Integrierte Schädlingsbekämpfung als neuer Weg im Pflanzenschutz

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    14-Aug-2016

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<ul><li><p>XXXVII. Jahrgang Heft 6</p><p>ANZEIGER FUR SCHADLINGSKUNDE</p><p>vereinigt mit</p><p>SC HAD LINGS BE KAMPFUNG</p><p>Begrundet 1925 von Geh .-Rat Prof. Dr. med. et. p hil. Dr . h . c . Dr. h. c . K. Escherich T and Prof. Dr . F . Stellwaag</p><p>Aus dem Landespflanzenschutzamt Rheinland-Pfalz, Mainz</p><p>Integrierte Schadlingsbekampfung als neuer Weg</p><p>im Pflanzenscbutz</p><p>Von W. HERFS</p><p>Unter Pflanzenschutz" verstehen wir die Be-</p><p>muhungen des Menschen, die von ihm angebau-</p><p>ten Pflanzen vor einer Wertminderung oder gar</p><p>Vernichtung durch Schadlinge, Krankheiten,</p><p>Klimaeinfliisse oder andere Faktoren zu schiit-</p><p>zen. Darin sind samtliche Kulturpflanzen ein-</p><p>begriffen einschliel3lich der daraus gewonnenen</p><p>Produkte; letztere zu erhalten, ist Aufgabe des</p><p>Vorratsschutzes" . Umfang and Aufwand der</p><p>jeweiligen Pflanzenschutzmallnahme richten sich</p><p>verstandlicherweise nach dem Wert der zu schiit-</p><p>zenden Pflanzenart .</p><p>Man kann grundsatzlich drei Gruppen von</p><p>Pflanzenschutzmal3nahmen unterscheiden : 1 . che-</p><p>mische, 2. biologische and 3 . Kulturmallnahmen .</p><p>Jede dieser Gruppen laBt sich wiederum in vor-</p><p>beugende Aktionen (Pflanzenhygiene) and be-</p><p>handelnde bzw . heilende Malnahmen (Pflanzen-</p><p>therapie) unterteilen .</p><p>Chemische and biologische Schadlingsbekamp-</p><p>fung haben sich weitgehend nebeneinander ent-</p><p>wickelt (MAYER, 1959 ; FRANZ, 1961) . Erst um die</p><p>dreil3iger Jahre dieses Jahrhunderts hat mit zu-</p><p>nehmender Intensivierung der Land- and Forst-</p><p>wirtschaft die chernische Schadlingsbekampfung</p><p>immer mehr an Bedeutung gewonnen and ist</p><p>nach dem zweiten Weltkriege durch die Entwick-</p><p>lung hochwirksamer and vielfach auch hochgif-</p><p>tiger Substanzen bei gleichzeitigem Grolleinsatz</p><p>zu einem Hohepunkt gelangt . Die biologische Be-</p><p>kampfung stand zunachst mehr im Hintergrund,</p><p>wenn man von den klassischen Erfolgen dieser</p><p>Methode um die Jahrhundertwende and in den</p><p>darauffolgenden Jahren in Nordamerika absieht .</p><p>Der Aufstieg der Schadlingsbekampfung be-</p><p>gann in Deutschland mit dem organisierten Auf-</p><p>bau der angewandten Entomologie als Wissen-</p><p>schaft, der durch ESCHERICH eingeleitet wurde</p><p>(ESCHERICH, 1912, s . auch SCHIMITSCHEK, 1963) .</p><p>Jedoch kam nicht nur die Anregung, sondern</p><p>auch ein grol3er Teil der bier notwendigen</p><p>Grundlagenforschung aus den Kreisen der Forst-</p><p>entomologie. Zu den noch heute aktuellen Un-</p><p>tersuchungen der damaligen ,Pionierzeit" ge-</p><p>horen die okologischen Arbeiten von FRIEDERICHS</p><p>Juni 1964</p><p>(1927, 1937), ZWOLFER (1931, 1933) and SCHIMIT-</p><p>SCHEK (1931) . Die Bedeutung von Massenwechsel</p><p>and Umweltfaktoren wurde von BODENHEIMER</p><p>(1928, 1930), ZWOLFER (1932), FRIEDERICHS (1939,</p><p>1943), JANISCH (1939) and SCHEDL (1939) unter-</p><p>SuCht. SCHIMITSCHEK (1931) and UVAROV (1931)</p><p>studierten den Einflul3 des Klimas auf die Insek-</p><p>ten. Besonderes Augenmerk auf biozonotische</p><p>Untersuchungen richtete damals THIENEMANN</p><p>(1918, 1920, 1925) im Bereiche der Hydrobiologie</p><p>sowie