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Hörst du mich?

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Lehrmittel Infos zur Geschichte der Telekommunikation

Text of Hörst du mich?

  • Hrst Du mich?Das Abenteuer Telekommunikation

  • Samuel Finley Breese Morse Guglielmo Marconi

  • Kinderspielzeug! urteilten die Leute, als der DeutschePhilipp Reis um 1861 einen selbst erfundenen Apparat pr-sentierte, der Musik und Sprache ber Drhte schickenkonnte. Das Telefon ein Kinderspielzeug?

    Die Geschichte des Telegrafen, des Telefons und desRadios ist spannend und nimmt immer wieder berra-schende Wendungen. Sie war in den ersten hundert Jah-ren geprgt von Erfindern und Tftlern, die fast immer alsEinzelkmpfer ihre Visionen verfolgten. Spter wurde esklar, dass mit den bahnbrechenden Erfindungen der Pio-niere eine ganze Menge Geld zu verdienen war und damiterwachte das Interesse der Industrie. In Europa und denUSA entstanden Industrieunternehmen, die Forschern,Physikern und Ingenieuren Entwicklungslabors zur Verf-gung stellten und so den Fortschritt vorantrieben.

    Diese kleine Broschre vermittelt einen Rckblick auf dieEntwicklung der Telekommunikation. Ohne den Anspruch,jeden Namen zu nennen, der in dieser Geschichte eineRolle gespielt hat. Dafr mit Bewunderung fr den Pionier-geist, der immer wieder kluge Kpfe dazu beflgelt,Neuland zu erobern. Gestern, heute und morgen.

    Carl Ferdinand Braun

    Vorwort

  • Impressum

    HerausgeberSwisscom AG, Schulen ans Internet,Bern

    Gestaltungwww.atelierrichner.ch

    DruckBenteli Hallwag Druck AG, Bern

    BilderKontrast, Atelier fr Fotografie,Schnbhl (Titelseite, S. 6, 22 und 44)Museum fr Kommunikation, Bern

    Die Bilder sind urheberrechtlichgeschtzt. Nachdruck nur mit aus-drcklicher Genehmigung desMuseums fr Kommunikation, Bern. Das Copyright fr die Abbildungenkonnte nicht in allen Fllen ermitteltwerden. Urheberansprche sind anSwisscom AG, Schulen ans Internetzu richten.

    Swisscom AG, Auflage 2 2005 (Erstauflage 1 2001)

  • Die Geschichte der Telegrafie 6Von Schreihlsen, Buschtrommeln und Signalfackeln 8Die grossen Zeiten der optischen Telegrafie 9Die Telegrafie gert unter Strom 12Die Telekommunikation wird zum Allgemeingut 17Die Telegrafie in der Schweiz 20

    Die Geschichte des Telefons 22Die Erfindung des Telefons 24Die berwindung der Distanz 29Das Telefon wird praxistauglich 31Die Mehrfachtelefonie wird Realitt 32Die Automatisierung der Telefonie 33Die Erfindung der drahtlosen Nachrichten-bermittlung 35Das Telefon erobert die Schweiz 38Mobiltelefonie in der Schweiz 41Die Geschichte des Internets 42

    Die Geschichte des Radios 44Die Ursprnge der Radiotechnik 46Die Vision vom Radio wird Realitt 49Im ther gehts ab 52Der Transistor kommt 55Die Schweiz auf Empfang 57

    Inhalt

  • Signale aus einer anderen Zeit.

  • Mit diesem gewaltigen Horn soll Alexander der Grosse seineKrieger zusammengerufen haben

    Wie schlgt man der Distanz

    ein Schnippchen?

    Oder: Die Telegrafie als Ursprung

    der modernen Telekommuni-

    kation.

    Telegraph (auch:) Telegraf;

    von griechisch tele = fern,

    weit, grphein = ritzen, ein-

    ritzen, schreiben

    Schon in lngst vergangenen Zeiten war esein Bedrfnis der Menschen, ber lngereEntfernungen miteinander kommunizierenzu knnen. Nicht selten aus kriegerischenund politischen Grnden. Es galt, Freundeund Verbndete vor nahenden Feinden zuwarnen, Nachrichten von Siegen undNiederlagen zu verbreiten oder Anweisungenaus den Hauptstdten in die Provinzenhinaus zu tragen. Dass es dabei mglichstschnell gehen sollte, versteht sich von selbst.

    Die Geschichte der Telegrafie

    7

  • 8Von Mund zu Ohr zu Mund zu Ohr zu Mund zu OhrWarnrufe sind so alt wie die Menschheit. Sie sind die Vor-lufer der Rufposten, die bei Persern und Rmern fr dieNachrichtenbermittlung eingesetzt wurden. Das gingso: Die Posten standen in Rufweite voneinander entferntund gaben eine Meldung vom einen zum anderen weiter.Dies ber grosse Distanzen hinweg. Rekordhalter warenwohl die Rmer, die mit dem Rufpostensystem eine Mel-dung innerhalb eines Tages ber eine Distanz von 240 kmweitergeben konnten. Im Laufe der Jahrhunderte, von derAntike bis zur Neuzeit, waren es dann Meldelufer undMeldereiter, Meldehunde und Brieftauben, die Nachrich-ten in mndlicher oder schriftlicher Form berbrachten.

    Feuer und Flamme fr heisse NewsNeben Rufsignalen spielten fr die Nachrichtenbertra-gung seit je auch optische Signale eine wichtige Rolle.Zum Beispiel benutzten die alten Perser, Griechen, Kartha-ger und Rmer raffinierte Feuersignalsysteme wie dieFackeltelegrafie. Das heisst, sie bermittelten Signaledurch ein- oder mehrmaliges Heben und Senken eineroder mehrerer Fackeln. Die Fackelposten waren in Sicht-weite voneinander aufgestellt und gaben die Signale vomeinen zum anderen weiter. So war es mglich, Meldungenber Hunderte von Kilometern hinweg zu bermitteln.

    Die Idee mit den Fackelsignalen war schlau und sie hatteZukunft. Denn es handelte sich um den Ursprung deroptischen Telegrafie, an der im 17. Jahrhundert weitergetftelt wurde und die gegen Ende des 18. Jahrhundertsin Frankreich ihre Bltezeit erleben sollte.

    > Das Wichtigste in KrzeVom Meldereiter zur optischen Telegrafie

    500 v. Chr. Die Angaren, beritte-ne Knigsboten der Perser, befr-dern mittels Stafetten Nachrich-ten innerhalb einer Woche bereine Distanz von 2529 km.

    490 v. Chr. Ein Meldelufer ber-bringt die Nachricht vom Siegder Athener ber die Perser aufdem Schlachtfeld von Marathon.

    Um 450 v. Chr. Der griechischeGeschichtsschreiber Herodotberichtet von Feuerzeichen mittelsFackeltelegrafie. Es handelte sichwohl um den Ursprung der opti-schen Telegrafie.

    Von Schreihlsen, Buschtrommeln undSignalfackeln

    Telegrafie

    Der Alpsegen, um 1870Fackeltelegrafie, 336 v. Chr.

  • Seltsame Experimente im ParkEs war ein schner Tag im Jahre 1690, als der franzsischePhysiker Guillaume Amontons im gepflegten Pariser ParkJardin de Luxembourg in aller ffentlichkeit Experimentemit optischer Telegrafie durchfhrte. Er postierte in denberhmten Gartenanlagen in grsseren Abstnden eineReihe von Gehilfen, die mit Fernrohren ausgerstetwaren und einander beobachteten. Pltzlich bermittelteeiner dem anderen wahrscheinlich mittels Armbewe-gungen ein Zeichen, das dieser wiederum an den nchstfolgenden weitergab. Zeichen fr Zeichen setzte sich soeine Nachricht zusammen. Das bertragungsprinzip wurdeSemaphor genannt (von griechisch sema = Zeichen,phoros = tragend). Semaphor heisst auch die Flag-gensprache der Seeleute, mit der noch heute Meldungenvon Schiff zu Schiff weiter gegeben werden.

    Die zappelnden Balken von ChappeIm Laufe des 18. Jahrhunderts prbelten verschiedene Ge-lehrte an optischen Telegrafensystemen. Eines gelangteschliesslich zu einer gewissen Bedeutung: Der aus einerAstronomen- und Ingenieursfamilie stammende Franzose

    Die grossen Zeiten der optischen Telegrafie

    9

    Null Bock auf Telegrafie.

    Noch im Jahre 1816 liess die

    englische Admiralitt verlauten:

    Telegraphen, welcher

    Beschaffenheit auch immer,

    sind berhaupt unntz.

    Balkentelegraf

  • 10

    Claude Chappe erfand im Jahre 1791 den Balkentelegra-fen. Das System bestand aus einer Reihe von Steintrmen,die etwa 5 bis 10 km voneinander entfernt gebaut wurden.Jeder Turm trug ein T-frmiges Balkengerst mit beid-seitig angebrachten, beweglichen Signalbalken. Mit ver-schiedenen Winkelpositionen der beiden Balken konntedas ganze Alphabet gebildet werden. Nachdem Chappeam 12. Juli 1793 zum Geschftsfhrer der franzsischenTelegrafenlinien ernannt worden war, baute er die ersteTelegrafenturm-Linie mit 16 Zwischenstationen zwischenParis und Lille ber eine Strecke von 230 km.

    Der Sonnenschreiber von GaussClaude Chappe fand ein tragisches Ende. Er nahm sich1805 das Leben, als er erfuhr, dass seine Erfindung vonanderen Ingenieuren kopiert oder durch andere Systemekonkurrenziert wurde. Ob er von der Arbeit des GttingerMathematikers Carl Friedrich Gauss gewusst hatte, istallerdings nicht bekannt. Dieser entwickelte ein Gert, mit dem mittels eines Spiegels Sonnenlicht gebndelt und in

    Claude Chappe

    Zeichenempfnger, 1833

    Telegrafie

  • Form von Lichtsignalen ber mehrere Kilometer hinwegweiter gegeben werden konnte. Sinnigerweise nannte derGelehrte seine Erfindung Heliograf, ein Begriff, der sichaus dem Griechischen ableitet und soviel bedeutet wieSonnenschreiber.

    Vielleicht wrden wir uns ber weite Distanzen heute nochmittels Balken und Spiegel verstndigen, wenn nicht eineEntdeckung dazwischen gekommen wre, die die Weltvernderte: Die Nutzbarmachung der Elektrizitt.

    Carl Friedrich Gauss und Georges-Louis Le Sage

    > Das Wichtigste in KrzeBalken und Sonnenlicht alsVermittler von Signalen

    ca. 1000 v. Chr. Die alten gypter experimentieren mitElektrizitt. Im Geschichts-museum von Kairo sind seltsameSteine zu sehen, die von heutigen Wissenschaftlern alsBatterien bezeichnet werden.

    1690 Der franzsische PhysikerGuillaume Amontons fhrt inParis Experimente mit optischerTelegrafie durch.

    1774 Der Genfer Mathematik-professor Georges-Louis LeSage erfindet eine elektrischeApparatur zur bertragung vonNachrichten.

    1791 Der Franzose ClaudeChappe erfindet den Balken-oder Flgeltelegrafen.

    1793/94 Chappe baut die ersteTelegrafenlinie mit Balkentele-grafen zwischen Paris und Lille.

    1820 Der deutsche MathematikerCarl Friedrich Gauss aus Gttin-gen erfindet den Heliografen.

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  • 12

    Ein Elektroschock mit FolgenWann genau die Elektrizitt entdeckt wurde, lsst sichnicht genau bestimmen. In Form von Blitzen erschrecktesie wohl schon Hhlenbewohner und Pfahlbauer. ber-liefert ist, dass Gelehrte bereits anfangs des 17. Jahrhun-derts mit Reibungselektrizitt experimentierten. So richtigpopulr wurde die Elektrizitt sozusagen schockartig im18. Jahrhundert: Im Jahre 1746 arbeitete der hollndischePhysiker Pieter van Musschenbroek mit einer sogenann-ten Leidener Flasche, einer Art primitivem Kondensator,als er pltzlich von einem starken Elektroschock getroffenwurde. Eine schreckliche Erfahrung, notierte er mit zit-ternder Hand in seinen Schriften, aber die Entdeckungder Krfte des elektrischen Stromes erwies sich als Schrittin eine neue Zeit.

