Parallelen zur Entf¼hrungsgescbichte im Miles zur Entf¼hrungsgescbichte im Miles gloriosus. Es ist

  • View
    218

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Parallelen zur Entf¼hrungsgescbichte im Miles zur Entf¼hrungsgescbichte im Miles...

  • Parallelen zur Entfhrungsgescbichte im Milesgloriosus.

    Es ist sohon frher von Rohde und Baoher, lind neuerdingswieder von Ribbeok (Alazon. Ein Beitrag zur antiken Ethologieeto. Leipzig 1882, S. 72 fg.) behufs Vergleiohung mit der Fabelvom Miles Gloriosus ein Mrohen aus 1001 Naoht herangezogenworden,

  • Ed. Zarncke

    'Der Pope und seine Frau' 1. Ein Kaufmann hat ein Verhltnissmit der Frau eines Popen, der im Nebenhause wohnt; eine ge-heime Thr vermittelt den Verkehr. Gemss der Verabredungmit seiner Geliebten ruft der Kaufmann den Nachbar in seinHaus, um sich von ihm trauen zu lassen. Dort sieht der Popeseine Frau als Braut sitzen. Zweimal kehrt er zurck, unterdem Vorwande, ein Papier vergessen zu haben, aber beidemalefindet er seine Frau im Bette und beruhigt sich endlich. BeimHochzeitsschmause macht man ihn betrunken, schneidet ihm denBart ab, zieht ihm an, steokt ihm Pistolen in den Grtelund trgt ihn an den Hofzaull. Er erwacht und kann sich an-fangs durchaus nicht zurechtfinden: da sieht er fnf bewaffneteMnner vorbeigehen, die ihm sagen, sie seien Ruber. 'Auch ich'sprach der arme Pope, 'bin ein Ruber; ihr seid fnf, ich einer,also sechs' 2.

    Diesen heiden GesohicIlten ist noch eine dritte an die Seitezu stellen, die von Prym und Socin mitgetheilt wird 8. Es istein syrisches Mrohen, worin die Frau eines reiohen Juden ihrenMann betrttgt, iudem sie sich mit dessen Freuude, einem armenGlaubensgenossen, zu thun macht. Sie lsst den Armen einenunterirdischen Gang graben, durch den er zuerst die Stute seinesFreundes holt und diesem zeigt, dann dasselbe Spiel mit demsilberbeschlagel18n Schuh der Frau wiederholt. In heiden Fllenwird der Ehemann stutzig, aber da die Tuschungsobjecte durch(len Gang zu rechter Zeit wieder zurckgebracht werden, so findeter sie unversehrt an Ort und Stelle vor und beruhigt sich.Schliesslioh ldt der Arme den Reichen zum Hochzeitsschmauseein, wo die Frau des Reiohen die Rolle der neuen Ehegattin spielt.Der Mann sieht nun schleunigst zu Hause nach, ist aber vollstndig

    1 Albaniscbe Mrchen bersetzt von Gustav Meyer, mit Anmer-kungen von Reinhold Khler im Archiv fr Literatnrgeschichte Bd. XII,Heft I, S. 92-148, No. 12; vgl. G. Meyer in der Wissensch. Beilagezur Allg. Ztg. 1881 No. 301 S. 4427.

    2 Dieser Zug, sich selbst fr einen anderen zu halten, wie imzuerst erwhnten Mrchen. Man beachte brigens, wie in dieser Er-zhlung sowie in mehreren folgenden der getuschte Ehemann sichselbst in hervorragender Weise an seiner Dupirung betheiligt.

    S Syrische Sagen und Mrchen, aus dem Volksmunde gesammeltund bersetzt von Eugen Prym und Albert Socin (2. Theil von: Derneuaramaeische Dialeet u. s. w. Gttingen 1881. Text das. S. 25-27)No. XI S. 37-89; vgl. Meyer und Khler a. a. O. S. 136.

