehmen, die sich in dieser Webgesellschaft behaupten wollen. 3. Und hier wird sich, so meinen wir, Einiges ndern, denn die Revolution wird nicht ber Massenmedien bertragen. Gil Scott kritisierte mit dieser uerung die persuasive Wirkung der Massenmedien auf die Gesellschaft, die keine eigenen, auf Verstndnis und Kontemplation beruhenden Ideen mehr entwickelt, sondern Meinungen folgt. Und mit der man dann eben keine Revolution starten kann. Wenn dies stimmt, so kann sich das mit dem neuen Medienset ndern, und das knnen wir ja durchaus schon beobachten. Mehr jedoch - so knnen wir heute das Zitat neu interpretieren mit dem Medienverstndnis Fernsehen und mit den Regeln einer Gesellschaft, die auf derartigen Medien basiert, werden wir die Revolution, die sich durch die Sozialen Medien ergibt, nicht begreifen knnen. Aber was haben wir und heute damit zu tun. Naja, eigentlich alles. Denn so eine Webgesellschaft ndert sehr vieles. Vieles darin, wie wir als Gesellschaft funktionieren, wie politische Prozesse ablaufen ablaufen knnen hier zeigen uns z. B. die Piraten, egal was man von ihnen halten mag, und vielleicht zum Teil auch noch nicht ganz gelungen, wie man die neuen Medien einsetzen kann um in einer Liquid Democracy ganz anders zusammen zu arbeiten, Meinungen einzufangen und Meinungen zu bilden. Privat merken wir vielleicht auch schon, dass wir uns ber Facebook vernetzen das ndert uns vielleicht noch nicht wirklich. Das knnte aber auch daran liegen, dass wir tatschlich so genannte Digital Immigrants sind, die erst langsam lernen, mit dieser neuen Welt zurecht zu kommen. Bei den Digital Natives, Ihren Kindern ist es vielleicht anders. Ich kann von meinem Digital Native zuhause Hannes, typisch 17 berichten, dass ich tatschlich das Gefhl habe, man geht anders miteinander um und erledigt Aufgaben, z. B. so lstige, wie das anstehende Abitur ganz anders als noch wir in der alten massenmedialen Gesellschaft. Ich habe einmal, als der Herr wieder ganz kurzfristig mein Laptop kaperte, um mal kurz die Welt zu retten respektive seine Facebook-Nachrichten zu checken die Gelegenheit zu einem Einblick in das moderne Facebook-Leben ergriffen. In die Facebook-Gruppe Abitur 2013 an seiner Schule. Ok. Das ist jetzt weder pdagogisch wertvoll, noch ein gutes Verhalten in der Webgesellschaft, in die Facebook-Gruppe des Kindes zu kucken, ich habe das aus rein wissenschaftlichem Interesse getan und er soll sich halt ausloggen, wenn es ihm nicht passt... 4. Jedenfalls finde ich es absolut faszinierend, wie hier eine Gruppe von insgesamt 81 jungen Menschen zusammen dieses Abitur erledigt. Man hat sich hier eine Plattform geschaffen, auf der man sich, vllig parallel zur eher noch massenmedialen Vermittlung in der Schule, untereinander vernetzt, Wissen austauscht und sich gegenseitig hilft. Eine eigene Sprache: Jeder Betreff ist standardisiert, in Worum geht es (meist irgendwelche Fcher, in welchen potenziell Prfungen anstehen), in Kurs (der Lehrer, bei dem man dieses Fach hat) sowie in Anliegen: Unterlagen, die man braucht, Tipps, die man geben kann, Fragen zum Stoff usw. Und: jede einzelne Nachricht in dieser Gruppe ist exakt von 81 Personen vom gesamten Kurs gelesen, keine Frage bleibt unbeantwortet, keine Hilfesuche unbearbeitet. Das ist Webgesellschaft. Nicht, dass die Kids in Facebook sind, sondern wie sie es fr sich nutzen. Sich vernetzen, sich informieren und sich gegenseitig untersttzen. Gut. Doch das ist das private Leben. Das mag Sie jetzt heute nicht so sehr interessieren, dafr