FRIEDERICHS (1930) and ZWOLFER (1933) inl</p><p>Forstschutz . SCHIMITSCHEK (1939) erkannte die</p><p>Auswirkungen der Kulturmallnahmen auf die</p><p>Biozonose des Waldes . So lieien sich noch zahl-</p><p>reiche Beispiele fiir die vielseitige Entfaltung der</p><p>angewandten Entomologie in jenen Jahren</p><p>nennen. Alle these Arbeiten haben das Funda-</p><p>ment des heutigen Pflanzenschutzes gelegt, wo-</p><p>bei sie vorwiegend der biologischen Schadlings-</p><p>bekampfung zugute kommen . Die fast gleichzei-</p><p>tig erfolgte Entwicklung der chemischen Schad-</p><p>lingsbekampfung hat trotz ihrer hervorragenden</p><p>Erfolge zu beachtlichen Schwierigkeiten gefiihrt .</p><p>Die bereits erwahnte Intensivierung der Land-</p><p>und Forstwirtschaft in den letzten 20 Jahren</p><p>hatte verstandlicherweise eine entsprechende In-</p><p>tensivierung der Pflanzenschutzmaf3nahmen zur</p><p>Folge, die sich vor allem auf die chemischen</p><p>Methoden auswirkte, zumal vielfach kultur-</p><p>bedingte Zunahmen der Schadlingskalamitaten</p><p>auftraten. Der damit begriindete massierte Ein-</p><p>satz chemischer Pflanzenschutzmittel hat in zu-</p><p>nehmendemMaf3e zu nachteiligenNebenwirkun-</p><p>gen gef-dhrt. BARNER (1953) gibt in seiner Biblio-</p><p>graphie der Pflanzenschutzliteratur 87 Arbeiten</p><p>an, die von 1940 bis 1945 fiber Schadigungen</p><p>durch Pflanzenschutzmittel veroffentlicht wurden .</p><p>Allein fur 1951 werden von BARNER (1955) 153</p><p>diesbezdgliche Veroffentlichungen zitiert . Im</p><p>Rahmen dieser Untersuchungen stellte man u . a .</p><p>fest, da13 bei dem Gebrauch der vielfach iiblichen</p><p>breitenwirksamen chemischenSchadlingsbekamp-</p><p>fungsmittel nicht nur die in Frage kommenden</p><p>Schadlinge, sondern dariiber hinaus auch die</p><p>meisten auf den behandelten Pflanzen lebenden</p></li><li><p>82</p><p>W. HERFS : Integrierte Schadlingsbekampfung als neuer Weg im Pflanzenschutz</p><p>anderen Arthropoden getotet werden, unter</p><p>denen sich eine grol3e Anzahl niitzlicher Arten</p><p>befindet . Im Gegenteil konnte in etlichen Fallen</p><p>nachgewiesen werden, daB die Nutzlinge emp-</p><p>findlicher gegen viele chemische Substanzen</p><p>Bind als die Schadlinge . Letztere wiederum zeig-</p><p>ten in immer zunehmendem Mane Resistenz-</p><p>erscheinungen, besonders bei langjahriger An-</p><p>wendung des gleichen Wirkstoffes (s . auch</p><p>FRANZ, 1960 ; HEIDENREICH, 1960) . Eine Erhohung</p><p>der Wirkstoffkonzentration bzw . eine Vermeh-</p><p>rung der Behandlungen erwies sich nur in ge-</p><p>wissen Grenzen als sinnvoll . Ratsamer ist in</p><p>solchen Fallen, andersartige Praparate bzw .</p><p>Wirkstoffe einzusetzen (ZEUMER und KLIMMER,</p><p>1.964). In einigen Fallen wurde sogar eine for-</p><p>dernde Wirkung auf Schadlingspopulationen be-</p><p>ziiglich ihrer Vermehrungsrate festgestellt, wie</p><p>bei Spinnmilben nach DDT-Behandlung (s . auch</p><p>FRANZ, 1960) . Hinzu kommt, daB im Verlaufe</p><p>vieler Jahre betrachtliche Mengen von natur-</p><p>fremden chemischen Verbindungen in den Boden</p><p>gelangen konnen, die viele Arten der Boden-</p><p>tiere schadigen oder gar toten . Da ein GroBteil</p><p>dieser Tiere aber fur Qualitat und Fruchtbarkeit</p><p>des Bodens mitverantwortlich ist, konnen sich</p><p>auch hier nachteilige Folgen einstellen, Die che-</p><p>mischen Pflanzenschutzmittel werden je nach</p><p>Art und Gehalt ihres Wirkstoffes unterschiedlich</p><p>zersetzt, so daB auf den behandelten Pflanzen</p><p>Rtickstande auftreten (s . auch MATER-BODE, 1963) .