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  • Palm Life Chart (PLC) DAS ELEKTRONISCHE PATIENTENTAGEBUCH

    www.bipolar.de

    Was ist PLC? Wie funktioniert PLC?

    Stand: August 2006

    Für viele Menschen, die an einer bipolaren Störung leiden, ist es eine große Hilfe, wenn sie über den Ver- lauf ihrer Erkrankung, über ihre jeweilige Stimmung, über besonde- re Lebensereignisse und über die Medikamente, welche sie einneh- men, Tagebuch führen. Das Tage- buch unterstützt sie dabei, die mit den manischen und depressiven Phasen verbundenen Probleme und somit letztlich ihr Leben insgesamt besser in den Griff zu bekommen. Ein Tagebuch ist ein hervorragen- des Mittel, um die eigene Erkran- kung und die Muster beim Auftre- ten von Stimmungsschwankungen besser kennen und verstehen zu lernen. Patiententagebücher gehö- ren daher heute zu den Standard- methoden bei der Behandlung von bipolaren Störungen.

    Palm Life Chart (PLC) ist ein e- lektronisches Patiententagebuch. Anstatt auf Papier halten Patienten bei PLC ihre Tagebucheinträge mit Hilfe einer eigens entwickelten Software fest. Ursprünglich entwi- ckelt wurde PLC, wie es der Na- men sagt, für so genannten Palm- Taschencomputer. Die Daten wer- den per „Stift“ über das berüh- rungsempfindliche Display des Taschencomputers eingegeben. Mittlerweile steht PLC auch auf anderen Computer-Plattformen zur Verfügung. Patienten können ihre Einträge beispielsweise auch über ihren Internet-Browser, etwa den Internet-Explorer von Microsoft, oder auf Wunsch auch über ihr WAP-fähiges Handy erfassen.

    Das PLC-System setzt sich aus zwei wesentlichen Bausteinen zu- sammen: aus der eigentlichen Ta- gebuch-Software einerseits, über welche der Benutzer täglich seine Einträge vornimmt, und dem Aus- wertungsprogramm, welches auf einem zentralen Server die Tage- buchdaten sammelt und daraus verschiedene Berichte erstellt.

    Die gegenwärtig meist noch auf einem Palm-Taschencomputer in- stallierte Tagebuch-Software auto- matisiert die arbeitsintensiven Schritte der Tagebuchführung. Täg- lich gibt der Patient über entspre- chende Eingabemasken seine Stim- mung, krankheitsbedingte Beein- trächtigungen im täglichen Leben, Schlafdauer, Bezeichnungen und Mengen der genutzten Medika- mente, aufgetretene Nebenwirkun- gen und zusätzlich außergewöhnli- che Lebensereignisse (Beispiel: Ver- lust des Arbeitsplatzes) ein.

    Die vom Patienten eingetrage- nen Daten werden anschließend per Knopfdruck über eine Internet- Verbindung an einen Auswer- tungsserver gesendet. Der Server bereitet die Daten auf und schickt an den Patienten eine grafische Auswertung zurück (als PDF- Datei). Diese vom Server erzeugte Übersicht im Din-A4-Format zeigt alle Eintragungen eines Monats im Überblick.

    Als besonders hilfreich hat sich die Darstellung der krankheitsbe- dingten Beeinträchtigungen im täglichen Leben (funktionale Beein- trächtigung) erwiesen. Wiedergege- ben wird sie als variabler Balken auf einer Skala von minus vier (Depression) bis plus vier (Manie), der für jeden Tag zugleich die Schwankungsbreite der funktiona- len Beeinträchtigung und ihre Schwere zeigt. In Kombination mit der getrennt erfassten Stimmung werden so verlässliche Aussagen über den tatsächlichen Zustand des Patienten ermöglicht.

    Im Rahmen einer während der Erprobungsphase durchgeführten Pilotstudie wurden mittels PLC ermittelte Ergebnisse mit ärztlichen Einschätzungen verglichen und dabei ein sehr hoher Übereinstim- mungsgrad nachgewiesen. Insbe- sondere werden nachgewiesener- maßen beim Einsatz von PLC zu- verlässig auch so genannte dyspho- rische Manien (hohe Energie ver- bunden mit negativer Stimmung) erkannt.