    Die Magie der MagnetnadelGenau genommen war der Mnchner Professor SamuelThomas von Smmering der Erste, der einen Telegrafenmittels Elektrizitt zum Funktionieren brachte. VonSmmerings Telegraf war ein raffiniertes elektrochemi-sches System mit 35 Drhten fr jeden Buchstaben undjede Zahl einen und mit einem Surebehlter auf derEmpfangsseite, wo die Buchstaben und Zeichen durch

    Die Telegrafie gert unter StromTelegrafie

    Samuel Thomas von Smmering und Hans Christian Oersted

    Batterie aus Leydener Flaschen

  • Blschen angezeigt wurden. Die Apparatur war beeindru-ckend, aber es war ihr keine Zukunft beschieden. Die frdie Entwicklung der elektrischen Telegrafie bahnbrechen-de Idee kam 1820 vom dnischen Physiker Hans ChristianOersted: Er hielt eine Magnetnadel unter den Strom fh-renden Draht einer elektrochemischen Batterie und konn-te beobachten, wie die Nadel sofort abgelenkt wurde.Damit hatte er den Elektromagnetismus entdeckt.

    Mickelmann kommt!Die elektrische Energie beflgelte die grossen Geister derWissenschaft. Spannung lag in der Luft. Fast gleichzeitignahmen verschiedene Forscher und Tftler Oertsteds Entdeckung des Magnetnadeleffektes auf und machtensie fr die Telegrafie nutzbar. So baute der in russischenDiensten stehende Offizier Schilling von Cannstadt imJahre 1832 einen Nadeltelegrafen, bei dem an bestimm-ten Nadelausschlgen die Ziffern 1 bis 10 zugeordnetwaren.

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    Von Smmerings elektrochemischer Telegraf, 1884

    Fnfnadeltelegraph, 1836

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    Auch der Gttinger Physiker Carl Friedrich Gauss derselbe Mann, der den Heliografen erfand blieb nichtunttig. Gemeinsam mit seinem Kollegen Wilhelm Weberentwickelte er die erste brauchbare elektrische Telegrafen-anlage. Fr den Test verbanden die beiden Forscher dieSternwarte Gttingen mit dem ber 1,5 km entferntenphysikalischen Kabinett. Die Leitung bestand einesteilsaus Kupfer und andernteils aus Eisendraht. Es war wohldie erste Freileitung der Welt. Mit einer Geschwindigkeitvon 9 Buchstaben pro Minute bermittelten Gauss undWeber das erste Telegramm. Mickelmann kommt! lau-tete die Botschaft, fr welche die Magnetnadel 40 Malausschlagen musste.

    Ein Kunstmaler tickt richtigWarum gerade Mickelmann? Wahrscheinlich entsprangder Name lediglich einer spontanen Eingebung der erstenTelegrafisten. Jedenfalls hatte er fr die weitere Entwick-lung der Telekommunikation keinerlei Bedeutung. Ganzim Gegensatz zu einem Mann, der aus dem Land vonMicky Maus stammte und bis heute fast ebensolcheBerhmtheit geniesst: Samuel Finley Breese Morse. Morsewar Kunstmaler und Erfinder. Er malte Portrts undromantische Landschaftsbilder. Und er war ein leiden-schaftlicher Bastler. Ab 1833 stellte er Versuche mit einemelektromagnetischen Schreibtelegrafen an, den er 1837patentieren liess. Das System war ein kurios aussehender

    Telegrafie

    Samuel Finley Breese Morse

    Schilling von Cannstadt

  • Apparat, fr den er eine seiner Malerstaffeleien geopferthatte. Es bestand aus einem Taster als Sendestation, dermit einem Empfangsapparat verbunden war. Per Tasten-druck wurde ein Stromkreis geschlossen und geffnet.Auf der Empfngerseite drckte ein seitlich pendelnderSchreibstift gegen einen sich kontinuierlich bewegendenPapierstreifen. Auf diesem wurde die Botschaft in Formeiner ununterbrochenen Linie hnlich einem EKG (Elek-trodiagramm) sichtbar.

    Mit Punkten und Strichen ist alles gesagtEs vergingen sieben lange Jahre bis Morses ErfindungAnerkennung fand. In den Jahren 1843/44 errichtete erdie erste Telegrafenleitung ber eine lngere Distanz vonWashington (District of Columbia) nach Baltimore (Mary-land). Die Lnge der Leitung betrug rund 40 Meilen, wasetwa 50 km entspricht. Mit einem bereits etwas aus-

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    > Das Wichtigste in KrzeViele kluge Kpfe schaffen Neues.Morse schafft den Durchbruch.

    1809 Der deutsche GelehrteSamuel Thomas von Smmeringerfindet einen Telegrafen, dessenFunktion auf der chemischen Wir-kung des elektrischen Stromesberuht.

    1820 Der Dne Hans ChristianOersted entdeckt die Beeinflus-sung der Magnetnadel durch denelektrischen Strom. Das Zeitalterder elektromagnetischen Tele-grafie beginnt.

    1832 Der deutsche Offizier undWissenschaftler Schilling vonCannstadt erfindet den erstenbrauchbaren Nadeltelegrafen.

    Der erste Morse -Telegraf, 1837

    Punkt Punkt Strich

    Schreibtelegraf von Morse

  • gereifteren Schreibtelegrafen bermittelte Morse am 24. Mai 1844 die Botschaft What hath God wrought?,was bedeutet Was Grosses hat Gott gemacht?. AlsCode verwendete er das von ihm erfundene, berhmteMorse-Alphabet, mit dem man mit Kombinationen vonPunkten und Strichen smtliche Buchstaben und Satz-zeichen darstellen kann. Das Morsealphabet wird heutenoch im Amateur- und Schiffsfunk benutzt und eignetsich ideal fr die Verstndigung mittels selbst gebauterTelegrafen mit Leuchtdioden, Lmpchen oder Summern.

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    1833 Die deutschen PhysikerCarl Friedrich Gauss undWilhelm Weber bauen inGttingen die erste vollwertigeTelegrafenanlage, die lngerebertragungsdistanzen bewltigt.

    1833 Der Amerikaner SamuelFinley Breese Morse machterste Versuche mit einem Schreib-telegrafen.

    1837 Der Englnder WilliamCooke meldet das Patent freinen fnfdrahtigen elektrischenTelegrafen an.

    1837 Morse schafft den Durch-bruch. Er lsst seinen Schreibtele-grafen patentieren.

    1843 Morse schenkt der Weltdas berhmte Morsealphabet,das in vernderter Form heutenoch verwendet wird.

    24. Mai 1844 Morse bermitteltdas erste Telegramm ber dievon ihm errichtete, rund 50 kmlange Telegrafenlinie zwischenWashington und Baltimore.

    Telegrafie

    24. Mai 1844: Morse bermittelt das erste Telegramm ber eine lngereDistanz

    Carl Friedrich Gauss (links),Wilhelm Eduard Weber (rechts)

  • Die Telegrafie erobert die WeltIn der Grnderzeit der elektrischen Telegrafie waren eseinzelne grosse Kpfe, die mit ihren Erfindungen Meilen-steine setzten. In der zweiten Hlfte des 19. Jahrhundertswar es dann zunehmend die Industrie, die die Entwick-lung vorantrieb. Die Telegrafenapparate wurden verfeinert,die bermittlungsqualitt ber lange Distanzen durch denEinbau von Relais-Stationen wurde stndig weiter verbes-sert und berall in der Welt wurden Telegrafenleitungenverlegt. Sie wurden nicht nur ber Land gezogen, sondernauch in den Weltmeeren versenkt. Zum Beispiel liefertensich um 1870 drei verschiedene Firmen einen harten Kon-kurrenzkampf, um eine ber 10 000 km lange Telegrafen-leitung zwischen London und Kalkutta zu erstellen. Alledrei Leitungen wurden schliesslich in Betrieb genommen.

    Die Telekommunikation wird zum Allgemeingut

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    Kabelverlegung im Persischen Golf (links) und im Atlantik (rechts)

    Reliefschreiber von Morse mitFederantrieb

  • 18

    Die guten alten Telegrafen lassen sich nichtunterkriegenDas Telefon war schon lngst erfunden (siehe auch Seite24) und begann dem Telegrafen allmhlich Konkurrenz zumachen. Dennoch vermochte sich die Telegrafie als wich-tigste Technik fr die Nachrichtenbermittlung ber sehrgrosse Distanzen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein zubehaupten. Hhepunkte in der Entwicklung waren bei-spielsweise der Wechselstrom-Telegraf mit sechs Fre-quenzen und die im Jahre 1927 durch Siemens & Halskelancierten zwlffachen Tonfrequenztelegrafen. Bereitsein Jahr spter wurde die erste Fernschreibmaschine inBetrieb genommen.

    Lcher noch und nochMit der Zeit entstand unter dem Namen Telexnetz einweltumspannendes ffentliches Fernschreibnetz, das biszur Erfindung des Internets gegen Ende des 20. Jahrhun-derts das wichtigste System fr die schriftliche Nach-richtenbermittlung bleiben sollte. Die damals modernenTelexgerte verfgten wie Schreibmaschinen ber Tasta-

    > Das Wichtigste in KrzeRund um den Erdball wird tele-grafiert.

    1850 Zwischen Paris und Londonwird eine Telegrafenverbindungin Betrieb genommen. Im rmel-kanal wird das erste Untersee-kabel verlegt.

    1855 Der britische IngenieurDavid Edward Hughes erfindetden ersten Typendrucktelegrafen.Erstmals konnten Telegramme in Normalschrift gesendet undempfangen werden.

    1866 Via Unterseekabel, dasdurch den amerikanischen Kauf-mann und Ingenieur Cyrus W.Field finanziert und verlegtwurde, wird erstmals einTelegramm ber den Atlantikgeschickt.

    Typendrucktelegraf von David Edward Hughes, um 1855

    Werner von Siemens

    Cyrus W. Field

    Telegrafie

  • turen, ber welche die Texte eingegeben werden konn-ten. Diese wurden in codierter Form auf Lochstreifenbertragen, die als Nachrichtentrger und Impulsgeberdienten. Der Lochstreifen ratterte durch die Maschine desSenders und am anderen Ende der Leitung wurde auf derEmpfangsstation die Nachricht in Klartext ausgedruckt.

    Es geht auch ohne DrahtAb dem Jahre 1894 war die Nachrichtenbermittlungnicht mehr an Leitungen gebunden. Als erstem Men-schen gelang es dem Italiener Guglielmo Marconi mitHilfe elektrischer Wellen ohne Drhte eine Nachricht zubermitteln (siehe auch Seite 35). Er lutete damit dasZeitalter der drahtlosen bermittlung von Signalen einund schuf die Voraussetzungen fr die drahtloseTelegrafie, die drahtlose Telefonie und das Radio.

    1869/70 Zwischen London und Kalkutta wird eine ber10 000 km lange Telegrafenlei-tung in Betrieb genommen.

    1874 Der junge Thomas AlvaEdison entwickelt den Quadru-plex-Telegrafen. Dank dem Multi-plex-Verfahren knnen in beidenRichtungen gleichzeitig je zweiTelegramme bermittelt werden.

    1886/88 Der Deutsche PhysikerHeinrich Hertz entdeckt das Ge-heimnis der elektromagnetischenWelle.

    1895 Dem Italiener GuglielmoMarconi gelingt es, Signaledrahtlos zu bermitteln.

    1927 Die Firma Siemens & Halskebringt den 12-fachen Tonfre-quenztelegrafen auf den Markt.

    1929 Der deutsche IngenieurRobert Hell erfindet den Hell-Schreiber. Dieser funktioniert aufSenderseite wie ein Drucktele-graf und auf Empfngerseite wieein Bildtelegraf.

    Ab 1934 Es bilden sich weltweitFernschreibnetze fr die Abwick-lung von Telegrammdiensten undden Nachrichtenverkehr von Priva-ten und Behrden. Das bedeu-tendste Netz ist das Telexnetz,an welches nahezu alle Lnderder Erde angeschlossen sind.

    Ab ca. 1975 Das Telefax wird zueiner wichtigen Ergnzung desTelefons. Mit der Telefaxtechniklassen sich Schriftstcke, Grafikenund Bilder originalgetreu berdas Telefonnetz bermitteln.

