Hörnerdörfer Magazin Februar 2012

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    15-Mar-2016

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Aktuelle Informationen und alle Veranstaltungen rund um die Allguer Hrnerdrfer (Fischen, Ofterschwang, Bolsterlang, Balderschwang, Obermaiselstein) fr Februar 2012.

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  • Gebhr: 1,50 Mit Gstekarte und fr Einheimische kostenlos www.hoernerdoerfer.de

    Hrnerdrfer

    Gstemagazin

    Fischen Bolsterlang Obermaiselstein Balderschwang Ofterschwang

    Ausgabe Februar 2012

    Hochgefhle im Schnee

    11638800_Hoernerdoerfer_Magazin_Februar 1 20.01.12 14:40

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  • 3EDITORIAL

    Mailand oder Madrid Hauptsache Italien, dieser Ausspruch von Andreas Mller, der 85 Fuball-Lnderspiele fr Deutschland bestritt, gehrt zu den groen Sagern Prominenter. Mller sprach damals zwar von einem Wechsel ins Ausland, aber auch die eine oder andere Urlaubsentschei-dung knnte durchaus hnliche Aspekte aufwei-sen. Was will ich damit sagen? Viele Menschen, vor allem jngere, treffen Urlaubsentscheidungen nach verschiedensten Kriterien, nicht selten blei-ben dabei reale berlegungen auf der Strecke. Wenn einer mal schnell weg will, ist es mglicher-weise der nchste Flieger, der gewhlt wird, nicht die Destination. Will einer auf jeden Fall ins Aus-land, knnte es schon mal hnlich sein wie bei Andreas Mller.

    Der Urlaub in den Hrnerdrfern basiert zum Glck auf anderen berlegungen. Ja, ich denke, er basiert sogar auf gewissen Wertvorstellungen. Wer hierher fhrt, der wei sehr wohl, was er tut. Das ist fr uns durchaus eine Chance, auch im Vergleich mit Mitbewerbern. Relax. If you can, mit diesem Slogan wirbt Ischgl. Einen Gast, dem also Apres Ski mglicherweise mehr bedeutet als Ski fahren an sich, werden die Hrnerdrfer kaum zufrieden stellen knnen. Der Mooser Wirt, bei dem an Skitagen schlechthin die Post abgeht, wirbt sogar mit dem Spruch: Mooser Wirt wahr-scheinlich die schlechteste Skihtte am Arlberg. Fr den einen oder anderen ist das DER Skiurlaub. Wir haben keinen Grund, diese natrlich subjekti-ven Urteile anzuzweifeln. Die Hrnerdrfer stehen fr den etwas anderen Winterurlaub, daran sollten wir nicht zweifeln. Schneespa fr die ganze Familie und das in einer Winterlandschaft und Ski-gebieten, deren Pistenkilometer und andere gn-gige Faktoren sie nicht an der Spitze positionieren. Dies wird auch in Zukunft nicht mglich sein, lie-gen doch vier der fnf Hrnerdrfer im Naturpark Nagelfluhkette. Der Winterurlaub und damit Ski-fahren im Dorf werden auch weiterhin ihr Publikum haben und um diese Gste werden wir uns ver-strkt bemhen.

    Die Titelgeschichte in diesem Heft, Mit Seehund-fellen auf den Berg, auf Eschenholz-Brettern ins Tal ist aktueller den je, auch wenn die Entwick-lung der Sportgerte rapid vorangeschritten ist.

    Thema des Monats 4

    Gesundheit 9

    Aktuelles 10

    A Z 12 13

    INHALT

    Davon knnen sich Gste und Einheimische heuer wieder bei den Ski-Weltcup Bewerben der Damen in Ofterschwang berzeugen. Einerseits gibt es die Sehnsucht nach eigenen Spuren im noch fri-schen Schnee, die Sehnsucht nach krperlicher Bettigung, an deren Ende pure Freude steht. Andererseits gibt es aber auch die Sucht und den Kick am Neuen, an der Moderne, dazu zhlen die Freude am neuen Ski ebenso wie der Rausch der Geschwindigkeit, wie die Lust an neuen, modernen Liften, wo immer sie mglich sind. Die Zukunft der Hnerdrfer wird nher an der Natur liegen eine sorgfltige Abwgung von Innovatio-nen bei gleichzeitiger Rcksichtnahme auf Traditi-onen, die uns gro gemacht haben. Damit kom-men wir den Bedrfnissen von morgen ziemlich nahe, denn der neue Megatrend heit Reground-ing. Menschen wollen wieder den Boden unter den Fen spren, wollen Erdung erlangen. Authentizitt und Nachhaltigkeit werden zuneh-mend wichtig. Grnde genug, um unseren Gsten und damit auch Ihnen in Zukunft einiges bieten zu knnen, meint Ihr