  • Parallelen zur Entfhrnngsgeschichte im Mi1es gloriosus. 9

    zllfriedengestellt, als er seille lh'au, die durch den Gang hinUber-geeilt daselbst yorfindet. Nachc1em .sie unter sich noch Weiber-gemeinschaft eingefhrt haben, wird zuletzt bei einem Schmausein des Reichen Wohnung der Wlrth yon seinen Gsten betrunkengemacht, yergiftet, fortgetragen und begraben; die Frau heirathetden Andem 1

    1 Hier mgen noch einige Beispiele Platz finden, die aus ver-sohiedenen Grnden sioh nioht wohl in den Rahmen der oben gege-benen Darstellung fgten. Zunchst ein Schwank in Lassberg's 'Lie-dersaal, das ist: Sammlung altteutsoller Gediohte. Herausgegeben ausungedruckten Quellen. 8t. Gallen und Konstanz 1846' im 3. Bd. S.5-16,betitelt: Die listigen Weiber. Drei Frauen finden einen Ring; siekommen berein, dass diejenige ihn erhalten solle, die. ihren Ehemannauf die listigste Weise betrogen habe. Es ist nun die Erzhlung derdritten die hierher gehrt (analysirt bei Lassberg a. 0.. O. S. 2und 3 und bei Liebrecht, Zur Volkskunde. Alte und neue Aufstze.ReHbronn 1879, S. 127-128): Die Frau hat ein Liebesverhltniss miteinem Ritter, der im Nachbarhause wohnt. Untersttzt von eincmKnaben macht sie ein Loch unten an der Wand am Ende des Bettes,um die Communication herzustellen. Da berrascht sie der Mann eines

    bei dem Ritter. Wthend er nach Hause, findet seine Frauund wird von ihr berredet, er msse sich geirrt haben. - DicJserSchwank mag vielleicht seinen Ursprung von der weiter unten be-sproohenen Geschichte in den 7 Weisen Meistern herleiten. Lichrechta. a. O. stellt ihn wegen der dadn vorkommenden 'tuschenden Aehn-lichkeit' mit einem franzsischen Fabliau zusammen, das freilich unserHaupt,motiv nicht enthlt: Des trois dames qui trouverent un anel (In:'Barbazan, Fabliaux et contes des poetes fram,ois des XI, XII, XIII,XIV et, XV siecles . . . . . Nouvelle 6dit.ion etc. par M. Meon. Paris1808 Bd. III S. 220-229 [aus dem Ms. 7218 der BibI. Imp.] analysirtbei fabliaux ou contes etc. T. IV, p. 193-194, und bei Lieb-recht a. a. O. S. 127). Die Frau erzhlt (vs. 201-265 S. 226-228),dass sie sioh in Gegenwart ihres Mannes mit ihrem Liebhaber habetraumi lassen (ein Zug, der an die oben angefhrten Parallelen erin-nert), indem sie sioh fr die Niohte eines anderen, eines gewissenEustache, den man durch Geld gewonnen, ausgegeben Imbe. - Der imWendunmuth, VII 164, Bd. IV, S. 356 fg. in Oesterley's Ausgabe (Voneiner listigen Ehebrecherin) erwhnte 'heimliohe Gang', durch den derIAiebhaber zu der Frau gelangt, spielt in dem Schwank sonst keineRolle weiter und findet sich berhaupt nicht in der Erzhlung, diediesem zu Grunde liegt: Pantscllatantra I 4, in Benfey's UebersetzungBd. H, S. 38 wozu die Parallelen anfUhrt Oesterley a. a. O. Bel. V,S. 177 Interessant ist sodann noch eine Stelle bei Saxo Gram,maticus, dem dnischen Geschichtsschre.iher IHlB dem 12. Jahrhundert

  • Ed. Zarncke

    Die Art und Weise, wie man sich des unbequemen Gattenentledigt, war in den bisherigen Beispielen theils possenhaft nn-wahrscheinlich, theils abstossend roh: wir gelangen nunmehr zurverfeinerten Wendung der listigen Entfhrung. Ein rmischesVolksmrchen, von Busk mitgetheilt, mge den Anfang machen!,Eine Waise mit Namen Graze (Grazia), heirathet einen hsslichenbuckligen Schneider, der, anf ihre Schnheit eiferschtig, sieeinschliesst, damit sie keinen Menschen ausseI' ihm selbst sehe,ja er bertncht alle Fenster, um auch den Aus.blick auf dieStrasse zu versperren. Aber er hat das Fenster in einer Rumpel-