  • Nutzen für Patienten:

    Die Befragungen von Teilneh- mern einer PLC-Pilotstudie haben gezeigt, dass das System auf große Akzeptanz stößt. Der Zeitaufwand für die Eingabe ist den Erfahrungen der Probanden gemäß nicht größer als beim Papiertagebuch und in Sachen Benutzungsfreundlichkeit wurde PLC sogar leicht besser be- wertet als die herkömmlichen Me- thoden. Richtig „punkten“ kann PLC beim „Spaß-Faktor“. Die Be- fragten waren dank PLC hoch moti- viert, wenn es um den regelmäßi- gen Tagebucheintrag ging. Etwa 80 Prozent derjenigen, die PLC im täg- lichen Einsatz getestet haben, zie- hen das System den althergebrach- ten Papiermethoden vor. Die Teil- nehmer sahen in PLC ein gutes „Frühwarnsystem“ und einen Weg zur aktiven Mitarbeit im therapeu- tischen Prozess (jeweils 72 Prozent). Für rund die Hälfte der Befragten bringt PLC ein besseres Verständnis ihrer Krankheit und führt zu mehr Stabilität.

    Nutzen für Ärzte und Therapeuten:

    Nutzen in der Forschung:

    Für 86 Prozent der PLC-Nutzer mit bipolarer Störung bringt das elekt- ronische Patiententagebuch insge- samt einen hohen oder sehr hohen Nutzen mit sich. Einer der Gründe: PLC geht schnell. Bei über zwei Dritteln der befragten Nutzer ist der täglich Tagebucheintrag in weniger als drei Minuten erledigt ‒ und man hat auch noch Spaß dabei.

    Eine typische PLC-Monatsübersicht: Auf einen Blick kann zum Beispiel der behandelnde Arzt einen Ein- druck vom Verlauf der manisch- depressiven Erkrankung des Patien- ten gewinnen. Diese und andere Auswertungen (auch über wesent- lich längere Zeiträume) erstellt PLC auf Knopfdruck auf Basis der zuvor übermittelten Daten.

    Eine typische Eingabemaske der PLC-Tagebuch-Software auf einem Palm-Taschencomputer, hier zur funktionalen Beeinträchtigung. Der Benutzer wird Schritt für Schritt durch den Prozess geführt und gibt die Daten mit einem Stift auf dem berührungsempfindlichen Display ein. Der Benutzer erhält per eMail das gewohnte Monats-LifeChart.

    Ärzte und Therapeuten profitie- ren in Form regelmäßiger und ver- lässlicher Tagebucheinträge indi- rekt vom erwiesenen Nutzwert für die Patienten. Außerdem können sie auf die vielseitigen, im Prinzip unbegrenzten Auswertungsmög- lichkeiten von PLC zurückgreifen. Entsprechende Berichte auf Basis herkömmlicher, papiergestützter Patiententagebücher zu erstellen, würde einen immensen zusätzli- chen Arbeitsaufwand erfordern. Anders bei PLC: Auf Knopfdruck können beispielsweise Auswer- tungsgrafiken über mehrere Jahre erstellt werden, was die langfristige Beurteilung eines Krankheitsver- laufs enorm erleichtert. Auch die Medikation und ggf. Nebenwirkun- gen sind rasch erfassbar. Wenn ein Arztwechsel stattfindet, muss nicht mühsam wieder „alles von vorn erzählt“ werden. Stattdessen finden die Auswertungen als „portable elektronische Krankengeschichte“ Verwendung.

    Für die Forschung sind neben der großen Benutzerakzeptanz und den positiven Motivationseffekten von PLC vor allem die Kosteneffi- zienz und die große Flexibilität des Systems von Vorteil. Die unmittel- baren EDV-gestützten Auswertun- gen, wie sie PLC bietet, sind heute vielfach unentbehrlich. Sie erst er- möglichen in vielen Fällen eine wirtschaftliche Durchführung be- stimmter Studien mit großer Teil- nehmerzahl. Herkömmliche, pa- pierbasierten Methoden erfordern indes eine aufwändige manuelle „Digitalisierung“ der Daten ‒ und sind so oftmals unbezahlbar. PLC ist leicht in vieler Hinsicht anpass- bar. Zum Beispiel können Tage- bucheinträge außer über einen Palm auch per PC-Software, über das Internet (Web-Browser) oder über Handy (SMS od. WAP) erf ol- gen. Die unterschiedlichen Einga- bewege können gemischt werden. Das PLC-System sorgt dafür, dass sie einheitlich gespeichert werden.

    Kontakt: Arbeitsgruppe Neue Medien der DGBS, plc@bipolar.de c/o Dr. Lars Schärer, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychosomatik, Hauptstraße 5, 79104 Freiburg, Tel 0761/2706501

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