    Bertram Pobatschnig

    Liebe Gste in den Hrnerdrfern, sehr geehrte Damen und Herren,

    Veranstaltungen 15 37

    Aus den Hrnerdrfern 3942

    Kommentare/Meinungen 43

    Freizeittipps 44 45

    Bertram Pobatschnig

    11638800_Hoernerdoerfer_Magazin_Februar 3 20.01.12 15:31

  • THEMA DES MONATS4

    Ende des 19. Jahrhunderts gelangten die ersten Skier ins Allgu mutige Pioniere brachen damals zu den ersten winterlichen Bergtouren auf.Allgu: Eine Hand voll Bauern aus Vorderburg stand im Dezember 1891 vor einem Rtsel. Durch den Tiefschnee am Grnten schlngelte sich eine sonderbare Doppelspur ins Tal. Klar war: Weder ein Tier noch ein Schlitten konnte fr die sonder-baren Abdrcke verantwortlich sein. Doch nie-mand im Dorf wusste die merkwrdigen Spuren zunchst zu deuten, bis sich herausstellte: Der Hilfslehrer Adalbert Ebner aus Petersthal hatte neumodische nordische Gleithlzer ausprobiert. Er gilt damit als einer der Pioniere des alpinen Ski-sports im Allgu und zhlt zu den frhesten Ski-tourengngern in der Region. Auch wenn der lteste Beleg noch ein Stck weiter in die Vergan-genheit reicht: Quellen zeigen, dass wohl schon 1888 Alpenvereinsmitglieder aus Kempten Skier benutzten. Dabei sind die Gleithlzer selbst wesentlich lter nur waren sie bis dato Gehhilfe im Winter statt Sportgert und hatten es zudem aus Skandinavi-en noch nicht bis ins Allgu geschafft. Tatschlich datieren Wissenschaftler den ersten Skifund auf ein Alter von 4500 Jahren. Entdeckt wurde das 110 Zentimeter lange und zehn Zentimeter breite Brett in einem Moor bei Hoting in Schweden. Zum Sport entwickelte sich Skifahren auch in Skandi-navien allerdings erst Mitte des 19. Jahrhunderts damals fanden in Christiana, dem heutigen Oslo, bereits erste Skirennen statt. Dass der Wintersport Ende des 19. Jahrhunderts auch ins Allgu vordrang, mag zudem an einem

    Bestseller von 1897 liegen: In diesem Jahr erschien die deutsche bersetzung von Fridtjof Nansens Werk Auf Schneeschuhen durch Grn-land. Der Abenteurer hatte auf langen Eichen-brettern im ewigen Eis eine bis dahin einmalige Leistung vollbracht.Als lokale Skipioniere im Allgu gelten neben Ebner zudem unter anderem eine kleine Gruppe um den Kemptener Dr. Max Madlener und der Arzt Dr. Ludwig Gerl aus Hindelang. Der hatte sich nmlich ein Paar Skier aus Norwegen sen-den lassen, Skibegeisterte um sich gescharrt und lie die importierten Stcke nun vor Ort nachbau-en. Auch Fritz Heimhuber aus Sonthofen werkelte zu dieser Zeit selbst an einem Paar Gleithlzer. 1896 entstanden in seiner Werkstatt Skier, die mittig tailliert nahezu modern anmuten. In Skandinavien war Skisport lngst ein Zeitver-treib fr jedermann, bei uns im Allgu indes nur etwas fr bessere Leute wie Advokaten oder rzte, sagt Georg Larsch aus Fischen. Diese ht-ten sich Reisen leisten knnen und den Skisport letztlich ins Allgu mitgebracht. Larsch ist Vorsit-zender des Frdervereins Fischinger Heimat-haus. In den Rumlichkeiten mit untergebracht: das FIS-Skimuseum. Etliche Exponate erzhlen hier von der Entwicklung des Wintersports von seinen Anfngen bis heute. Von den rund 300 ausgestellten Skiern stammen 30 bis 40 aus der Anfangszeit. Das sind ganz seltene Stcke aus Skandinavien, Norwegen oder Lappland, so Lar-sch. Und auch hier ist ein taillierter Ski aus Nor-wegen zu sehen hnlich wie ihn Fritz Heimhuber baute.

