Onomasiologisch angeordnete Idiomlexika und ihr .Forschungsprojekt FRASESPAL zur deutsch-spanischen

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  • Onomasiologisch angeordnete Idiomlexika und ihr Nutzwert fr die Translatologie: das

    Forschungsprojekt FRASESPAL zur deutsch-spanischen Phraseologie1

    Patricia Bujn Otero Universidade de Vigo, Spain

    Die vorliegende Arbeit basiert auf einer praxisnahen und funktionalen Perspektive auf das bersetzen

    von Phrasemen. Hufig werden diese als besonders problematisch beim bersetzen empfunden. Fr die

    intralinguale quivalenzanalyse ist aber erstens eine Unterscheidung zwischen Phrasemen im Text und

    Phrasemen im Sprachsystem ntig. Bei der quivalenzerstellung im ersten Fall mssen die Funktionen

    des Phrasems und deren Relevanz je nach Kontext und Kotext analysiert werden. Eine Hierarchisierung

    dieser Funktionen im Ausgangstext im Zusammenspiel mit den spezifischen Anforderungen des jeweiligen bersetzungsauftrags und - vor allem - der Translatfunktion bestimmt dann eine oder andere

    bersetzungsstrategie. Ziel dieser Arbeit ist eine Analyse dieser Aspekte, sowie der Vorteile, die die

    Erstellung von onomasiologisch angeordneten zweisprachigen Wrterbchern fr die

    bersetzungspraxis hervorbringt. Die Analysebasis bildet der onomasiologisch angeordnete Thesaurus

    von Phrasemen aus dem semantischen Feld LEBEN/TOD, die im Rahmen des interuniversitres Projekts

    FRASESPAL zur kontrastiven Phraseologie Deutsch-Spanisch zusammengestellt wurde. Idiomatik-

    Thesauri wie dieser eignen sich in besonderer Weise zu einem aktiven Gebrauch seitens des

    Wrterbuchbenutzers, was sich positiv auf die bersetzungspraxis, sowie auf andere Bereiche, wie zum

    Beispiel die Didaktik einer Fremdsprache, bewirkt.

    1. Einleitung

    Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die Analyse der Vorteile, die die Erstellung von

    onomasiologisch bzw. ideographisch2 angeordneten zweisprachigen Wrterbcher fr die

    bersetzungspraxis hervorbirgt. Die Analysebasis bildet das interuniversitre Projekt

    FRASESPAL zur kontrastiven Phraseologie Deutsch-Spanisch, fr das eine onomasiologisch

    angeordnete Datenbank von Phrasemen aus den semantischen Feldern LEBEN/TOD und

    REDEN/SCHWEIGEN in beiden Sprachen zusammengestellt wurde.

    2. bersetzung und Phraseologie

    Hufig werden Phraseme fr den bersetzer und Dolmetscher als lstige bis

    unberwindliche Stolpersteine beim bergang vom Ausgangstext (AT) zum Zieltext (ZT) [...]

    als bersetzerische Herausforderung bekannt (Zybatow 1998: 149) empfunden. Woran liegt

    die Herausforderung? Zybatow (1998: 155-156) nennt mgliche Irregularittsmerkmale der

    Idiome, die diese Aufgabe erschweren, wie zum Beispiel die Nichtkompositionalitt der

    Idiom-Bedeutung bei der Sprachproduktion, die markierte formale Spezifikation oder die

    Opakheit unter anderen, und Zuluaga (2001) fhrt dabei drei mgliche Funktionen von

    Phrasemen (ikonische, konnotative und phraseologische Funktion) an, die der bersetzer

    besonders beachten soll. So auch zum Beispiel Colson (2008: 199-200):

    If, as many researchers within corpus linguistics and phraseology have pointed out, set phrases constitute a major aspect of any language, it is clear that translating from one language to another will mean being

    confronted with a very difficult task twice: establishing the meaning of the source text while taking

    figurative language and phraseology into account, and then trying to find an equivalent formulation in the

    target language. In other words, phraseology will be one of the major pitfalls of translation.

    1 Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Forschungsprojekts des spanischen Kultursministeriums ber kontrastive Phraseologie und Phraseografie (Code HUM2007-62198/FILO) entstanden, das mit FEDER Geldern

    subventioniert ist und an der Universitt Santiago de Compostela unter meiner Leitung durchgefhrt wird.

    2 Zur Unterscheidung zwischen onomasiologisch und ideographisch, siehe Dobrovol'skij (1995: 71-75).

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  • Patricia Bujn Otero

    Unseres Erachtens treffen solche Aussagen nur teilweise zu und sind immer relativ zu

    betrachten, denn Phraseme knnen in allen mglichen Textarten vorkommen und die

    Schwierigkeit liegt nicht an den Funktionen, die das Phrasem per se im Sprachsystem haben

    kann, sondern an den Funktionen, die es in jedem einzelnen Kontext und Kotext im

    Ausgangstext spielt. Die Art der bersetzung und die Translatfunktion mssen

    selbstverstndlich auch mitbercksichtigt werden. Es besteht auerdem (und eigentlich hufig

    in der so genannten kommerziellen bersetzung) die Mglichkeit, dass es sich dabei um

    eine so genannte funktionale bersetzung handelt, wo der Ausgangstext nur als

    Informationsangebot gilt und der Zieltext komplett oder teilweise neu zu gestalten ist. Dies

    trifft beispielsweise bei der bersetzung von technischen Texten wie Bedienungsanleitungen

    oder behrdlichen Texten zu. Die Frage ist also, inwieweit sich die bersetzung am

    Ausgangstext anlehnen muss (wie es zum Beispiel hufig der Fall bei der literarischen

    bersetzung ist), oder ob die Funktion des Zieltextes nach den Bedingungen des Initiators

    oder generell der Funktion der Textsorte in der Zielkultur als primr gilt. Im letztgenannten