    19

    Telexgert mit Lochstreifen,um 1960

  • 20

    Die Schweiz findet den AnschlussDie moderne Schweiz, als Bundesstaat im Jahre 1848gegrndet, war noch nicht einmal zwei Jahre alt, als sichder frischgebackene, siebenkpfige Bundesrat mit derTelegrafie zu befassen hatte. Am 7. Januar 1850 wies dieBerner Regierung die Landesvter auf die Erfindung desTelegrafen hin und empfahl dessen Einfhrung in derSchweiz. Die Landesregierung hatte ein offenes Ohr: Am1. November 1851 gab sie den Startschuss fr den Bauvon Telegrafenleitungen zwischen Rheineck und Genfsowie zwischen Basel und Chiasso.

    Rekordleistung: ber 8 Millionen Telegramme ineinem JahrAls Projektleiter fr die Erstellung der ersten Telegrafen-leitungen engagierte der Bundesrat einen namhaftenPhysiker, der schon einige Jahre zuvor als Telegrafen-spezialist von sich reden gemacht hatte: den MnchnerCarl August Steinheil. Der Mann machte seinen Job gut.Am 5. Dezember 1852, ein knappes Jahr nach der Verab-schiedung des Telegrafengesetzes, nahm das SchweizerTelegrafenleitungsnetz mit 27 Telegrafenbros den Betriebauf und liess die ersten Telegramme durch die Drhte tic-ken. Im Jahre 1869 wurde der von David Edward Hugheserfundene Typendrucktelegraf eingefhrt und 1875 gab esin der Schweiz bereits ber 1000 Telegrafenbros.

    Die Telegrafie fand Anklang. Man schtzt, dass in derSchweiz zwischen 1870 und 1900 jedes Jahr rund 1,7 Mil-lionen Telegramme vermittelt wurden. 1914 waren es gutdoppelt so viele und im Jahre 1919 erreichte die Zahl derin der Schweiz aufgegebenen Telegramme den nie wie-der erreichten Spitzenwert von 8109 461. Danach ging

    > Das Wichtigste in KrzeEin junges Land begeistert sichfr die Telegrafie.

    1847 Zwischen Luzern und Sar-nen besteht eine mit demBalkentelegrafen von Chappebetriebene telegrafischeVerbindung.

    12. September 1848 Die Schweizerhlt eine neue Verfassung undwird zum Bundesstaat.

    24. Dezember 1851 Das Bundes-gesetz fr die Erstellung des elek-trischen Telegrafen tritt in Kraft.

    15. Juli 1852 In der Schweiz wirdzwischen Zrich und St. Gallender Bau der ersten Telegrafen-linie in Angriff genommen.

    Die Telegrafie in der SchweizTelegrafie

    Die Brse boomt.

    Erst die Telegrafie machte es

    mglich, sich in krzester Zeit

    ber die Kursentwicklungen

    an den Brsen in aller Welt zu

    informieren.

  • der Telegrammverkehr kontinuierlich zurck. Der Sieges-zug des Telefons und anderer Medien war nicht mehraufzuhalten und die Telegrafie wurde nach und nach ver-drngt.

    Das Ende einer Epoche und ein neuer AnfangDas wohl letzte Kapitel der Fernschreibetechnik in derSchweiz begann mit der Einfhrung der Fernschreib-maschine und des Telexnetzes im Jahre 1934. GrssereFirmen schafften sich eigene Fernschreibapparate an undnutzten die Vorteile der modernen Telegrafietechnik umZeit zu sparen und die Effizienz zu steigern. Gegen Endeder Achtziger Jahre erreichte die Zahl der Telexabonnen-ten in der Schweiz einen Hchststand. Dann kam dasTelefax und etwas spter das Internet. Mit dem Netz derNetze begann ein neues Kapitel in der Geschichte derTelekommunikation. Seither sind die Urformen der Tele-kommunikation nur noch Geschichte.

    30. November 1852 Die schwei-zerische Direktion der Telegra-phenverwaltung gibt dieErffnung des Telegraphen frden Verkehr im Innern derSchweiz per 5. Dezember 1852bekannt.

    1854 Im Vierwaldstttersee wirddas erste Schweizer Untersee-kabel verlegt. Es verbindetSpyssenegg mit Stansstaad.

    1919 Die Zahl der aufgegebenenTelegramme in der Schweizerreicht den Spitzenwert von 8109461.

    1934 In der Schweiz entsteht einfeinmaschiges Telexnetz, dasbis zur Einfhrung des Internetsintensiv fr den geschftlichenNachrichtenverkehr genutzt wird.

    1999 Das Telegramm gibt seinenAbschied. Der Telegrammdienstin der Schweiz wird eingestellt.Telefon, Mobiltelefonie, SMS-Dienste und Internet haben dasTelegramm berflssig gemacht.

    21

    Carl August Steinheil

    FernschreibstationBasel, 1939

    Telegrafenamt Zrich, 1955

  • Das grosse Hallo.

  • Wie lassen sich Laute in elektrische Signaleumwandeln? Das war die Schlsselfrage,mit der sich findige Tftler in der zweitenHlfte des 19. Jahrhunderts beschftigten.Die Nutzung der Elektrizitt erlebtedamals eine Bltezeit und brachte laufendneue technische Errungenschaften hervor.Strahlendstes Beispiel fr den Erfindergeistder Elektro-Pioniere: Die erste brauchbareGlhlampe, die in jener Zeit das Licht derWelt erblickte.

    Die Geschichte des Telefons

    23

    Wer hat eigentlich

    das Telefon erfunden?

    Oder: Die fixe Idee von der elek-

    trifizierten Sprache.

    Telephon; von griechisch

    tele = fern, weit, phon =

    Stimme.

    Kabellegung Wengernalp Jungfraujoch, 1957

  • 24

    Die Erfindung des Telefons

    Charles Bourseul

    Der Trick mit den SchwingungenEtwa zur gleichen Zeit hatte der franzsische Telegrafen-beamte Charles Bourseul eine Erleuchtung: Wenn manganz nah an einer beweglichen Platte sprechen wrde, dieso biegsam sein msste, dass keine der durch die Spracheverursachten Schwingungen verloren gehen konnte, wenn

    Funktionsprinzip der elektrischenSprachbertragung

    die Platte ausserdem im Rhythmus der Schwingungen dieVerbindung mit einer Batterie herstellen und unterbre-chen wrde, dann msste eine entfernte Platte die glei-chen Schwingungen ausfhren. Der Gedankengang klingtkompliziert. Wenn es gelingt, ihn nachzuvollziehen, ist ergenial. Bourseul hatte das Prinzip der elektrischen Sprach-bertragung entdeckt.

    Der legendre GurkensalatEs ist nicht berliefert, ob der kluge Telegrafist seine The-orie in konkrete Modelle umsetzte. Sicher ist jedoch, dassanderenorts bereits ein Praktiker am Werk war. OhneKenntnisse von Bourseuls berlegungen bastelte derDeutsche Philipp Reis einen Apparat, der vom technischen

    Telefon

  • Prinzip her dem Telefon schon sehr nahe kam.1861 gelanges ihm, via Drahtverbindung eine gesprochene Botschaftber Rufweite hinaus zu bermitteln. Das Pferd frisstkeinen Gurkensalat, klang es krchzend und nahezu un-verstndlich aus dem geheimnisvollen Kasten am Endeder Leitung. Dies war nun also die erste ferngesprocheneNachricht. So einfltig der Satz klingen mag, so intelli-gent war die Technik, die ihn bertrug. Leider hatte dieWelt noch kein Gehr fr die epochale Erfindung. EineSpielerei, meinten Reis Zeitgenossen, ohne Bedeutungfr die Menschheit, eigentlich berflssig. Sie sollten sichgewaltig irren.

    Die Amerikaner bernehmenZehn Jahre gingen vorbei. Niemand schien sich fr PhilippReis und seine Erfindung zu interessieren. Offenbar reich-te die Vorstellungskraft der Menschen nicht aus, um dengewaltigen Nutzen des Telefons auch nur zu erahnen.Zum Glck gab es Ausnahmen. In den USA beschftigtensich gleich zwei Mnner mit der Idee der Sprachbertra-

    25

    Philipp Reis

    Der Telefonapparat von Philipp Reis: Die Geberstation mit dem Sprechtrichternannte er Telephonohr. Als Trommelfellverwendete er eine Wursthaut

  • 26

    gung: Der eine war der in Boston lebende Taubstummen-lehrer Alexander Graham Bell, der das Reissche Telefonweiter entwickeln und vereinfachen wollte. Der anderehiess Elisha Grey, lebte in Chicago und beschftigte sichmit der Konstruktion eines harmonischen Telegrafen.

    Durchbruch im TreppenhausBell machte einen Gedankensprung, der Philipp Reis nichtgelungen war: Er kehrte die Wirkungsweise der Geber-station um und machte daraus eine identische Empfnger-station. Die beiden Stationen sahen also vllig gleich ausund waren durch Drhte miteinander verbunden. ZumSprechen hielt man sie an den Mund, zum Zuhren ansOhr. Die Dinger sahen schon recht handlich aus, und siehatten gegenber dem Vorlufer von Reis einen entschei-denden Vorteil: Sie funktionierten schon ganz anstndig.Zumindest auf die kurze Distanz zwischen wenigen Stock-werken. Am 10. Mrz 1876 fand die Hauptprobe statt:Mr. Watson, sprach Alexander Graham Bell im Erdge-schoss mit sonorer Stimme in die Muschel, please comehere, I want you!. Der Gehilfe im Dachgeschoss ver-nahm die Stimme seines Herrn und sauste die Treppenhinunter.

    Telefon

    Elisha Grey bei einem Telefon-experiment an der Badewanne

    Alexander Graham Bell: Sein Telefonapparat mit Wandlerdiente wechselweise als Mikro-fon und Hrer

  • Im Endspurt zum PatentamtDerweil war Mr. Grey in Chicago nicht unttig geblieben:Er baute einen Apparat, der viel hnlichkeit mit demReis-Telefon aufwies und meldete diesen unter Erwh-nung von Gesprchen mit entfernten Personen flugsbeim Patentamt an. Doch Bell war ihm ganz knapp zuvor-gekommen. Nur zwei Stunden vorher war seine Anmel-dung fr ein Telefonpatent beim Amt eingetroffen. Greyhatte das Nachsehen.

    27

    Das Telefon macht Musik.

    Mit der bermittlung von Musik-

    veranstaltungen versuchten die

    Pioniere das Telefon populr

    zu machen.

    An seinem 29. Geburtstag im Jahre 1876 erhielt Alexan-der Graham Bell das Patent fr sein Telefon. Es war eineintrgliches Geburtstagsgeschenk. Denn es handelte sichmit grosser Wahrscheinlichkeit um das wertvollste Patent,das in den USA je erteilt wurde. Kaum war er im Besitzedes Patentes, begann Alexander Graham Bell mit derVermarktung seiner Erfindung. Zusammen mit seinemSchwiegervater grndete er im Jahre 1879 eine Gesell-schaft zur Einfhrung des Telefons, die heute noch zuden weltweit fhrenden Unternehmen fr Telekommuni-kation gehrt.

    Schema Telefon

  • 28

    Die Geburtsstunde des modernen TelefonsAlexander Graham Bell war nicht der Einzige, der denweltweiten Siegeszug des Telefons ermglichte. Der briti-sche Ingenieur David Edward Hughes trug ganz entschei-dend zur Verbesserung des Telefons bei: Im Jahre 1878entwickelte er przis zum richtigen Zeitpunkt das Kohle-krnermikrofon. Damit schuf er die technischen Voraus-setzungen fr den Einsatz des Telefons ber grosse Dis-tanzen.

    Hughes ordnete hinter der Membran eine Kammer an,die er mit Kohlegranulat fllte. Die Membran wrde durchden auftretenden Schall in Schwingungen versetzt undauf diese Weise das Granulat mehr oder minder zusam-mendrcken. Der elektrische Widerstand wrde sich da-durch verndern und im Rhythmus der Schallwellen einenGleichstrom steuern. Hughes Rechnung ging auf. DieErfindung des Mikrofons ermglichte die Trennung vonHr- und Sprechmuschel und damit war der Vorlufer desmodernen Telefons geboren.

    > Das Wichtigste in KrzeDas Telefon hat viele Vter.

    1854 Der Franzose CharlesBourseul publiziert die Theorieder Sprachbertragung mittelsElektrizitt.

    1861 Der Deutsche Philipp Reisbaut den ersten primitiven Tele-fonapparat zusammen.

    14. Februar 1876 Der gebrtigeSchotte Alexander Graham Bellmeldet seinen Telefonapparatbeim Patentamt an.

    14. Februar 1876 Der elektro-technisch versierte Elisha Greyaus Chicago meldet seinen harmonischen Telegraphenbeim Patentamt an. Er kommtzwei Stunden zu spt.

