retail 0412

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  • medianet.at

    retail

    Interview mit Mondelez International-Chef Andreas Kutil 28

    Hofer Der Discounter betankt jetzt auch Elektro-Autos 30

    Online-Bio denns wagt den Einstieg in das Digital Retail 30

    Bierkultur Wir habens schriftlich: Bier ist nicht deppert 31

    Finstere Brille Natalie Oberhollenzer ber die sieben Todsnden 32

    Spar

    Verkauf von Halal-Fleisch gestopptSALZBURG. Spar gab gestern, Donnerstag, bekannt, den krzlich begonnenen Ver-kauf von Halal-zertifiziertem Fleisch wieder einzustellen. Dies geschehe aufgrund der (unbegrndeten!) Vorwrfe und der berhitzten Facebook-Dis-kussion, so das Unternehmen. Der Rewe-Konzern hlt hin-gegen in den Merkur-Mrkten an Produkten aus nach islami-schen Regeln geschlachtetem Fleisch weiterhin fest. (APA)

    Freitag, 4. Dezember 2015 cOver 25

    Wie ein Schlag ins GesichtSnjezana Brajinovic, Zielpunkt-Betriebsratschefin, erzhlt im medianet-Interview warum Pfeiffer kein guter Arbeitgeber war.

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    Panthermedia.net/Baronb

    Der medianet Sonder themenplan

    2016 ist hier abrufbar!

    (www.medianet.at)

    Die medianet rankingweek erscheint ab jetzt im Frh-jahr (4. Mrz 2016). Erstmalig werden auch Daten, Informa-tionen und Ratings aus xpert.network, dem ersten B2B- Portal fr die Kommunikations-branche, in die Bewertung miteinbezogen.

    ranking week 2015/16 D A S B R A N C H E N R A N K I N G V O N medianet

  • medianet.at

    auch bei den Betriebsversammlun-gen vor Ort.

    Betriebsversammlung Die bereits erwhnte Betriebsver-sammlung fand am Dienstagnach-mittag in Wien Donaustadt statt. Die Zielpunkt-Belegschaft trifft sich zur zweiten von insgesamt drei Betriebsversammlungen, in denen sie von Vertretern der Ge-werkschaft, der Arbeiterkammer, des AMS, des WAFF (Wiener Ar-beitnehmerInnen Frderungsfonds) und dem Insolvenzverwalter Georg Freimller ber ihre Rechte aufge-klrt und beraten wird. In erster Linie geht es um die Vollmachts-erklrungen, die die AK von jedem Mitarbeiter bentigt, um die For-derungen beim Gericht geltend machen zu knnen. Die Angestell-ten sind sichtlich niedergeschla-gen, besonders die lteren unter ihnen die Angst vor einer langen

    Von Nataa Nikolic

    WIEN. Wir haben in den letzten Jahren viele Eigentmer gehabt, aber die waren den Mitarbeitern gegenber nicht so abwertend wie Pfeiffer, kritisiert Zielpunkt Betriebsratschefin Snjezana Bra-jinovic im exklusiven Interview mit medianet unmittelbar vor der Betriebsversammlung am Diens-tag. Wir haben frher auch schon Kndigungen gehabt, aber da ist es fairer abgelaufen, so Brajinovic, die das Interview immer wieder kurz unterbrechen muss, da sie von besorgten Kollegen angespro-chen wird.

    Auf die Frage, ob sie die Vorwr-fe konkretisieren und ein Beispiel nennen kann, sagt die Betriebrats-chefin: Pfeiffer hat mit Tricks gear-beitet und uns Dinge versprochen, die sie dann nicht eingehalten ha-ben. Zum Beispiel haben heuer ei-nige Mitarbeiter sogar auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet, weil man (Anm. Pfeiffer) gesagt hat, dass wir damit wirtschaftlich ein Zeichen setzen. Ein anderes Bei-spiel sei eine langjhrige Kollegin, der von Pfeiffer eine Stelle im Un-ternehmen versprochen wurde, die letztlich aber gar nicht frei gewe-sen ist. Das ist fr die Mitarbeiter eigentlich nicht zumutbar. ber den Vorbesitzer Jan Satek sagt Brajinovic, die in ihren 22 Jahren bei Zielpunkt viele Geschftsfh-rer kommen und gehen sah: Von der menschlichen Seite her, kann ich sagen, dass er den Mitarbeitern gegenber fair war. Ihm ist nur einfach gesagt das Geld ausge-gangen.