</p><p>Wenn die zu.lassigen , Toleranzen" iiberschritten</p><p>werden, konnen beim Menschen Gesundheits-</p><p>storungen auftreten; letzteres ist in West-</p><p>deutschland infolge strenger Uberwachung und</p><p>standigem Ausbau der Ruckstandsforschung his-</p><p>her nicht nachgewiesen worden (MATER-BODE,</p><p>1963) . Dennoch sind durch unvorschriftsmaBige</p><p>Anwendung der chemischen Pflanzenschutz-</p><p>mittel sowie durch Unglucksfalle nachteilige</p><p>Auswirkungen moglich(SMITH,</p><p>1963 ; ZEUMER. und</p><p>KLIMMER, 1964) . In etlichen Landern hat man</p><p>festgestellt, daB das biologische Gleichgewicht</p><p>durch einen iibermaBigen Einsatz cherischer</p><p>Pflanzenschutzmittel stark gestort werden kann</p><p>(FRANZ, 1961 ; SMITH, 1963) . Diese Storung wird</p><p>durch manche zweckbedingten einseitigen Kul-</p><p>turmal3nahmen in der Land- und Forstwirschaft</p><p>noch erhoht . Gleichzei.tig werden hierdurch viele</p><p>Schadlinge begiinstigt ; denn einseitige Kultur-</p><p>mal3nahmen, wie vor allem Monokulturen, bie-</p><p>ten den darin lebenden Schadlingen beste</p><p>Lebensmoglichkeiten (REINMUTH, 1942 ; ScHIMIT-</p><p>SCHEK, 1942, 1951 ; NEF, 1961) . Hier steht ihnen</p><p>eine giinstige Futterpflanze in grollen Mengen</p><p>zur Verfiigung, wahrend die Entwicklungsbedin-</p><p>gungen fur die natiirlichen Feinde dieses Schad-</p><p>lings oftmals ungiinstiger rind . In gemischten</p><p>Kulturen dagegen haben schadliche und ntiitz-</p><p>liche Tiere oft annahernd ahnliche Existenz-</p><p>moglichkeiten ; das naturliche biologische Gleich-</p><p>gewicht kann sich hier viel besser einspielen,</p><p>wodurch Schadlingskalamitaten seltener Bind</p><p>(s . EscHERICH, 1935 ; SCHIMITSCHEK, 1956) .</p><p>Wie aus dem Gesagten hervorgeht, darf man</p><p>bei intensiver Anwendung chemischer Pflanzen-</p><p>schutzmittel nicht nur den unmittelbar sicht-</p><p>baren Erfolg gegen die zu bekampfenden Schad-</p><p>linge beachten, sondern mull auch die vielfal-</p><p>tigen Nebenwirkungen beriicksichtigen und rich-</p><p>tig einschatzen . Dabei kann es durchaus vor-</p><p>kommen, daB die Nachteile einer solchen Be-</p><p>bandlung schwerwiegend.er Bind als der erziel-</p><p>bare Erfolg, wie anhand der Beispiele von der</p><p>Anwendung arsenhaltiger Pflanzenschutzmittel</p><p>im Weinbau oder von Aldrin und Dieldrin bei</p><p>Mohren, Rettich und Radieschen deutlich wird</p><p>(MATER-BODE, 1963) . Extreme Beispiele fur die</p><p>Folgen einer unmaligen Anwendung chemische .r</p><p>Pflanzenschutzmittel haben wir in den Vereinig-</p><p>ten Staaten von Nordamerika. Dort wurden</p><p>lange Jahre riesige Flachen landwirtschaftlichen</p><p>und forstlichen Kulturlandes mit grolen Mengen .</p><p>hochwirksamer Schadlingsbekampfungsmittel be-</p><p>handelt, wobei die Einsatze vielfach mit Flug-</p><p>zeugen oder Hubschraubern erfolgten . Darauf-</p><p>bin ist 1962 in den USA ein Buch erschienen,</p><p>welches - allerdings in krasser, nicht immer</p><p>objektiver Form - auf die teils eingetretenen,</p><p>tells moglichen Folgen dieser Schadlingsbekamp-</p><p>fung hinweist. Das Buch heiBt Silent Spring"</p><p>und ist auch in deutscher Sprache unter dem</p><p>Titel Der stumme Fruhling" zu haben . Die</p><p>Autorin Rachel CARSON hat darin anhand der</p><p>ihr zuganglichen Forschungsergebnisse