Hörnerdörfer Aktuell

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Osterfest und Frühlingsanfang – In beiden Fällen wird die Auferstehung gefeiert. In den Kirchen die Auferstehung Christi von den Toten und draußen das Aufleben der Natur aus der Winterstarre. Das eine wie das andere, ist ein Mysterium und wird seit jeher von vielen Ritualen begleitet. In den Hörnerdörfern haben sich Osterbräuche erhalten, die diesem Wunder Respekt zollen und die Freude am Wiedererwachen des Lebens ausdrücken. Hans Schmid, seines Zeichens Meditationsbegleiter und Wanderführer aus Fischen hat uns die Zusammenhänge von Ritus, Symbolkraft und uraltem Naturverständnis erläutert. Eine Feier des Lebens. Nicht von ganz ungefähr liegen Ostern, das keltische Beltane oder das altgermanische Fest der Morgenröte in einer Zeit, in der es draußen wieder grünt und blüht und die Tage lang und warm werden. Dieses Lebendigwerden war immer schon ein Grund für die Menschen zu feiern. Christliche Tradition und Naturverbundenheit sind wesentliche Charakterzüge des Allgäus...

Text of Hörnerdörfer Aktuell

  • aktuellHrnerdrfer

    Gstemagazin Gemeindezeitung

    Fischen Bolsterlang Obermaiselstein Balderschwang Ofterschwang

    Ausgabe April 2015

    Frhlingserwachen

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    Verlagsbeilage der Tageszeitung Allguer Anzeigeblatt im Auftrag der Hrnerdrfer vom Freitag, 27. Mrz 2015 - Nr. 72

  • April 2015 | Ausgabe 3 Seite 3

    HRNERDRFER. Nun ist es geschafft: ein lang gehegter Wunsch vieler Brgerinnen und Brger in den Hr-nerdrfern hat sich erfllt. Das erste Hrnerdrfer aktuell liegt druckfrisch vor Ihnen. Groformatig, farbig und prallvoll mit Infos zu allen Angeboten fr unsere Gste in den Hrnerdrfern und mit Neuigkeiten aus den fnf Rathusern fr unsere Brger. Die Grenzen sind dabei sicher flieend, denn viele unserer Gste interessieren sich auch fr das Geschehen in ihrem Urlaubsort. Berichte aus der Kommunalpolitik in Pflicht und Kr , ber ein vielfltiges Vereinsleben, Meldungen aus Wirtschaft und Kultur, all dies finden Sie vereint im neuen Hrnerdrfer aktuell.

    Die Brgermeister der Hrnerdrfer sind froh ber dieses Gemeinschaftsprojekt,

    das in Zusammenarbeit mit Eberl Medien aus der Taufe gehoben wurde. Hrnerdr-fer aktuell wird knftig acht Mal jhrlich in einer Auflage von 10 000 Exemplaren er-scheinen. Um einen mglichst groen Leserkreis zu errei-chen, wird die Verteilung neu strukturiert, denn das Maga-zin liegt jeweils der Tageszei-tung Allguer Anzeigeblatt und dem Wochenblatt extra am Samstag bei.Wie alles in einer funktionie-renden Gemeinschaft darf Neues wachsen und bei Be-darf verndert werden, muss Kritik tragen knnen und positiv verarbeiten. Deshalb sind Sie herzlich eingeladen, unser neues Medium nicht nur mit Freude zu lesen, sondern mitzugestalten, gern durch Rckmeldungen, aber vor allem durch die fleiige Anlieferung von Berichten und Bildern.

    Whrend das Ressort Gstemagazin weiterhin bei Sandra Kasper in allerbesten Hnden ist und der amtliche Teil von den Rathusern bei-gesteuert wird, kmmert sich Elke Wiartalla, als langjhrige freie Journalistin in unseren Hrnerdrfern hinlnglich bekannt, um all das, was Vereine, Kulturschaffende und die Wirtschaft in den Hrnerdrfern auf die Beine stellen.