    1878 Der britische IngenieurDavid Edward Hughes erfindetdas empfindliche Kohlekrner-mikrofon.

    Telefon

    David Edward Hughes

    Kohlemikrofon

  • Die leidige Geschichte mit der langen LeitungNoch war das Telefon ein ziemlich unhandliches Ding, dasgerade dazu taugte, dass zwei Menschen ber eine ge-wisse Entfernung miteinander reden konnten. Von Sprech-und Bedienungskomfort keine Spur. Und vor allem warda immer noch das Problem der Distanz. Die Sprachqua-litt war keineswegs konstant und sie nahm mit zuneh-mender Entfernung ab. Dafr gab es verschiedene Ursa-chen. Eine davon war die Leitung, die als Widerstandwirkt. Eine weitere Strquelle waren Stromverluste durchAbleitung wie sie beispielsweise dort entstehen, wo dieLeitung an Isolatoren befestigt ist. Ein weiteres Mal warErfindergeist gefragt.

    Die berwindung der Distanz

    29

    Telefonleitungen in New York um 1885

    Kabellegung in Zrich, 1894

  • 30

    Eine raffinierte SpuleDie Telefonpioniere sahen sich vor zwei Fragen gestellt:Wie lsst sich einerseits der Widerstand einer Leitung ver-ringern, und wie kann anderseits der Strom whrend derbertragung verstrkt werden? Die erste Antwort fandim Jahre 1900 der serbische Physikprofessor Michael Pupinmit der Induktionsspule, die zu Ehren des Erfinders auchPupinspule genannt wird. Das raffinierte Ding wird alle1830 Meter in die Kabelleitungen eingeschaltet und wirktder Dmpfung des Kabels entgegen. Bei einem 2 mmdicken Kupferkabel erweiterte sich die bertragungsdis-tanz auf 200 km. Dabei sollte es nicht bleiben.

    > Das Wichtigste in KrzeDie Physiker lassen nicht locker.

    1900 Der serbische Physikpro-fessor Michael Pupin erfindetdie Induktionsspule. Die Sprech-distanz erweitert sich auf 70 bis 100 Kilometer.

    1906 Der Amerikaner Lee deForest erfindet die Elektronen-rhre fr die Verstrkung derSprachfrequenzen (siehe auchSeite 50).

    Telefon

    Selbstinduktionsspulen zur Verminderung derSprachdmpfung in Telefonleitungen

    Michael Pupin

    Pupintopf, 1890

  • Das Telefon: Unding oder Geniestreich?Die Erfindung des Telefons wurde in der ffentlichkeiteher kritisch aufgenommen und von vielen sogar ver-dammt. Echo fanden die Telefonpioniere vor allem in derGeschftswelt. Zu den ersten Nutzergruppen des Telefonszhlten Bankiers, Brsenmakler, Hersteller von Telegrafenund Telefonen, Zeitungsredaktoren, rzte und Rechts-anwlte. Bis 1910 in den USA und bis in die 30er Jahre inEuropa hatte das Telefon im privaten Bereich wenig Be-deutung. Es wurde genutzt wie bis anhin der Telegraf:Fr kurze Meldungen, fr die Aufgabe von Bestellungenoder fr Hilferufe in Notfllen. Von Plaudereien am Tele-fon keine Rede. Noch galt zwischenmenschliche Kommu-nikation als Vorgang, der physische Nhe erforderte.Dennoch war der Siegeszug des Telefons nicht mehr auf-zuhalten. Bereits im Jahre 1900 erreichte die Zahl derTelefonapparate in den USA die 2,2-Millionen-Marke.

    Die Urgrossmutter

    der Satellitenschsseln.

    Bells Photophon aus dem Jahre

    1880 bertrug Sprache mittels

    Lichtsignalen.

    Das Telefon wird praxistauglich

    31

  • 32

    Wie viel darf Telefonieren kosten?Telefonleitungen sind teuer. Um das Telefonieren mg-lichst billig zu machen, mussten also Wege gefundenwerden, um mehrere Gesprche gleichzeitig ber eineeinzige Leitung zu fhren.

    Ein erster Schritt war die Idee Phantomleitung: Durch Ein-schalten von bertragerspulen an den Enden zweier ge-whnlicher Leitungen wird eine knstliche dritte Leitunggebildet. ber die beiden Stammleitungen knnen somitgleichzeitig drei Gesprche gefhrt werden.

    Ein weiterer Entwicklungsschritt war die Trgerfrequenz-telefonie: Hier wird ein Frequenzkanal geschaffen, derweiteren Frequenzbndern Platz bietet. ber diese kn-nen 24 und mehr Gesprche gleichzeitig bertragen wer-den. Seit ca.1950 gibt es das Breitband- oder Koaxialkabel:Es bertrgt Wechselstrme bis zu 4 Millionen Hertz undbietet damit ein Frequenzspektrum fr bis zu 600 Sprech-kanle.

    In den ersten Jahrzehnten der Telefonie waren Phan-tomleitung und Trgerfrequenztelefonie wichtige Voraus-setzungen fr die Verbreitung des Telefons. Heute sinddiese Technologien berholt. Der Einzug des Glasfaserka-bels und die Digitalisierung der Information gegen Endedes 20. Jahrhunderts haben die Welt der Telekommuni-kation schlagartig verndert.

    > Das Wichtigste in KrzeLeitungen, die es in sich haben.

    Um 1910 Mit der Entwicklungder Phantomleitung ist es mg-lich, ber zwei Leitungengleichzeitig drei Gesprche zu bertragen.

    Um 1920 Mit der Trgerfre-quenztelefonie wird dieMehrfachtelefonie Realitt.

    1950 Das Breitband- oderKoaxialkabel erlaubt die gleich-zeitige bermittlung von bis zu600 Gesprchen.

    Die Mehrfachtelefonie wird RealittTelefon

    Ansicht Koaxialkabel

  • Die Damen am SchrankDer Spass am Telefon kommt natrlich erst so richtig auf,wenn jeder Mensch nach Belieben mit jedem anderentelefonieren kann. Die Telefonzentrale machts mglich. Ab1878 entstanden an vielen Orten in den USA und Europasogenannte Handzentralen. In einer Handzentrale bedien-ten mehrere junge Damen die Arbeit in der Zentrale warein typischer Frauenberuf je einen Umschaltschrank freine gewisse Anzahl Teilnehmer. Fr Verbindungen vonTeilnehmern, die an verschiedene Schrnke angeschlossenwaren, schrien sich die Frauen gegenseitig die entspre-chenden Nummern zu. Natrlich war das auf die Lnge einunhaltbarer Zustand. Abhilfe schaffte der Multipelschrank,der ber eine Vorrichtung verfgte, um die Teilnehmerauch von Schrank zu Schrank miteinander zu verbinden.In einer grossen Handzentrale bediente eine Telefonistinbis maximal 10 000 Anschlsse. So viele nmlich, wie siemit ausgestreckten Armen erreichen konnte. Die Frauenhatten also nach einem langen Arbeitstag wohl kaummehr das Bedrfnis nach einem Fitnessprogramm.

    Das Frulein vom Amt gibt seinen AbschiedWo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Auch die zu-verlssigsten Telefonistinnen waren davor nicht gefeit. Darber rgerte sich der amerikanische Geschftsmann

    Die Automatisierung der Telefonie

    33

    Handzentrale in Genf, 1883

    Hebdrehwhler von A. B. Strowger

  • 34

    Almon B. Strowger. Aufgrund einer in der Zentrale falschgeschalteten Verbindung hatte er einen Auftrag verloren.Das soll nicht noch einmal vorkommen, sagte er sich, undmachte sich ans Werk. Handwerklich begabt wie er war,begann er mit der Entwicklung einer Einrichtung, mit derman unabhngig von menschlicher Untersttzung Verbin-dungen herstellen konnte. Das Ergebnis seiner Anstren-gungen war ein Hebdrehwhler. Flugs meldete er diesenim Jahre 1889 zum Patent an, das er zwei Jahre spterauch erhielt.

    Der heisse DrehDer Strowgersche Hebdrehwhler wurde zum Herzstckder automatischen Telefonzentralen, welche die rhrigenTelefonistinnen mit der Zeit berflssig machen sollten.Das Funktionsprinzip war raffiniert: Mit dem Abnehmendes Telefonhrers wurde der Gleichstrom eingeschaltet.Ein im Hrer bertragenes Freizeichen zeigte die Betriebs-bereitschaft des Apparates an. Nach dem Drehen derWhlscheibe wurden beim Zurcklaufen der ScheibeStromimpulse erzeugt. Diese bettigten die Whleinrich-tung in der Telefonzentrale. Entsprechend der AnzahlStromimpulse stellte Strowgers Hebdrehwhler die Ver-bindung her. War die Leitung des Angerufenen besetzt,wurde die Verbindung zu einem Tonerzeuger geschaltet,der das Besetztzeichen bermittelte. War die Leitung frei,setzte ein Wechselstrom von 25 Hertz das Lutwerk desApparates in Betrieb, whrend im Hrer des Anrufers dasFreizeichen ertnte.

    > Das Wichtigste in KrzeAuf die richtige Verbindungkommt es an.

    1878 In New Haven, Connecticut,wird mit 21 Teilnehmern dieerste manuelle Telefonzentraleeingerichtet.

    1889 Almon B. Strowger meldetseinen Hebdrehwhler fr die au-tomatische Herstellung von Tele-fonverbindungen zum Patent an.

    3. November 1892 Die ersteautomatische Telefonzentraleder Welt nimmt in La Porte,Indiana, den Betrieb auf. Vonden 80 vorhandenen Anschls-sen waren 55 belegt.

    1908 In Hildesheim (D) entstehtdie erste automatische Telefon-zentrale Europas.

    Telefon

    Telefonwhler, wahr-scheinlich aus der Patentschriftvon A.B. Strowger, 1881

    Handzentrale in Kreuzlingen, um 1907

  • Physikalische Experimente als KinderspielWhrend im Jahre 1874 Alexander Graham Bell im fernenAmerika am ersten Fernsprechapparat bastelte, kam inder Nhe von Bologna ein Junge zur Welt, der einmal ganzgross herauskommen sollte. Er hiess Guglielmo Marconiund war anders als andere Kinder. Gewhnliches Spiel-zeug interessierte ihn wenig. Statt dessen kaufte er mitseinem Taschengeld Drhte, Glser, Stecker, Steckdosenund andere Dinge, schloss sich damit in sein Zimmer einund baute sonderbare Apparate.

    Die Erfindung der drahtlosenNachrichtenbermittlung

    35

    Guglielmo Marconi

    Der khne Ritt auf der coolen WelleKaum zwanzigjhrig befasste sich Guglielmo Marconi in-tensiv mit den Entdeckungen des deutschen PhysikersHeinrich Rudolf Hertz. Dieser hatte nachgewiesen, dasssich die Elektrizitt in Wellen ausbreitet und dass die

    Sendeantenne

    EmpfangsantenneMikrofon

    Radiostudio

    Sender Empfnger

    Funktionsprinzip der drahtlosen bermittlung

    Der heisse Draht im kalten

    Krieg. Mitten im atomaren

    Wettrsten wren Missverstnd-

    nisse fatal gewesen. Ab 1963

    konnten die Prsidenten der USA

    und der damaligen Sowjetunion

    ber eine direkte Fernschreib-

    leitung (flschlicherweise Rotes

    Telefon genannt) miteinander

    kommunizieren.

  • 36

    Geschwindigkeit dieser Wellen messbar ist. Im weiterenbewies Hertz, dass es sich bei Elektrizitt um Materie inunsichtbaren Mengen handelt. Der junge Marconi mach-te die Hertzschen Erkenntnisse fr die Praxis nutzbar.Noch in seinem Elternhaus baute er aus einem Metallringund zwei in einem winzigen Abstand nebeneinander posi-tionierten Kugeln einen Apparat, mit dem es ihm gelang,elektromagnetische Schwingungen zu erzeugen und diesewieder aufzufangen. Damit hatte er das Prinzip der draht-losen bertragung erfunden.

