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orthopaedie aktuell 04 2014 - eurocom-info.de · PDF fileorthopädie aktuell aktuell 00004444/2014/2014/2014 Seite Seite 1111 + Der Markt bietet den Anwendern ca. 150 verschiedene

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    Der Markt bietet den Anwendern ca. 150 verschiedene Prothesen-fumodelle sowie ca. 120 Kniegelenke und Strukturteile aus un-terschiedlichen Materialien wie Aluminium, Stahl oder Titan. Diese groe Vielfalt und Varianz begrndet sich aus der Notwendigkeit, Menschen entsprechend ihren individuellen Amputationshhen und Anforderungen passgenau zu versorgen. Durchweg profitiert der Anwender von einem vielfltigen Angebot auf dem Markt, nicht zuletzt durch den groen Wettbewerb der einzelnen Hersteller. Zur Orientierung, welche Bauteile fr welchen Anwender geeignet sind, haben alle Passteile mindestens zwei Kennzeichnungen. Zum einen die Mobilittsklasse und zum anderen die Gewichtsbezeich-nung. Optional knnen auf dem Bauteil Material und Gewicht ausgewiesen sein.

    Wie geht ein Orthopdietechniker bei der Auswahl der Passteile vor?

    Zunchst fllt der Techniker den sogenannten Patientenerhe-bungsbogen aus. Neben den Stumpfabmaen und deren Besonder-heiten trgt er hier auch das Gewicht und die Mobilittsklasse ein. Diese ermittelt er anhand eines kleinen Fragenkatalogs. Eine der Fragen lautet beispielsweise, wie weit der Patient tglich geht. Dies kann ermittelt werden, indem der Patient nach seiner tgli-chen Aktivitt befragt wird. Geht er nur vom Rollstuhl ins Bad oder mehrere Kilometer mit dem Hund spazieren? Fhrt er Alltagsaktivi-tten aus wie Wandern oder Motorradfahren oder befindet er sich mitten im Berufsleben wie beispielsweise in einem Bro oder ist als Lehrkraft an einer Schule ttig? Dies vergleicht der Techniker mit der allgemein gltigen Tabelle fr die Mobilittsklassen und kann somit Rckschlsse ziehen, um den Patienten in die entspre-chende Mobilittsklasse einzuteilen.

    Martin Pasurka, Dipl.-Ing. fr Orthopdie und Rehatechnik

    Der Fall des Monats

    Bedeutung der Mobilittsklassen, verschiedener Strukturteile und deren Materialien

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    Piktogramm zur Darstellung von Mobilittsklassen

    Innenbereichsgeher / Mobilittsklasse 1

    Der Patient besitzt die Fhigkeit oder das Potenzial, eine Prothese fr Transferzwecke oder zur Fortbewegung auf ebenen Bden mit geringer Gehgeschwindigkeit zu nutzen. Gehdauer und Gehstrecke sind aufgrund seines Zustands stark limitiert. Therapieziel: Wiederherstellung der Stehfhigkeit und der auf den Innenbereich limitierten Gehfhigkeit.

    Eingeschrnkter Auenbereichsgeher / Mobilittsklasse 2

    Der Patient besitzt die Fhigkeit oder das Potenzial, sich mit einer Prothese mit geringer Gehgeschwindigkeit fortzubewegen und dabei niedrige Umwelthindernisse wie Bordsteine, einzelne Stufen oder unebene Bden zu berwinden. Gehdauer und Gehstrecke sind aufgrund seines Zustands limitiert.

    Therapieziel: Wiederherstellung der Stehfhigkeit und der auf den Innenbereich und auf den Auenbereich limitierten Gehfhigkeit

    Uneingeschrnkter Auenbereichsgeher / Mobilittsklasse 3

    Der Patient besitzt die Fhigkeit oder das Potenzial, sich mit einer Prothese mit mittlerer bis hoher, auch vernderlicher Geschwin-digkeit fortzubewegen und dabei die meisten Umwelthindernisse zu berwinden. Er besitzt auerdem die Fhigkeit, sich im freien Gelnde zu bewegen und kann berufliche, therapeutische und andere Aktivitten ausben, die die Prothese nicht berdurch-schnittlicher, mechanischer Beanspruchung aussetzen. Gegebenen-falls besteht ein erhhter Sicherheitsbedarf aufgrund von Sekun-drbedingungen in Verbindung mit einem mittleren bis hohen Mo-bilittsanspruch. Gehdauer und Gehstrecke sind im Vergleich zum Unbehinderten nur unwesentlich limitiert.

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    Therapieziel: Wiederherstellung der Stehfhigkeit und der im In-nenbereich nicht und im Auenbereich nur unwesentlich limitier-ten Gehfhigkeit.

    Uneingeschrnkter Auenbereichsgeher mit besonders hohen Ansprchen / Mobilittsklasse 4

    Der Patient besitzt die Fhigkeit oder das Potenzial, sich mit einer Prothese wie der uneingeschrnkte Auenbereichsgeher fortzube-wegen. Zustzlich knnen aufgrund der hohen funktionellen Anfor-derungen hohe Stobelastungen, Spannungen, Verformungen auf-treten. Gehdauer und Gehstrecke sind nicht limitiert. Therapieziel: Wiederherstellung der Stehfhigkeit und der im In-nenbereich nicht und im Auenbereich unlimitierten Geh- und Mobilittsfhigkeit Nachdem der Patient in eine der Mobilittsklassen eingeteilt wor-den ist, whlt der Techniker aus dem vielfltigen Angebot der Hersteller die passenden Strukturteile aus, um dem Patienten eine individualisierte Prothese herzustellen. Aus den Katalogen der Hersteller kann sich der Techniker die passenden Strukturteile auswhlen und eine auf den Patienten zugeschnittene Prothese bauen.

