Nuntia Magazin 1. Februar 2014

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    23-Mar-2016

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Verax Institut Orientierung in einer Zeit der Beliebigkeit http://veraxinstitut.ch

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<ul><li><p>www.veraxinstitut.chOrientierung in einer Zeit der Beliebigkeit</p></li><li><p>3Inhaltsangabe</p><p>Impressum ................................................................ 3</p><p>Das neue Evangelium der Wohlttigkeit .................................................................. 4</p><p>Die Gemeinde menschliches System oder erwhltes Volk?.................................................................. 9</p><p>Vorstellung: Verax Institut................................................................ 22</p><p>Impressum</p><p>NuntiaAusgabe Nr. 1: 1. Februar 2014</p><p>Herausgeber &amp; GeschftsstelleVerax InstitutChristoph Kunz, KassiererRugenstrasse 193800 Matten BE, SchweizTelefon: +41 (0)79 432 94 30E-Mail: ckunz@veraxinstitut.chHomepage: veraxinstitut.ch</p><p>SchriftleitungDr. Martin ErdmannE-Mail: me@veraxinstitut.ch</p><p>BankkontenPostFinance (Schweiz)</p><p>CHF-Konto Nr. 40-367541-9IBAN: CH66 0900 0000 4036 7541 9BIC/SWIFT: POFICHBEXXX</p><p>Sparkasse Hochrhein(Deutschland)</p><p>Euro-Konto Nr. 77043040Bankleitzahl: 68452290IBAN: DE36 6845 2290 0077 0430 40BIC/SWIFT: SOLADES1WHT</p></li><li><p> 4</p><p>Das neue Evangelium der Wohlttigkeit</p><p>von Dr. Martin Erdmann</p><p>Rick Warren, Pastor der Saddelback-Gemeinde in Lake Forest, Kalifornien, stellte in einem Interview die Prognose auf: Die Zukunft der Welt liegt im religisen Pluralismus.1 Wenn Rick Warren als Vertreter einer evangelikalen Kirche damit zum Ausdruck bringt, dass viele Wege zum Heil fhren, kann die evangelikale Welt ohne Zweifel einen prominenten Platz in der weltweiten Diplomatie einnehmen. Doch welchen Preis bezahlt sie dafr? Je mehr sich die Kirche als politische Aktivistin in einer sich neu gestalteten Weltordnung positioniert, umso schneller gibt sie das Privileg preis, das sie von Gott erhalten hat, nmlich Hterin und Verkn-derin des biblischen Evangeliums zu sein. Im Kampf um politische Macht werden pltzlich andere Dinge wichtig, wie zum Beispiel ehr-geizige Kampagnen zur Mobilisierung von Menschen, die Vernetzung von Kleingruppen und gigantische Sozialprojekte.2 Die neue Auf-gabe, zu der Rick Warren die Christen aufruft, ist die Wohlttigkeit.3 </p><p>In einem YouTube-Video4 erklrt Warren, wes-</p><p>1 Rick Warren, Pastor Argues Faith is Missing Link, von Maria Kefala; http://www.thehoya.com/node/152512 http://www.pastors.com/RWMT/article.asp?ArtID=82803 http://www.thehoya.com/node/152514 http://www.youtube.com/watch?v=je2FDmsr</p><p>halb sich die evangelikale Kirche im Hinblick auf ihre weltweite Aufgabe radikal umorientie-ren sollte. Nebenbei erwhnt er seine Mitglied-schaft im amerikanischen Rat fr auswrtige Beziehungen5. In diesem Rat verfasst er haupt-schlich Texte im Rahmen der so genannten Religion- und Aussenpolitik-Initiative6. Rick Warren sowie der Vorsitzende der Kommissi-on Ethik und religise Freiheit der Sdlichen Baptisten in den USA, Richard Land, und der Erzbischof von Washington, Theorode Mc-Carrick, wurden zu mehreren Treffen in New York und Washington eingeladen, um ber den Einfluss der Religion auf die Aussenpolitik zu </p><p>referieren. Der Rat fr auswrtige Beziehungen setzt sich seit seiner Grndung vor knapp 90 </p><p>xiA&amp;feature=user5 Council on Foreign Relations; CFR6 Religion and Foreign Policy Initiative http://www.cfr.org/publication/9771/role_of_religion_in_us_foreign_policy_focus_of_new_council_initiative.HTML</p></li><li><p>5Jahren dafr ein, die Kirchen als Propaganda-instrument zur Errichtung einer Weltregierung zu gewinnen. Um dieses hoch gesteckte Ziel zu erreichen, ist es von grter Wichtigkeit, dass sich die Christen fr ein Sozialevangelium7 ein-setzen. Der soziale Aspekt des Evangeliums ist der gemeinsame Nenner aller Christen. Wenn die Christen im Sozialevangelium vereint sein werden, wird es den Vereinten Nationen gelin-gen, auch eine politisch geeinte Welt zu schaf-fen. Die geschichtlichen Fakten werden in Martin Erdmanns Buch Building the Kingdom of God on Earth8 detailliert beschrieben.