REVOLUTION BILDUNG – Warum Bildung? Warum Revolution?

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Die Bildungskampagne der IG Metall Jugend.

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  • Warum bildung?

    Warum revolution?

    thema, Fakten, handlungsFelder: hintergrnde zur

    kampagne

  • 1. thema bildung im umFeld

    1.1 das thema bildung im politischen raum6

    1.2 die leitlinien der aktuellen diskussion10

    1.3 kommunikative anstze und chancen 16

    2. der begriFF bildung

    2.1 entWicklungsgeschichte22

    2.2 kritik am brgerlichen bildungsbegriFF25

    2.3 das bildungsverstndnis der geWerkschaFten28

    3. Facts and Figures

    einzelne studien, projekte, themen32

    4. die vier dimensionen der kampagne

    4.1 Qualitt38

    4.2 geld42

    4.3 zugang45

    4.4 zeit48

  • revolution bildungeine kampagne der ig metall jugend

    Unsere Welt braucht Bildung. Bildung ist Persnlichkeitsentwicklung. Bildung befhigt zu Selbstbestimmung, Mitbestim-mung und Solidaritt. Bildung macht unsere Demokratie stark, unsere Arbeit produktiv, unsere Gesellschaft zukunftsfhig. Bildung schafft Chancen. Fr jede/n einzelne/n. Fr uns alle.

    Bildung braucht eine Revolution. Bildung muss besser werden: Der Schmalspur-Trend bringt uns nicht weiter. Gute Bildung braucht Zeit: Stndiger Druck tut uns nicht gut. Bildung muss allen offen stehen: Uns fehlt Ge- rechtigkeit, keine Eliten. Bildung muss solide finanziert sein: Unsere Zukunft braucht Inves- titionen. In jede/n einzelne/n. In uns alle.

    Die Revolution braucht Dich. Bildung betrifft die ganze Gesellschaft. Azubis, Beschftigte, Schler/innen, Studierende und unsere Kinder wir alle haben ein Recht auf gute Bildung. Dafr kmpft die IG Metall. Mit 2,3 Millionen Mitgliedern. Mit 220.000 Jugendlichen. Deine Untersttzung bringt die Kampagne voran. Jede/n einzelne/n. Uns alle.

    WWW.revolutionbildung.de

  • 1.

    thema bildung

    imumFeld

  • 1.

    thema bildung

    imumFeld

  • 6thema bildung im umFeld

    1.1 das thema

    bildung im

    politischen raum

  • 7 das thema bildung im politischen raum

    Wenige Themen in der politischen Diskussion erscheinen gleichermaen so breit und diffus wie das Thema Bildung. Es gibt keine Akteure im gesamten nationalen und internationalen politi- schen Spektrum, die dem Thema Bildung in Pressemeldungen und Programmen nicht aller-hchste Prioritt einrumen wrden. Dabei ist Bildung ein weites Feld, das von vorschulischer Erziehung bis zu Erwachsenenbildung reicht, alle gesellschaftlichen Gruppen angeht und je nach politischer Orientierung sehr unterschiedliche Implikationen und Bedeutungen haben kann.

    Auf internationaler Ebene sind es insbesondere die UN-Organisationen ILO, UNESCO (Welt- bildungsbericht) und UNICEF, die Weltbank und die OECD, die sich dem Thema in unterschied- licher Weise widmen. Whrend die UN in erster Linie die Zusammenarbeit mit bestehenden Strukturen sucht, frdert die Weltbank in bewhrter Manier eine Vielzahl von Projekten immer verbunden mit der Auflage, die nationale Politik entsprechend den marktorientierten Vorstel- lungen des Hauses auszurichten. Die OECD ist Auftraggeber der PISA-Studien und gibt weitere Publikationen wie z. B. Bildung auf einen Blick heraus. Darber hinaus gibt es auch zivil-gesellschaftliche Initiativen wie die internationale Bildungskampagne, an der Gewerkschaften und NGOs mageblich beteiligt sind.

    Auf europischer Ebene geht es vor allem darum zur Entwicklung einer qualitativ hoch stehenden Bildung beizutragen, in dem die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten ge- frdert und deren Ttigkeit erforderlichenfalls untersttzt und ergnzt wird. Vier Einzelpro-gramme (Comenius in der Vorschul- und Schulbildung, Erasmus in der Hochschulbildung, Leonardo da Vinci in der Berufsbildung und Grundtvig in der Erwachsenenbildung) sol- len dies neben politischen Manahmen wie dem Bologna-Prozess untersttzen. Die Europische Kommission strebt die Herstellung eines europischen Bildungsraums an. Dazu dienen die gleichermaen umstrittenen Prozesse wie Kopenhagen-Prozess (Berufsbildung), Bologna-Pro- zess (Studium) und der europische Qualifikationsrahmen (EQR). Die Prozesse sollen die Transparenz erhhen. Bildung und Qualifikation dienen der Steigerung von Wettbewerbsfhigkeit. Europa soll im Wettbewerb der groen Regionen eine fhrende Rolle behalten und ausbauen.

