Programm-Magazin Bruckner 4

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Text of Programm-Magazin Bruckner 4

  • Programm-Magazin Nr. 6 Saison 14/15

    Bruckner 4Mittwoch, 4. Mrz 2015

  • Meret Oppenheim-Strasse 62, 4053 Basel, Telefon 061 366 55 55 www.residenz-suedpark.ch

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  • 1W ann ist Musik romantisch? Wenn sie unsere Gefhle berhrt? Wenn sie uns als Sprache des Herzens in eine Welt des Geheimnisvollen, Unbegreiflichen und Unwirk-lichen entfhrt? Sptestens seit Brechts Aufforde-rung Glotzt nicht so romantisch! hat der Begriff Romantik aber auch den Beigeschmack von Senti-mentalitt und bertriebenem Pathos. Die histori-sche Auffhrungspraxis hat mit ihren frischen und transparenten Interpretationen inzwischen auch die Musik der Romantiker erfasst. Statt geballter Klang-masse entdeckt sie Klarheit, Schrfe und sprechende Gestik. Ist also alles eine Frage des Blickwinkels? Der Dichter E.T.A. Hoffmann zhlte schon die Sinfonien von Haydn und Mozart zur romantischen Musik. ber Mozarts letzte Sinfonien schrieb er: Die Nacht der Geisterwelt geht auf in hellem Purpurschimmer und entdeckte in ihnen eine unaussprechliche Sehnsucht. Anton Bruckner hat die Einzelstze sei-ner vierten Sinfonie illustrativ erlutert: Er versah sie mit Titeln wie Ritter, Gebet, Jagd, Volks-fest und bezeichnete die Sinfonie selbst als Ro-mantische. Letzteres hat immer wieder Anlass zu Diskussionen gegeben. Der ber neunzigjhrige Di-rigent Stanisaw Skrowaczewski ist berhmt fr sei-ne ganz eigene Interpretation der Sinfonien Bruck-ners. Er wird erstmals unser Orchester dirigieren. Nheres darber und vieles mehr erfahren Sie in dieser Ausgabe.

    Ich wnsche Ihnen bei der Lektre viel Vergn-gen und freue mich auf Ihren Besuch.

    Dr. Hans-Georg HofmannKnstlerische Planung, Dramaturgie und Vermittlung

    Sinfoniekonzert Bruckner 4

    3 Programm

    4 Stanisaw

    Skrowaczewski

    6 Anton Bruckner:

    Sinfonie Nr. 4, Romantische

    10 Widersprche im Brucknerbild

    12 Wolfgang Amad Mozart:

    Sinfonie Nr. 34

    Intermezzo

    14 Vorlaut Eine Serie

    von Alain Claude Sulzer

    16 Casino-Geschichte(n),

    Teil 6

    19 Domenico Melchiorre und Marc Lachat im Gesprch

    Vorschau

    23 Cocktailkonzert Salon de Cuivres

    23 Echos

    des Jazz Age

    24 Agenda

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    Vorverkauf und Preise

    Bider&Tanner, Ihr Kulturhaus mit Musik Wyler, Aeschenvorstadt 2, 4010 Basel, + 41 ( 0 )61 206 99 96, ticket@biderundtanner.ch oder auf www.sinfonieorchesterbasel.ch

    Preise Sinfoniekonzerte SOB: CHF 90/75/60/45/30Ermssigungen: Studierende, Schler und Lehrlinge : 50 %, AHV/IV: CHF 5, mit der Kundenkarte Bider & Tanner : CHF 5

  • 3Sinfoniekonzert SOBBruckner 4

    Mittwoch, 4. Mrz 2015

    19.30 Uhr, Musiksaal des Stadtcasinos Basel18.45 Uhr: Einfhrung durch Dr. Hans-Georg Hofmann

    Wolfgang Amad Mozart (17561791)Sinfonie Nr. 34 C-Dur, KV 338 (1780)