    Pfeiffers Chance auf BueApropos Menschlichkeit: die kann Georg Pfeiffer nun bei den Logis-tik- und Holding-Mitarbeitern aus der Zentrale im 23. Bezirk be-weisen, die zwar nicht unter die Insolvenz fallen, aber unmittelbar betroffen sind, da auch sie bald gekndigt werden. Fr diese etwa 300 Beschftigten, die bereits vor-sorglich beim AMS zur Kndigung angemeldet wurden, verhandeln Betriebsrat und Gewerkschaft derzeit einen Sozialplan aus. Die Betriebsratsvorsitzende ist zuver-sichtlich, dass dieser auch zustan-de kommen wird: Georg Pfeiffer hat ja gesagt, er wrde gern helfen; den Zielpunkt-Mitarbeitern kann er nicht mehr helfen, die Logistik- und Holding-Mitarbeiter sind aber immer noch bei ihm beschftigt, und da bin ich mir sicher, dass er sein Versprechen einlst.

    Um einen guten Deal fr die (noch) verbliebenen Mitarbeiter auszuhandeln, gibt es Rckenwind von der Gewerkschaft der Privat-angestellten Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp). Fr deren Unter-sttzung ist Brajinovic sehr dank-bar: Sie begleiten uns schon seit einigen Jahren, verstrkt vor allem in den letzten Monaten, seit sich die Gesprche zwischen Betriebs-rat und Geschftsfhrung etwas verndert haben. Von Geschfts-fhrerseite soll es in jngster Zeit immer wieder zu Missverstndnis-sen und Verschiebungen gekommen sein, weshalb alle weiteren Gespr-che im Beisein der Gewerkschaft stattgefunden htten. Die GPA ist

    Arbeitslosigkeit ist gro. Einige Frauen haben ihre Babies dabei, sie trifft die Kndigung whrend ihrer Karenz. Das Unternehmen, fr das manche schon seit Jahrzehnten arbeiten, hat so kurz vor Weihnach-ten Insolvenz angemeldet und sie alle zu Arbeitslosen gemacht.

    Immer wieder schtteln einige unglubig den Kopf, whrend sie die Infozettel lesen, die ihnen beim Betreten des Veranstaltungsorts von Vertretern der SLP (Sozialis-tische LinksPartei) in die Hand gedrckt werden. Darin steht u.a., dass die Millionrsfamilie Pfeif-fer ber ein Vermgen von ca. 770 Mio. Euro verfgt und Zielpunkt mit knapp 3.000 Beschftigten in die Arbeitslosigkeit schickt. Das steigert die ohnehin schon vorhan-dene Wut der Anwesenden. Kurz vor Weihnachten den Job zu ver-lieren und zumindest vorerst ohne Novembergehalt und Weihnachts-geld dazustehen, ist eben ein star-kes Stck.

    Lohn vielleicht vor WeihnachtenWir als Betriebsrat haben das nicht erwartet, sagt Snjezana Bra-jinovic zu ihren (Noch-)Kolleginnen und Kollegen. berrascht sei sie vor allem wegen der vielen ue-rungen der Pfeiffer-Geschftsfh-rung in diversen Medien, in denen stets bekrftigt wurde, dass Ziel-punkt auf einem guten Weg sei. Irrefhrend war auch der Brief an die Belegschaft vom 4. Novem-ber, in dem stand, dass es keine Zukunft gibt ohne Zielpunkt und dass krftig in uns investiert wird.