    Evviva lItalia!Die erste praktische Anwendung dieser weltbewegendenErfindung fand in Anwesenheit der Mutter in den Privat-gemchern der Marconis statt: Guglielmo drckte aufeine Taste, und im Nebenzimmer lutete eine Glocke. DieMutter staunte. Der Vater blieb skeptisch. Noch hatte erdie Genialitt seines Sohnes nicht erkannt. Das ndertesich allerdings, als Guglielmo mittels eines selbstgebau-ten Telegrafensenders und -empfngers seinem BruderAlfons ber einen Hgel hinweg Morsezeichen bermit-telte. Evviva lItalia, lautete die Botschaft, die der Bruderentzifferte, doch in Italien verhallte sie ungehrt. Es wa-ren die Englnder, die Marconi ermutigten, einen Versuchber eine grssere Entfernung zu machen.

    Das Telefon geht in die LuftIm Jahre 1899 gelang das Experiment: Marconi telegra-fierte die erste drahtlose Nachricht ber eine Distanz von300 Kilometern von Frankreich nach England. Jetzt woll-te er es endgltig wissen. Seine Herausforderung war der

    > Das Wichtigste in KrzeSignale aus dem ther.

    1873 Der britische PhysikerJames Clerk Maxwell entwickeltdie Theorie der elektromagneti-schen Felder.

    1878 Dem Briten David EdwardHughes gelingt die erste draht-lose bertragung mittels einesFunkensenders. Den Funkensen-dern dieser Zeit verdanken spte-re Erfindungen wie das Funktele-fon oder der Rundfunk ihrenNamen.

    1886 bis 1888 Der DeutschePhysiker Heinrich Rudolf Hertzerzeugt im Labor elektromagne-tische Wellen und erbringtgleichzeitig den Nachweis frderen Existenz. Hertz besttigtdamit die Maxwellsche Theorie.

    Telefon

    Heinrich Hertz

  • atlantische Ozean. In St.John, an der Steilkste Neufund-lands, baute er ein riesiges Gerst auf, das als Sender undEmpfnger diente. Am 12. Dezember 1901 sollte die erstedrahtlose Nachricht von England zum amerikanischenKontinent bermittelt werden. Es war ein strmischerWintertag. Regen und Schnee peitschten an das Eisen-gerst. Marconi lauschte mit dem Hrer am Ohr aufSignale. Vorerst vergeblich. Erst als er auf dem Gersteinen Drachen befestigte, der die Antenne verlngerte,vernahm er die Botschaft: tak, tak, tak. Ein S ausEuropa. Ein S fr Sieg. Genau genommen waren die Zei-chen aus Europa nur eine Telegrafen-Nachricht. Diesnimmt dem einzigartigen Erfolg aber nichts von seinemGlanz. Denn das technische Funktionsprinzip der drahtlo-sen bermittlung blieb fr Telefonie und Radio dasselbe.

    37

    1901: Drahtlos ber den AtlantikMarconis Meisterstck

    Edouard Branly

    1890 Der Franzose EdouardBranly prsentiert einen Eisen-feilspneverstrker und erfindetspter das Funktelefon.

    1895 Der italienische Kauf-mannssohn Guglielmo Marconibaut einen Apparat, mit demelektromagnetische Wellen auf-gefangen werden knnen.

    1899 Marconi bermittelt erst-mals eine drahtlose Nachrichtber eine Entfernung von 300Kilometern von Frankreich nachEngland.

    12. Dezember 1901 Die drahtloseNachrichtenbermittlung berden Atlantik glckt. Marconiempfngt in St. John, Neufund-land, Signale aus England.

    1915 Zwischen dem Eiffelturmund einem Anschluss in Arling-ton, USA, findet erstmals eindrahtloses Telefongesprch statt.

  • 38

    Eine Privatinitiative mit FolgenNur vier Jahre nachdem Alexander Graham Bell das Pa-tent fr das Telefon angemeldet hatte, wurde auch in derSchweiz das Telefonzeitalter eingelutet. Am 2. Oktober1880 erffnete eine private Gesellschaft in Zrich daserste Telefonnetz. Bei Jahresende leisteten sich 144 Teil-nehmende den Luxus eines Telefonanschlusses, der fr150 Franken zu haben war. Fr diesen fr damalige Ver-hltnisse stolzen Betrag durfte im ersten Betriebsmonatvon 7 Uhr bis 21 Uhr telefoniert werden. Dann wurde dieZentrale geschlossen, denn die Fruleins in der Zentralebrauchten ihren Schnheitsschlaf. Doch die Nachtruhedauerte nicht lange. Bereits ab 6. November war die Zen-trale durchgehend bedient.

    Der Bund greift einDie private Zrcher Telefongesellschaft operierte mit demSegen des Bundes, der ihr mittels Bundesratsbeschlusseine Konzession erteilt hatte. Der Staat blieb jedoch sel-ber nicht unttig und errichtete in eigener Regie dieersten eidgenssischen Stadtnetze in Basel, Bern, Genf

    Vterchen Staat hlt die

    Hand ber den Apparat.

    In der Schweiz galt das Staats-

    monopol fr den Vertrieb von

    Telefonapparaten und anderen

    Endgerten ber 100 Jahre.

    Das Telefon erobert die SchweizTelefon

    Eine ffentliche Telefon-sprechstelle im Zrcher Zigarren-geschft Schrmli, 1890

    Plakatsule und Telefonzelle zugleich

  • und Lausanne. In dieser Zeit wurde auf politischer Ebeneheftig darber diskutiert, ob das Telefon Sache von Priva-ten oder Sache des Staates sein sollte. Der Monopol-gedanke setzte sich schliesslich durch. 1880 entschlosssich der Bundesrat, keine weiteren Konzessionen mehr zuerteilen und kaufte per 1. Januar 1886 das Zrcher Privat-netz kurzerhand auf. In vielen Stdten und Orten ent-standen nun weitere Stdte- und Ortsnetze. Mit ihnentauchten im Ortsbild die ersten ffentlichen Sprech-stationen auf, wo alle, die das ntige Kleingeld besas-sen, telefonieren konnten. Im Jahre 1891 gab es in derSchweiz 101 Telefonnetze, an welche rund 11000 Abon-nenten mit 12700 Telefonstationen angeschlossen waren.Die gesamte Drahtlnge betrug 21400 Kilometer.

    Finale am GotthardDie ersten Netze in der Schweiz waren zuerst kleineEinzelnetze, die erst im Laufe der Zeit zu grsseren Netzenzusammenwuchsen. Der erste Schritt zu einem grossfl-chigen Netz wurde im Jahre 1883 mit der Erstellung einerVerbindung zwischen den Stdten Zrich und Winterthurgemacht. Ab 1886 wurde dann der Zusammenschluss derSchweizer Ortsnetze systematisch voran getrieben und1892 waren nahezu alle Netze in der Schweiz miteinan-der verbunden. Die letzte wichtige Fernleitung wurdeEnde 1900 durch die Rhre des Gotthardtunnels verlegt.Damit war auch das Tessin an das mittlerweile zum lan-desweiten Festnetz zusammen gewachsene Schweizer Te-lefonnetz angeschlossen.

    > Das Wichtigste in KrzeTelefonitis made in Switzerland.

    1877 Die Schweizerische Telegra-phendirektion fhrt zwischenBundeshaus und Hauptpost inBern die ersten Telefonversuchein der Schweiz durch.

    6. Januar 1878 Michele Patocchi,Adjunkt der TelegrafeninspektionBellinzona, fhrt via Telegrafen-leitung mit dem TelegrafenamtMailand das erste Auslandge-sprch aus der Schweiz.

    18. Februar 1878 Der Bunderlsst allgemeine Normen berdie Erstellung von Konzessionen.Das Staatsmonopol zeichnetsich auch fr das Telefon ab.

    1880 Eine Privatgesellschaftnimmt in der Stadt Zrich daserste Telefonnetz in der Schweizin Betrieb.

    1. Februar 1883 Die erste Fernlei-tung der Schweiz verbindet dieStdte Zrich und Winterthur.

    1885 Der Bundesrat beschliesst,dass der Bund den Bau und denBetrieb von Telefonnetzen ber-nehmen soll. Das Zrcher Netzwird an den Bund verkauft.

    1918 In Zrich wird die ersteTelefonzentrale mit halbauto-matischer Vermittlung desOrtsverkehrs in Betrieb genom-men.

    39

    Michele Patocchi

  • 40

    Die ganze Welt in ReichweiteEs dauerte nicht lange, bis die ersten Telefonleitungenzwischen der Schweiz und dem Ausland erstellt wurden.Erste Tastversuche ber die Grenzen wurden in grenzna-hen Gebieten mit lokalen Verbindungen gemacht. Dannfolgten Verbindungen mit weiteren europischen Lndernund bald konnte man ber den Atlantik hinweg auch mitMenschen in den USA, Kanada, Kuba und Mexiko telefo-nieren. Am 10. Juli 1940 bernahm die KurzwellenstationSchwarzenburg der damaligen PTT (Schweizerische Post-,Telegrafen- und Telefonbetriebe) den Telefonverkehr mitden USA und spter auch mit Japan und Argentinien. Ab dem Jahre 1956 kauften sich die PTT mit zahlreichenStromkreisen in Tiefsee-Telefonkabel ein. Neun Jahre sp-ter wagte sich die Schweizer Telefonie in den Weltraumund setzte fr die weltweite Sprachbertragung fortanauf Satellitenverbindungen und Glasfaserkabel.

    20. April 1924 In Genf wird dieerste vollautomatische Telefon-zentrale der Schweiz erffnet.

    1927 Die Automatisierung desFernverkehrs beginnt. Die 900bestehenden Ortsnetze werdenneu gruppiert und in 52 Netz-gruppen aufgeteilt.

    1930 Der Telefonverkehr zwi-schen Bern und Biel wird auto-matisiert. Erstmals knnen in derSchweiz selbstgewhlte Tele-fongesprche gefhrt werden.

    1959 Das schweizerischeTelefonnetz ist voll automatisiert.Das ist eine Pionierleistung: DieSchweiz ist das erste Land derWelt, das den gesamten Inland-Telefonverkehr mit ber einerMillion Teilnehmenden automa-tisch abwickelt.

    1974 In Leuk im Kanton Walliswird eine Satellitenboden-station fr die Abwicklung desbersee-Telefonverkehrs erstellt.

    1979 Die internationale Selbst-wahl aus der Schweiz ist mit 86Lndern aller fnf Kontinentemglich.

    1980 Alle Haushaltungen inder Schweiz verfgen ber einenTelefonapparat.

    1983 In der Schweiz werden dieersten Glasfaserkabel verlegt.

    1998 Die Telefonie wird aus denPTT-Betrieben ausgegliedert undprivatisiert. Das Telekommuni-kationsunternehmen Swisscomentsteht. Weitere privateTelekom-Anbieter treten auf denMarkt.

    Telefon

    Satelliten-Bodenstation

    Satellit im Weltraum

  • Alles ist in BewegungMobil telefonieren ist keine neue Idee. Mit der Entwick-lung der drahtlosen Nachrichtenbertragung entstandenschon Mitte des letzten Jahrhunderts die ersten Funktele-fone. Das waren allerdings grosse, schwere und schwierigzu bedienende Ksten, die zum Einbau in Autos bestimmtwaren. 1958 fhrten die PTT-Betriebe in der Schweiz denAutoruf ein und jeder Autorufteilnehmer erhielt seineAutorufnummer. Zwischen 1978 und 1980 entstand danndas automatische Nationale Autotelefonnetz Natel.

    Mit der laufenden technischen Verbesserung der Ultra-kurzwellen-bertragung wurden die Funktelefone immerkleiner und die Empfangsmglichkeiten immer besser. ImJahre 1987 wurde das analoge Natel-C-Netz erffnet, das8 Jahre spter bereits 320 000 Teilnehmer zhlte. Dochdas war erst der Anfang: Schon 1993 begann der Aufbaudes digitalen Mobilnetzes Natel D, das auf dem interna-tionalen Standard fr digitale Funknetze, GSM (GlobalSystem for Mobile Communications), beruht. 2001 konnteder erste Anruf via UMTS (Universal Mobile Telecommuni-cations System), der dritten Generation der Mobilnetzegettigt werden. Mit der UMTS-Technologie ist eine Viel-falt von neuen Mglichkeiten fr die Nutzung der Mobil-telefonie geschaffen worden: Ortsunabhngiges mobilesArbeiten und Surfen auf dem Internet, aber auch Fern-sehen auf dem Handy und Videotelefonie.