alle</p><p>Nebenwirkungen und nachteiligen Folgen der</p><p>chemischen Schadlingsbekampfung aufgezahlt,</p><p>wobei sie - wohl bewult - einen erschrecken-</p><p>den Eindruclc erweckt. Das Buch hat zu zahl-</p><p>reichen in- und auslandischen Kritiken an pflan-</p><p>zenschutzlichen Verfahren AnlaB gegeben . Es</p><p>enthalt jedoch auch deutliche Hinweise auf die</p><p>Probleme, mit denen der moderne Pflanzen-</p><p>schutz zu kampfen hat, wenn auch leider in</p><p>einer vollig einseitigen Form. Das Buch basiert</p><p>zwar auf den amerikanischen Verhaltnissen,</p><p>kann aber auch fur den europaischen Pflanzen-</p><p>schutz in einigen Punkten richtungweisend sein .</p><p>Der President der Vereinigten Staaten hat nach</p><p>dem Erscheinen des Buches von CARSON seinen</p><p>wissenschaftlichen AusschuB eingesetzt, um die</p><p>Auswirkungen chemischer PflanzenschutzmaB-</p><p>nahmen in den USA zu prufen . Dieser AusschuB</p><p>fertigte im Jahre 1963 einen sachlichen Bericht</p><p>caber den Gebrauch von Pestiziden in den USA</p><p>an. Auch in Westdeutschland hat das genannte</p><p>Buch und dieser Bericht grofes Interesse ge-</p><p>funden und zu Anfragen im Bundestag gefuhrt .</p><p>Wie bereits erwahnt, rind SofortmaBnahmen</p><p>zur Eindammung von Schaden durch Pflanzen-</p><p>schutzmittell bei uns infolge der gegeni ber den</p><p>USA weitaus ginstigeren Situation wohl nicht</p><p>erforderlich (ZEUMER und KLIMMER, 1964, LEIB,</p><p>1964) . Allerdings zeigen die gewonnenen Er-</p></li><li><p>W. HERFS : Integrierte Schadlingsbekampfung als neuer Weg im Pflanzenschutz</p><p>kenntnisse deutlich, daf3 man die chemischen</p><p>Pflanzenschutzmalinahmen an die biologischen</p><p>Notwendigkeiten anpassen mull .</p><p>Eine wichtige Voraussetzung fur diese Anpas-</p><p>sung ist die Kenntnis der Wirkung eines jeden</p><p>Pflanzenschutzmittels auf die Nutzlinge, denn bei</p><p>jeder Behandlung von Pflanzen oder Pflanzen-</p><p>teilen mit chemischen Praparaten werden niche</p><p>nur die Schadlinge, sondern auch die Nutzlinge</p><p>getroffen, ganz abgesehen von den auflerdem</p><p>vorhandenen Indifferenten, die weder als Nutz-</p><p>linge noch als Schadlinge angesehen werden . Die</p><p>Nutzlinge aber konnen nur dann zur Wirkung,</p><p>d. h. zur Vernichtung der Schadlinge kommen,</p><p>wenn sie durch die Behandlung nicht geschadigt</p><p>oder getotet werden. So mull man stets die</p><p>ganze Biozonose berucksichtigen, wenn man</p><p>gegen eine oder einige Schadlingsarten auf</p><p>einer Pflanzenart vorgehen will (siehe auch</p><p>STEINER, 1956, 1959, 1962 a and b ; NEUFFER, STEI-</p><p>NER and GAUDCHAU, 1960 ; BESEMER, 1963) . Derar-</p><p>tige Forschungen and Beobachtungen dauern oft</p><p>viele Jahre and erfordern erfahrene Spezialister_ .</p><p>Auf diese Weise hat man bei einer ganzen Reihe</p><p>chemischer Pflanzenschutzmittel der verschieden-</p><p>sten Wirkstoffgruppen festgestellt, dal3 sie zwar</p><p>die in Frage kommenden Schadlinge abtoten,</p><p>aber die entsprechenden Nutzlinge weitest-</p><p>gehend schonen. Diese Praparate haben eine ge-</p><p>ringere Breitenwirkung, Bind also spezifischer in</p><p>ihrer Wirkung (STEINER, 1960, 1962b ; BESEMER,</p><p>1963 ; EVENHUIS and Van de VRIE, 1963 ; De JONG,</p><p>1963 ; MATHYS and BAGGIOLINI, 1963 ; WILDBOLZ,</p><p>1963) . Ferner mull man unterscheiden zwischen</p><p>den persistenten Praparaten, die eine lang-</p><p>anhaltende Wirksamkeit besitzen, wie beispiels-</p><p>weise viele chlorierte Kohlenwasserstoffe, and</p><p>auf der anderen Seite den kurzlebigen Prapa-</p><p>raten, die sehr schnell abgebaut werden, wie</p><p>einige organische Phosphorverbindungen . Audi</p><p>ist die Giftigkeit der einzelnen chemischen</p><p>Pflanzenschutzmittel recht unterschiedlich (HOLz</p><p>and LANGE, 1962 ; DREES, 1963 ; MAIER-BODE, 1963) .