    Exakt eine Woche vor Bekanntwer-den der Insolvenz gab Pfeiffer- Geschftsfhrer Erich Schnleitner dem WirtschaftsBlatt ein Interview, in dem er u.a. betonte, dass Pfeiffer noch an Zielpunkt glaubt. Fr die Belegschaft und die Betriebsrte war dies natrlich wie ein Schlag ins Gesicht.

    Die sichtlich mitgenommene Be-triebsrtin kmpft auf der Bhne mit den Trnen, als sie ihren Kol-legen erklrt: Mir ist wichtig, dass ihr wisst, dass wir die Mitarbei-ter nicht dafr verantwortlich sind. Wir haben nichts falsch ge-macht und die letzten Jahre immer unser Bestes gegeben. Doch das Problem war, dass wir nie gewusst haben, fr was wir stehen und in den nchsten Wochen ist es fr uns eigentlich vorbei.

    Eine gute Nachricht hat Brajin-ovic fr die Anwesenden dennoch: Nach einem Treffen der Zielpunkt-Betriebsrte mit Werner Faymann und Rudolf Hundstorfer, die viel Verstndnis fr die Situation der

    Pfeiffer hat mit Tricks gearbeitetBetriebsratschefin Snjezana Brajinovic erzhlt im exklusiven medianet-Interview, was Pfeiffer aus ihrer Sicht falsch gemacht hat, und bezeichnet den Umgang mit Mitarbeitern auch vor der Insolvenz als nicht zumutbar.

    Proteste Noch in dieser Woche sind Proteste der Be-legschaft geplant. Die SLP (Sozialis-tische LinksPartei) ruft auf: Mach deine Wut zu Widerstand!

    Arbeitslosigkeit Ca. 3.000 Men-schen verlie-ren durch die Zielpunkt-Pleite ihre Jobs; 2.710 trifft es besonders hart: Sie warten noch auf ihre Novembergehlter und das Weih-nachtsgeld. Die restlichen ca. 300 fallen nicht unter die Insolvenz, werden aber auch bald gekndigt, da sie nicht ge-braucht werden.

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    Die Logistik- und Holding- Mitarbeiter sind immer noch bei Georg Pfeiffer beschftigt, und da bin ich sicher, dass er sein Verspre-chen, zu helfen, einlst.

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  • medianet.at Freitag, 4. Dezember 2015 COVERSTORY 27

    Zielpunkt-Mitarbeiter haben, ist man sehr zuversichtlich, dass das Weihnachtsgeld noch vor Weih-nachten auf die Konten kommt versprechen knne man das aber nicht. Die Banken wrden hier ebenfalls kooperiern und keine berziehungszinsen verrechnen, sodass die Menschen Geld zur Verfgung haben, das sie abheben knnen, wie wenn das Gehalt am Konto wre.

    Die Kndigungen der 2.710 Mit-arbeiter werden im Jnner ausge-sprochen. Solange noch Ware da ist (vermutlich bis Ende Dezember), rt GPA-Regionalsekretr Mario Ferrari den Filialmitarbeitern, un-bedingt arbeiten zu gehen und Ar-beitswillen und -bereitschaft zu zeigen. Die Insolvenz beendet ihr Dienstverhltnis nicht es ist wei-ter aufrecht. Wenn sie einfach da-heimbleiben, ist das Arbeitsverwei-gerung und ein Entlassungsgrund, sagt auch Claudia Grabner vom Insolvenzschutzverband der Arbei-terkammer Wien. Grabner klrte die Mitarbeiter im Anschluss ber die Insolvenzdaten des Unterneh-mens und Anmeldefristen auf: Bis 25. Februar muss der Massever-walter Georg Freimller die For-derungen geprft haben; mit der Wahl des Masseverwalters sei die Gewerkschaft sehr zufrieden, sagt Ferrari, denn sie habe mit ihm be-reits gute Erfahrungen aus frhe-ren Insolvenzfllen gemacht.

    Die hatten keine StrategieDoch was waren aus Sicht der Mit-arbeiter tatschlich die Grnde fr das Versagen? Einer, der vielfach genannt wurde, ist die fehlende bzw. stndig wechselnde Strategie der Kette. Das Konzept-Wirrwarr war nicht nur fr K