Herausforderung Webgesellschaft - Vortrag

  • View
    318

  • Download
    0

Embed Size (px)

DESCRIPTION

Susanne Robra-Bissantz: Herausforderung Webgesellschaft Neujahrsvortrag Rotenburg / Wmme

Transcript

  • 1. Die Webgesellschaft als Herausforderung fr mittelstndische Unternehmen Rotenburg/Wmme, 17.01.2013 (Vorlage) Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich sehr, Sie beim Start in dieses neue Jahr begleiten zu drfen. Beim Start in das Jahr 2013. Rechtzeitig zu diesem Jahr 2013 findet sich auf den Beststellerlisten das Werk von Florian Illies zum Jahr 1913. Was er im Wesentlichen beschreibt, ist eigentlich ganz klar trotzdem finde ich es super interessant, wie er aufzeigt, dass keiner in diesem Jahr damit rechnete, wie stark sich die Welt im darauf folgenden Jahr 1914 ndern sollte. Leider ist es ja immer so, dass man erst im Nachhinein so richtig schn und einfach erklren kann, warum und wie sich Entwicklungen andeuteten. Wenn man mitten drin steckt, dann stellt man wie z. B. 1913 fest, dass eine erste Boutique einer Kleiderei in Paris erffnet wird heute Chanel, dass ein kleiner Junge das erste Mal eine Trompete in der Hand hlt und dann Louis Armstrong wird, oder Hitler, Stalin, Trotzki und Tito im Schlosspark Schnbrunn spazieren gehen, zwar nicht gemeinsam aber im selben Jahr. Doch bevor Sie nun beginnen, in Ihrer Einladung zu blttern, ob der diesjhrige Vortrag vielleicht doch eher ber schne Literatur als ber das Internet gehen sollte halten Sie ein. Denn genau nun wenden wir uns wieder dem kommenden Jahr 2013 zu. In diesem stecken wir nun auch schon wieder eine Zeitlang drin. Was erwarten wir, was beobachten wir? Revolutionen in Nordafrika, eine Vernderung in politischen Landschaften, von denen die mangelnde Wahlbeteiligung nur eine Sorge ist, sowie, wie schon lange, Mrkte, die immer enger werden, auf denen Kunden individuell und mit ihren Bedrfnissen bedient werden wollen und auf denen wir uns, gerade als mitteltstndische Unternehmen immer aufs Neue Gedanken ber neue Technologien, eben z. B. diese Soziale Medien, neue Entwicklungen damit neue Strategien machen mssen. Aber was erwarten wir vielleicht nicht? Kann es nicht vielleicht sein, dass wir uns auch mitten in einer groen Vernderung befinden? Dass diese Zeichen fr eine groe Vernderung sprechen? Wir unser Institut fr Wirtschaftsinformatik glauben