    Wir wnschen Ihnen viel Spa beim Lesen

    Editorial

    Inhaltsverzeichnis

    GstemagazinEditorial ...............................................................................................3

    Thema des Monats ........................................................................4 5

    Aktuelles ........................................................................................6 7

    Veranstaltungen ............................................................................8 11

    A Z der Hrnerdrfer ................................................................12 13

    Veranstaltungskalender ................................................................14 18

    Freizeittipps ................................................................................ 20 21

    Gsteinformation ...............................................................................22

    GemeindezeitungPolitik ......................................................................................... 23 24

    Kultur ................................................................................................24

    Sport .......................................................................................... 25 27

    Wirtschaft ....................................................................................27 29

    Vereinsnachrichten ............................................................................30

    Titelfoto: Tourismus Hrnerdrfer GmbH

    Edgar Rlz Fischen Monika Zeller Bolsterlang Konrad Kienle BalderschwangPeter Stehle Obermaiselstein Alois Ried Ofterschwang

    Sehr geehrte Leser und Leserinnen, liebe Gste und Einheimische

  • Im Ritus der NaturOsterbruche in den Hrnerdrfern

    HRNERDRFER. Osterfest und Frhlingsanfang In bei-den Fllen wird die Auferste-hung gefeiert. In den Kirchen die Auferstehung Christi von den Toten und drauen das Aufleben der Natur aus der Winterstarre. Das eine wie das andere, ist ein Mysteri-um und wird seit jeher von vielen Ritualen begleitet. In den Hrnerdrfern haben sich Osterbruche erhalten, die diesem Wunder Respekt zollen und die Freude am Wiedererwachen des Lebens ausdrcken. Hans Schmid, seines Zeichens Meditations-begleiter und Wanderfhrer aus Fischen hat uns die Zusammenhnge von Ritus, Symbolkraft und uraltem Naturverstndnis erlutert.

    Eine Feier des Lebens

    Nicht von ganz ungefhr liegen Ostern, das keltische Beltane oder das altgermani-sche Fest der Morgenrte in einer Zeit, in der es drauen wieder grnt und blht und die Tage lang und warm wer-den. Dieses Lebendigwerden war immer schon ein Grund

    fr die Menschen zu feiern. Christliche Tradition und Naturverbundenheit sind we-sentliche Charakterzge des Allgus. Aber die kirchlichen Riten und das Wissen um die Krfte der Natur bilden keinen Gegensatz. Fr die Einheimi-schen sind sie aufs engste verschrnkt und man lebt sie ganz selbstverstndlich, so wie in den Osterfeiern.

    Palmktzle fr die Buben

    Die Palmktzle muss man jetzt holen sagt Johann Schmid und blinzelt in die Mrzsonne. Noch ein paar so warme Tage und dann geht es ganz schnell. Schnell entwickelt sich dann aus den Knospen die Blte, meint er damit. Doch fr die Palmboschen, die langen, geschmckten Stangen fr die Palmsonntagspro-zession, will man gerade die frischen, noch silbrig bepelzten Weidenktzchen haben. Zusammen mit Buchs, Stechpalme und Daas, also Tannengrn, meist von einer Weitanne und Haselruten werden die Palmktzchen zu

    unterarmlangen Struen, den Boschen, gebunden. In den Hrnerdrfern ist das Palmboschen-Binden ein alter Brauch. Es ist eigentlich eine Bubenarbeit sagt Schmid, aber oft hat die Oma mitge-holfen fgt er hinzu. Immerhin ist es mit einem Struchen ja nicht getan; 100 bis 150 B-schele braucht es, um den langen Haselstecken rundum in dichten Reihen zu umkrn-zen. Oben an die Spitze setzt man zuweilen noch ein Kreuz oder eine kleine Tanne, deren Zweige zusammengebogen und zu einer Krone geformt werden. Zum Schluss windet man ein buntes Band um die ganze Stange und hngt eine Breze in die Krone. Das ist die Palmbreze fr den Palm-esel erklrt Schmid.

    Wer wird Palmesel?