    Einmal Mobilittsklasse 2 immer Mobilittsklasse 2?

    Menschen verndern sich. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, aufgrund wechselnder Bedrfnisse des Patienten eine passende Prothese herzustellen, die ihm im Alltag hilft, das Leben in vollen Zgen zu genieen. Das bedeutet, dass Patienten, die einmal in eine Mobilittsklasse eingeteilt wurden, durchaus spter deutlich aktiver werden und sich daraus zwangslufig eine Anpassung erge-ben kann.

    Wie erhalten die Bauteile ihre Klassifikationen?

    Ein Prothesentrger der Mobilittsklassen 1+2 hat andere Anspr-che und beansprucht vor allem ein Bauteil anders als Anwender der Mobilittsklassen 3+4. Demnach werden von Industrieseite aus die Strukturteile schon dementsprechend ausgelegt. Ein frischam-putierter Oberschenkelpatient bentigt zunchst viel Sicherheit im Kniegelenk. Hier kommen zumeist einachsige Kniegelenke mit Bremse, Sperre oder elektronisch gesteuerte Kniegelenke zum Einsatz. Je mobiler der Anwender ist, desto hher sind die Anfor-

    Prfstand fr den Test eines Kniegelenks

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    derungen an das Kniegelenk, aber auch an den Fu. Dass Kniege-lenk soll z. B. verschiedene Geschwindigkeiten adaptieren knnen; der Fu soll Energie zurckgeben. Diese Einteilung ist aber nicht willkrlich. So mssen alle Bauteile auf die ISO 10328 getestet werden und erhalten danach ihr maxi-mal zulssiges Belastungsgewicht. Hier ist bei der Passteilauswahl zu beachten, dass z. B. ein Anwen-der mit 120 kg zwar Strukturteile mit 125 kg erhalten kann, aber nur noch zustzlich fnf kg tragen darf. In einer Gebrauchsanlei-tung ist dies beschrieben mit: Das Bauteil ist fr die Aktivitts-grade (Mobilittsklasse) 1 bis 4 und bis zu einem maximalen Kr-pergewicht, einschlielich getragener und gesttzter Lasten, von bis zu 125 kg zugelassen. Abschlieend kommt das Material zum Tragen. Betrachten wir einen Sportler mit 90 kg. Aufgrund der hohen auftretenden Krfte bei Belastung kommt er schnell auf ber 125 kg. Stahl ist zwar das gnstigste, aber das schwerste der drei Materialien. Aluminium ist zwar der leichteste Werkstoff, ist in der Regel aber nicht so hoch belastbar und zudem teurer als Stahl. Bleibt nur noch Titan, wel-ches zwar die kostenintensivste, aber die haltbarste Alternative ist. Ziel ist, fr jeden Anwender speziell die Bauteile zusammenzu-tragen, die dem Prothesentrger ermglichen, sein Potenzial so gut wie mglich zu entfalten. Weiterfhrende Literatur J. Schmid: Prothesenkomponenten eigenstndig prfen, in: Ortho-pdie-Technik (7/2012), S. 26-31

    Korrespondenzadresse

    Dipl.-Ing. Martin Pasurka, c/o Streifeneder ortho.production GmbH, Moosfeldstrae 10, 82275 Emmering

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    Wussten Sie schon

    dass das Patientenrechtegesetz in die Rechtspraxis umgesetzt worden ist?

    Als erstes deutsches Gericht hat das Sozialgericht Dessau das am 26. Februar 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz (PatRG) in die Rechtspraxis umgesetzt. Eine Krankenkasse wurde dabei ver-urteilt, eine beinamputierte Versicherte mit einer High-Tech-Oberschenkelprothese zu versorgen, nur weil sie die dreiwchige Genehmigungsfrist nicht eingehalten hatte. Zur Strkung der Patientenrechte hatte der letzte Bundestag eine nderung des Krankenversiche-rungsrechtes vorgenommen und eine Drei- beziehungsweise Fnfwochenfrist eingefhrt. Beantragt ein Versicherter eine Leistung bei seiner Krankenkasse, gilt diese Leistung jetzt als genehmigt, wenn die Kasse nicht innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes reagiert. Auf eine Prfung der medizini-schen Notwendigkeit kommt es dabei dann nicht mehr an. Das Gericht vertrat in dem Verfahren die Auffassung, dass durch das Patientenrechtegesetz eine Risikoverschiebung zulasten der Krankenkasse stattgefunden hat. Wegweisend ist die Entscheidung insofern, als die Gesetzesnderung nunmehr bei den Patienten angekommen ist. Die Krankenkassen mssen die neuen Vorschriften bei ihrem Bewilligungsverhalten gesetzeskonform umsetzen. (SG Dessau Az. S 21 KR 282/13)

    Aktuelles aus der Gesundheitspolitik

    GKV-Finanzierung: Bundeskabinett beschliet Gesetzentwurf. Das Bundeskabinett hat am 26.

    Mrz 2014 den Entwurf eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Quali-tt in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV Finanzstruktur und Qualitts-Weiterent-wicklungsgesetz GKV-FQWG) beschlossen.

    rztliche Selbstverwal