    Fall ergibt sich die Translatfunktion keineswegs automatisch aus der Ausgangstextanalyse,

    sondern ist vielmehr pragmatisch vom Zweck der transkulturellen Kommunikation her zu

    definieren (Nord 2009:9). Obwohl der zweite Fall die Mehrheit von der in Auftrag gegebenen

    professionellen bersetzungen ausmacht, werden wir in der vorliegenden Arbeit vom ersten

    Fall ausgehen, wo Phraseme Schwierigkeiten wie die oben genannten bereiten knnen.

    Eine wichtige Aufgabe des bersetzers vor der Durchfhrung der bersetzung an sich besteht

    in der Analyse des Ausgangstextes sowohl auf der makro- als auch auf der mikrostrukturellen

    Ebene. Dadurch erhlt er einen berblick ber die kommunikativ-funktionalen Einheiten des

    Textes, in dem sich sehr wahrscheinlich auch Phraseme befinden werden. Der bersetzer

    sollte also so nach Holmes den Text als Referenzrahmen interpretieren, wo alle

    Komponenten zusammenspielen, um die gewnschten kommunikativen Zwecke zu erzielen:

    [translation is a serial process that] appears to be governed by another process that is structural in nature: that of, in the first place, abstracting from the source text its structure as a textual entity, analysing the

    interrelationships of the various parts in this structure and defining the way in which this entity functions

    in its socio-cultural setting this followed by, in the second place defining the structure of the translated

    text-to-be, the relations of its parts to the whole, and the function it is to have in its new cultural situation.

    (Holmes 1988 [1978]: 102)

    In dieser Richtung, Corpas Pastor (2000: 489-490) unterscheidet folgende vier Phasen auf der

    mikrotextuellen Ebene bei der bersetzung von Phrasemen:

    Identifizierung des Phrasems Auslegung des Phrasems im Kontext Suche von Entsprechungen auf der lexikalischen Ebene Feststellung von Entsprechungen auf der textuellen Ebene

    Fr die Bestimmung der bersetzungsstrategien kommt es allerdings auf die Analyse des

    Ausgangstextes nicht so sehr an, wie auf die Translatfunktion, die vom Zweck der

    transkulturellen Kommunikation in jedem Fall neu zu bestimmen ist. So kommentiert Nord:

    Durch ein erschpfendes, textinterne und textexterne Faktoren gleichermaen bercksichtigendes

    Analysemodell ist die Funktion-in-Kultur eines zu bersetzenden Textes oder Textsegments

    festzustellen. Durch den Vergleich mit der Funktion-in-Kultur des bentigten Zieltexts knnen die fr

    eine bersetzung des betreffenden Textes zu bewahrenden bzw. zu bearbeitenden Textelemente isoliert und beschrieben werden.

    (Nord 2009: 23)

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  • Section 8. Phraseology and Collocation

    In diesem Prozess soll der bersetzer die sprachlichen Ausdrcke oder nicht-sprachlichen

    Features, die als so genannte funktionalen Einheiten fungieren, erkennen, das heisst solche

    Elemente, die eine bestimmte kommunikative Funktion aufweisen und zur globalen Funktion

    des Textes beitragen. Aus frheren Arbeiten (Bujn 2004) lsst sich ableiten, dass manchmal

    je nach bersetzungsauftrag, Textsorte usw. Phraseme als funktionale Einheiten fungieren

    knnen, und dann als bersetzungseinheiten zu betrachten sind. In solchen Fllen analysiert

    der bersetzer was er zu machen hat und ber welche Medien nicht bezogen nur auf

    Dokumentationsmedien, sondern auch auf sprachliche Ressourcen er verfgt. Anhand dieser

    Analyse bestimmt dann er seine bersetzungsstrategie, the fit between goal and means

    (Chestermann 1998: 142)3. Die beim bersetzen angewandten Strategien knnen reiner

    bersetzerischer oder kommunikativer Natur sein, wobei sich die ersten auf das Verhltnis

    zwischen Ausgangs- und Zieltext beziehen und die zweiten als eine bewusste Planung fr die

    Lsung von konkreten Kommunikationsschwierigkeiten hier bei der Textproduktion -

    anzusehen sind.

    3. Onomasiologische Anordnung von phraseologischen Thesauri

    Die Onomasiologie geht vom Begriff zu den Benennungen, whrend die Semasiologie den

    gegenstzlichen Weg geht von den Benennungen zu den Bezeichnungen. Der Unterschied

    Onomasiologie vs. Semasiologie geht auf die Sprachzeichentheorie von F. de Saussure

    zurck, nach der sich das sprachliche Zeichen aus dem Bezeichnenden und dem Bezeichneten

    zusammensetzt4. Ziel des onomasiologischen Anordnungsprinzips ist die ling