    Mobiltelefonie in der Schweiz

    41

    Altes Funktelefon imKofferraum

  • 42

    Die Erfindung des CyberspaceAnfangs der 90er Jahre lsten sich die Grenzen zwischenTelekommunikation und Informatik auf. Aus der Ver-schmelzung dieser zwei Technologien ging das WorldWide Web hervor. Damit war das Kommunikationszeit-alter geboren.

    Die Story des Internets begann aber schon 1969 im US-Verteidigungsministerium. Um die bermittlungssystemevor feindlichen Eingriffen zu schtzen, entwarf man einvernetztes System, in dem eine Information verschiedeneMglichkeiten hatte, ihren Weg zum Ziel zu suchen. Esspielte nun keine Rolle mehr, wenn ein Teil des Netzeszerstrt wurde. Die Erfinder nannten das System Arpanet;die Grundlage zum Netz der Netze war damit geschaffen.

    Nach den Militrs waren es Professoren und Studenten,die sich von der schlauen Idee berzeugen liessen. DieUniversity of California richtete einen ersten Vermittlungs-knoten ein, der mehrere Hochschulen miteinander ver-band. Im Jahre 1971 existierten bereits 15 solcher Vermitt-lungsknoten und 23 Hostrechner. Im Jahre 1982 tauchteerstmals der Begriff Internet auf, der zum Schlsselbegriffdes modernen Kommunikationszeitalters werden sollte.1992 gab es weltweit schon eine Million Internet-Hosts.

    In diesem denkwrdigen Jahr erfand der britische Wis-senschaftler Tim Berners-Lee das World Wide Web. Dabeihandelt es sich um eine Web-Software, die zwei Funk-tionen ermglicht, die fr die Surferinnen und Surfer vonheute selbstverstndlich sind: Die multimediale Darstel-lung von Informationen und deren Verknpfung durchLinks. Dank dem World Wide Web und dem Internet-protokoll TCP/IP sprachen nun alle Computer der Weltdie gleiche Sprache.

    Die Geschichte des InternetsTelefon

  • Mit der zunehmenden Breitbandigkeit der Internetan-schlsse ergeben sich von Jahr zu Jahr eine Vielzahl neuerNutzungsmglichkeiten: Musik, Fernsehen und Videoknnen ber das Netz bertragen werden. Die Voice overIP-Technologie (VoIP) ermglicht es direkt ber dasInternet zu telefonieren. Whrend VoIP zuerst vor alleminnerhalb von Unternehmen genutzt wurde, entdeckennun aber auch immer mehr Privatanwender die Vorteileder Internettelefonie.

    Die neuen Kommunikationsformen haben tief greifendegesellschaftliche Auswirkungen: Sie verndern Privat- undArbeitsleben der Menschen die Welt wird immer mehrzu einem Dorf. Noch hat aber erst ein kleiner Teil derWeltbevlkerung Zugang zu den neuen Technologien.Dies zu ndern ist eine grosse Herausforderung. Aber eslohnt sich sie anzunehmen, denn der Nutzen des Inter-nets fr jeden einzelnen Nutzer steigt, je mehr MenschenZugang zum Netz haben. Das Potential des Internets istnoch lange nicht ausgeschpft. Wir stehen erst am An-fang.

    43

    Tim Berners-Lee erfand das World Wide Web

  • therpioniere und Wellensurfer.

  • Die Entwicklungsgeschichten von Telegraf,Telefon und Radio sind eng miteinanderverflochten. Das kommt nicht von unge-fhr. Hinter den drei bahnbrechendenErfindungen der Telekommunikation (undnatrlich auch der vierten, dem Fernsehen)steht im Prinzip die selbe Idee:Die bertragung von Signalen ber weiteDistanzen. So ist es weiter nicht erstaun-lich, dass es zum Teil die gleichen Physikerund Erfinder waren, die Telegrafie-,Telefon- und Radiogeschichte geschriebenhaben: Der Deutsche Heinrich Hertz, derItaliener Guglielmo Marconi, der RusseAlexander Stepanowitsch Popow, derAmerikaner Thomas Alva Edison und vieleandere.

    45

    Die Geschichte des Radios

    Radiopioniere: Heinrich Hertz, Guglielmo Marconi,Alexander S. Popow, Thomas A. Edison

    Wie lernten die Tne fliegen?

    Oder: Wie das Radio die Welt ein

    bisschen kleiner machte.

    Radio; Kurzform von engl.

    Radiotelegraphy = bermitt-

    lung von Nachrichten durch

    Ausstrahlung elektromagneti-

    scher Wellen.

  • Erste Empfngerstation, die aufdem Prinzip der elektromag-netischen Wellen funktionierte, von A. S. Popow, 1895

    46

    Radiotelegrafie, Radiotelefonie, Radio ... Was wurde da eigentlich ausgetftelt?Die grossen Erfinder der drahtlosen Nachrichtenbermitt-lung setzten sich nicht hin und sagten sich: So, jetzt er-finde ich das Radio!. Vielmehr wollten sie einfach malversuchen, ein Signal von einem Ausgangspunkt drahtloszu einem entfernten Zielpunkt zu schicken: Zuerst einGerusch, ein kaum hrbares Ticken, spter ein Wort undschliesslich einen kurzen Satz. Die Geschichte des Radiosist in ihren Anfngen identisch mit der Geschichte derdrahtlosen Telegrafie (Radiotelegrafie) und der drahtlosenTelefonie (Radiotelefonie). So ist es kein Wunder, dassman immer wieder auf alte Bekannte trifft.

    Die Ballon-Antenne des Herrn PopowDer Ursprung der Radiotechnik geht auf das Jahr 1895zurck: Unter der sdlichen Sonne Italiens bermittelteGuglielmo Marconi die erste drahtlose Nachricht (sieheauch Seite 35). Etwa zur gleichen Zeit liess ein anderergenialer Kopf im fernen St. Petersburg einen seltsamenBallon in den stahlblauen Himmel steigen. Es war derRusse Alexander Stepanowitsch Popow, der in der dama-ligen Hauptstadt Russlands seinen Gewitterankndigervorstellte. Dabei handelte es sich um ein Gert fr dieRegistrierung der atmosphrischen Entladungen bei Ge-wittern. Fr den Empfang der elektromagnetischen Wel-

    Die Ursprnge der RadiotechnikRadio

    Alexander Stepanowitsch Popow

  • Teure Basteleien.

    Schon im Jahre 1920 gaben

    Radiobastler ber 2 Millionen

    Dollars fr Radioteile aus.

    len benutzte Popow als Antenne einen Draht, den er aneinem Ballon befestigt hatte. Der kluge Russe darf also alsErfinder der Radioantenne betrachtet werden. Zwei Jahrespter gelang es ihm, mittels einer Sende- und Empfangs-einrichtung drahtlos Signale zwischen zwei 5 km vonei-nander entfernten Schiffen zu bermitteln.

    Marconi holt die Antenne auf den Boden zurckMittlerweile war der italienische Kollege bereits einenSchritt weiter. Guglielmo Marconi versah Popows Anten-ne mit einer Erdung und entdeckte auch die Bedeutungder Sendeantenne. Damit schuf er eine wichtige Voraus-setzung fr die sichere und strungsfreie Nachrichten-bermittlung ohne Draht.

    Wenn zwei dasselbe tun, kommt nicht unbedingt dasselbeheraus. Im Gegensatz zu Marconi fand Popow fr dieFortfhrung seiner Experimente keine finanzielle Unter-sttzung. Auch Marconi stiess auf Widerstand, denn dieItaliener standen seinen Ideen eher kritisch gegenber. Sosetzte er sich kurzerhand nach London ab, wo er seineStudien fortfhren konnte. Bereits im Juni 1896 konnte erseine Erfindung der drahtlosen Nachrichtenbermittlungin England patentieren lassen und im Dezember des glei-chen Jahres erhielt er das Patent fr die USA.

    Mit Volldampf gegen gedmpfte WellenMit elektromagnetischen Wellen ist es so eine Sache. Siewerden hnlich wie Lichtstrahlen mit zunehmenderDistanz immer schwcher und verndern sich. Diese Ab-schwchung nennt man Dmpfung. Der Kampf gegendiese Dmpfung brachte viele kluge Physikerkpfe zumRauchen, denn diese brannten darauf, diesen Schwach-punkt zu berwinden. Warum? Ganz einfach: Die um dieWende des 19. und 20. Jahrhunderts verfgbaren Radio-

    47

    Engadin Press Radio-|funkstation

    Carl Ferdinand Braun

  • 48

    telegrafiesender also die drahtlosen Telegrafen ver-mochten lediglich einfache Signale zu bertragen. ZumBeispiel die Striche und Punkte des Morsealphabetes. Diebertragung der menschlichen Sprache war mit diesengedmpften Wellen schlicht nicht mglich. Es war alsoVerstrkung angesagt.

    Einen ersten Schritt machte der deutsche Physiker CarlFerdinand Braun bereits im Jahre 1898: Er nahm den Mar-coni-Sender und fgte in diesem Apparat einen geschlos-senen Schwingkreis ein. Auf diese Weise brachte er esfertig, die unerwnschte Dmpfung zu reduzieren. Oderbesser: Die gedmpften Wellen zu verstrken.

    Einem schlauen Dnen geht ein Licht aufBrauns Idee war gut, aber sie bildete erst den Anfangeiner ganzen Reihe weiterer Erfindungen, die das Dmp-fungsproblem lsen sollten. Einen Hhepunkt bildete derLichtbogensender, den der dnische Physiker WoldemarPoulsen in den Jahren 1902 bis 1904 konstruierte. Mit sei-nem Apparat gelang es ihm, ungedmpfte Hochfrequenz-schwingungen zu erzeugen. Damit konnten nun erstmalsgesprochene Worte drahtlos bermittelt werden.

    > Das Wichtigste in KrzeDas Radio muss erst mal tickenlernen.

    1895 Der russische PhysikerAlexander StepanowitschPopow erfindet die Antenne.Sein italienischer KollegeGuglielmo Marconi bertrgterstmals Signale ohne Draht.

    1885/96 Guglielmo Marconimacht Experimente mit geerde-ten Sende- und Empfangsanten-nen. Die Erdung vermindertbertragungsstrungen.

    1898 Der deutsche Physiker Carl Ferdinand Braun baut inden Marconi-Sender einengeschlossenen Schwingkreis ein.Ein erster Schritt zur Lsung desDmpfungsproblems ist getan.

    1902 bis 1904 Der dnischePhysiker Woldemar Poulsenerfindet den Lichtbogensender.

    Radio Stark und schwach gedmpfteWellen

    Funktionsprinzip Lichtbogen-sender

    Woldemar Poulsen

  • Ein TraumRckblende ins Jahr 1876, Brentford, Kanada: Ein zehn-jhriger Junge sitzt im Labor eines Mannes, der einenseltsamen sprechenden Apparat vorstellt. Der Junge heisstReginald Aubrey Fessenden, der Wortfhrer ist ein gewis-ser Alexander Graham Bell, der soeben das Telefon erfun-den hat (siehe auch Seite 26). Ein paar Tage spter startetBell das erste Ferngesprch ber eine Distanz von 113 kmzwischen Paris (Ontario) und Toronto. Mit einer Draht-verbindung, wohlvermerkt. Der kleine Reginald verfolgtdie erfolgreichen Experimente Bells neugierig und ge-spannt und hat einen Traum: Was mittels Drhten mglichist, msste doch auch ohne diese mglich sein.

    Wenige Leute teilten die visionre Meinung des mittler-weile herangewachsenen Kanadiers. Selbst der grosseThomas Alva Edison war skeptisch. Eines Tages fragteFessenden sein berhmtes Vorbild, ob er die drahtlosebertragung der Sprache fr mglich hielte. Fezzie, ant-wortete Edison dem jungen Kollegen, wie hoch schtztdu die Chance ein, dass der Mensch dereinst in der Lagesein wird, ber den Mond zu springen? Ich denke, deineIdee ist ebenso utopisch.

    Weihnachten 1906: Keine stille NachtFr dieses eine Mal lag Edison falsch. Fessenden gelang es,den Poulsen-Sender weiter zu verbessern und der tcki-schen Dmpfung den Garaus zu machen. Im Dezember1906 war es soweit: Am Weihnachtstag dieses denkwr-digen Jahres berraschte der junge Physiker die Welt miteinem ganz besonderen Geschenk: Der ersten Radiosen-dung. ber den ther sprach er ein paar Worte und liesses sich nicht nehmen, mit seiner Violine die Menschheitmit dem Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht zubeglcken.

    Die Vision vom Radio wird Realitt

    49

    Kleiner als eine Streichholz-

    schachtel.