</p><p>Alle diese Angaben mussen laufend fur jedes</p><p>chemische Pflanzenschutzmittel festgestellt and</p><p>erganzt werden .</p><p>Durch die vorgenannte Entwicklung im che-</p><p>mischen Pflanzenschutz bedingt, hat auch die</p><p>biologische Schadlingsbekampfung nach demm</p><p>zweiten Weltkriege zunehmend an Bedeutung</p><p>gewonnen. Auf der Suche nach anderen, weniger</p><p>gefahrlichen Bekampfungsmethoden hat man</p><p>sich der Moglichkeiten entsonnen, die die Natur</p><p>selbst geschaffen hat, um das Gleichgewicht zwi-</p><p>schen den einzelnen Tierarten herzustellen bzw .</p><p>zu erhalten . Da die hierzu erforderlichen Grund-</p><p>lagen der okologischen bzw . biozonotischen For-</p><p>schung schon seit einigen Jahrzehnten intensiv</p><p>erarbeitet wurden (s . auch Seite 1) and laufend</p><p>vervollstandigt werden (LEITNER, 1946 ; ESCHERICH,</p><p>1.949 ; SCHWENKE, 1953; PEus, 1954 ; TISCHLER, 1955 ;</p><p>SCHWERDTFEGER, 1956 ; BALOGH, 1.958 ; SCHWERDT-</p><p>83</p><p>FEGER, 1963 u . a . m.), hat die biologische Me-</p><p>thode bereits recht ansehnliche Erfolge zu ver-</p><p>zeichnen . Diese verdienen in Anbetracht der</p><p>aullerst kompliziertenZusammenhange im natiir-</p><p>lichen Lebensraum besondere Beachtung . Spe-</p><p>ziell die mikrobiologische Schadlingsbekamp-</p><p>fung machte seit den Jahren nach 1950 gewal-</p><p>tige Fortschritte, als man lernte, die Erreger</p><p>natdrlicher Insektenkrankheiten in groflem Mafle</p><p>zu kultivieren and zu sog. biologischen Prapa-</p><p>raten zu verarbeiten . Hierbei handelt es sich</p><p>vorwiegend um insektenpathogene Pilze (MuL-</p><p>LER-KOGLER, 1964), Viren, Rickettsien and Bak-</p><p>terien (KRIEG, 1961 a), die unter den Schadlingen</p><p>ein seuchenhaftes Massensterben hervorrufen,</p><p>ohne dabei den Nii.tzlingen zu schaden . Diese</p><p>Erreger wirken namlich infolge ihrer hohen</p><p>Spezifitat zumeist nur gegen eine einzige oder</p><p>einzelne Insektenarten pathogen, wahrend sie</p><p>nach dem heutigen Stand unserer Kenntnisse</p><p>gegen alle anderen Lebewesen vollig harmlos</p><p>Bind. Somit bilden sie auch fur den Menschen</p><p>and seine Haustiere keinerlei Gefahr . Von den</p><p>hierher gehorenden insektenpathogenen Mikro-</p><p>organismen ist der Bacillus thuringiensis Ber-</p><p>liner wohl am besten untersucht and am weit-</p><p>gehendsten erprobt worden (KRIEG, 1961 b) . Mit</p><p>industriell hergestellten Praparaten dieses Ba-</p><p>zillus werden bereits seit einigen Jahren in</p><p>vielen europaischen and aullereuropaischen</p><p>Landern gute Erfolge gegen schadliche Lepidop-</p><p>teren erzielt, wobei an dieser Stelle nur auf</p><p>einige eigenen Arbeiten verwiesen werden soil,</p><p>die weitere Literatur enthalten (HERFS, 1961 a,</p><p>1964; HERFS and KRIEG, 1963) . Die genannten bio-</p><p>logischen Praparate haben den weiteren Vorzug,</p><p>dal3 sie vom Landwirt wie jedes vergleichbare</p><p>chemische Pflanzenschutzmittel mit den i1blichen</p><p>Spritz-, Spriih-, Nebel- and Staubegeraten aus-</p><p>gebracht werden k...</p></li></ul>