Natur erleben. Verstehen. Fl£¼sse spielten in der Siedlungsgeschichte der Menschen stets eine wichtige

  • View
    1

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Natur erleben. Verstehen. Fl£¼sse spielten in der Siedlungsgeschichte der Menschen...

  • Lebensraum Fluss Natur erleben. Verstehen. Vernetzen.

  • 222

    NAJU Jugendkampagne nature’s12 – Natur erleben. Verstehen. Vernetzen.

    Ziel der NAJU-Jugendkampagne nature’s12 ist es, die Naturschutzarbeit vor Ort mit Öffentlichkeitsarbeit im Web 2.0 zu verbinden. In zwölf bun- desweiten Workshops werden jungen Naturschützern Kompetenzen in So- cial Media und Web 2.0 vermittelt. Zudem erscheinen zwölf Themenhefte zu verschiedenen Kultur- und Naturräumen Deutschlands. Die Kampagne wird unterstützt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

    Die Naturschutzjugend (NAJU) ist die Jugendorganisation des NABU. Mit über 75.000 Mitgliedern ist sie nicht nur der größte deutsche Kinder- und Jugendverband im Natur- und Umweltschutz, sondern auch führend in der außerschulischen Umweltbildung und im praktischen Naturschutz. Weitere Informationen unter www.NAJU.de.

    Für mich ist der Schutz der biologischen Vielfalt eine Herzensangelegenheit! Denn es geht dabei um’s Ganze. Wenn wir weiterhin zulassen, dass jeden Tag 150 Arten aussterben, wird unser Planet sehr schnell ziemlich grau. Deshalb

    ist es mir wichtig, junge Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, was jeder Mensch zum Artenschutz beitragen kann. Daher finde es ich toll, dass sich junge Menschen bei der NAJU für den Erhalt der biolo- gischen Vielfalt einsetzen. Damit auch zukünfti- ge Generationen unsere vielfältige Erde erleben können. Viel Spaß beim Entdecken und Erleben unsrer spannenden Lebensräume,

    Eure Cassandra Steen

    Ich bin auf dem Land aufgewachsen und stehe seit meiner Kindheit im Kontakt mit der Natur. Die Arbeit der „nature’s12“ und ihre Bemühungen, die Aufmerksamkeit wieder auf die lebendige Welt zu lenken bewundere ich

    sehr. Sich als junger Mensch für Flora und Fauna zu interessieren und dafür einzusetzen ist nicht selbstverständlich. Ich hoffe, dass die NAJU weiterhin so erfolgreich ist und noch viele junge Menschen dazu bringt, den Zauber der Natur für sich zu entdecken!

    Christian Durstewitz

    Grußwort

  • 333

    Herzlich Willkommen!

    Von der Quelle bis zur Mündung fließt viel Wasser einen Fluss hinunter. Neben dem Transport von Wasser erfüllen Flüsse und ihre Auen aber noch viele andere Funktionen: Entlang von Flüssen liegen Siedlungs- und Industriegebiete, Flüsse dienen Schiffen als Verkehrsweg, Wasserkraftwerke stauen die Flüsse auf. Die wirtschaftliche Nutzung der Fließgewässer und ihrer Auen hat dazu geführt, dass artenreiche typische Lebensräume in großem Umfang verschwunden sind, weshalb die wenigen erhaltenen Reste heute als besonders schützenswert gelen. Auenland braucht euch also dringend! Wir wünschen euch viel Freude beim „Fluss-Entdecken“.

    Eure NAJU

    Inhaltsverzeichnis

    Lebensraum Fluss ................................................................................................ 4 Wilde Flusslandschaft 4 Mythische und mystische Wasserkräfte 5

    Der Fluss im Überblick ......................................................................................... 6 Ein Kommen und Gehen ... 6 Herbeigeströmt! 7 Neophyten am Fluss 8 Auenland braucht euch! 9

    Aktionstipps ...................................................................................................... 10 Entdeckt den Fluss! 10 Der Fluss und wir 13 Öffentlichkeitsarbeit für den Fluss 18

    Literatur, Impressum ........................................................................................ 20

  • 4

    Lebensraum Fluss Wilde Flusslandschaft

    An wenigen Stellen gibt es sie noch: natürliche Flüsse und Bäche. Stellt euch vor, ihr fahrt mit dem Fahrrad hinaus ins Grüne und riecht schon von weitem den Fluss. Allerdings kommt ihr gar nicht so einfach an ihn heran – denn ein dichter Gürtel aus Weiden und Erlen umgibt das Fließgewässer. Wenn ihr vom Rad steigt, merkt ihr, dass der Boden weich, an manchen Stellen sogar etwas sumpfig ist. Umgeknickte Bäume liegen im Weg, und hinter dem Dickicht des Auwaldes, den ihr jetzt durchstreift, funkelt das Flusswasser. Am Ufer angekommen erkennt ihr eine Bachforelle im Wasser. Als ihr nun am Ufer entlang geht, blitzt plötzlich etwas Blaues auf: Ein Eisvogel taucht nach kleinen Fischen und kommt nach Sekundenbruchteilen wieder an die Wasseroberfläche. Für ein paar Minuten bleibt ihr stehen und entdeckt nach und nach die Geheimnisse am Fluss. Diese Landschaft wirkt wild. An einigen Stellen wärmt die helle Sonne das Ufer, während es gleich daneben fast finster ist. Wenn ihr genau hinschaut, könnt ihr anhand von Treibgut im ufernahen Geäst den Wasser- stand des Frühjahrshochwassers ablesen. Stille und Wasserrauschen.