    Mit Seehund-fellen auf den

    Berg, auf Eschenholz-

    Brettern ins Tal

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  • THEMA DES MONATS 5

    Erste Allguer Skitour der GeschichteAuch vier Kemptener Bergsteiger hatten sich Ende des 19. Jahrhunderts Skier aus Norwegen kommen lassen. Im Februar 1897 bestiegen die wagemutigen Pioniere den 1749 hohen Stuiben-gipfel bei Immenstadt dieser Ausflug sollte als die erste Allguer Skitour in die Geschichte einge-hen. 1901 erklommen dann Dr. Max Madlener und Fritz Heimhuber in zwei Tagen das Nebel-horn. Die Bevlkerung blickte auf die Wagemuti-gen gleichermaen mit Skepsis und Bewunde-rung: Whrend die einen von Jngern der weien Kunst sprachen, redeten andere abfllig von Brettleshupfar.

    Zu mehr Bekanntheit in der Region verhalf der neumodischen Sportart dann die Allguer Zei-tung. In der Beilage Das illustrierte Blatt der Erfindungen und Entdeckungen drehte sich ein Artikel um Schneeschuhe aus Norwegen inklusive Anleitung wie die guten Stcke zu benut-zen seien. Hauptregel: Die Fe mit dem Schneeschuh drf-ten nicht vom Boden abgehoben werden und seien ziemlich dicht beieinander zu halten. Ein Stab verhelfe zu Gleichgewicht und zum Hem-men bei sehr stark geneigten Flchen. Und: Stei-le Abhnge solle man besser nicht auf Skis her-abfahren dann gehe es so schnell voran, dass der Fahrer leicht das Gleichgewicht verlieren knne. Entdeckt hat die Beilage aus dem Jahr 1898 Georg Larsch brigens zufllig auf einem Flohmarkt inzwischen war das seltene Original auch schon auf verschiedenen Ausstellungen auerhalb des Allgus zu sehen.

    Statussymbol war ein weier PulloverWie die ersten Skifahrer damals zu Touren aufbra-chen, zeigen alte Fotos oder Gemlde: Die Skier selbst waren laut Larsch berwiegend aus Eschenholz und als Steighilfen verwendete man bald Seehundfelle. Gefahren wurde anfangs mit Bergschuhen im Telemarkstil und mit nur einem Stock. Die Menschen fuhren im normalen Gewand, Statussymbol der besseren Leute war beim Skifahren ein weier Pullover. Frauen trugen natrlich noch keine Hosen, sondern einen Rock, erzhlt Larsch. Mnner indes banden Hosen unten mit Bndern zu daraus sollten spter dann die Knickerbockerhosen entstehen. Als recht praktisch erwiesen sich bei Skitouren zudem Motorradmtze und Brille. Zudem in sp-teren Jahren immer im Gepck: Skiwachs, Werk-zeug und eine rund 25 Zentimeter lange Metall-spitze aus Alu. Die wurde laut Larsch kurzerhand aufgeschraubt, wenn der Ski whrend einer Tour abbrach. Bis brigens das Skitourengehen in den Hrner-drfern Einzug hielt, dauerte es etwas lnger als in Kempten: Als Pionier gilt in Fischen der damali-ge Ortsdoktor Portscheller. 1907 brachte er von der Jagd in Norwegen Skier mit Rohrbindung mit. Und dann, so erzhlt man sich, soll er wochen-lang 150 Meter bergab gefahren sein und zwar immer wieder in der gleichen Spur im Tiefschnee.

    Hrnertour lste regelrechte Vlkerwanderung ausEinen regelrechten Boom erfuhr das Tourengehen laut Georg Larsch dann in der Nachkriegszeit und jetzt rckten die Hrnerdrfer in den Blick

    11638800_Hoernerdoerfer_Magazin_Februar 5 20.01.12 15:31

  • THEMA DES MONATS6

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  • THEMA DES MONATS 7

    der Wintersportler: Mit dem Zug reisten in den 50er Jahren Menschen aus Ulm, Stuttgart und Augsburg nach Fischen an und starteten zur deutschlandweit bekannten Hrnertour. Die dau-erte etwa einen Tag und am Abend traten die Gste in Blaichach mit dem Zug wieder die Heim-reise an. An manchem Sonntagvormittag war eine regelrechte Vlkerwanderung von Fischen

    nach Bolsterlang zu beobachten, erzhlt Larsch. Im FIS-Skimuseum in Fischen erinnern ein Wand-gemlde und Prospekt-Material an die historische Hrnertour. Und einmal im Jahr ldt die Gemeinde zum histo-rischen Skifahren am Stinesser ein. Dann geht es wie einst im nostalgischen Outfit auf alten Holzlat-ten den Hang hinab.

    Text Presse + Kommunikation Saremba

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