Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Kapitel 2: Grundbegriffe

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    05-Apr-2015

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<ul><li> Folie 1 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Kapitel 2: Grundbegriffe </li> <li> Folie 2 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Theorie und Theoriebildung 1 In dem Mae wie die moderne Linguistik versucht eine exakte Wissenschaft zu sein, erhalten Aussagen ber ihre Gegenstnde die Form von Theorien. Theorie Eine Theorie ist ein System von Hypothesen oder eine Menge von solchen Systemen, die zur Erklrung bestimmter Phnomenenbereiche entwickelt werden. Hypothese Eine Hypothese ist eine empirische Verallgemei- nerung ber einer Menge von Beobachtungsdaten. </li> <li> Folie 3 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Theorie und Theoriebildung 2 Wir knnen zumindest vier Phasen der Theorie- bildung unterscheiden. Sammlung und Beschreibung von empirischen Daten Sammlung und Beschreibung von empirischen Daten Hypothesenbildung Hypothesenbildung Theoriebildung Theoriebildung berprfung berprfung </li> <li> Folie 4 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Phasen der Theoriebildung 1 PHASE 1: Sammlung von Beobachtungen Beobachtungen ber bestimmte Phnomene (Daten) werden gesammelt, beschrieben und klassifiziert. So knnen wir z.B. beobachten, da bestimmte Holz- gegenstnde in Wasser schwimmen, whrend bestimmte (feste) Metallgegenstnde untergehen. Zum Zwecke der Beschreibung und Klassifizierung von Beobachtungsdaten werden Beschreibungssprachen geschaffen (z.B. das phonetische Alphabet und die Terminologie der artikulatorischen Phonetik). Das Resultat der Phase 1 ist eine Beschreibung und Klassifizierung einer Menge von Beobachtungsdaten. </li> <li> Folie 5 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Phasen der Theoriebildung 2 PHASE 2: Hypothesenbildung Auf der Grundlage einer Sammlung von beschriebenen und klassifizierten Beobachtungsdaten knnen wir ver- suchen Hypothesen zu bilden. Bei unserem Beispiel: Nachdem wir in einer groen Anzahl von Fllen festgestellt haben, da feste Holzgegenstnde in Wasser schwimmen, whrend feste Metallgegenstnde unter- gehen, bilden wir die Hypothesen: Alle festen Holzgegenstnde schwimmen in Wasser Alle festen Holzgegenstnde schwimmen in Wasser Alle festen Metallgegenstnde gehen in Wasser unter. Alle festen Metallgegenstnde gehen in Wasser unter. Wir sehen jedoch noch keinen Zusammenhang zwischen diesen Hypothesen. </li> <li> Folie 6 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Phasen der Theoriebildung 3 PHASE 3: Erklrung durch theoret. Konstrukte Das grundlegende Ziel der Theoriebildung ist es, verschiedene Hypothesen durch allgemeine Prinzipien miteinander in Beziehung zu setzen, und so eine Erklrung fr die gemachten Beobachtungen zu erhalten. Diese zur Erklrung herangezogenen Prinzipien werden theoretische Konstrukte genannt. In unserem Beispiel wird das unterschiedliche Verhalten von hlzernen und metallischen Gegenstnden durch das allgemeine Prinzip des spezifisches Gewichts erklrt. Das spezifische Gewicht ist die relative Dichte einer Substanz, d.h. das Verhltnis der Dichte einer Substanz und der einer Vergleichssubstanz (normalerweise Wasser). </li> <li> Folie 7 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Phasen der Theoriebildung 4 Theoretisches Konstrukt Ein theoretisches Konstrukt ist ein konstruierter, theoretischer oder theoriegebundener Begriff, der nur indirekte empirische Bezge hat. Systeme von Konstrukten ergeben Theorien im Sinne begrifflicher Netze ber einem Gegenstands- bereich. Linguistische Konstrukte sind Struktur, System, Phonem, Kompetenz, usw. </li> <li> Folie 