Manufakturen Kriegel & Cie. und Chodau: Figuren aus ... Wien, Lomonosov und unbekannt (Berlin / KPM?)

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  • Pressglas-Korrespondenz 2018-1

    Stand 30.09.2018 PK 2018-1/19 Seite 1 von 18 Seiten

    Abb. 2018-1/19-01 5 Büsten militärischer Persönlichkeiten, Kriegel & Cie., Prag. Prägemarke [„K & C Prag“], 2. Hälfte 19. Jhdt. Je auf einem glasierten Rundsockel ruhende Büsten aus weißem Biskuitporzellan, schauseitig bezeichnet "WINDISCH-GRÄTZ", "JELAČIĆ." (= Joseph Graf Jelačić von Bužim), "FRANC. CAROLUS ARCHD. AUSTRIA", "Johann v. Oestr: Reichsverweser" (= Johann Baptist Josef Fabian Sebastian von Österreich), 1x unbezeichnet. H 14,5 cm. Kat.Nr.: 3558, Limit: 190 EUR [SG: Johann v. Oestr: Reichsverweser: deutscher Reichsverweser in der Revolutionszeit von 1848/1849 Joseph Graf Jelačić von Bužim: 1848/1849 schlug er den kroatisch-illyrischen Aufstand nieder Franc. Carolus Archd. Austria: er verzichtete 1848 zugunsten seines Sohnes Franz Joseph I. auf seine Thronansprüche Windisch-Grätz: Alfred I. Fürst zu Windisch-Graetz befehligte zusammen mit Jelačić in der österreichischen Revolution 1848/1849 die Niederschlagung der Oktoberaufstände in Wien und Prag Unbezeichnet: Kaiser Ferdinand I. (1793-1875) [reg. 1835-1848] in Uniform mit reichem Ordensschmuck (u.a. Goldenes Vlies) Alle Figuren sind wahrscheinlich ab 1850 entstanden; siehe auch: www.pressglas-korrespondenz.de/aktuelles/pdf/pk-2014-1w-sg-teller-kriegel-prag-bacc-1842.pdf; S. 8-12]

    SG Oktober 2018 / Juni 2018

    Manufakturen Kriegel & Cie. und Chodau: Figuren aus Biskuitporzellan, 1850 SG: Ein interessanter Zufall: normalerweise klicke ich mich bei Auktionskatalogen mal schnell durch „Glas“ …

    Diesmal suchte ich nach langer Zeit bei Wendl, 91. Sommerauktion Juni 2018, wieder mal Keramik von „Kriegel“, fand aber nichts … danach suchte ich bei

    „Porzellan“ von „Meissen“, „Berlin“, „Wien“ und „Prag“ nach Kopien von Pressglas-Stücken, auch da fand ich nichts … aber eine Figur aus Biskuitporzellan „Homer“ von Meissen … das brachte mich auf die Idee, noch mal überall nach solchen Figuren / Büsten zu suchen …

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    Insgesamt fand ich im Katalog Wendl mehrere gleichar- tige Büsten auf Füßen aus Porzellan, Glas und Messing von Sèvres (?), Limoges, Meissen, Kriegel, Chodau, Wien, Lomonosov und unbekannt (Berlin / KPM?).

    Schließlich ist ziemlich sicher, dass die Pasten aus Biskuitporzellan, die in Becher oder Teller aus Blei- kristall eingeschmolzen wurden, nicht alle aus Frank- reich um 1800 ff. gekommen sind! Porzellan- Manufakturen in Deutschland und Österreich, die solche Figuren mit ausgezeichneten Portraits von Prominen- ten ihrer Zeit machen konnten, konnten sicher auch Pasten machen. Bisher wurde in der Literatur auf solche Hersteller nicht hingewiesen … aber warum sollten die Manufakturen von Meissen, Berlin, Wien und Prag nicht als Zweitverwertung der Figuren auch Pasten mit Portraits oder mit Bildern von Heiligen machen?