gibt es auch regelmige Elternabende - diese jedoch eher zu den Gefahren, die vom Internet fr die Jugendlichen ausgehen. Also Allgemeiner. Was bedeutet so eine Webgesellschaft erstmal grob. Wenn man davon ausgeht, dass jeder ber Medien eine Stimme hat, sich vernetzen und beitragen kann? Was passiert heute, auf den Plattformen mit den sozialen Medien? Tatort Facebook. So titelte gerade jngst ein durchaus noch meinungsbildendes Blatt sozusagen bildlich. Das Medium kann dazu fhren, dass sich Jugendliche dazu verfhren lassen, sich mit Unbekannten zu treffen, es kann dazu fhren, dass Schler einen anderen mobben, dass unsere Kinder ber wesentliche Kompetenzen nicht mehr verfgen und dass Unternehmen sehr viel mehr ber uns wissen, als wir es fr richtig halten. Das Medium kann dazu fhren. Doch kann das Medium hier etwas dafr? Was ist mit folgendem Tatort? Die Mensa der Universitt? Hier treffen sich Studierende untereinander, sie tauschen sich aus, sie berichten ihre Probleme im Studium und sind verrgert und sie treffen dann sozusagen ungeschtzt - auf Professoren, die ihnen das angetan haben. Und der Raum der Mensa bietet hierzu sogar Werkzeug, frei verfgbar Messer. Wre dieser Raum sozialer Zusammenkunft nicht seit Jahren gngig und eingefhrt, man msste sehr gut darber nachdenken, ob er nicht eine zu gefhrliche Plattform ist. 5. Wir sehen also, es hngt an solchen Orten einer sozialen Zusammenkunft egal ob real oder virtuell - ganz wesentlich davon ab, wie wir sie sehen wollen, wie wir damit umgehen, und wie wir sie, jeder Einzelne, gestalten. Also. Zunchst. Wie wir sie sehen wollen. Das Medium ist hchst gefhrlich, weil es das Gedchtnis schwcht, Unbefugten den Zugang zu weitreichenden Informationen erlaubt, zu lppischen Spielchen verfhrt, die von der Realitt ablenken und dazu verfhrt, Realitt und ihr mediales Abbild zu verwechseln. Ja. So sah Platon die Erfindung der Schrift und des Buches, schon ca. 400 vor Christus. Und es ging nicht nur dem Medium Buch so, sondern es gibt eine ganz typische Geschichte, wann immer ein neues Medium auftritt. Man fragt sich, wer bitte dieses moderne Handy brauchen soll. Man kam ja auch ohne Handy sehr gut zurecht. Doch irgendjemand scheint es zu nutzen. Das sind dann meist entweder priviligierte oder zweifelhafte Minderheiten. Trotzdem nutzen es immer mehr es ist jedoch zumindest fr Schwchere, bei Facebook gerade Jugendliche, gefhrlich. Wofr genau sollte man das neue Medium nutzen? Die Warner-Brothers zum Beispiel konnten sich beim Aufkommen des Tonfilms nicht vorstellen, was es bringen sollte, wenn man einen Schauspieler sprechen hrt. Die letzte Weigerung, wenn man beobachtet, dass viele es nutzen: Bei mir klappt das nicht!. Dann nutzen es viele. Das geht sicher vorbei. Es ist fast so, als knnte man ohne nicht leben was sucht das Smartphone am Frhstckstisch oder, damals hnlich verwerflich, was sucht Buch, wenn man im Park sitzt. Das ist respektive das war schlechtes Benehmen. Ganz zu schweigen natrlich von den verheerenden Wirkungen des neuen Mediums auf genau das, was man frher ohne sie auch schaffen konnte. Es mag sogar sein, dass der Taschenrechner dazu fhrt, dass man nicht mehr so viel im Kopf rechnet und sicher haben die Schrift und das Buch dazu gefhrt, dass man nicht mehr soviel memorieren muss. Jedoch fhren vielleicht neue Medien nicht immer allein zu Nachteilen sondern, in ihrer Nutzung, auch zu Positivem. Schauen wir doch einmal die sozialen Medien an in ihren Grundfunktionen. Egal, ob Facebook, Twitter, Google+ oder Wiki, soziale Medien verfgen ber einige Funktionen, die allerdings unterschiedlich zusammengesteckt werden. 