8 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Phasen der Theoriebildung 5 Mit dem Begriff bzw. dem theoretischen Konstrukt des spezifischen Gewichtes knnen nun die beiden Hypo- thesen Alle Holzgegenstnde schwimmen in Wasser Alle Holzgegenstnde schwimmen in Wasser Alle festen Metallgegenstnde gehen in Wasser unter Alle festen Metallgegenstnde gehen in Wasser unter auf sehr allgemeine Weise miteinander in Beziehung gebracht werden: Alle festen Krper, deren spezifisches Gewicht kleiner ist als das einer bestimmten Flssigkeit, schwimmen in dieser Flssigkeit. Alle festen Krper, deren spezifisches Gewicht kleiner ist als das einer bestimmten Flssigkeit, schwimmen in dieser Flssigkeit. </li> <li> Folie 9 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Phasen der Theoriebildung 6 PHASE 4: Die berprfung von Theorien. Theorien werden berprft, indem man sie zu falsifizieren versucht. Der Wissenschaftler versucht Flle zu finden, die durch die Theorie nicht erklrt werden oder im Wider- spruch zu den Vorhersagen der Theorie stehen. Eine Theorie ist gltig, solange sie nicht falsifiziert worden ist. In unserem Beispiel kann die Hypothese, da alle festen Metallgegenstnde in Wasser untergehen, durch die Beobachtung falsifiziert werden, da Natrium in Wasser schwimmt. </li> <li> Folie 10 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Phasen der Theoriebildung 7 PHASE 4: Die berprfung von Theorien. Es handelt sich hier jedoch um eine Falsifizierung der ursprnglichen Hypothese "alle Metallgegenstnde gehen unter", aber nicht der Theorie. Denn mit dem theore- tischen Konstrukt des spezifischen Gewichts wird auch das Verhalten von Natrium erklrt, denn dessen spezifi- sches Gewicht (0.97) ist kleiner als das von Wasser (1.00). </li> <li> Folie 11 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Theorie und Theoriebildung 3 Bei der Theoriebildung mssen grundstzlich drei Aspekte unterschieden werden: Der Objektbereich, der durch eine Theorie erklrt oder durch ein Modell modelliert werden soll. Dieser ist immer schon im Sinne eines Formalobjektes zu verstehen. Der Objektbereich, der durch eine Theorie erklrt oder durch ein Modell modelliert werden soll. Dieser ist immer schon im Sinne eines Formalobjektes zu verstehen. Die Theorie selbst, die den Objektbereich beschreibt und erklrt. Der gleiche Objektbereich kann durch unter- schiedliche Theorien erklrt werden. Die Theorie selbst, die den Objektbereich beschreibt und erklrt. Der gleiche Objektbereich kann durch unter- schiedliche Theorien erklrt werden. Die Sprache, in der eine Theorie ausgedrckt wird. Die Sprache, in der eine Theorie ausgedrckt wird. Die gleiche Theorie kann gegebenenfalls durch unterschied- liche Sprachen ausgedrckt werden.Die gleiche Theorie kann gegebenenfalls durch unterschied- liche Sprachen ausgedrckt werden. Ausdrcke aus verschiedenen Sprachen sind dann ineinander bersetzbar.Ausdrcke aus verschiedenen Sprachen sind dann ineinander bersetzbar. </li> <li> Folie 12 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Wissenschaftssprache 1 Eine Theorie mu sprachlich ausgedrckt werden. Dies kann prinzipiell mit Hilfe der Alltagssprache geschehen. Damit sind jedoch eine Reihe von Schwierigkeiten verbunden, die dazu gefhrt haben, da zur Formulierung von wissenschaftlichen Theorien eine eigene Wissenschaftssprache entwickelt worden ist. </li> <li> Folie 13 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Grundbegriffe: Wissenschaftssprache 2 Die "Gesamtheit der sprachlichen Mittel einer Wissenschaft mit den Regeln fr deren Gebrauch" nennt man Wissenschaftssprache. (Klaus/ Buhr 1971) </li> <li> Folie 14 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Wissenschaftssprache