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    Neue Institutionenkonomik

    Skript und Aufgaben SS 2013

    Lehrstuhl fr Volkswirtschaftstheorie

    Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff

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    Zur Verwendung des Skripts

    Dieses Skript dient der Nachbereitung des Vorlesungsstoffs. Es ergnzt und vertieft den Vor-

    lesungsstoff sowie die Folien zur Vorlesung. Um eine ideale Verknpfung von Vorlesung und

    Skript zu erzielen, sollten Sie stichwortartige Mitschriften auf den Vorlesungsfolien erstellen.

    Das Skript hat nicht zum Ziel, den Vorlesungsbesuch zu ersetzen. Es erhebt nicht den An-

    spruch auf Vollstndigkeit. Viele Ausfhrungen, graphische Darstellungen und formale Her-

    leitungen erschlieen sich erst mit Hilfe eines parallelen Besuchs der Vorlesung. Klausurrele-

    vant ist der in der Vorlesung behandelte Stoffumfang.

    Literatur

    Furubotn, E.G. und R. Richter (2005), Institutions and Economic Theory, (Ann Arbor:

    University of Michigan Press), 2nd edition.

    Erlei, M, M. Leschke und D. Sauerland (1999), Neue Institutionenkonomik, (Stutt-

    gart: Schfer-Poeschel).

    Douma, S. und H. Schreuder (2008), Economic Approaches to Organizations, 4th edi-

    tion (Harlow: Pearson Education).

    Gravelle, H. und R. Rees (2004), Microeconomics, 3. Aufl. Prentice Hall.

    Voigt, S. (2009), Institutionenkonomik, 2. Aufl. UTB-Taschenbuch.

    Williamson, O.E. (1985), The Economic Institutions of Capitalism: Firms, Markets,

    Relational Contracting, (New York: The Free Press).

    Die relevante Literatur und weitere Quellen werden zu jedem Abschnitt separat angegeben

    und liegen elektronisch bereit.

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    Was sind Institutionen?

    Unter Institutionen verstehen wir ein System von formellen oder informellen Regeln, inklusi-

    ve der Methoden ihrer Durchsetzung. Douglas North schreibt hierzu, dass Institutionen die

    Regeln eines Spiels in einer Gesellschaft sind. Sie sind die von Menschen erdachten Be-

    schrnkungen menschlicher Interaktion. Dementsprechend gestalten sie die Anreize im zwi-

    schenmenschlichen Tausch, sei dieser politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher

    Art. Regeln beschrnken dabei menschliches Verhalten und lenken es. Notwendig ist hierfr,

    dass Regeln allgemein bekannt sind. Damit verringern sie strategische Unsicherheit, also Un-

    sicherheit bezglich des Verhaltens anderer.

    Regeln fr individuelles Verhalten

    Menschen legen sich auch Regeln zu, die fr andere unwichtig sind und keinen Einfluss auf

    Interaktion haben. Dies sind insbesondere Regeln, mit denen Menschen vermeiden, Wichtiges

    zu vergessen oder ihre langfristigen Ziele aus den Augen zu verlieren. Beispiele hierzu sind:

    Vor dem Schlafen Zhne putzen Ziel: Vergesslichkeit vermeiden.

    Eigenes Auto erst kaufen, wenn ein ordentlicher Job das Einkommen bringt Ziel:

    berschuldung vermeiden.

    Den Gastgeber einer Party bitten, den Autoschlssel zu verstecken Ziel: Vorkehrung

    gegen unvernnftiges Verhalten im spter alkoholisierten Zustand.

    Das Girokonto im Minus lassen um sich fr berhhten Konsum zu bestrafen Ziel:

    Selbstbestrafung als Mittel zur Disziplinierung.

    Solche Regeln zhlen nicht zu den Institutionen.

    Beispiel 1: Sammeln von Treibholz

    Sugden (1989) beschreibt das Verhalten von Bewohnern eines Fischerdorfes in Yorkshire

    beim Sammeln von Treibholz. Hierbei gab es ein ungeschriebenes Gesetz: Wer immer zuerst

    nach einer Flut bei einem Kstenabschnitt eintraf, durfte sich nehmen was er wollte. Hierbei

    Abschnitt 1: Institutionen und Transaktionen

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    durfte kein spter Eintreffender sich einmischen. Das gesammelte Holz durfte er oberhalb der

    Flutlinie stapeln und jeden Stapel mit zwei Steinen auf der Spitze als sein Eigentum markie-

    ren. Hatte er den Stapel aber nach zwei weiteren Fluten nicht abtransportiert, so erlosch sein

    Eigentumsrecht. Wir wissen weder, seit wann diese informelle Regelung in Kraft war, noch,

    warum sich die Menschen daran hielten. Es gab sicherlich keine Gerichte und keine Polizei,

    welche sich fr die Durchsetzung dieser Regelung engagiert htten. Aber wir wissen, dass sie

    beachtet wurde. Es handelt sich hierbei um eine informelle Institution (spontane Ordnung),

    welche ohne eine hhere Instanz von den Individuen respektiert wird.

    Formelle vs. Informelle Regeln

    Formelle Regeln sind typischerweise schriftlich verfasst. Sofern sie vom Staat eingesetzt und

    gerichtlich durchsetzbar sind, sprechen wir auch von externen Institutionen. Zwischen pri-

    vaten Parteien ausgehandelte Vereinbarungen schaffen auch formelle Regeln, mssen aber

    nicht unbedingt vom Staat durchgesetzt werden (interne Institution).