    Abb. 2014-1/36-14; Biskuitporzellan-Büste um 1850 Kaiser Franz Joseph I., bez. „FRANZ JOS.“, Sockel glasiert, mit Goldränderung und rundem Fuß, H 12 cm gemarkt „Chodau“, böhmische Manufaktur Chodau

    Andererseits konnten solche Figuren aus Porzellan auch Vorbild für entsprechende populäre Figuren aus Press- glas gewesen sein, z.B. für die Figuren von Josef Riedel, Unterpolaun, am wichtigsten für Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth zu ihrer Hochzeit 1854 - gemarkt (1)854 und (1)855! Riedel machte außerdem auch Büsten aus Pressglas von Queen Victo- ria und and anderen Engländern und Deutschen, z.B. Kaiser Wilhelm I. …

    Die Büsten von Musikern (aus Wien?) sind Gegen- stücke zu Büsten aus Glas von Riedel z.B. zu Goethe, Mozart, Wagner … wahrscheinlich gab es sogar größere Reihen aus Pressglas!

    Nicht signierte Büsten kann man vielleicht durch die Ähnlichkeit von Motiven, z.B. Namensschild, zuweisen.

    Bei den vielen gleichartigen Büsten könnte es sich im die Auflösung einer wichtigen Sammlung handeln …

    Porzellanfabrik Chodau (Chodov)

    www.porcelainzone.com/de/factories/ manufaktura-chodov

    1811 erhielt Franz Miessl, Unternehmer und Inhaber von Schloss Chodov (Chodau), die Erlaubnis, Keramik mit seinen eigenen Kaolinlagerstätten zu erzeugen. Im selben Jahr gründete er eine Fabrik, die ursprünglich nur Waren aus Fayencen [Steingut] hergestellt hat. Das Geschäft entwickelte sich jedoch nicht nach den Erwar- tungen des Eigentümers und 1830 verpachtete er die Fabrik an Franz Weis, aber bereits 1834 verkaufte Miessl die Fabrik. Die neuen Eigentümer waren Johann Dietl von Einsiedel und seine Kompagnons Johann Hüttner und Johann Schreyer. Die neuen Besitzer nannten den Betrieb Hüttner & Cie. und 1835 erhielten sie die Zulassung für die Herstellung von Porzellan. 1835-1840 produzierte die Fabrik Lampenschirme. Leider haben sie nicht bis heute überlebt ...

    1842 war Fabrikbesitzer kurz Dr. Geitner aus Sachsen, aber im selben Jahr verkaufte er die Fabrik mit allen Kohleminen an Moses Porges Edler von Portheim (1781-1870) - Textilhersteller aus Prag. Nach 5 Jahren, als die Anlage auf 2 Fabrikgebäude erweitert wurde, übernahmen die Porges Söhne Ignaz und Gustav die Direktion der Anlagen, die sie erfolgreich geführt haben. Die Produktion wuchs und die künstlerischen Tendenzen begannen, sich auf Rokoko-Muster zu konzentrieren, mit Schwerpunkt auf zarten Reliefs. Vor allem nützliches Porzellan, bemalte Tassen, Figuren, Leuchter, Vasen, Becher und Schreibgeräte.

    Die Figuren / Büsten aus Biskuitporzellan von Prominenten des Kaiserhofs in Wien ab 1848/1850 entstanden also in der Porzellan-Fabrik der jüdi- schen Gebrüder Porges von Portheim 1847-1871!

    Leopold Juda Porges von Portheim (1784-1869). Ennobled to the Austrian nobility on June 5, 1841 with the name of Edler von Portheim. In 1840 he founded and managed a porcelain factory in Chodau (Chodov). The products of this factory competed with the finest French porcelains at the Paris World Fair in 1855. Porges was the first to use coal instead of wood in a porcelain factory.