    Hohe Pflanzen am Ufer und angeschwemmte Bäume. An Fließgewässern gibt es so viele ver- schiedene Strukturen auf kleinstem Raum, wie in keinem anderen vergleichbaren Biotopsystem. Auch deshalb ist dieser Lebensraum besonders wertvoll.

    Kostbares Wasser Zwei Drittel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Davon sind ca. 97 Prozent Salzwasser und nur rund 3 Prozent Süßwasser, wovon wie- derum drei Viertel in den Gletschern und Eisdek- ken der Polargebiete stecken. 98,5 Prozent des flüssigen Süßwasservorkommens ist Grundwas- ser und somit nicht leicht zugänglich. Der Rest hingegen, nämlich 0,0001 Prozent des gesam- ten Wasservorkommens auf der Erde, befindet sich in Flüssen und Seen, in der oberen Boden- schicht, in Lebewesen und in der Atmosphäre. Diese Süßwassermenge ist also, im Ganzen betrachtet, verschwindend gering. Auf welche Weise aber erneuert sich das Süßwasser? Denn sonst müsste es ja irgendwann erschöpft und aufgebraucht sein, zumal wir uns so ungeniert daran bedienen …

    Die Erneuerung von Süßwasser verdanken wir dem Wasserkreislauf: Die Sonne erwärmt das Wasser in Meeren, Seen und Flüssen, im Boden und in Lebewesen und lässt es verdunsten. So gelangt Wasser als Wasserdampf in die Atmo- sphäre. Sinkt die Temperatur, kehrt das Wasser als Niederschlag zurück in Ozeane, Seen, Fließ- gewässer, in den Boden und wird über ganz unterschiedliche Wege von Lebewesen aufge- nommen. Ein gewisser Anteil versickert und wird zu Grundwasser. Je nach Gesteinsart gelangt Grundwasser an manchen Stellen wieder an die Erdoberfläche, als sogenanntes Quellwasser.

    Wasserfloh- gedicht Nummer zwei (WERNER ROHRMOSER)

    Ein Wasserfloh im Paletot verirrt sich

    äußerst selten,

    gewöhnlich liebt das kleine Tier

    ganz klare Wasserwelten.

    Da schmust es mit dem Borstenwurm, da jagt es Flagellaten,

    treibt sich mit Rädertierchen rum, anstatt durchs Watt zu waten.

    Turnt albern durch das Nass dahin und ärgert Wasserwanzen,

    und dennoch hat es seinen Sinn als kleiner Teil vom Ganzen.

    Das Ganze, das sind du und Ich, das Tier und auch die Pflanze,

    die Elemente und das Licht und Wasser, Krug und Kranze.

    Als Mensch muss man das nicht verstehen, doch sollte man es schonen;

    denn eines wird bestimmt nicht gehen: so eine Welt zu klonen.

  • 5

    Mythische und mystische Wasserkräfte

    Flussgötter und Nymphen Natürliche Flüsse führen je nach Jahreszeit un- terschiedlich viel Wasser mit sich. Von dieser Unberechenbarkeit der Flüsse erzählen viele Sagen und Mythen.

    Die alten Griechen verehrten Nymphen und Flussgötter, die sie sich wie menschenköpfige Stiere vorstellten. Den Flussgöttern wurden Stiere, Schafe und Pferde geopfert, indem man sie häufig lebendig in die Fluten stürzte. Diese kultische Beziehung zu Stieren bezog sich auf das „Stiergebrüll“ des Flusses, die rauschenden Fluten. Opferkulte zu Ehren der Flussgötter gab es in allen antiken Religionen, vor allem vor der Überquerung unbekannter Gewässer. Die Men- schen hofften, damit die auf dem Flussgrund lebenden Götter zu besänftigen.

    Die Nymphen hingegen symbolisierten die le- bensspendende Qualität der Quellen und waren sehr eng mit den Kultplätzen der alten Griechen verwoben. Das Versiegen einer Quelle galt so- mit als sicheres Zeichen, dass die dort lebende Nymphe gestorben war.

    Auch hierzulande haben Flüsse ein Gesicht oder besser zahlreiche Gesichter. Die Ungeheuer in der Elbe, die Legende vom Donaufürsten und die schöne Loreley sind nur einige Beispiele der unzähligen Sagen um schnellende Flussströme, sich schlängelnde Bachläufe und unheimliche Altwässer.

    Nutzen und Kraft des Wassers Flüsse spielten in der Siedlungsgeschichte der Menschen stets eine wichtige Rolle. Ein wichti- ger Grund war natürlich der leichte Zugang zum Wasser. Viel wichtiger jedoch waren die frucht- baren Böden links und rechts der Flüsse. Diese sogenannten Aueböden haben sich aus abge- lagerten Flusssedimenten der letzten Eiszeit entwickelt. Um den Boden nutzbar zu machen, begannen die Menschen, den Auwald abzuhol- zen und auf diesen, zeitweilig feuchten Flächen Ackerbau zu betreiben oder ihr Vieh dort weiden zu lassen.

    Aber auch die Kraft des Wassers wurde aus- genutzt: Die Römer zum Beispiel brachten die Wassermühlentechnik, die seit dem 5. Jahr- hundert v. Chr. aus Mesopotamien bekannt ist, nach Deutschland. Das Besondere an dieser technischen Entwicklung war, dass auch me- chanische Energie verfügbar war. Ursprünglich dienten Wasserräder vor allem als Schöpfräder zur Bewässerung der Äcker, aber auch zum An- trieb von Mahlmühlen. In der Alten Saline in Bad Reichenhall stehen zwei Wasserräder aus Metall, die mit ihrem Durchmesser von 13 Metern zu