    Im Jahre 1969 wurde unter dem

    Namen Asrad Orion das kleinste

    Radio der Welt vorgestellt.

  • 50

    Die grsste Rhre aller ZeitenDer Lichtbogensender war eine grossartige Erfindung unddennoch lediglich ein Etappenziel in der Geschichte desRadios. Denn whrend Poulsen und Fessenden mit derLichtbogentechnik erste Gehversuche machten, dachtenPhysikerkollegen in aller Welt wie Thomas Alva Edison,der Deutsche Philipp Lenard, der Englnder John AmbroseFleming oder der sterreicher Robert von Lieben ber an-dere Mglichkeiten der Steuerung und Verstrkung elek-tronischer Wellen nach. Der Amerikaner Lee de Forest,Erfinder der Elektronenrhre (siehe auch Seite 30), machteschliesslich im Jahre 1906 die entscheidende Entdeckung:Er verbesserte seine Erfindung, indem es ihm gelang, denVerstrkereffekt der Rhre weiter zu steigern.

    Die sogenannte Triode von de Forest und spter auch dieweiter entwickelten Elektronenrhren haben zwei Funk-tionen, die fr die drahtlose Signalbermittlung von zen-traler Bedeutung sind: Einerseits vermgen sie die elektri-

    Radio

    Lee de Forest

    Einsatz der Elektronenrhreals Sender

  • sche Wechselspannung massiv zu verstrken, anderseitssind sie auch ausgezeichnete Schwingungserzeuger. DurchAnkoppelung eines offenen Schwingungskreises alsoeiner Antenne lassen sich die Schwingungen in denfreien Raum abstrahlen. Diese Schwingungen sind vlligungedmpft und somit ideal fr die bertragung von Spra-che und Musik.

    Ein Massenmedium entstehtDie geniale Rhre von Mr. de Forest sorgte dafr, dassfortan ohne Draht rund um die Welt telegrafiert und tele-foniert werden konnte. Fr das Radio, auch Rundspruchgenannt, bedeutete sie den absoluten Durchbruch. Denndie Elektronenrhre machte es mglich, Empfangsgertezu bauen, die nicht mehr lnger Experimentierobjekte vonPhysikern waren, sondern Apparate fr jedermann. EinMassenmedium war geboren.

    Ein Mittel gegen Knistern und KnasternIn den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war es allerdingsnoch nicht ganz soweit. Noch war der Radioempfang mitstrenden Nebengeruschen verbunden, die knistertenund knasterten und den mit Kopfhrern bewehrten Lau-schern wahrscheinlich ziemlich auf die Nerven gingen.Abhilfe schaffte die Rckkoppelung, die im Jahre 1913 inDeutschland, Grossbritannien und Amerika zum Patentangemeldet wurde. Bei der Rckkoppelung, auch Feed-back genannt, wird ein Teil des Ausgangssignals eines Ver-strkers an dessen Eingang zurckgefhrt. Dies bewirkteinerseits eine Verminderung der Dmpfung und ande-rerseits eine Verstrkung der Schwingungen. Was sich sokompliziert anhrt, hat einen verblffenden Effekt: Miteinfachen Rhren-Empfngern hatte man nun einen rechtanstndigen Fernempfang.

    > Das Wichtigste in KrzeWeihnachtslieder und reineKlnge.

    1906 Der Kanadier ReginaldAubrey Fessenden veranstaltetam Weihnachtstag mit einemverbesserten Poulsen-Lichtton-sender die erste Radiosendung.

    1912 Dem Erfinder der Elektro-nenrhre, Lee de Forest, gelingteine entscheidende Verbesserungseines Kindes. Seine Rhre,Audion genannt, wird zum strks-ten Stck seiner Zeit.

    1913 Die Rckkoppelung freinen strungsfreien Empfangwird in Deutschland, Grossbri-tannien und England zum Patentangemeldet.

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    Einrhren-Radioempfnger, um 1925

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    Good morning world!In den Grnderjahren gehrte das Radio den Militrs.Doch kaum war der Krieg zu Ende, begann der Siegeszugdes Radios bei einer breiteren Bevlkerung.

    Um 1920 nahm in den USA als erste RundfunkstationRadio Pittsburgh (US-Staat Pennsylvania) den Sendebe-trieb auf. 1920 bis 1922 waren dann die Jahre der Grn-dungen wichtiger Radiosender in den Niederlanden, inGrossbritannien, Frankreich und Russland. Die Stationenbedienten ihre Zuhrerschaft mit Informationen und Mu-sik. Bereits im Jahre 1923 feierte das Radio seine Weltpre-miere als Unterhaltungsmedium: Am 29. Oktober wurdeim VOX-Haus in Berlin der deutsche Unterhaltungsrund-funk ins Leben gerufen.

    Der Bastelkasten dreht aufEs versteht sich von selbst, dass die Radios von damalsmit den Hightech-Anlagen und Ghetto-Blastern von heutenicht zu vergleichen sind. Die Empfangsstationen der20er-Jahre des letzten Jahrhunderts waren geheimnisvolleKsten mit unzhligen Schaltern, Knpfen und Drhten,oft berragt von fantastischen Antennenkonstruktionen.Von den Zuhrern war zuerst einmal technisches Ver-stndnis gefordert. Denn die Ur-Apparate der Anfangs-zeit waren nicht betriebsbereit verfgbar, sondern muss-ten von den Kufern selber zusammengebaut werden.

    Im ther gehts abRadio

    Radioempfnger mit separatem Lautsprecher, um 1925

    Radioempfnger mit Laut-sprecher, um 1926

    Radioempfnger Majestic, um 1935

    Gebissradio, um 1950

    Mehrkreisempfnger mit Rahmenantenne, um 1925

  • Zum Anhren der Sendungen waren sie wie die Funker auf Kopfhrer angewiesen. Im Jahre 1926 tauchten danndie ersten Radioempfnger mit Lautsprecher auf.

    Da nun in vielen besiedelten Teilen der Welt immer mehrRadiosender entstanden, war es nur eine Frage der Zeit,bis sie sich gegenseitig in die Quere kamen. Der Empfangdes gewnschten Senders wurde von anderen Sendernberlagert und gestrt. Dieses Problem wurde mit derErfindung des Mehrkreis-Empfngers gelst, mit dem dieSender beim Empfang besser getrennt werden konnten.

    Auf die Wellenlnge kommt es anMit der Verbreitung des Radios wurde das Sendernetzimmer dichter. Schon 1930 war in vielen Gebieten eineDichte erreicht, dass im damals genutzten Mittelwellen-bereich fr neue Sender kein Platz mehr war. Ein Aus-weichen auf krzere Wellen wurde unumgnglich. ZumLeidwesen der damaligen Radiofans ergaben sich darausneue technische Probleme, denn die Empfnger warennicht in der Lage, krzere Wellen befriedigend zu verar-beiten. Die Lsung bestand im berlagerungsprinzip, dasR.A. Fessenden bereits 1901 entdeckt hatte. Noch wh-rend des ersten Weltkrieges wurden die ersten berlage-rungsempfnger entwickelt, die als Superhetempfnger oder kurz Super allgemeine Verbreitung fanden.

    53

  • 54

    Kurz, aber ohoMit den Wellenlngen war es so eine Sache. Die meistenFunk- und Radiostationen arbeiteten im Mittel- und Lang-wellenbereich, weil sie damit vermeintlich die grsserenReichweiten erzielten. Tatschlich gibt es eine physikali-sche Gesetzmssigkeit, die aussagt: Je grsser die Wel-lenlnge, desto eher kann die Welle der Erdkrmmungfolgen, um so grsser also die Reichweite. Bei Mittel-wellen betrgt diese wenige hundert Kilometer, bei Lang-wellen einige Tausend. So fiel es den professionellen Funk-und Radiostationen nicht schwer, den Kurzwellenbereichden Amateurfunkern zu berlassen. In den USA war die-sen Funkenthusiasten sogar vorgeschrieben, ihre Funk-apparate unterhalb von einer Wellenlnge von 200 m zubetreiben, damit sie den ffentlichen Funkverkehr nichtstren konnten.

    Die Funker gaben sich mit den kurzen Wellen zufriedenund machten eine unglaubliche Entdeckung: Sie empfin-gen Signale von Kollegen aus anderen Kontinenten. Wiewar das mglich? Kurzwellen haben es in sich: Ihre direk-te Reichweite ist zwar sehr gering, sie werden jedoch voneiner elektrisch leitenden Schicht in der Ionosphre wieauch vom Erdboden reflektiert, so dass sie in einer ArtZickzack-Bahn rund um den Erdball gesendet werden kn-nen.

    > Das Wichtigste in KrzeIn aller Welt bricht die Sende-zeit an.

    1920 In den USA geht als ersteRundfunkstation Radio Pitts-burgh auf Sendung.

    1920 bis 1922 In vielen europi-schen Lndern werden Radio-sender gegrndet.

    1923 Aus dem VOX-Haus inBerlin wird die erste Unterhal-tungssendung ausgestrahlt.

    Um 1930 Das im Jahr 1901 vonR.A. Fessenden entdeckte berlagerungsprinzip setzt sichals taugliche Methode fr denKurzwellenempfang durch.

    Radio

    Kurzwellen-Reflektion

  • Die weltbekannte Rhre bekommt KonkurrenzBis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die Elektronen-rhre das zentrale Bauelement in den Gerten der draht-losen und drahtgebundenen Nachrichtentechnik. Das ge-niale Teil hatte aber auch einige Nachteile. Zum Beispielbrauchte es jede Menge Energie, es erhitzte sich, war me-chanisch empfindlich und seine Herstellung technischaufwndig. So berrascht es nicht, dass Ingenieure undPhysiker ber Bauelemente nachdachten, welche die Elek-tronenrhre ersetzen konnten.

    Wunderding TransistorGanz intensiv beschftigte sich ab 1947 eine Forschungs-gruppe in den Bell-Laboratorien in den USA mit dieserIdee. Dem Team gehrten die spteren Nobelpreistrgerfr Physik, John H. Bardeen, Walter H. Brattain und WilliamB. Shockley, an. Die drei Cracks erfanden ein Halbleiter-bauelement, das elektrische Schwingungen verstrkte.Das Kind wurde auf den Namen Transistor getauft undmarkierte einen weiteren entscheidenden Wendepunkt inder Geschichte der Technik.

    Der Transistor kommt

    55

    Die Erfinder des Transistors: Hinten: John H. Bardeen, Mitte: Walter H. Brattain, vorn: William B. Shockley

  • 56

    1947 wurde erstmals ein Telefongesprch mittels einesTransistors verstrkt. Ein Jahr spter wurde der erste Mit-telwellen-Radioempfnger prsentiert, der anstelle vonElektronenrhren mit einem Transistor ausgerstet war.

    Der Winzling mit Power setzt sich durchEs dauerte nur wenige Jahre, bis Transistoren in grossenSerien hergestellt werden konnten und als es soweit war,setzte eine riesige Nachfrage ein, die lawinenartig an-wuchs. Bereits im Jahre 1963 berstieg die weltweite Pro-duktion von Transistoren die Einmilliardengrenze und vonnun an geriet die Elektronenrhre ins Hintertreffen.

    Der Transistor vernderte nicht nur das technische Innen-leben des Radios, sondern auch seine ussere Erschei-nung. Pltzlich war es mglich geworden, kleinere Radioszu bauen und sie in elegant gestylte Gehuse zu verpa-cken. Dank dem niedrigen Energieverbrauch von Tran-sistoren konnten Radios nun auch mit Batterien betriebenund berall hin mitgenommen werden. Damit wurde dasRadio definitiv auch zum Medium fr junge Leute.

    > Das Wichtigste in KrzeDer Triumphzug der Halbleiter-technik.

    1947 Die drei Physiker John H.Bardeen, Walter H. Brattainund William B. Shockley erfin-den den Transistor, der noch imgleichen Jahr erstmals einTelefongesprch verstrkt.