    1. Allegro vivace2. Andante di molto pi tosto allegretto

    3. Allegro vivace

    Pause

    Anton Bruckner (18241896)Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, Romantische, WAB 104 (18781880)

    1. Bewegt, nicht zu schnell2. Andante quasi Allegretto

    3. Scherzo: bewegt Trio: nicht zu schnell4. Finale: bewegt, doch nicht zu schnell

    Konzertende ca. 21.45 Uhr

    Sinfonieorchester BaselStanisaw Skrowaczewski, Leitung

  • 4Skrowaczewski ldt Bruckners Musik nicht mit Pathos, Pomp oder Mystizismus auf, er lsst die Spi-ritualitt Bruckners aus der Musik selber sprechen. Er modelliert sie, arbeitet Themen und Gegenthe-men klar heraus, durchdringt die Partitur, deckt auf, was sie unter ihrer Oberflche erzhlt. Und er entfal-tet die grosse Dramatik in den Sinfonien so verliert beispielsweise das Adagio der Neunten in keinem Moment an Spannung.

    Skrowaczewski ist im besten Sinne ein Altmeis-ter, der sich ganz in den Dienst der Musik stellt. Einer auch, der mit dem Blick der Sptromantik an die Klassik wie an die Romantik herangeht. Er zeigt hier zwar die gleiche gestalterische Genauigkeit aber sein Zugriff bleibt postromantisch.

    Der Dirigent, der fr seine Bruckner-Gesamtauf-nahme 2002 mit dem Cannes Classic Award ausge-zeichnet wurde und fr seine grossen Verdienste um die Sptromantik und vor allem um die osteuropi-sche Musik des 20. Jahrhunderts die Goldmedaille der Bruckner-Mahler-Gesellschaft und in Polen den Orden vom Weissen Adler erhalten hat, ist auch Komponist. Fr seine Passacaglia Immaginaria von 1995 wurde er zwei Jahre spter fr den Pulitzerpreis nominiert. Die Komposition ist dicht und packend

    Die Spiritualitt Bruckners ist in mir, er sei vllig erfllt von dessen Musik, sagt der polni-sche Altmeister Stanisaw Skrowaczewski in einem Interview mit dem Fernsehsender Arte und erzhlt dazu eine wunderbare Geschichte: Im Alter von sechs Jahren habe er erstmals Musik von Anton Bruckner gehrt. Er sei von dieser Musik so getroffen gewesen, dass er fiebrig, krank geworden sei. Es war das Adagio der siebten Sinfonie. So verstehe man, dass Bruckners Musik fr ihn zu einer Notwendig-keit des Lebens geworden sei.

    Nicht nur ist Bruckner fr Skrowaczewski bis heute ins hohe Alter einer der grssten Komponis-ten, der Dirigent ist ebenso einer der bedeutendsten Bruckner-Interpreten der Gegenwart. Auch in Basel wird man den bald 92-Jhrigen mit Bruckner hren, mit dessen Vierter, der Romantischen. Der Dirigent strahlt grosse Gestaltungskraft aus, lebt in der Musik ob er nun Bruckner, Schostakowitsch, Bartk oder die Werke anderer Komponisten dirigiert. Am Ende von Bruckners Neunter, die er vor Kurzem mit dem hr-Sinfonieorchester auffhrte, zeigte der alte Weise im ersten Moment natrliche Erschpfung, dann aber sprach Glck aus seinem Gesicht, das fr sich so viel erzhlt.