    Ursprnglich war der Esel nur ein Darsteller bei der Prozession, die den Beginn der Karwoche markiert und genau wie die Palmen, an den Einzug Jesu in Jerusa-lem erinnern. Warum daraus ein Spottname fr denjeni-gen entstanden ist, der am Palmsonntag als letzter aus den Federn kommt, lsst sich wohl nicht mehr klren, aber Palmesel will keiner sein. Sei-

    ne Kinder seien, als sie klein waren, gern schon kurz nach Mitternacht ins Elternschlaf-zimmer gestrmt, um ihn mit einem triumphierenden Papa, jetzt bist du der Palmesel! zu wecken, erzhlt Schmid lachend.

    Das Rennen um die Ehre

    In Fischen gibt es aber auch noch eine zweite Art des Palmesels und das kam so: Die fertigen Palmboschen wurden frher in der Kirche gesegnet. Beim Auszug aus der Kirche, verlieh man dem Boschentrger, der das Portal zuletzt durchschritt ebenfalls den wenig schmeichelhafte Titel des Palmesels. Klar, dass es den Ehrgeiz der Burschen entfachte, mglichst schnell nach drauen zu kommen. Natrlich mitsamt dem kunst-vollen Gebilde, das am Ende gut vier Meter lang ist und bis zu 25 Kilogramm wiegt.

    Da haben wir viel gebt. Immer zu zweit. sagt Schmid. Einer luft voraus, der andere kippt ihm die Stange zu und schon im Auffangen wird losgeflitzt, Palmboschen voraus durch den Mittelgang und sich blo nicht von den lteren Jungs abhngen lassen das war eine Frage der Ehre!

    Ein Eis als Belohnung

    Da ist es wild hergegan-gen, mittlerweile findet die Segnung der Palmboschen vor dem Gotteshaus statt. Aber die Tradition lebt fort und mit ihr die Ambition, besonders schne Boschen zu binden. Das Tolle ist der Zusammenhalt und auch ein wenig das Abenteuer gibt Hans Schmid zu. Man streife auf der Suche nach dem passenden Grn durch die Wlder, drfe was sonst nicht erlaubt sei den einen oder anderen Ast abschnei-den und auf die gemeinsame Arbeit folgt eine Belohnung. Nach der Segnung werden die Bschele nmlich wieder abgewickelt und von Haus zu Haus getragen. Verkauft wer-den sie nicht, betont Schmid, denn Gesegnetes darf weder verkauft noch weggeschmis-sen werden. Man verschenkt die Boschen. blicherweise bekommen die Jungs aber einen kleinen Obulus, in Schmids Jugend durchaus 50 Pfennig. Viel Geld war das damals. Es wurde gerecht un-ter allen aufgeteilt, ein wenig davon gespart und vom Rest konnte man sich mitunter noch einen neuen Waggon fr die Mrklin-Eisenbahn leisten. Als erstes nach dem Austra-Erwachen der Natur.

    Am Palmsonntag werden die Palmboschen gesegnet.

    HrnerdrferGstemagazin

    Fischen Bolsterlang Obermaiselstein Balderschwang Ofterschwang

    aktuell

  • April 2015 | Ausgabe 3 Seite 5Thema des Monats

    gen htten sie sich mit dem Palmgeld aber alle ins Caf Henning gesetzt, erinnert sich Schmid Jeder mit vier Bollen Eis vor sich und einem Strah-len im Gesicht!

    Schutz fr Haus und Hof

    Die Boschen werden im Herrgottswinkel ins Kreuz gesteckt und bleiben das ganze Jahr ber als Segens-zeichen dort. Ebenso bringt man im Stall und in der Tenne ein Gebinde an, zum Schutz vor Unheil und Seuchen. Die Boschen sollen bse Geister bannen und falls ntig, auch vor belwollenden Ver-wnschungen schtzen; es sei vorgekommen, dass man sein Ross mit einem Knoten im Schwanz vorgefunden habe, weil jemand den Stall hexet hat. Solche Hexerei darf aber beileibe nicht mit obskurer Magie gleichge-setzt werden. Dahinter steht vielmehr die Vorstellung einer Kraft des Gedankens; hnlich einer Fr