2. das. Wir glauben, dass wir uns zur Zeit mitten in einer groen Transformation befinden. In einer Transformation zu einer Webgesellschaft. Das ist sicher eine deutlich angenehmere Aussicht, als diejenige, die man 1913 htte voraussehen knnen. Trotzdem ist es, jedenfalls fr eine Gesellschaft und damit fr ihre Mitglieder auch in und um Unternehmen - eine groe Transformation. hnlich der letzten groen Transformation im letzten Jahrhundert, die den Wandel von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft markierte. Die Gesellschaft passt sich an neue Bedingungen an, an Bedingungen der Massenproduktion, mit individuellem Gewinnstreben, mit hierarchischen und auf einen Markt ausgerichteten Strukturen und nicht zuletzt mit einem Medienset, das auf entsprechend auf Massenkommunikation ausgerichtet ist. Das ist dann letztlich, wenn man einmal bercksichtigt, dass Medien Gesellschaften beeinflussen, eine Gesellschaft der Massenmedien. Eine Gesellschaft, in der wir so Luhmann noch 1996 alles wichtige aus den Massenmedien erfhrt. Eine Gesellschaft aber auch, in welcher man sich, egal ob in Politik oder Wirtschaft, aber auch in der Lehre oder in jeglichem Arbeitsprozess positioniert, eine Botschaft, eine Ausrichtung formuliert und diese dann an eine Masse durchkommuniziert ein Lieblingswort von mir, wenn es z. B. darum geht, Mitarbeiter von einer Strategie zu berzeugen. Aber was soll nun, dem entgegen eine Webgesellschaft sein. Eine Webgesellschaft, die laut des Titels meines heutigen Vortrags eine Herausforderung fr mittelstndische Unternehmen darstellt? Was ich ber die Welt und aktuelle Entwicklungen wei, wei ich im Wesentlichen ber meine Freunde und Netzwerke das ist ein neues Prinzip der Webgesellschaft. Die Webgesellschaft, ist eine Gesellschaft, die auf einem neuen Medienset basiert, nmlich auf dem Medienset des Internet, des Web 2.0, der Sozialen Medien, des Facebook, Wikipedia, YouTube, Twitter und vielen mehr. Eine Gesellschaft, die sich mit diesem Medienset in Zukunft insgesamt deutlich von einer Gesellschaft unterscheiden kann, die auf Massenmedien beruht. Und genau das meinen wir, wenn wir eine groe Transformation kommen sehen. Eine ganz deutliche Vernderung sehr vieler Gegebenheiten, Konventionen oder Prozesse. Mit ganz deutlichen Auswirkungen auch auf Unternehmen, die sich in dieser Webgesellschaft behaupten wollen. 3. Und hier wird sich, so meinen wir, Einiges ndern, denn die Revolution wird nicht ber Massenmedien bertragen. Gil Scott kritisierte mit dieser uerung die persuasive Wirkung der Massenmedien auf die Gesellschaft, die keine eigenen, auf Verstndnis und Kontemplation beruhenden Ideen mehr entwickelt, sondern Meinungen folgt. Und mit der man dann eben keine Revolution starten kann. Wenn dies stimmt, so kann sich das mit dem neuen Medienset ndern, und das knnen wir ja durchaus schon beobachten. Mehr jedoch - so knnen wir heute das Zitat neu interpretieren mit dem Medienverstndnis Fernsehen und mit den Regeln einer Gesellschaft, die auf derartigen Medien basiert, werden wir die Revolution, die sich durch die Sozialen Medien ergibt, nicht begreifen knnen. Aber was haben wir und heute damit zu tun. Naja, eigentlich alles. Denn so eine Webgesellschaft ndert sehr vieles. Vieles darin, wie wir als Gesellschaft funktionieren, wie politische Prozesse ablaufen ablaufen knnen hier zeigen uns z. B. die Piraten, egal was man von ihnen halten mag, und vielleicht zum Teil auch noch nicht ganz gelungen, wie man die neuen Medien einsetzen kann um in einer Liquid Democracy ganz anders zusammen zu arbeiten, Meinungen einzufangen und Meinungen zu bilden. Privat merken wir vielleicht auch schon, dass wir uns ber Facebook vernetzen das ndert uns vielleicht noch nicht wirklich. Das knnte aber auch daran liegen, dass wir tatschlich so genannte Digital Immigrants sind, die erst langsam lernen, mit dieser neuen Welt zurecht zu kommen. Bei den