vs. Alltagssprache 1 Die Grundlage einer Wissenschaftssprache ist immer die Alltagssprache. Die Grundlage einer Wissenschaftssprache ist immer die Alltagssprache. Gerade die Eigenschaften der Alltags- sprache, die ihre Flexibilitt als Kommuni- kationsmittel ausmachen, machen sie als Wissenschaftssprache jedoch ungeeignet: Gerade die Eigenschaften der Alltags- sprache, die ihre Flexibilitt als Kommuni- kationsmittel ausmachen, machen sie als Wissenschaftssprache jedoch ungeeignet: viele Wrter der Alltagssprache sind mehrdeutig, viele Wrter der Alltagssprache sind mehrdeutig, ihre Bedeutung ist oft unscharf; ihre Bedeutung ist oft unscharf; die Alltagssprache enthlt Synonyme etc. die Alltagssprache enthlt Synonyme etc. </li> <li> Folie 15 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Wissenschaftssprache vs. Alltagssprache 2 Die Begriffe der Wissenschaftssprache mssen jedoch eindeutig und genau sein. Die Begriffe der Wissenschaftssprache mssen jedoch eindeutig und genau sein. Die Wissenschaftssprache versucht diese Nach- teile der Alltagssprache zu berwinden, indem sie eine spezielle Terminologie verwendet, die fr die jeweilige Wissenschaft genau definierte Begriffe bezeichnet. Die Wissenschaftssprache versucht diese Nach- teile der Alltagssprache zu berwinden, indem sie eine spezielle Terminologie verwendet, die fr die jeweilige Wissenschaft genau definierte Begriffe bezeichnet. Durch eine solche Terminologie wird neben der Eindeutigkeit auch eine krzere und damit ber- sichtlichere Ausdrucksweise mglich. Durch eine solche Terminologie wird neben der Eindeutigkeit auch eine krzere und damit ber- sichtlichere Ausdrucksweise mglich. </li> <li> Folie 16 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Theoretische und Metatheoretische Begriffe 1 Theoretische Begriffe Begriffe, die sich auf den von einer Theorie be- schriebenen Gegenstand beziehen, und die somit unmittelbare Bestandteile der Theorie sind, werden theoretische Begriffe genannt. Begriffe, die sich auf den von einer Theorie be- schriebenen Gegenstand beziehen, und die somit unmittelbare Bestandteile der Theorie sind, werden theoretische Begriffe genannt. Theoretische Begriffe der Sprachtheorie sind z.B.: Theoretische Begriffe der Sprachtheorie sind z.B.: SatzSatz WortWort RelativpronomenRelativpronomen PhonemPhonem KonstituenteKonstituente BuchstabeBuchstabe </li> <li> Folie 17 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Theoretische und Metatheoretische Begriffe 2 Metatheoretische Begriffe Daneben sind auch Begriffe erforderlich, die Eigen- schaften der Theorie selbst erfassen, mit denen man also ber Theorien spricht. Solche Begriffe werden metatheoretische Begriffe genannt. Daneben sind auch Begriffe erforderlich, die Eigen- schaften der Theorie selbst erfassen, mit denen man also ber Theorien spricht. Solche Begriffe werden metatheoretische Begriffe genannt. Metatheoretische Begriffe der Sprachtheorie sind z.B.: Metatheoretische Begriffe der Sprachtheorie sind z.B.: Grammatikregel,Grammatikregel, Strukturbeschreibung,Strukturbeschreibung, Regelschema,Regelschema, Symbolkette,Symbolkette, grammatische Kategoriegrammatische Kategorie lexikalische Kategorielexikalische Kategorie </li> <li> Folie 18 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Objektsprache und Metasprache 1 Die Wissenschaftssprache ist die Sprache, mit der eine Wissenschaft ber ihre Gegenstnde spricht. Betrachten wir zunchst die Verwendung der Wissenschaftssprache durch den Nicht-Linguisten. Der Chemiker, z.B., verwendet Sprache um ber Gegenstnde zu sprechen, die keine Sprache sind. Die Sprache, die er dazu verwendet, unterscheidet sich jedoch von der Alltagssprache. Die Sprache, die er dazu