6. In sozialen Medien habe ich gewhnlich ein Profil, das ich mit persnlichen Informationen flle. Dazu gehren oft auch emotionale Dinge, wie meine Interessen, meine Prferenzen und hufig auch das, was ich gerade tue. Da kann man dann darber nachdenken, was es bringt, wenn ich wei, dass Herr Mller gerade einen Kaffee im Cafe Stadtidyll trinkt. Vielleicht jedoch ist es genau das Positive, dass man mitkriegt, welcher Freund gerade in der Nhe ist, was er tut, wofr er sich interessiert. Denn das fhrt zu so etwas wie Sozialer Nhe, dass wir uns mit mehr alten Freunden als frher nahe sind und zusammen tun knnen oder sogar auch mit neuen Kontakten, die sich aus gemeinsamen Interessen ergeben. In einem weiteren Bereich bin ich dann mit meinen Freunden einer vielleicht fr das Deutsche schlechten bersetzung vernetzt. Freunde bilden Gruppen und folgen gegenseitig ihren Aktivitten, wissen, was bei ihnen neues passiert. Man findet Freunde von Freunden das sind hufig dann diejenigen, die uns noch besser weiter helfen knnen. Denn sie haben anderen Erfahrungen und daher oft neuere Ideen. Das heit dann the Strenghth of weak ties. Freunde bleiben in Kontakt um zumindest potenziell etwas gemeinsam zu tun. Und das ist dann die dritte Grundfunktion. Wir nennen sie Wissen schaffen. Gemeinsam Ideen entwickeln, gemeinsam Wissen vermehren, Meinungen verbreiten. Als WikiArtikel, Tweets oder Facebook Status. Wenn wir uns diese drei Grundfunktionen anschauen, dann entsprechen sie sehr genau dem, was theoretisch als Kooperation Zusammenarbeit definiert ist. Man tut sich mit Partnern mit gleichen Zielen zusammen, man vernetzt sich. Man untersttzt sich gegenseitig oder arbeitet zusammen und das tut man nicht, weil man es muss, sondern man ist von sich aus oder durch die anderen motiviert und fhlt sich verbunden ber gemeinsame Interessen und ber die oft kleinen, persnlichen Aktivitten. Und genau das ist die typische Kooperation aus einer irgendwie gearteten Verbundenheit nicht Gebundenheit - etwas gemeinsam zu bewirken. Wir sind also der Meinung, dass soziale Medien eine Kooperation untersttzen knnen. Sie bieten die Chance einer neuen und besseren Kooperation zwischen Menschen und nicht etwa zwischen IT-Systemen. Und das kann in Unternehmen, Mrkten, bis hin zu Politik und Gesellschaft sein. Damit haben wir zum ersten Mal ein Medienset, ber das man wirklich zusammen arbeiten kann. Das geht ganz natrlich nicht ber Massenmedien, das geht aber auch nicht ber die Medien, die wir seit den 7. 90er Jahren kennen, wie Email, EDI, elektronischer Datenaustausch oder eben die ersten Webseiten. Damals hatten wir die Meinung, dass wir nun, mit diesen Medien, ohne groe Probleme auch weltweit zusammenarbeiten knnen. Wir haben im Ausland produziert, outgesourct und irgendwann fest gestellt, wie schwer es ist, jemanden ber Email zu motivieren. Heute ist das Medienset vorhanden. Aber was soll oder kann Kooperation bringen? In der Literatur zu Koopration findet man hierzu Einiges. Zunchst zum Einzelnen. Kooperation verndert den Menschen. Ein Mensch der kooperiert. Wirklich kooperiert. Der tut dies freiwillig. Das ist in Unternehmensstrukturen sicher nicht einfach, aber man kann an der einen oder anderen Stelle darauf hinwirken. Er tut dann etwas, weil er dazu motiviert ist. Stellt der dann fest, dass er wirkungsvoll etwas beitragen kann, so stellt sich ein, dass er...

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