Magazin Beilage Soziale Arbeit Februar 2010

  • Published on
    31-Mar-2016

  • View
    216

  • Download
    4

Embed Size (px)

DESCRIPTION

Beilage Soziale Arbeit zum Magazin der Hochschule Luzern (Februar 2010)

Transcript

  • Soziale ArbeitBeilage zum Magazin

    der Hochschule Luzern

    Nr. 02

    Februar2010

    InternAtIonAl CommunIty Development Im multI-

    kulturellen lonDon: genIAl!Interview: Isabel Baumberger, Kommunikation & Kultur, Zrich

    Seit September 2009 luft der erste Durchgang des neuen Master-Studiengangs International Community Deve-lopment, den die Hochschule Luzern Soziale Arbeit zu- sammen mit der Londoner University of Westminster anbietet. Wie erlebten zwei Schweizer Studentinnen das erste Semester, das in London stattfand? Fortsetzung auf Seite 5 >

    Die Beilage Soziale arBeit

    ersetzt die Publikation Das Magazin der Hochschule Luzern

    Soziale Arbeit und wird mit dem Magazin der Hochschule Luzern versandt. Magazin und Beilage erscheinen

    dreimal jhrlich.

    HaBen Sie Fragen unD anregungen?

    Wir freuen uns, via E-Mailbeilagesozialearbeit@hslu.ch

    von Ihnen zu hren.

    1MaSter-StuDiengang

    international CoMMunity Develop-

    Ment in lonDon

    2 StuDie: auSwirkungen

    Der eMigration auS tetovo/gruSSwort

    3aktuell

    4 CaS Soziale arBeit

    in Der SCHule

    6interaCt verlag/aBSolventinnen

    unD aBSolventen

    7 Mein Sozialer alltagMit Martin StriCkler

    8veranStaltungen/

    StuDienBeginne

  • lieBe leSerinnen, lieBe leSer

    Nie htte ich gedacht, dass die Soziale Arbeit in der Schule einmal eine so grosse Bedeutung erlangen knnte, als ich vor fnfzehn Jahren in meiner damaligen Funk- tion als Sozialamtsleiter der Stadt Zrich die ersten vier Schulsozialarbeiterinnen an- gestellt habe. Aus der Pioniertat von damals ist inzwischen ein wichtiges Berufsfeld geworden, auf das heute auch kleinere Gemeinden nicht mehr verzichten mchten. Ein Zeichen dafr, wie dynamisch sich die Soziale Arbeit entwickelt! Als Fachhoch-schule verstehen wir uns als Katalysator, der solche Entwicklungen begnstigt. Mit unseren Aus- und Weiterbildungsangeboten bieten wir der Praxis die ntigen Reflexions-rume und Untersttzung. Auch in der Forschung und Entwicklung betreten wir immer wieder Neuland. So etwa mit der Studie ber die Auswirkungen der albanischen Migration auf die Herkunfts-regionen. Am Beispiel der Region Tetovo in Mazedonien lsst sich aufzeigen, wie sich die Lebensverhltnisse nicht nur fr die Zugewanderten in unserem Land verndert haben, sondern auch fr jene, die zurck- geblieben sind. Vertiefte Kenntnisse der Wechselwirkungen helfen uns nicht nur, einen realistischeren Blick fr die Wirklich-keit zu gewinnen, sondern auch, wirksame Integrationsarbeit zu leisten. Mit dem Master-Studiengang in Inter-national Community Development in Zusam- menarbeit mit der University of West-minster erffnet sich Studierenden aus der Schweiz eine spannende Entwicklungsper-spektive. Spannende Perspektiven nicht nur fernab, sondern auch in unserem Haus: Ich lade Sie herzlich ein, unsere zahlreichen Veranstaltungen zu besuchen.

    Dr. Walter SchmidRektor Hochschule Luzern Soziale Arbeit

    Herausgeberin: Hochschule Luzern Soziale Arbeit, Werftestrasse 1, Postfach 2945, 6002 Luzern, T +41 41 367 48 48, F +41 41 367 48 49, sozialearbeit@hslu.ch, www.hslu.ch/sozialearbeitAuflage: 16350 Ex., erscheint dreimal jhrlichredaktion: Alexandra Karpf, Leiterin Marketing & Kommunikation (Redaktionsleitung); Isabel Baumberger, Kommunikation & Kultur, Zrich.gestaltung: Hi Visuelle Gestaltung, Luzernkorrektorat: punkto, LuzernFotos: prismaonline.ch (S. 1), Nikolai Hafen, Basel (S. 4), Andri Stadler, Luzern (S. 7)prepress und Druck: UD Print, Luzern