Digital Natives, Ihren Kindern ist es vielleicht anders. Ich kann von meinem Digital Native zuhause Hannes, typisch 17 berichten, dass ich tatschlich das Gefhl habe, man geht anders miteinander um und erledigt Aufgaben, z. B. so lstige, wie das anstehende Abitur ganz anders als noch wir in der alten massenmedialen Gesellschaft. Ich habe einmal, als der Herr wieder ganz kurzfristig mein Laptop kaperte, um mal kurz die Welt zu retten respektive seine Facebook-Nachrichten zu checken die Gelegenheit zu einem Einblick in das moderne Facebook-Leben ergriffen. In die Facebook-Gruppe Abitur 2013 an seiner Schule. Ok. Das ist jetzt weder pdagogisch wertvoll, noch ein gutes Verhalten in der Webgesellschaft, in die Facebook-Gruppe des Kindes zu kucken, ich habe das aus rein wissenschaftlichem Interesse getan und er soll sich halt ausloggen, wenn es ihm nicht passt... 4. Jedenfalls finde ich es absolut faszinierend, wie hier eine Gruppe von insgesamt 81 jungen Menschen zusammen dieses Abitur erledigt. Man hat sich hier eine Plattform geschaffen, auf der man sich, vllig parallel zur eher noch massenmedialen Vermittlung in der Schule, untereinander vernetzt, Wissen austauscht und sich gegenseitig hilft. Eine eigene Sprache: Jeder Betreff ist standardisiert, in Worum geht es (meist irgendwelche Fcher, in welchen potenziell Prfungen anstehen), in Kurs (der Lehrer, bei dem man dieses Fach hat) sowie in Anliegen: Unterlagen, die man braucht, Tipps, die man geben kann, Fragen zum Stoff usw. Und: jede einzelne Nachricht in dieser Gruppe ist exakt von 81 Personen vom gesamten Kurs gelesen, keine Frage bleibt unbeantwortet, keine Hilfesuche unbearbeitet. Das ist Webgesellschaft. Nicht, dass die Kids in Facebook sind, sondern wie sie es fr sich nutzen. Sich vernetzen, sich informieren und sich gegenseitig untersttzen. Gut. Doch das ist das private Leben. Das mag Sie jetzt heute nicht so sehr interessieren, dafr gibt es auch regelmige Elternabende - diese jedoch eher zu den Gefahren, die vom Internet fr die Jugendlichen ausgehen. Also Allgemeiner. Was bedeutet so eine Webgesellschaft erstmal grob. Wenn man davon ausgeht, dass jeder ber Medien eine Stimme hat, sich vernetzen und beitragen kann? Was passiert heute, auf den Plattformen mit den sozialen Medien? Tatort Facebook. So titelte gerade jngst ein durchaus noch meinungsbildendes Blatt sozusagen bildlich. Das Medium kann dazu fhren, dass sich Jugendliche dazu verfhren lassen, sich mit Unbekannten zu treffen, es kann dazu fhren, dass Schler einen anderen mobben, dass unsere Kinder ber wesentliche Kompetenzen nicht mehr verfgen und dass Unternehmen sehr viel mehr ber uns wissen, als wir es fr richtig halten. Das Medium kann dazu fhren. Doch kann das Medium hier etwas dafr? Was ist mit folgendem Tatort? Die Mensa der Universitt? Hier treffen sich Studierende untereinander, sie tauschen sich aus, sie berichten ihre Probleme im Studium und sind verrgert und sie treffen dann sozusagen ungeschtzt - auf Professoren, die ihnen das angetan haben. Und der Raum der Mensa bietet hierzu sogar Werkzeug, frei verfgbar Messer. Wre dieser Raum sozialer Zusammenkunft nicht seit Jahren gngig und eingefhrt, man msste sehr gut darber nachdenken, ob er nicht eine zu gefhrliche Plattform ist. 5. Wir sehen also, es hngt an solchen Orten einer sozialen Zusammenkunft egal ob real oder virtuell - ganz wesentlich davon ab, wie wir sie sehen wollen, wie wir damit umgehen, und wie wir sie, jeder Einzelne, gestalten. Also. Zunchst. Wie wir sie sehen wollen. Das Medium ist hchst gefhrlich, weil es das Gedchtnis schwcht, Unbefugten den Zugang zu weitreichenden Informationen erlaubt, zu lppischen Spielchen verfhrt, die von der Realitt ablenken und dazu verfhrt, Realitt und ihr mediales Abbild zu verwechseln. Ja. So sah Platon die Erfindung der Schrift und des Buches, schon ca. 400 vor Christus. Und es ging nicht nur dem Medium Buch so, sondern