Kapitel 1 Grundbegriffe Linguistik Sprache

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Sprachelehrenundlernen WS2011/12 YvonneKathrein

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InhaltKapitel 1: Allgemeine Grundbegriffe ..................................................................................................... 3 1.1 Was ist Linguistik? ..................................................................................................................... 3 1.2 Was ist Sprache? ......................................................................................................................... 4 1.2.1 Sprache als Alltagsbegriff ................................................................................................. 4 1.2.2 Sprache als Gegenstand der Linguistik .......................................................................... 5 1.2.2.1 Geschriebene vs. gesprochene Sprache ..................................................................... 6 1.2.2.2 Theorien zur Sprache .................................................................................................... 7 1.2.2.3 Sprache: Materialobjekt vs. Formalobjekt ............................................................... 11 1.3 Wie gehen LinguistInnen bei der Untersuchung von Sprache vor? ............................... 14

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Kapitel1: AllgemeineGrundbegriffe1.1 WasistLinguistik?

Linguistik [Sprachwissenschaft]: Wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Beschreibung und Erklrung von Sprache, Sprachen und sprachlicher Kommunikation befasst. [] Das Gesamtgebiet der Sprachwissenschaft ist in eine Reihe einzelner Teildisziplinen gegliedert, die sich in Gegenstandsbereichen, Methoden und Erkenntnisinteressen vielfach scharf voneinander unterscheiden. Kern der Sprachwissenschaft ist die Erforschung von sprachlichen Zeichen auf unterschiedlichen Hierarchieebenen, in die Sprachen zum Zwecke ihrer Beschreibung eingeteilt werden, nmlich Phonetik und Phonologie, Graphematik, Morphologie, Wortbildung, Syntax, Semantik. Textlinguistik und Stilistik befassen sich mit sprachlichen Einheiten jenseits der Satzebene. In der linguistischen Pragmatik werden die Bedingungen und Regularitten sprachlichen Handelns untersucht. (Glck 2010: 657f)

Die drei wichtigsten Aspekte dieser etwas wuchtigen Definition sind: SPRACHE, BESCHREIBUNG und ERKLRUNG. Das ist es, was Linguist/innen tun. Wie machen sie das? Sie benutzen dazu Techniken (Methoden) und eine eigene Fachsprache, deren Grundlagen in dieser Einfhrung nhergebracht werden sollen. LINGUISTIK ist eine neuere, und im Hinblick auf die Entsprechungen in anderen Sprachen (engl. linguistics, frz. linguistique, it. linguistica, sp. lingstica), auch internationalere Bezeichnung fr den herkmmlichen Begriff SPRACHWISSENSCHAFT. Es gibt im deutschen Sprachraum allerdings Tendenzen einer Bedeutungsverschiebung, wobei die Bezeichnung Linguistik speziell fr die moderne, strukturalistisch orientierte Sprachwissenschaft verwendet wird. Besonders in der Pluralform Sprachwissenschaften wird Sprachwissenschaft hufig auch gleichbedeutend mit Philologie [= Sprach- und Literaturwissenschaft] benutzt. Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slawistik etc. sind Sprachwissenschaften in diesem Sinne. Im vorliegenden Skriptum werden allerdings Linguistik und Sprachwissenschaften synonym [= gleichbedeutend] gebraucht. Daraus ergibt sich zumindest eine Frage: Was ist denn der Gegenstand der Linguistik nmlich Sprache berhaupt? Das soll im Folgenden nher erlutert werden.

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1.2 WasistSprache?1.2.1 SPRACHEALSALLTAGSBEGRIFF Sprache und entsprechende Ausdrcke in anderen Sprachen ist ein Wort unserer Alltagssprache, und wir wissen intuitiv, was es in unterschiedlichen Verwendungszusammenhngen bedeutet. Bei genauerer Betrachtung lsst sich allerdings feststellen, dass das Wort Sprache dabei je nach Kontext ganz unterschiedliche Bedeutungen hat. Es ist daher sinnvoll, eine Reihe begrifflicher Unterscheidungen zu treffen. Die Frage Was ist Sprache? hnelt, oberflchlich betrachtet, der Frage Was ist eine Sprache?. Es bestehen allerdings Unterschiede, sowohl in der Form als auch in der Bedeutung, zwischen beiden Stzen (Lyons 1981: 1f). Im ersten Satz wird das Wort Sprache ohne Artikel benutzt und benennt etwas, worber der Mensch im Gegensatz zu anderen Lebewesen als Gattung verfgt und was ihm ermglicht, eine spezifische Sprache zu lernen und zu sprechen. Im zweiten Satz wird das Wort Sprache mit dem unbestimmten Artikel eine benutzt und bezeichnet eine Einzelsprache, wie sie in einer Sprachgemeinschaft verwendet wrde, wie z. B. Deutsch oder Englisch. Whrend in der deutschen oder der englischen Sprache dem Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Stzen mithilfe des Artikels Rechnung getragen wird, gibt es einige europischen Sprachen, die ber zwei Wrter fr Sprache verfgen, welche den beiden Bedeutungen in etwa entsprechen: Englisch Deutsch Franzsisch Italienisch Spanisch language Sprache langage linguaggio lenguaje langue lingua lengua