    Informelle Regeln sind interne Institutionen, die nicht schriftlich verfasst sind. Sie basieren

    oftmals auf Brauchtum und Sitte und werden teilweise durch soziale Sanktionen durchgesetzt.

    Konventionen, Normen, Sitten

    Konventionen sind selbstdurchsetzend (Beispiel Straenverkehr oder Sprache). Jeder hat ei-

    nen Vorteil davon, sich an eine Konvention zu halten und dies auch von anderen zu erwarten.

    Normen stellen eine weitere Form der internen Institution dar. Hierbei werden Regeln interna-

    lisiert und prgen individuelles Handeln. Hierfr ist zumeist notwendig, dass erwartet wird,

    dass auch andere gem dieser Norm handeln und eine solche Handlung von einem Individu-

    um erwarten (Beispiel Mlltrennung). Eine explizite Sanktionsdrohung ist fr ihre Gltigkeit

    nicht erforderlich.

    Sitten stellen eine dritte Form der internen Institution dar. Sie beinhalten, dass Privatpersonen

    bereit sind, Fehlverhalten zu sanktionieren, sei es durch verbale uerungen oder Bestrafung

    (Beispiel Treibholzsammeln; Aufrumen der Wiese nach dem Grillen). Sanktionen knnen

    entweder von unmittelbar Betroffenen erfolgen (bestohlene Treibholzsammler) oder von un-

    beteiligten Dritten, die Mhe in die fortbestehende Geltung einer Sitte investieren.

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    Sind Institutionen effizient?

    Manche Institutionen frdern Effizienz, z.B. indem sie den Arbeitsaufwand reduzieren oder

    Anreize zu Innovationen setzen. Andere sind ineffizient. Das Beispiel zum Sammeln von

    Treibholz erscheint effizient. Es werden schnell Eigentumsrechte vergeben, und zwar in einer

    Art, welche hilft, Kosten zu vermeiden und Anreize gut zu setzen. Wrden viele beim Sam-

    meln von Treibholz konkurrieren, so wrde man zuerst mit hoher Geschwindigkeit die guten

    Stcke einsammeln. Dabei msste man evtl. Umwege gehen oder aber mit halb geflltem

    Sack zum Stapel laufen. So aber kann das Einsammeln effizient durchgefhrt werden. Das

    Eigentum am Stapel hilft wiederum, Aufwendungen fr einen Wachtposten zu vermeiden.

    Beispiel fr eine ineffiziente Institution: Besetzen von Bibliothekspltzen mit eigenen B-

    chern, ohne den Platz zu gebrauchen. Dies ist eine Institution, denn es gilt die informelle Re-

    gel, dass der Arbeitsplatz durch Ablage eines Buches reserviert wird. Diese Regel ist bekannt

    und wird eingehalten.

    Wie unterscheiden sich Institutionen von Organisationen?

    Institutionen sind begrifflich zu unterscheiden von Organisationen. So ist z.B. der Internati-

    onale Whrungsfonds im hier verwendeten Sprachgebrauch keine Institution, sondern eine

    Organisation. Organisationen sind eine Gruppe von Personen, welche ein gemeinsames Ziel

    verfolgen. Organisationen werden dabei auch als the personal side of institutions aufge-

    fasst. Organisationen mssen sich in jedem Fall auch Regeln zulegen, damit sie effektiv arbei-

    ten knnen. So hat jede Organisation auch Elemente einer Institution. Der Begriff der Institu-

    tion stellt jedoch nicht auf die physische Existenz ab, sondern auf den Bestand an Regeln

    und gegenseitigen Handlungserwartungen. Das eine Firma begrndende Netzwerk von Ver-

    trgen bildet die Institution, die ber die Firma miteinander verbundenen Individuen die Or-

    ganisation.

    Was versteht man unter einer Transaktion?

    Mit Institutionen werden die Spielregeln menschlicher Interaktion bestimmt. Sie teilen ver-

    schiedenen Akteuren einzelne Rechte zu. Als Transaktionen bezeichnen wir dann die Spiel-

    zge im Rahmen dieser Regeln. Zur Definition existieren zwei verschiedene Anstze.

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    1. Transaktion als physische bertragung

    Williamson (1985: 1): A transaction occurs when a good or service is transferred across a

    technologically separable interface. One stage of activity terminates and another begins.

    Hierbei findet also eine physische Auslieferung oder bergabe von einer (natrlichen

    oder juristischen) Person an eine andere statt, wobei auf jeder Stufe eine Aktivitt in Bezug

    auf ein Gut oder eine Dienstleistung erfolgt.

    Wie bereits A. Smith (1776) feststellte, besteht die Produktion von Stecknadeln aus vielen

    einzelnen Transaktionen. Ein Arbeiter zieht zunchst den Draht, ein anderer muss ihn gltten,

    ein dritter ihn in Stcke schneiden, ein vierter die Spitze schrfen, ein fnfter das Ende fr

    den Kopf schleifen, usw. Auf jeder Stufe erfolgt eine Aktivitt und danach wechselt das Pro-

    dukt die Hnde. Diesen Wechsel wrden wir demnach als Transaktion bezeichnen. Wenn hier

    von good or service gesprochen wird, so sind hierunter nicht nur materielle un