</p><p>Der evangelikalen Kirche wird eine neue Rolle zugewiesen: sie soll den Einfluss westlicher Eli-ten in Politik, Militr und Wirtschaft erweitern. Dadurch kann sie nicht mehr ihre eigentliche Aufgabe wahrnehmen, die biblische Wahrheit zu verkndigen. hnliches hat sich im vergan-genen Jahrhundert abgespielt, als die protestan-tischen Kirchen den biblischen Kurs verliessen und sich der liberalen Theologie verschrieben. Seitdem ist kirchliches Handeln stark von poli-tischen Zielen berlagert. Rick Warren deute-te unmissverstndlich auf die neue kirchliche Position der Neutralitt in einem Artikel hin, der in der Washington Post erschienen war. Die Journalistin Michelle Boorstein gab dem Arti-kel die berschrift: Megakirchenpastor War-ren ruft zu einer zweiten Reformation auf9:</p><p>Der Megakirchenpastor und Philanthrop Rick Warren, der von vielen Politikern in aller Welt umworben wird, ist der Meinung, dass das Christentum eine zweite Reformation ntig habe, um sich der Wohlttigkeit zuwenden zu </p><p>7 Social Gospel8 Martin Erdmann, Building the Kingdom of God on Earth (Wipf &amp; Stock, Eugene, OR, 2005).9 Megachurch Pastor Warren Calls for a Second Reformation</p><p>knnen. Ihm kommt es nicht auf das Bekennt-nis des Glaubens an, weil dieses die Christen-heit spaltet. In diesem Interview sagte Warren, dass er seine Aufmerksamkeit von den heiss umstrittenen Themen abwenden und sich auf die kulturelle Vernderung mittels der Poli-tik, Kunst, Musik und des Sports konzentrie-ren wird. Das so genannte Evangelium ist eine Kulturrevolution, die von einer Ideologie </p><p>bestimmt wird10. Warren beabsichtigt, die Kir-chen in allen Lndern davon zu berzeugen, dass deren oberste Aufgabe darin besteht, die-se politische Agenda zu verwirklichen. Was er nicht sagt, ist, dass dies zu einer ideologischen, ja letztlich militrischen und politischen Welt-herrschaft fhren wird. Dass die Verkndigung des biblischen Evangeliums der Erlsung sn-diger Menschen durch den Kreuzestod Christi dabei vllig aus den Augen verloren geht, ist nicht nur ein bedauernswerter Nebeneffekt die-ser neuen Entwicklung, sondern sogar bewusst geplant. Im Namen seines globalen P.E.A.C. E.-Plans hat Warren die Bedeutung des P von 10 Die zweite Reformation entspricht dem neo-kuyperianischen Dominionismus der Sphren, das heisst der ideologischen bernahme aller Kulturbereiche.</p></li><li><p> 6Plant Churches [Kirchen grnden] zu Pro-mote Reconciliation [Vershnung frdern] umbenannt.11 </p><p>Im Interview beschreibt Warren auch die mit-</p><p>einander verzahnten Partnerschaftsbeziehun-gen von Regierung, Kommerz und Kirche. Warrens Mentor, der Managementberater Pe-ter Drucker, hatte dies in einem dreibeinigen Stuhlmodell dargelegt. Seine These lautete, dass eine Gesellschaft nur dann gut funktio-nieren wrde, wenn sie auf den drei Standbei-nen Politik, Wirtschaft und Kirche stnde. Die Verwirklichung dieses Modells hat sich Warren zur Pflicht gemacht. Er lsst keinen Zweifel </p><p>aufkommen, dass seine Heilsvision nur noch auf das Diesseits bezogen ist. </p><p>Die Journalistin Maria Kefala schrieb ei-nen Artikel unter der berschrift: Pa-stor behauptet, der Glaube sei das fehlende </p><p>11 http://www.thepeaceplan.com/</p><p>Verbindungsstck12:</p><p>Sie zitiert Rick Warren mit folgenden Worten: Der Regierung und Industrie wird es nicht ge-lingen, die sozialen Probleme zu lsen, es sei denn, sie beziehen die Glaubensgemeinschaf-ten mit ihren grossen Scharen an Freiwilligen und ihren weltweiten Netzwerken ein [] Die Menschen sind besorgt darber, dass es den Kirchen nur um Bekehrung geht, aber jeder hat