    2

    gruSSwortStuDie: auSwirkungen Der eMigration auS tetovo

    Soziale Arbeit

    Die ersten Zuwanderer der albanischen Minderheit Ma-zedoniens kamen in den 1960er-Jahren als Saisonarbeiter in die Schweiz, mittlerweile leben drei Generationen hier. Was verndert sich dadurch in der Heimat? Wie beein-flusst Migration individuelle Lebensperspektiven, wirt-schaftliche Lage und Bildungssituation der Angehrigen? Im Rahmen der Studie Auswirkungen der Migration von albanischen Zugewanderten auf die Herkunftsregion Te-tovo wurden 44 Personen Angehrige von Migrantin-nen und Migranten, Rckkehrerinnen und Rckkehrer sowie Schlsselpersonen in Tetovo dazu interviewt. Zum Beispiel Vjosa Berisha*, die in einer Neubau-siedlung im Zentrum von Tetovo wohnt. Ihr Ehemann lebt seit 20 Jahren in der Schweiz und arbeitet als Maurer. Die Emigration meines Mannes empfand ich anfangs als sehr schlimm, meint die 45-Jhrige, aber mit den Jahren habe ich mich damit abgefunden. Mein Mann ruft manchmal dreimal tglich an und spricht auch mit den Kindern. Zweimal jhrlich kommt er fr zwei Wo-chen nach Hause. Eine andere Form des Umgangs mit der Emigration hat Fatmira Mehmeti* gewhlt. Die 60-Jhrige lebte je-weils sechs Monate in der Schweiz und sechs Monate in Tetovo 20 Jahre lang. Nach der Pensionierung ihres Mannes kehrten beide mit ihrem jngeren Sohn in die Heimat zurck. Die in die Schweiz ausgewanderten Vter und Ehe-mnner beeinflussen das Leben in Tetovo nicht nur wh-rend sie fort sind, sondern auch, wenn sie zurckkom-men. Ilir Hasani* zum Beispiel: Sein heute 71-jhriger Vater reiste in den 1960er-Jahren als Saisonarbeiter in die Schweiz und arbeitete in der Landwirtschaft. Er wollte uns Kindern eine bessere Zukunft ermglichen, sagt Hasani, der seinem Vater 1974 in die Schweiz folgte. Dort arbeitete er in einem Industriebetrieb, der Bau-materialien herstellte. Ende der 1970er-Jahre kehrte der Vater nach Tetovo zurck, Ilir aber blieb. Als 1991 schliess-lich auch er wieder in die alte Heimat zurckkam, grn-dete er ein eigenes Unternehmen, das heute 400 Ange-stellte beschftigt.

    nicht nur geld fliesst zurck, sondern auch Bildung

    Fr die befragten Angehrigen stehen in Bezug auf die Migration zunchst die finanziellen Zuwendungen im Vordergrund, welche in Tetovo fr Konsumgter, Huser-bau, Gesundheitsvorsorge und Ausbildung verwendet werden. Aber es findet auch ein Transfer von Informatio-nen, Know-how und Bildung statt Rckkehrerinnen und Rckkehrer grndeten in den letzten Jahren viele kleinere Unternehmen. Gerade das in der Schweiz er-worbene Erfahrungswissen aus handwerklichen Berufs-feldern stsst in Tetovo auf grosses Interesse.

    Die Geldzuwendungen erhhen nicht nur die Kauf-kraft der Region, sie halten gleichzeitig trotz rumlicher Trennung die familiren Verbindungen aufrecht, ein transnationales Beziehungsgeflecht entsteht. Via Mobil-telefonie und Internet sind die Kontakte heute auch ber grosse geografische Distanzen hinweg intensiver als zu Beginn der albanischen Migration. So schildert ein An-gehriger, dass seine Familie in den 1960er-Jahren drei Wochen auf einen Brief vom Vater warten musste. Heute planen, besprechen und entscheiden die Angehrigen in Tetovo auch alltgliche Dinge im kontinuierlichen Austausch mit den Emigrantinnen und Emigranten.