verwendet, unterscheidet sich jedoch von der Alltagssprache. Es ist eine besondere Sprache mit einem speziellen Vokabular, einer Terminologie. Es ist eine besondere Sprache mit einem speziellen Vokabular, einer Terminologie. Es ist ein Teil der Sprache, die wir Wissenschaftssprache genannt haben. Es ist ein Teil der Sprache, die wir Wissenschaftssprache genannt haben. </li> <li> Folie 19 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Objektsprache und Metasprache 2 Nehmen wir folgendes Beispiel: Natriumchlorid ist ein Salz Natriumchlorid ist ein Salz Natriumchlorid ist ein chemischer Terminus, den wir in der Alltagssprache nicht verwenden. In einem Spezial-wrterbuch wrden wir als Bedeutung 'Salz' finden. Was passiert jedoch, wenn wir im Beispiel Natriumchlorid durch Salz ersetzen? Salz ist ein Salz. Salz ist ein Salz. Kochsalz ist ein Salz. Kochsalz ist ein Salz. </li> <li> Folie 20 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Objektsprache und Metasprache 3 Fr den Chemiker hat das Wort Salz eine besondere und allgemeinere Bedeutung. Salz ist eine Substanz, die durch die Reaktion einer Sure mit einer Base entsteht. Salz ist eine Substanz, die durch die Reaktion einer Sure mit einer Base entsteht. Noch genauer knnte diese Aussage wie folgt formuliert werden: In der Chemie wird das Wort Salz zur Bezeichnung jeder Substanz verwendet, die durch die Reaktion einer Sure mit einer Base entsteht. In der Chemie wird das Wort Salz zur Bezeichnung jeder Substanz verwendet, die durch die Reaktion einer Sure mit einer Base entsteht. </li> <li> Folie 21 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Objektsprache und Metasprache 4 Damit sollte deutlich geworden sein, da auch der Nicht- Linguist Sprache in zweierlei Funktionen verwendet. Er verwendet Sprache, um ber Gegenstnde zu sprechen, die selbst nicht Sprache sind. Die Sprache, die er zu diesem Zweck verwendet wird OBJEKTSPRACHE genannt. Er verwendet Sprache, um ber Gegenstnde zu sprechen, die selbst nicht Sprache sind. Die Sprache, die er zu diesem Zweck verwendet wird OBJEKTSPRACHE genannt. Er verwendet Sprache jedoch auch, um ber Sprache zu sprechen, z.B. ber die Objektsprache seiner Wissenschaft. Das kann notwendig sein, um z.B. die Bedeutung eines bestimmten Terminus zu definieren, wie im obigen Beispiel. Jede Sprache mit der ber eine Sprache gesprochen wird, ist eine METASPRACHE Er verwendet Sprache jedoch auch, um ber Sprache zu sprechen, z.B. ber die Objektsprache seiner Wissenschaft. Das kann notwendig sein, um z.B. die Bedeutung eines bestimmten Terminus zu definieren, wie im obigen Beispiel. Jede Sprache mit der ber eine Sprache gesprochen wird, ist eine METASPRACHE </li> <li> Folie 22 </li> <li> Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik Objektsprache und Metasprache 5 Die Linguistik unterscheidet sich von anderen Wissen- schaften u.a. darin, da ihr Objekt die Alltagssprache ist. Genau betrachtet hat die Linguistik daher keine Objekt- sprache im definierten Sinn. Die Wissenschaftssprache der Linguistik ist immer schon eine Metasprache. Wenn wir sagen: Peter hat zwei Silben, wollen wir nicht ber irgendeine Person sprechen, sondern ber das Wort Peter. Es handelt sich also um einen metasprachlichen Ausdruck. Wenn wir sagen: Peter hat zwei Silben, wollen wir nicht ber irgendeine Person sprechen, sondern ber das Wort Peter. Es handelt sich also um einen metasprachlichen Ausdruck. Das Wort Silbe bezeichnet einen theoretischen Begriff und ist ebenfalls ein metasprachlicher Ausdruck. Das Wort Silbe bezeichnet einen theoretischen Begriff und ist ebenfalls ein metasprachlicher Ausdruck. </li> <li> Folie 23 </li> <li> Mat...</li></ul>

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