    Der Dirigent und Komponist Stanisaw Skrowaczewski

    Der Altmeister und der Bruckner-Kosmos

    von Christian Fluri

  • 5verletzung im Krieg setzte der begonnenen Karriere ein abruptes Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg stu-dierte er zuerst in Krakau und setzte seine Komposi-tionsstudien bei Nadia Boulanger in Paris fort. Nach-dem er 1956 den Santa Cecilia Wettbewerb fr Dirigieren gewonnen hatte, lud ihn der Meister Geor-ge Szell nach Cleveland ein. Er dirigierte in den USA und auch in Europa viele der grossen berhmten Or-chester. Sein Schwerpunkt lag schon immer in der Zeitspanne von Bruckner und Mahler bis zu Schosta-kowitsch und Prokofjew. Schostakowitsch kannte er persnlich, und er beschrieb in einem Interview auch, wie der alte Mann das stalinistische Regime und des-sen Kritik frchtete : Der Tod Stalins war fr uns alle eine grosse Befreiung.

    gebaut, sie steht in der Tradition der Sptromantik, geht aber in ihren Dissonanzen und in den Grenz-berschreitungen hin zu einer freieren Tonalitt weit darber hinaus. Wir finden Anklnge an Alban Berg ebenso wie an Bla Bartk, um nur zwei Ein-flussbereiche zu nennen. Skrowaczewski findet da-bei sehr wohl zu einer eigenstndigen musikalischen Sprache. Er freut sich in einem Interview darber, wie er es sich leisten konnte, hier ganz wild zu sein und die Form der Passacaglia aufzubrechen und durcheinanderzuwirbeln.

    Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war der 1923 ge-borene Skrowaczewski, der Klavier und Violine stu-dierte und frh schon zu dirigieren begann, auf dem Weg, ein grosser Pianist zu werden. Doch eine Hand-

  • 6In dieser Version hat sich die Romantische im Kon-zertsaal etabliert (nur gelegentlich hrt man die 1975 verffentlichte Urfassung des Werks).

    Der Beiname Romantische hat hufig zu Irritatio-nen gefhrt. Man glaubte, Bruckner habe damit den programmmusikalischen Charakter des Werks zum Ausdruck bringen wollen. Doch welches Programm liegt der Sinfonie zugrunde? Mittelalterliche Stadt Morgendmmerung vor den Stadttrmen ert-nen Weckrufe die Tore ffnen sich auf stolzen Rossen sprengen die Ritter hinaus ins Freie Wal-desrauschen, so hat Bruckner selbst das Werk sei-nem ersten Biografen August Gllerich gegenber erlutert. Allerdings , allzu wrtlich sollte man diese Ausfhrungen nicht nehmen. Zu wenig findet man die Beschreibung in der Partitur verankert. Es scheint vielmehr, als ob Bruckner nach den Misserfolgen der frheren Sinfonien hiermit lediglich versuchte, einen anderen Zugang zu seiner missverstandenen

    E in unwirkliches Raunen der Streicher, dar-ber der zarte Einsatz eines Solo-Horns, ein Quintsprung abwrts, dann wieder auf-wrts Zum Inbegriff der Romantik wurde dieser Beginn, die Anfangstakte aus Anton Bruckners Vier-ter, der er selber den Beinamen Romantische gab. Ein idyllischer Anfang und doch ist das Werk zu einer Zeit entstanden, als Bruckner beruflich und finan-ziell mehrere Rckschlge hinnehmen musste : Die Urfassung der Sinfonie von 1874 fllt in eine Zeit, als er seine Klavierlehrerstelle an der Wiener Lehrerbil-dungsanstalt verlor und als seine Bewerbung um eine Stelle an der Wiener Universitt (nicht zuletzt durch die Intervention Eduard Hanslicks) abgelehnt wurde. Auch fand sich kein Orchester, das seine so-eben abgeschlossene dritte Sinfonie auffhren woll-te. Mit der Komposition der Vierten trat Bruckner die Flucht nach vorne an : Weil die gegenwrtige Weltlage geistig gesehen Schwche ist, flchte ich zur Strke und schreibe kraftvolle Musik.

    So kraftvoll die Sinfonie auch klingen mag : Bruckner tat sich mit der Komposition usserst schwer. Die im Nov