einen Beweggrund. Jeder hat eine Welt-anschauung. Das Christentum ist eine Weltan-schauung [] mir ist es egal, warum sie Gutes tun, solange sie Gutes zu. (Zitatende)</p><p>Anstelle der biblischen Heilsbotschaft, die auf das ewige Heil der Menschen bedacht ist, weil diese ohne die Erlsung in Jesus Christus fr immer verloren gehen wrden, soll nun das Wohlttigkeits-Evangelium in den Mittel-punkt des Interesses rcken. Offensichtlich hat es dem Evangelium der guten Gefhle, das in den vergangenen Jahrzehnten die Zustimmung der Evangelikalen gefunden hatte, zu einer neuen Bedeutung verholfen. Jetzt redet Warren den Christen ein, dass sie sich nur wohlfhlen, wenn sie Gutes tun. Die eindringlichen Auf-rufe zum sozialen Engagement besitzen eine erstaunliche hnlichkeit zu den Appellen des Sozialevangeliums im 20. Jahrhundert. Im neuen Wohlttigkeitsevangelium wird jedoch nicht erwhnt, dass ein sndiger Mensch einen himmlischen Erlser braucht, um vor dem hei-ligen Gott bestehen zu knnen. Es ist vielmehr auf die vielen Sozialprojekte konzentriert, die Rick Warren mit seinem P.E.A.C.E.-Plan um-setzen mchte. </p><p>Er teilt die Probleme der Welt in fnf Haupt-kategorien ein: geistige Leere (er versteht dar-unter ein Mangel an Gottes Liebe im Leben), 12 Pastor Argues Faith is Missing Link; http://www.thehoya.com/node/15251</p></li><li><p>7egoistische Herrschaft und Korruption, extre-me Armut, pandemische Krankheiten und An-alphabetentum.</p><p>Seiner Meinung nach tat Jesus fnf Dinge, um diesen fnf Problemen entgegenzuwirken: er frderte die Vershnung, rstete Leiter als Die-ner aus, untersttzte die Armen, sorgte fr die Kranken und unterrichtete die nchste Genera-tion.</p><p>Das abgrundtiefe Elend in den Entwicklungs-lndern vielfach von den Finanzinteressen westliche Staaten verursachte veranlasste Warren, seinen P.E.A.C.E.-Plan zu initiieren, der Christen anleitet, wie sie kontinuierlich Gutes tun knnen.</p><p>Warren sagte: Mir ist es egal, ob die Men-schen aus politischen, konomischen, persn-lichen oder religisen Grnden Gutes tun, so-lange sie Gutes tun; hierin liegt kein ethischer oder moralischer Gesichtspunkt [] Ich diene einem Retter namens Jesus Christus, der sagte, liebe deinen Nchsten wie dich selbst, und dies ist der Grund, wieso ich das tue, was ich tue.</p><p>Dass Jesus eine ganz andere Definition von </p><p>liebe deinen Nchsten wie dich selbst im Sinn hatte, als er dieses Gebot als das oberste hervorhob und dem Gebot, Gott von ganzem Herzen zu lieben, gleichstellte, wird aus dem </p><p>Textzusammenhang von Matthus 22, Verse 34 bis 40 deutlich. Das Wohlt-tigkeitsevangelium gibt sich nur dann zufrieden, wenn jeder mitmacht und alle Ressourcen eingebunden werden, um dieses eine Ziel zu erreichen; Gutes zu tun sich also sozial zu engagieren. Jeder ist in der Runde willkommen Regierungen, Grosskonzerne, ja sogar andere Religionen solange dem ber-geordneten Zweck der Wohlttigkeit gedient wird. Der stets mitschwingende Grundton des Dominionismus wird un-berhrbar, wenn vorgegeben wird, dass die Christen im Bauen des Knigreich Gottes auf Erden ein gutes Werk verrich-ten. Es spiele dabei keine Rolle, welches Mittel angewandt, welche Strategien ver-folgt und welche Wege beschritten wer-den. Dass die Integritt des biblischen Evangeliums dadurch blossgestellt wird, ist Warren offensichtlich vllig egal.</p></li><li><p> 8</p><p>Auf den Punkt gebracht:Die neuesten gesellschaftlichen Trends in </p><p>einer sich stndig verndernden Welt.www.auraria.eu</p><p>Annonce</p></li><li><p>9Einige Schlagworte sind in jngster Zeit in evangelikalen Gemeinden immer hufiger zu hren: Abschaffung der globalen Armut, das Erreichen der UN-Millen-nium-Entwicklungsziele, Stop Armut 2015, die sozialpolitische Transformation von Kir-che und Staat, die Errichtung hvom Knigreich Gottes. Vordergrndig betrachtet, scheinen das gute Ziele zu sein. Es soll eine sakrale Gesell-schaft errichtet werden. In meinem Vortrag zum Thema Die