    1948 Der erste Mittelwellen-empfnger mit Transistorerblickt das Licht der Welt.

    1963 Die weltweite Jahrespro-duktion von Transistoren ber-schreitet die Einmilliardengrenze.

    Radio

    2-Transistor Empfnger(60er Jahre)

  • Auf Flugpltzen geht das Schweizer Radio an den Start Auch die Schweiz stand in der Pionierzeit des Radios nichtzurck. Erste radiotelegrafische Versuche machte die Ar-mee bereits im Jahre 1905, doch erst nach dem 1. Welt-krieg ging das Radio in der Schweiz richtig an den Start,und zwar auf dem Champ-de-lAir in Lausanne und demGenfer Flugplatz Genve-Cointrin. Warum gerade hier?Ganz einfach: Die Schweizer Radiopioniere, die sich inRadioklubs zusammengeschlossen hatten, fanden auf denFlugpltzen fixfertige Funkanlagen vor, die sie in Flugver-kehrspausen (das gab es damals noch) zum Ausstrahlenvon Musikprogrammen und Wetterprognosen benutzten.Die Bewilligung zu diesen ersten Sendeversuchen in Genfund Lausanne und etwas spter auch in Zrich-Klotenerteilte am 10. Januar 1923 die Obertelegraphendirektionin Bern.

    Volksmusik vom HnggerbergDen ersten, ausschliesslich fr den Radiobetrieb vorgese-henen Sender baute die neu gebildete Radiogenossen-schaft in Zrich auf dem Hnggerberg. Am 23. August1923 konnte es losgehen: Zum ersten Mal sendete in derSchweiz eine Rundfunkstation ein festes Radioprogramm

    Die Schweiz auf Empfang

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    Der RadiosenderHnggerberg, 1924

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    mit Musik und Informationen. Das Beispiel machte Schule:In den folgenden Jahren wurden auch in Bern, Lausanneund Basel Radiogenossenschaften gegrndet, die eigeneSendestationen in Betrieb nahmen. Sicher htten sich dieRadiogenossenschaften in der Schweiz munter weiter ver-breitet, wenn da nicht ein kleines Problem gewesen wre:Das liebe Geld.

    Tatschlich war und ist Radiomachen eine kostspieligeAngelegenheit und werbefinanziertes Radio war nochlange kein Thema. Die finanziellen Probleme zwangen dieRadiogenossenschaften, zusammen zu spannen, was zurGrndung der Schweizerischen Rundfunkgesellschaft SRGfhrte. Diese erhielt am 26. Februar 1931 vom damaligenEidgenssischen Post- und Eisenbahn-Departement dieausschliessliche Sendekonzession fr Rundspruchsenderin der Schweiz. Von da ab trat die SRG als Programmge-stalterin auf, whrend die PTT-Betriebe den Auftrag zumBau und Unterhalt von Sendeanlagen erhielten.

    Die grosse Zeit der Schweizer LandessenderMit je einem starken Mittelwellensender fr die drei grs-seren Sprachregionen der Schweiz Landessender ge-nannt machte das staatliche Radio in der Schweiz imJahre 1931 den Schritt vom regionalen zum berregiona-len Medium. Der Landessender Sottens fr die franzsi-sche Schweiz nahm am 23. April seinen Betrieb auf, derLandessender Beromnster fr die Deutschschweiz am11. Juni desselben Jahres. Am 28. Oktober 1933 kam derLandessender Monte Ceneri hinzu, der das Tessin versor-gen sollte.

    Radiosendungen aus der LeitungDie Schweiz ist aufgrund ihrer Topografie nicht geradeein ideales Radioland. Die vielen Berge stehen der Aus-breitung der Radiowellen im Wege und in unzhligen

    Radio

    Der Landessender Beromnster

  • Tlern der Berggebiete war es frher schwierig bis unmg-lich, Radiosendungen zu empfangen. Dem musste abge-holfen werden. Die PTT-Betriebe lsten das Problem, in-dem sie schon ab dem Jahre 1931 als Ergnzung zur draht-losen Radioversorgung die Mglichkeit schuf, Sendungenber das Telefonnetz zu verbreiten. Die Dienstleistungwurde Telefonrundspruch genannt. Sie hatte in ihrer bes-ten Zeit ber 400 000 Abonnenten in der ganzen Schweizund verbreitete bis zu sechs Programme.

    Wellenchaos und bersee-RadioWem gehren eigentlich die Radiowellen? Allen und nie-mandem. Und da sich Radiowellen nicht um Landes-grenzen kmmern, musste die Zuteilung und Nutzunginternational geregelt werden. Noch im Jahre 1933 fanddie erste europische Wellenkonferenz statt, doch essollte nicht dabei bleiben. In den folgenden Jahrzehntenmussten immer wieder solche Konferenzen durchgefhrtwerden, da es stets Lnder gab, die sich benachteiligtfhlten oder solche, die sich nicht an die Vereinbarungenhielten.

    Als sich dann in den 30er-Jahren der zweite grosse Kriegdes Jahrhunderts abzeichnete, entstand das Bedrfnis,dieim Ausland und besonders in bersee lebenden Schweizermit Nachrichten aus der Schweiz zu versorgen. Dies warnur mittels Kurzwellen mglich (siehe auch Seite 54). Abdem Jahre 1935 konnten ber den Kurzwellensender desVlkerbundes das war eine Vorluferorganisation derheutigen UNO in Prangins bei Genf spezielle Sendun-gen fr Schweizer im entfernten Ausland ausgestrahltwerden. Drei Jahre spter wurde in Schwarzenburg eineigenes Kurzwellensendezentrum fr Sendungen nachbersee errichtet. Dieser Kurzwellensender konnte nebender bermittlung von Radioprogrammen auch fr diedrahtlose Telefonie genutzt werden.

    59

    KurzwellensenderSchwarzenburg, 1939

    Telefonrundspruch-Apparat

  • 60

    Revolution auf UKW: Das Lokalradio kehrt zurckDas Gerangel um Mittelwellenlngen oder Mittelwellen-frequenzen veranlasste die Radioleute in der Schweiz,sich mit den Mglichkeiten der Rundfunkbertragungmittels ultrakurzen Wellen zu beschftigen. Nach verschie-denen Versuchen mit der aus den USA stammendenUKW-Technik entstand immer noch unter der Regie derPTT-Betriebe zwischen 1950 und ca. 1973 ein Netz vonUKW-Sendern, das eine 99,5%-ige Abdeckung gewhr-leistete.

    Ultrakurzwellen bieten eine gute Sendequalitt, habenaber den Nachteil der geringen Reichweite. Sie eignensich somit ideal fr Radiosender mit lokalem Senderadius.Die UKW-Technik zeichnet sich jedoch noch durch eineweitere Besonderheit aus: Man kann mit relativ handlicherund im Vergleich zu Mittelwellen-Sendeanlagen kosten-gnstiger Ausrstung einen Radiosender betreiben. DieserVorteil stieg dem Schweizer Medienprofi Roger Schawinskiin die Nase: Er wollte als Privatmann Radio machen. Daswar in der Schweiz allerdings verboten, denn der Staatbesass das Radiomonopol.

    Das Ende des Staatsmonopols in der SchweizIm Jahre 1981 baute Roger Schawinski auf dem PizzoGroppera nahe Como unmittelbar an der SchweizerGrenze den damals strksten UKW-Sender Europas aufund strahlte aus 3000 Metern Hhe die ersten Privat-radiosendungen in den Grossraum Zrich. Der Piraten-streich schlug hohe Wellen und brachte schliesslich dasStaatsmonopol zu Fall: Im Jahre 1982 machte der Bundden Weg frei fr das Privatradio in der Schweiz. Heutegibt es in der Schweiz neben den ffentlich-rechtlichenSendern der SRG SSR ide suisse 40 bis 50 privateLokalradiostationen, von denen jede ihr spezielles Ziel-publikum hat.

    Hellseher. Der britische Mathe-

    matiker Arthur C. Clark schlug im

    Jahre 1942 vor, Radiosignale via

    Satelliten zu bertragen. Das war

    15 Jahre bevor die Sowjets den

    ersten knstlichen Satelliten der

    Welt, Sputnik I, ins All schossen.

    Die verrckte Radioantenne.

    Die Newark Sunday Call

    installierte 1929 im Automobil

    eines ihrer Reporter einen

    Radiosender. Die Sendeantenne

    war um Pfosten gewickelt, die

    auf der vorderen und hinteren

    Stossstange des Wagens mon-

    tiert waren.

    Radio

    Roger Schawinski auf dem Pizzo Groppera

  • Unsterbliches RadioNach einem guten Jahrhundert bewegter Geschichte istdas Radio so jung wie eh und je. Zwar geriet es in derGrnderzeit des Fernsehens etwas in den Hintergrunddes Interesses. Entgegen den Voraussagen mancher skep-tischer Medienpropheten vermochte das Fernsehen dasRadio aber nicht zu verdrngen. Im Gegenteil: Radio h-ren ist in wie nie zuvor. Mit dem Internetboom ist jetztgar das Radio hren whrend der Arbeit am PC mglich.

    Radio im InternetzeitalterNeben den klassischen Radiostationen entstanden in den90ern Internet-Broadcaster, die ihr Programm nur perMedia Stream ber das Netz verbreiteten. 1995 veranstal-tete das damals neu gegrndete Info-Radio Berlin-Brandenburg gemeinsam mit der Technischen UniversittBerlin den Streaming-Dienst Info-Radio on Demand.

    Ein hnliches Projekt fhrte der Sdwestdeutsche Rund-funk (SWF) durch: Hier wurde ein Teil des SWF-Sende-archivs digitalisiert. Mitte 1995 lagen bereits ber 190 000Stunden Wort- und Musikbeitrge vor.

    Die Medienffentlichkeit wurde auf Streaming Media um1998 aufmerksam, in der Bltezeit der New Economyalso. Es setzte eine Art automatischen Zugzwangs ein;beispielsweise begannen zahlreiche Hrfunksender, Teileihrer Programme einfach deshalb zu streamen, weil esandere auch taten.

    61

    > Das Wichtigste in KrzeWellenreiten in der Schweiz.

    1905 Die schweizerische Armeemacht erste Versuche mit Radio-telegrafie.

    1923 Mit den Funkanlagen aufden Flugpltzen Genf, Lausanneund spter auch Zrich Klotensenden Radioklubs in den Flugpausen einfache Radiopro-gramme.

    23. August 1923 Auf demHnggerberg in Zrich wird dieerste Schweizer Sendeanlagefr Radiozwecke gebaut. In ver-schiedenen Schweizer Stdtenwerden Radiogenossenschaftengegrndet, die lokale Programmeausstrahlen.

    26. Februar 1931 Die lokalenRadiogenossenschaften schlies-sen sich zur SchweizerischenRundfunkgesellschaft SRGzusammen. Diese erhlt dieKonzession fr die Rundfunksen-der in der Schweiz. Die schwei-zerischen PTT-Betriebe werdenmit dem Bau der Sendeanlagenbeauftragt.

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    Ende 2002, also Mitten in der Krise der kommerziellenInternet-Nutzung, startete America Online das exklusiveRadioprogramm Broadband [email protected] fr seine Breit-band-Kunden.

    Als Internetradio bezeichnet man ein InternetbasiertesAngebot an Radiosendungen. Die bertragung erfolgti.d.R. als Streaming Audio. Als Internet-Broadcaster be-zeichnet man einen Internet-Sender, der entweder nur imInternet sendet oder zumindest seine Erstverwertung imInternet durchfhrt und Teile des Programms dann spteran andere Stationen verkauft.

    Internet-Broadcasting unterscheidet sich von konventio-nellen Sendern vor allem durch die im Vergleich zu her-kmmlichen Stationen geringere Hrerzahl. Ein Beispielsind Universittssender, die ihre Programme ber dasInternet bereitstellen. In diesen Fllen wird der BegriffWebradio auch synonym fr den Anbieter oder das Pro-gramm verwendet. Solche kleinen, manchmal auch nurvon Privatpersonen betriebenen Webradios bewegen sichoft in einer rechtlichen Grauzone. Insbesondere verfgensie oft nicht ber die notwendigen Rechte, um urheber-rechtlich geschtzte Musik zu senden.

    1931/32 Die LandessenderSottens (Westschweiz), Bero-mnster (Deutschschweiz) undMonte Ceneri (Tessin) nehmenden Betrieb auf.

    1931 Mit der Einrichtung desTelefonrundspruches knnenRadiosendungen auch strungs-frei ber das Telefonnetzempfangen werden.

    1938/40 In Schwarzenburgwird ein Kurzwellensendezen-trum errichtet und in Betriebgenommen.

    1950 bis 1973 In der Schweizentsteht ein flchendeckendesNetz von UKW-Sendern.

    1982 Das Staatsmonopol frden Betrieb von Radiostationenwird abgeschafft. Auch in derSchweiz hlt das PrivatradioEinzug.

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