    neue wertvorstellungen und netzwerke

    Zu den aufflligsten Vernderungen im Gefolge der Mi-gration zhlen die Interviewten den Wandel von Lebens-stilen und Rollenverteilungen im traditionellen Fami-liengefge. Durch die konomischen Verbesserungen bernehmen Frauen mehr Verantwortung. Sie managen das Budget fr die Familie und reden bei der Erziehung und Bildung der Kinder mit. Einige Frauen betonen, dass sie sich heute autonomer fhlen und sich selbst-verstndlicher in der ffentlichkeit bewegen knnen. Entgegen tradierter Vorstellungen wird auf die Ausbil-dung der Tchter heute grossen Wert gelegt. Jugendli-che, die eine Migration in der Familie zum Teil als sehr schmerzhaft erfahren beispielsweise durch die jahre-lange Abwesenheit des Vaters entwickeln gleichwohl im Zusammenhang mit der Migration neue Lebensent-wrfe. Viele von ihnen werden fr die Zeit der Ausbildung zu Pendlern zwischen den beiden Lndern. Lebens- und Zukunftsperspektiven der Rckkehrerinnen und Rck-kehrer sowie ihrer Angehrigen werden durch die Mig-ration bereichert und erweitert. Neue Reise- und Kommunikationsformen fhren zu einer rumlichen und zeitlichen Entgrenzung zwi-schen dem Herkunfts- und dem Einwanderungsland. Trotz langjhriger Aufenthalte in der Schweiz bleiben starke emotionale Bezge zur Herkunftsregion Tetovo erhalten. Gleichzeitig wchst eine emotionale Bindung an die Schweiz. Durch diese fliessenden Identitten und das Leben in zwei Alltagswelten entstehen neue Formen von Be-ziehungen in transnationalen Netzwerken, die wichtige soziale und kulturelle Ressourcen fr ein Leben in und mit der Migration bilden.

    * Alle Namen gendert

    mIgrAtIon vernDert AuCH DAS HerkunFtSlAnD

    glcan Akkaya, Projektleiterin und Dozentin, Hochschule Luzern Soziale Arbeit

    Am Beispiel Tetovo, Mazedonien, untersuchte eine empirische Studie der Hochschule Luzern Soziale Arbeit in Kooperation mit der Direktion fr Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) die Auswirkungen der Migration von Albanerinnen und Albanern auf die Herkunfts-region. Wichtigste Erkenntnisse: Viele Migranten bleiben dank neuer Kommunikationsmittel in stndiger Ver-bindung mit der Heimat. Und: Diese frdern den gesell-schaftlichen Wandel.

  • neue organiSationS-Struktur Der

    HoCHSCHule luzern Soziale arBeit

    Seit 1. Januar 2010 arbeitet die Hochschule Luzern Soziale Arbeit in einer neuen Organisationsstruktur. Neu gibt es ein Zent- rum fr Lehre und Bildung sowie drei Insti- tute: nmlich je eines fr Sozialarbeit und Recht, Sozialmanagement und Sozialpolitik sowie Soziokulturelle Entwicklung. Im Zentrum sowie in den Instituten wird der vierfache Leistungsauftrag Lehre, Weiter-bildung, anwendungsorientierte Forschung & Entwicklung sowie Dienstleistungen wahrgenommen. Das Zentrum und die Insti- tute sind in Kompetenz zentren gegliedert. Ziele der neuen Struktur sind eine klarere Profilierung am Markt, eine bessere Bnde-lung vorhandener fachlicher Ressourcen sowie bessere Chancen zur fachlichen Ent- wicklung der Mitarbeitenden.

    Zentrum und Institute mit Kompetenz-zentren (CC):Zentrum fr lehre und Bildung (Leitung:

    Prof. Pia Gabriel-Schrer): CC Lehre und Lernen, CC Professionsentwicklung

    Institut fr Sozialarbeit und recht (Leitung: Vreny Schaller-Peter): CC Kindes- und Erwachsenenschutz, CC Soziale Sicherheit, CC Methoden und Verfahren

    Institut fr Sozialmanagement und Sozialpolitik (Leitung: Prof. Dr. Jrgen Stremlow): CC Sozial- und Wirtschafts-politik, CC Sozialmanagement, CC Prvention und Gesundheitsfrderung

    Institut fr Soziokulturelle entwicklung (Leitung: Prof. Colette Peter): CC Sozio-kultur, CC Regional- und Stadtentwicklung, CC Migration, Integration und Entwick-lungszusammenarbeit

    www.hslu.ch/organigramm-sozialearbeit

    werkStattHeFt aFriCanS in

    SwitzerlanD

    In der internationalen Studienwoche 2009 wurden die Situation von Personen afrikani-scher Herkunft in der Schweiz und das Thema Rassismus aus verschiedenen Per- spektiven betrachtet. Das Werkstattheft beinhaltet einen berblick ber die Referate und Diskussionen dieser Woche und ist fr CHF 10. im interact Verlag erhltlich.www.hslu.ch/interact

    neu: CaS planung unD Steuerung iM SozialweSen

    Im Zentrum dieses neuen Certificate of Advanced Studies CAS stehen betriebswirt-schaftliche Aspekte sozialer Einrichtungen und die Analyse, Gestaltung, Weiterentwick-lung und Evaluation von Versorgungsnet-zen. Den Teilnehmenden werden Grundlagen und Instrumente vermittelt, um mit den zunehmend komplexer werdenden Struktu-ren im Sozial- und Gesundheitsbereich kom- petent umzugehen sowie diese zu planen und zu steuern. Unterrichtsthemen sind unter anderem die Entwicklung von Strate-gien, die Umsetzungsplanung, die Inventa-risierung von Angeboten, Nachfrage analysen und Bedarfsabklrungen, das Contracting und das Controlling inklusive der Evaluation und Wirkungsanalysen von Angeboten oder Angebotsstrukturen. Die erste Durchfhrung beginnt im September 2010. Weitere Informationen unter www.hslu.ch/c176

