November 2013 ISSN 0947-0875 4 - nwg-info.de .03.02.2014 · 4/13 137 Inhalt 137 hauptartIkel Annette

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  • n. . . . . . . NeurowissenschaftlicheGesellschaft 4.13

    November 2013 XIX. Jahrgang

    D 13882 F ISSN 0947-0875

    Die Rolle des Gehirns bei Adipositas

    Lieferung auf Abruf: Exosomen als „Care“-Pakete von Gliazellen für gestresste Neurone

    Neuropharmakologische funktionelle Bildgebung

  • Program Committee: Prof. Dr. Helmut Kettenmann (Chair)

    Prof. Dr. Andreas Draguhn Prof. Dr. Herta Flor

    Prof. Dr. Charlotte Förster Prof. Dr. Eckhard Friauf

    Prof. Dr. Martin Göpfert Prof. Dr. Gerd Kempermann

    Prof. Dr. Michael Koch Prof. Dr. Sigrun Korsching

    Prof. Dr. Thomas F. Münte Prof. Dr. Erwin Neher

    Prof. Dr. Hans-Joachim Pflüger Prof. Dr. Andreas Reichenbach

    Prof. Dr. Christian Steinhäuser Prof. Dr. Fred Wolf

    Local Organizers: Prof. Dr. Martin Göpfert

    Zelluläre Neurobiologie Schwann-Schleiden-Forschungszentrum

    Julia-Lermontowa-Weg 3 37077 Göttingen

    mgoepfe@gwdg.de

    Organization: Neurowissenschaftliche Gesellschaft e.V.

    Max Delbrueck Center for Molecular Medicine (MDC) Berlin-Buch

    Robert Roessle Str. 10 D-13092 Berlin

    Germany Phone: +49 30 9406 3336

    Fax: +49 30 9406 2813 E-Mail: korthals@mdc-berlin.de

    Homepage: http://nwg.glia.mdc-berlin.de

    Eleventh Göttingen Meeting of the German Neuroscience Society

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    Stipends: The German Neuroscience Society will provide stipends for young qualified researchers. Details will be announced at http://www.nwg-goettingen.de/2015/

    The programmes of the last meetings are available at http://nwg.glia.mdc-berlin.de/de/conference/archive/

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    C March 18 –21, 2015

    Deadline for submission of a symposium proposal: February 3, 2014

    Symposia dealing with all areas of neuroscience research are invited.

    The applicant should submit a proposal containing the title of the planned

    symposium, the name(s) and address(es) of the organizer(s), a short description

    of the aims of the symposium and the names, addresses and topics of the

    speakers to be invited. The NWG strives to increase the proportion of women

    as organizers and speakers of symposia. The gender distribution within each

    proposal will therefore be one selection criterion. The application must be

    submitted via the Society’s website: http://nwg.glia.mdc-berlin.de

  • 4/13 137

    Inhalt 137

    hauptartIkel Annette Horstmann und Arno Villringer 138 Die Rolle des Gehirns bei Adipositas

    Eva-Maria Krämer-Albers und Carsten Frühbeis 146 Lieferung auf Abruf: Exosomen als „Care“-Pakete von Gliazellen für gestresste Neurone

    Christiane Thiel 154 Neuropharmakologische funktionelle Bildgebung

    Internetportal Öffentlichkeitsarbeit auf www.dasGehirn.info 162

    nachrIchten aus der deutschen ForschungsgemeInschaFt Neue DFG-Forschergruppe 163 DFG schreibt Communicator-Preis 2014 aus 163 Wissenschaftspreis 2014 der Fondation NRJ 163

    nachrIchten aus der neurowIssenschaFtlIchen gesellschaFt Stipendien für das FENS Forum of European 164 Neuroscience – Mailand 2014 (5. - 9. Juli)

    ausblIck 164 Impressum 164

    Inhalt

    n. . . . . . . NeurowissenschaftlicheGesellschaft Vorstand der Amtsperiode 2013/2015

    Präsident: Prof. Dr. Helmut Kettenmann, Berlin

    Vizepräsident: Prof. Dr. Hans-Joachim Pflüger, Berlin

    Generalsekretär: Prof. Dr. Christian Steinhäuser, Bonn

    Schatzmeister: Prof. Dr. Andreas Draguhn, Heidelberg

    Sektionssprecher Computational Neuroscience: Prof. Dr. Fred Wolf, Göttingen

    Entwicklungsneurobiologie/Neurogenetik: Prof. Dr. Gerd Kempermann, Dresden

    Klinische Neurowissenschaften: Prof. Dr. Thomas F. Münte, Lübeck

    Kognitive Neurowissenschaften: Prof. Dr. Herta Flor, Mannheim

    Molekulare Neurobiologie: Prof. Dr. Sigrun Korsching, Köln

    Neuropharmakologie und -toxikologie: Prof. Dr. Michael Koch, Bremen

    Systemneurobiologie: Prof. Dr. Eckhard Friauf, Kaiserslautern

    Verhaltensneurowissenschaften Prof. Dr. Charlotte Förster, Würzburg

    Zelluläre Neurobiologie: Prof. Dr. Andreas Reichenbach, Leipzig

    Oligodendrozyten geben vesikuläre Pakete von Biomolekülen in Form von Exosomen ab (grün), die von Neuronen (rot) aufgenommen und in Endosomen (blau) verwertet werden. (siehe Seite 146 ff).