Abb. 1: Bezeichnungen fr Sprache

So bezeichnet z. B. im Franzsischen das Wort langage Sprache im Allgemeinen, das Wort langue bezieht sich auf bestimmte Sprachen. Das englische Wort language verhlt sich wie das deutsche Wort Sprache; es ist mehrdeutig und kann sowohl langage als auch langue bedeuten. Die folgenden Beispiele sollen die Mehrdeutigkeit des Wortes Sprache verdeutlichen: a) b) c) d) e) f) Er spricht fnf Sprachen. Er spricht Deutsch (= Er kann Deutsch). Er spricht jetzt Deutsch. Die Sprache Goethes. Eine natrliche (kunstvolle, gezierte, geschraubte etc.) Sprache sprechen Die Sprache der Bienen; Programmiersprachen

Im Beispielsatz a) bezieht sich Sprache auf mehrere Einzelsprachen; b) bedeutet soviel wie Er ist der deutschen Sprache mchtig und bezieht sich ebenfalls auf Sprache in der Bedeutung des franzsischen langue. Im dritten Beispielsatz kommt eine neue Bedeutung in Bezug auf Sprache hinzu. Der Ausdruck in c) kann mit Die uerungen, die er gerade macht, knnen als deutsch identifiziert werden umschrieben werden, es geht also um Sprache im tatschlichen Gebrauch oder um Sprache als Produkt. Im Franzsischen gibt es dafr ein eigenes Wort: parole. Im vierten Beispielsatz d) wird Sprache verwendet, um die

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linguistischen Eigenheiten eines Einzelnen, seinen Stil, zu benennen. Am fnften Beispielsatz e) wird deutlich, dass es innerhalb einer Einzelsprache unterschiedliche Stilebenen gibt, die, je nach Situation, angebracht oder unangebracht sein knnen. Wie wir gesehen haben, verhlt sich das deutsche Sprache hinsichtlich der Bedeutung von langage und langue ebenso mehrdeutig wie das englische language. Das nchste Beispiel zeigt eine weitere Mehrdeutigkeit des Wortes Sprache, die beim englischen language nicht vorkommt: Zwei Personen A und B treffen sich beim Spaziergang im Park und es kommt zu folgendem Dialog: A: In meinem Haus wohnt ein Professor, der spricht fnf Sprachen. Und stellen Sie sich vor, jetzt hat er die Sprache verloren. B: Ja, welche denn? Warum wirkt das erheiternd? Weil das Wort Sprache in er spricht fnf Sprachen (he speaks five languages) eine andere Bedeutung hat als in er hat die Sprache verloren (he lost his speech). In der englischen bersetzung mssten auch tatschlich zwei unterschiedliche Wrter benutzt werden, language einerseits und speech andererseits, und somit htte der Witz die Basis verloren. Das Ziel dieser berlegungen war es zunchst, zu verdeutlichen, dass das Wort Sprache in seiner alltagssprachlichen Verwendung ganz unterschiedliche Bedeutungen hat und daher als wissenschaftlicher Begriff nicht sonderlich geeignet ist. Leider ist es hufig der Fall, dass Wrter, wie sie in der Alltagssprache gebraucht werden, zu vage und mehrdeutig sind, um ohne weiteres als Bestandteil einer wissenschaftlichen Terminologie bestehen zu knnen. 1.2.2 SPRACHEALSGEGENSTANDDERLINGUISTIK Linguistinnen und Linguisten vertreten die Meinung, dass grundstzlich alle sprachlichen uerungen oder Texte Gegenstand linguistischer Untersuchung sind, also auch nichtliterarische, ganz alltgliche uerungen. Sehen wir uns dazu einige kurze Texte an. Die folgenden Texte haben gemeinsam, dass sie in deutscher Sprache geschrieben sind, aber es gibt auch einige Unterschiede:(1) Da nun Ulenspiegel geteufft ward und sie daz Kind wider wollten geen Knetlingen tragen, also wolt die Taufgttel, die daz Kind truge, endlich uber ein Steg gon, daz zwische Knetlingen und Ampleven ist, und sie hetten dazu vil Birs getruncken nach der Kindtffe [] Also fiel die Gttel in die Lachen und besudelt sich und das Kind so jmmerlich, das daz Kind schier erstickt was. Da halffen die andern Frauwen der Badmumen mit dem Kind wider u und giengen heim in ihr Dorff und wuschen das Kind in einem Kessel und machten es wider suber und schon. Da ward Ulenspiegel eins Tags dreimal geteufft, einmal im Tauff, einmal in der Lachen und eins im Kessel mit warmen Wasser (Die erst Histori von Dil Ulenspiegel, frhes 16. Jh.) (2) Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Bses getan htte, wurde er eines Morgens verhaftet. Die Kchin der Frau G