    StuDierenDenprojekt: raDio-Feature

    Ber DaS leBen unD arBeiten von

    Migranten/-innen in Der SCHweiz

    Migrantinnen und Migranten werden in den Medien relativ selten dargestellt und wenn doch, dann eher negativ. Dieser Tatsache wollten die vier Studentinnen Natalia Plaz, Lea Bosshard, Branka Kupresak und Andrea Hammer entgegentreten und haben ein Radio-Feature ber drei Migranten/-innen produziert. Das Resultat sind spannende Einblicke in die Leben des Japaners Hideo, der als Velomechaniker arbeitet, von Yvonne aus Burkino Faso, ehemalige Coiffeuse und jetzt Spielgruppen leiterin, und der Serbin Maria, die sich als Raumpflegerin durch-schlgt. Das Radio-Feature wurde im Winter - thurer Radio Stadtfilter ausgestrahlt und kann angehrt werden unter www.hslu.ch/pausengespraeche.Informationen zur bernahme von Praxisprojekten unter www.hslu.ch/praxis-projekte

    BaCHelorarBeiten neu in vollverSion

    online aBruFBarDie Hochschule Luzern Soziale Arbeit geht mit der Zeit: Anstatt wie in der Vergangen-heit ein Lesebuch mit den Abstracts der Diplom- bzw. Bachelor-Arbeiten zu publizie-ren, sind diese neu direkt als Vollversion online abrufbar.Link auf die Datenbank unter www.hslu.ch/mediothek-sozialearbeit

    ein- unD auStritteUnsere Personalwechsel werden jeweils in unserem E-Newsletter publiziert. Dieser ist erhltlich unter www.hslu.ch/newsletter-sozialearbeit.

    3

    aktuell

    Nr. 02/Februar 2010

    Die tHeMen Der Sozialen arBeit iM

    Magazin Der HoCHSCHule luzern:

    S. 4projekt anDerMatt

    Website zur Begleitstudie unter www.best-andermatt.ch

    S. 25Begegnung Der

    unFreiwilligen artDie Arbeit mit Pflichtklientschaft

    S. 32Synergien nutzen,

    grenzen BerwinDenInterkantonale Zusammenarbeit bei

    Behinderteneinrichtungen

    S. 35zMe zwg

    Studierende entwickeln Unterrichts-material zu Sozialkompetenz

    S. 40glCan akkaya

    Vizeprsidentin der Eidgenssischen Kommission gegen Rassismus

    Das Magazin der Hochschule Luzern wird zusammen mit dieser Beilage

    der Hochschule Luzern Soziale Arbeit versandt. Weitere Informationen zum Magazin erhalten Sie unter

    www.hslu.ch/magazin.

    FaCHtagungen unD kongreSSe:

    unterlagen online aBruFBar

    Die Unterlagen zu Fachtagungen und Kongressen werden nach Durchfhrung der Veranstaltungen jeweils aufs Internet gestellt und knnen dort eingesehen sowie heruntergeladen werden.www.hslu.ch/sozialearbeit > Veranstaltungen > Fachtagungen bzw. Kongresse

  • 4CaS Soziale arBeit in Der SCHule

    Soziale Arbeit

    Isabel Baumberger, Kommunikation & Kultur, Zrich

    Schulsozialarbeit boomt. Noch hat sie aber kein aus-differenziertes Profil und beinhaltet vielerorts vor allem Beratung und Inter-vention in Krisensituatio-nen. Im ersten Durchgang des neuen Certificate of Advanced Studies CAS setzen sich Schulsozialarbeitende, Lehr- und andere Fachper-sonen mit der Frage ausein-ander, wie Prvention und Frherkennung an Wichtig- keit gewinnen.

    Nach 10 Jahren Schulsozialarbeit ist diese Disziplin in einer Differenzierungsphase, sagt Anita Waltenspl, die in der Stadt St. Gallen ein Team von drei Schulsozial-arbeitenden im Oberstufenbereich leitet und an der Hochschule Luzern das neue CAS Soziale Arbeit in der Schule absolviert. Im Hinblick auf eine geplante Stellen-aufstockung eruiert Waltenspl gerade in den betroffe-nen Schulen, wie man dort Schulsozialarbeit versteht und welche zustzlichen Leistungen gewnscht sind. Eine wichtige Frage dabei ist die Gewichtung der drei...