  • 138 4/13

    dIe rolle des gehIrns beI adIposItas

    Die Rolle des Gehirns bei Adipositas

    Annette Horstmann und Arno Villringer

    Einführung

    Adipositas bezeichnet starkes Überge- wicht, welches durch eine über das nor- male Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes gekennzeichnet ist. Nach der Definition der World Health Organization (WHO) gilt ein Mensch ab einem Körper- masseindex (Body Mass Index, BMI) von über 30 kg/m2 als adipös. Adipositas ist ein hoher Risikofaktor für die Entwicklung von z.B. Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2 und erhöht darüber hinaus das Risiko, im Laufe des Lebens an verschiedenen Arten von Krebs oder Demenz zu erkranken. Laut einer repräsentativen Studie aus den Jahren 2008-11 ist in Deutschland inzwischen fast ein Viertel der erwachse- nen Bevölkerung adipös (Männer 23,3%, Frauen 23,9%). Die häufigste Ursache für

    Umgebung? Wird Hunger anders wahrge- nommen? Gibt es elementare Unterschiede in Hirnregionen, die die inhibitorische Verhaltenskontrolle steuern?

    Welche genaue Rolle unser Gehirn bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung der Adipositas spielt, rückt in den letz- ten Jahren immer mehr in den Fokus der neurowissenschaftlichen Forschung. In Leipzig forscht ein Verbund aus Neuro- biologen, Medizinern, Psychologen und Informatikern als Teil des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums Adipositas-Erkrankungen unter Beteili- gung der Abteilung für Neurologie des Max-Planck-Institutes für Kognitions- und Neurowissenschaften gemeinsam an die- sem Thema (www.ifb-adipositas.de, www. sfb-1052.de). Zum Einsatz kommen dabei bildgebende nicht-invasive Methoden, wie die Magnetresonanztomografie (MRT), mit deren Hilfe Hirnstruktur und -funktion beim Menschen untersucht werden können.

    Homöostatisches und hedonisches System

    Die zentralnervöse Regulation der Ener- giebilanz (d.h. die Summe von zugeführter und verbrauchter Energie) ist ein komplexes Zusammenspiel vieler verschiedener Fak- toren. Grundlegend können auf der Ebene des Gehirns zwei Hauptanteile beschrieben werden, die jedoch nicht völlig unabhängig voneinander sind: Im homöostatischen System, dessen Regulierung weitestgehend unbewusst über Hormonlevel passiert, sen- den periphere Botenstoffe, die z.B. in den Verdauungsorganen oder dem Fettgewebe gebildet werden, über den Hypothalamus Informationen an das Gehirn und modulieren dessen Aktivität in verschiedenen Regionen und Netzwerken, um die Nahrungsaufnahme einzuleiten oder zu beenden. Das Hormon Leptin ist zum Beispiel in der Lage, die Aktivität des Belohnungssystems direkt zu modulieren.

    Im hedonischen System wird die Nah- rungsaufnahme weitestgehend über die Bewertung der sensorischen Eigenschaften oder der Folgen des Verzehrs von Lebens- mitteln geregelt. Beide Systeme sind schon sehr alt und nicht nur beim Menschen zu finden. Große Teile des Gehirns sprechen auf Essen, dessen sensorische Eigenschaften (z.B. Aussehen, Geschmack, Geruch; Abbil- dung 1) oder sogar auf assoziierte Reize an (Kenny 2011). Dabei werden von den ver- schiedenen Hirnregionen unterschiedliche Funktionen übernommen (Tabelle 1): Die sensorischen Kortizes, wie z.B. der visuelle im Okzipitallappen, der gustatorische im

    Zusammenfassung Die häufigste Ursache für Adipositas ist eine positive Energiebilanz, d.h. es wird mehr Energie über die Nahrung aufgenommen als z.B. durch körperliche Aktivität verbraucht wird. Die Ursache für steigende Adipositasraten in den Industriekulturen kann jedoch nicht ausschließlich in der veränderten Umwelt liegen, da es starke in- dividuelle Unterschiede bezüglich der Gewichtsentwicklung gibt. Die Ursache liegt also wahrscheinlich in der Interaktion von individuellen Verhaltensmustern und der Umgebung. In diesem Kontext wird es spannend, die Rolle des Gehirns bei der Ent- stehung und Aufrechterhaltung der Adipositas zu untersuchen. Diese Frage rückt in letzter Zeit immer mehr in den Fokus der neurowissenschaftlichen Forschung. Der vorliegende Reviewartikel soll einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand im Bereich der bildgebenden Neurowissenschaften zur Adipositas beim Menschen geben. Darüber hinaus wird das Zusammenspiel von Genvarianten, Essverhalten und Gehirn im Hinblick auf Adipositas beleuchtet. Abschließend werden offene Fragen des Forschungsfeldes zusammengefasst, in deren Beantwortung das Forschungsfeld in naher Zukunft investieren sollte.

    Abstract ‚The most common cause for obesity is a positive energy balance, i.e. more energy is being consumed than is expended. The rise in obesity rates cannot be explained on the basis of our obesogenic environment alone, because large interindividual differences in weight status exist between people. Therefore, the cause is most probably to be found in an interaction between individual behaviour and our changed