Gemeinde menschliches System oder erwhltes Volk zeige ich auf, dass die sa-krale Gesellschaft nicht Gottes Wille ist, son-dern heidnischen Vorstellungen entspringt. </p><p>Zunchst stelle ich herauf, dass es in der Antike sakralen Gesellschaften gegeben hat und dass auch in der Zeit, als das Christentum Staats-religion wurde, die sakrale Gesellschaft stark gepflegt wurde. In unserer Zeit lebt diese heid-nische Religion besonders in evangelikalen Kreisen wieder auf, ohne dass die Glubigen es merken. </p><p>1. Die Merkmale einer sakralen Gesellschaft</p><p>Alle vorchristlichen Volksstmme, Knigrei-che und Imperien waren ihrer religisen und politischen Konstitution nach sakral. Das Wort sakral bedeutet in diesem Zusammenhang eine Gesellschaft, die sich besonders durch ihre religisen Riten auszeichnet. In ihrer Mitte </p><p>wurde nur eine einzige Religion geduldet. Alle Mitglieder dieser Gesellschaft waren verpflich-tet, ihre kultische Verehrung dem Gott oder den Gttern dieser einen Religion darzubringen. Welcher Religion man anhing, wurde einzig durch die Zugehrigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe geregelt. Das wichtigste Kenn-zeichen einer sakralen Gesellschaft ist ihr Hei-ligtum, in dem rituelle Handlungen, oftmals Sakramente genannt, vollzogen werden. Der Einzelne war nur soweit in seinem Volk integ-riert, wie er bereit war, sich den ihm auferleg-ten religisen Verpflichtungen unterzuordnen. </p><p>Erfolgte diese Unterordnung nicht, wurde die betreffende Person im gnstigsten Fall aus der Volksgemeinschaft ausgewiesen. In der Regel aber folgte auf dieses Vergehen die Todesstrafe.</p><p>Was Cicero ber das Rom seiner Zeit sagte, trifft auf alle sakralen Gesellschaften der vor-christlichen ra zu: Jeder Staat hat seine Re-ligion, und wir haben unsere.1 Deshalb ist es unsinnig, in einer sakralen Gesellschaft von ei-ner Kultgemeinde und vom Staat zu sprechen, als ob beide unterschiedliche Bedeutungen ht-ten. Diese Institutionen waren damals undiffe-renziert, obgleich es bisweilen einen Knig und einen obersten Priester gab. In der Regel waren beide Funktionen in einer Person vereint.</p><p>1 Cicero, Pro Flacco (Oxford, 1962), Vol. IV, par. 28.</p><p>von Dr. Martin Erdmann</p><p>Die Gemeinde menschliches System oder </p><p>erwhltes Volk?</p></li><li><p> 10Doch selbst wenn die kniglichen und priester-lichen Aufgaben von verschiedenen Personen verrichtet wurden, regierte der Knig ber die gleichen Untertanen, fr die der Priester am Altar seinen kultischen Dienst verrichtete. In einer sakralen Gesellschaft gibt es keinen kon-fessionslosen Staat.</p><p>Im Folgenden werden wir Beispiele aus der antiken und modernen Welt aufzeigen, um die Eigenart einer sakralen Gesellschaft besser ver-stehen zu knnen.</p><p>2.) Die sakrale Gesellschaft im Alten gypten</p><p>Alle religisen Systeme des antiken Nahen Os-tens so auch die Religion des alten gyptens betrachteten die Geschichte als einen Kampf zwischen Chaos und Ordnung. Man glaubte, dass die Welt ihren Anfang in den tiefgrndi-gen Wassern der Unterwelt nahm. Die gyp-ter besaen keine spezifische Mythologie der </p><p>Erschaffung des Menschen. Beachtenswert ist jedoch die Vorstellung der Kontinuitt. Die or-ganische wie anorganische Materie, ja die Erde und das Universum, standen in solch enger Beziehung zueinander, dass man sie nicht un-terscheiden konnte. Der entscheidende Aspekt war das Verbindende. Daraus schloss man, dass das Geschaffene und der Schpfer nicht von-einander getrennt werden knnen. Diese Reli-gionsvorstellung nannte man Kontinuitt des Seins.</p><p>Mit der Lehre der Kontinuitt des Seins wurde eine andere Lehre, nmlich die Vergttlichung des Menschen, begrndet. Diese Lehre wie-derum diente oft als Grundlage fr die Lehre des gttlichen Staates. In der Zeit nach Chris-ti Geburt wurde diese Lehre auf die Kirche bertragen, die sich unter Kaiser Konstantin im vierten Jahrhundert zu einem gttlichen Kirchens...</p></li></ul>