    (beigebracht von Liehrecht, zur Volkskunde S. 127), in der Ausgabevon Mller-Velschow, Havniae 1839 Bd. I, S. 220 fg., lib. V; Der Knigvon Norwegen, Gtarus, wird auf diese Weise von Ericus, einem seinerMannen und spterem Knig von Schweden, und Gunvara, der Schwesterdes Knigs Frotho IH. von Dnemark, hintergangen. Sie, die er nochsoeben in seinem Hause verlassen hat, gewahrt er in des Erieus Be-hausung neben diesem sitzen. Da gibt sie sich fr eine Schwester derGuuvara. a.us. Der Knig berzeugt sich davon, dass Gunvara nochim Nebenhause verweilt, und ist von einer solchen Aehnlichkeit usserstbetroffen. - Woher nun Saxo seine Erzhlung nahm, ist zur Zeit niohtfestgestellt. Dahlmann (Forschungen auf dem Gebiete der Geschichte,AltoUl), 1822 Bd. I, S. 237-263} hlt das ganze fnfte Buch fr haupt-schlich aus islndischer Quelle geflossen und nicht zu altenSagen gehrig, die Saxo sonst zu benutzen pflege; Velschow a. a. O.Bd. Ir, S. 161 fg. hlt die Geschichte vom Edens fr eine im Mittel-alter ad aures titillandas erfundene Erzhlung, und unsere Episode be-treffend setzt er hinzu: Quid dicamus de eil. qua Edcus Goetherumfefellit, arte, quae quidem in fabula scenica risum movere, vix autemolim in septentrione locum habere potuit, val ob hanc unam, ut oaateraomittamus, rationem, quod pro soUta aedificiorum ligneorum conditionetriclinia numquam ita fuerint constructa, ut unnm alteri esset conti-guum? Auffllig ist es besonders, dass sich Gunvara fr ihre Sohwesterausgibt, ein Zug, den wir neben Plautus nur nooh in der Geschichtedes Gerbers und seiner Frau vorfinden. Sollen wir doch auf eine alte'Sage schUessen, die Saxo berlieferte, oder war ihm gar das plauti-nische Stck bekannt? (Sicher ist nur die Benutzung vonValerius Maximus und Marcianus Capella; vgl. Klotz in seiner Ausg.Leipzig 1771 S. 49 fg.) Immerhin konnte vom Niedprrhein oder demDecumatenlande her diese Episode ins Volk gedrungen sein. Ueberden provenQalischen Roman de Flamenca siehe weiter unten.

    1 The Folk-Lore of Rome collected by word of mouth from thepeople by R. II. Busk. London 1874, S. 399-403 betitelt: The goodGrace of the hunchback (Anm. 1: La Buona Grazia deI Gobbo), vgl.Meyer-Khler a. a. O.

  • Parallelen zur Entfilhrungsgeschiohte im Miles gloriosus. 5

    kammer vergessen, und so gelipgt es iht, sioh mit einem jungenManne, den sie im Hofe sieht" zu verstndigen. Dieser wohntnebenan und durch beiderseitige Arbeit wird nun ein Loch in derWand zu Stande gebracht, das auf der Seite der Wohnung desSchneiders durch ein Bild verdeckt wird. Sie schlt1pft hiniiber,und der neue Geliebte lsst von besagtem Sohneider fr sie einKleid machen. Beim Anprobiren stutzt der Bucklige, luft in seinHaus und findet seine Frau natrlich dort, welcher er von dereigenthmlichen Aehnlichkeit erzhlt. Sie erlangt von ihm, dasssie bei der Abreise des Paares vom Fenster aus zusehen darf,stellt aber statt ihrer eine Puppe hin. Der Abschied ist scherz-haft, der Ehemann geht bereitwillig in's Garn. Der Entilihrerfragt: You gin me your good Grace? (mi date la vostra buonagrazia), und der Betrogene, hocherfreut, dass ein ,vornehmer Herrso hflich mit ihm redet, bejaht es mehrere Male, und ab derFremde sagt: Then give me your hand upon it, gibt er ihm dieHand darauf. Man reist ab, der Schneider geht hinauf, erhltvon der Puppe begreiflioher Weise auf keine Frage Antwort undJlrUgelt sie da entdeckt er den Streich 1. Zornig wendet ersich an den Richter, aber zwei Stallknechte bezeugen, dass erdurch Handsohlag seine Buona Grazia an den Fremden abge-treten hat.

    Ein trkisches Mrchen 1'eiht sich hier an 2;

  • 6 Ed. Zarncke

    zurckzukf\hren und einen unterirdi