    [www.porges.net/FamilyTreesBiographies/Biographies VonPortheim.html www.biographien.ac.at/oebl/oebl_P/Porges- Portheim_Moses_1781_1870.xml Wikipedia EN: Moses Porges, Edler von Portheim www.solles.cz/wp-content/uploads/2014/01/ Hornicky_chodov.pdf (Ober-Chodau / Kaolinlager / Braunkohlelager)]

    1872 verkauften die Gebrüder Porges alles Eigentum der Firma Falkonia AG, die sofort die Fabrik verkaufte an Haas & Czjzek von Slavkov (Schlaggenwald). Es begann eine neue, sehr erfolgreiche Periode in der Geschichte der Fabrik. Zu dieser Zeit wurde Porzellan für die Bedürfnisse von Haushalten, Hotels und Restau- rants hergestellt. Die Exporte gingen in die Monarchie Österreich-Ungarn, auf den Balkan, in den Nahen

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    Osten, Ägypten, die nördlichen Länder, die Niederlande und Kolonien, England und die Vereinigten Staaten.

    1928 waren die Besitzer Baroness Olga Haas- Hasenfeld und Felix Czjzek, Edler von Smidaich. Die Fabrik hatte 25 Beamte und beschäftigte ca. 500-600 Mitarbeiter, und 1937 bereits 750.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk ver- staatlicht und eingegliedert in Slavkovský Porcelán, dann 1958 in das Unternehmen Karlovarský Porcelán und nach der Privatisierung in den 1990-er Jahren Karlovarský Porcelán a.s. závod Chodov.

    2009 wurde das Unternehmen gekauft von Epiag LOFIDA - Porcelán CZ s.r.o., jetzt EPIAG LOFIDA - Porcelán CZ s.r.o. - Manufaktura Chodov.

    Wikipedia DE: Chodau […] 1810 gründete Franz Miessl, ehemals Direktor der Littmitzer Schwefel- und Vitriolwerke und Besitzer von Braunkohlegruben mit Bewilligung 1811 eine Porzellanfabrik in Unter- Chodau. 1830-1834 pachtete der Obermaler Franz Weiss aus Gießhübel bei Luditz die Fabrikation, 1834 verkaufte Miessl die Fabrik an die Besitzer der Kohlen- grube von Einsiedl bei Marienbad, Johann Dietl, Johann Hüttner und Johann Schreyer. 1845 erfolgte der Verkauf an die Industriellen Moses Porges Edler von Portheim (1781-1870) und dessen Bruder Juda Leopold Porges Edler von Portheim (1785-1869), welche die Fabrik an die Söhne des ersteren Ignaz und Gustav übergaben, bei welchen das Unternehmen zu großer wirtschaftlichen Blüte kam. 1871 kaufte Georg Haas von Hasenfels aus dem benachbarten Schlaggenwald die Porzellanfabrik in Chodau.

    Abb. 2018-1/19-02 4 Büsten berühmter Personen. Überwiegend gemarkt Chodau [Chodov], um 1850 Auf glasiertem Rundsockel ruhende, weiße Biskuitbüsten, schauseitig in Gold bezeichnet: "Jellacic Banus von Croatien Slawonien & Dalmatien etc.", "István Nádor" (Erzherzog Stefan Franz Viktor von Österreich 1817-1867; 1847/1848 Palatin von Ungarn; beim Kaiser in Ungnade), "A. J. Freyherr Schrenk auf Notzing. Fürst Erzbischof von Prag" [1802-1849] und "O'CONNELL" (Daniel O'Connell, irischer Politiker 1775-1847, „The Liberator“). Kat.Nr.: 3559, Limit: 190 EUR SG: wegen der Ungnade von Erzherzog Stefan ab 1849 muss seine Figur noch vor 1849 entstanden sein! zu Chodau / Chodov s.: www.pressglas-korrespondenz.de/aktuelles/pdf/pk-2014-1w-sg-teller-kriegel-prag-bacc-1842.pdf; S. 12]

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    Abb. 2018-1/19-03 3 Biskuit-Büsten. Ungemarkt, 2. Hälfte 19. Jhdt. Biskuitporzellan, weiß. 1x verso bezeichnete Büste des Kronprinzen und späteren Kaisers Friedrich III.; H 19 cm;