    Zudem ist die EU ein mageblicher Akteur in den GATS-Verhandlungen (General Agree-ment on Trade in Services, eigentlich ein WTO-Vertragswerk), in denen Bildung als service verstanden und damit die Tr zur Kommerzialisierung von Bildung aufgestoen werden sollte. Bildung sollte umfassend zur Ware werden. Nach einer ersten Verabschiedung 1995 stocken die Verhandlungen zur zweiten Runde seit ber 10 Jahren.

    Auf nationaler Ebene sind nahezu alle politischen und gesellschaftlichen Akteure mit dem Thema betraut. Von den im Bundestag vertretenen Parteien ber die groen Verbnde bis zu Gewerkschaften, von privaten Stiftungen wie Bertelsmann und Mercator ber Lobby-Ein- richtungen wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bis zu bundesweiten Netzwerken wie dem Bildungsstreik, von Rechtspopulisten wie Sarrazin bis zu den Nazis bei der NPD: Alle rumen sie der Bildung einen hohen Stellenwert ein, alle stimmen zu, dass Bildung von zentraler Bedeutung fr eine gute Zukunft ist, so radikal unterschiedlich die Vorstellungen auch sind.

  • 8thema bildung im umFeld

    Bildung als Quotenbringer und trojanisches Pferd

    Darber hinaus ist Bildung ein Thema, dem auch bundesweite Massenmedien viel Aufmerk-samkeit widmen. Von RTL ber Bild und Gnther Jauch bis zur Zeit rumen die groen Medienmarken dem Thema regelmig viel Platz ein, natrlich entsprechend ihrer jeweiligen formalen und politischen Orientierung.

    Damit erscheint das gesellschaftliche und politische Handlungsfeld Bildung als Meta-Thema, das unzhlige Berhrungspunkte mit tagesaktuellen Diskussionen aufweist und grundstzlich ber ein hohes Mobilisierungs- und Emotionalisierungspotenzial verfgt, vergleichbar etwa mit den Bereichen Arbeit und Klima oder Themen wie Religion oder Migration.

    Fr die Gewerkschaften hat Bildung einen hohen Stellenwert. Sie setzen sich fr den Abbau von Bildungsarmut, fr Chancengleichheit und mehr soziale Durchlssigkeit ein. Niemand soll aufgrund der sozialen Herkunft von Bildung ausgeschlossen werden. Allgemeine und beruf- liche Bildung sind im Verstndnis der IG Metall gleichwertig. Deshalb legen sie Wert auf die Umsetzung des Deutschen Qualifikationsrahmens, in dem z. B. Bachelorabschlsse und Fort-bildungsberufe auf eine Stufe gestellt werden

    Bildungspolitik ist im Verstndnis der IG Metall Gesellschaftspolitik. Deshalb steht sie im Zentrum der gewerkschaftlichen Mobilisierung. In und durch Bildungspolitik lassen sich die gewerkschaftlichen Ideale wie gute Arbeit, Gerechtigkeit und Demokratie thematisieren. Gute Bildung ist Bestandteil einer gerechten Gesellschaft.

    Links www.europa.eu/pol/educ/index_de.htm

    www.oecd.org/berlin/publikationen/bildungaufeinenblick2012.htm www.bildungskampagne.org/

    www.denk-doch-mal.de/ www.de.wikipedia.org/wiki/Allgemeines_Abkommen_%C3%BCber_den_

    Handel_mit_Dienstleistungen#GATS_und_EU

  • das thema bildung im politischen raum

    9

    Kampagnen, Projekte und Initiativen (Auswahl):

    Gewerkschaften Initiative Schule und Arbeitswelt (DGB) (www.schule.dgb.de)

    Inklusion (www.gew.de) Gewerkschaftliches Gutachternetzwerk (www.gutachternetzwerk.de)

    Initiativen www.arbeiterkind.de

    Occupy Union (GEW) Aktionsbndnis gegen Studiengebhren

    Bundesweiter Bildungsstreik Intelligenzija Moving - www.intelligenzija.jimdo.com Globale Bildungskampagne (GEW, UNICEF, NGOs)

    befasst mit der Bekmpfung von Bildungsarmut BafG rauf! (freier zusammenschluss von studentInnenschaften e.V.,

    Jusos, Grne Jugend, Junge GEW)

    Initiativen der Bundesregierung Kampagne Aufstieg durch Bildung (BMBF)

    Projekt Offene Hochschulen (BMBF) Deutschlandstipendium

    Es fehlt die Berufsbildung! Fast Track Initiative/Global Partnership for Education (World Bank)

    Hintergrundinformationen Bildungsbericht der Bundesregierung (www.bildungsbericht.de)

    Bildung auf einen Blick (OECD) Bundesinstitut fr Berufsbildung (www.bibb.de)

    Hochschulrektorenkonferenz (www.hrk.de) Politik und Kommunikation Ausgabe Februar/Mrz 2013

    (www.politik-kommunikation.de)

  • 10

    thema bildung im umFeld

    1.2 die

    leitlinien der

    aktuellen diskussion

  • 1.2 die

    leitlinien der

    aktuellen diskussion

    11

    die leitlinien der aktuellen diskussion

    Whrend die grundstzliche Bedeutung von Bildung von allen Akteuren anerkannt wird, verlaufen die Linien der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussion um und ber Bildung wenig berraschend:

    Auf der einen Seite steht das wirtschaftsliberale Lager, das mehr privates Engagement im Bil-dungssektor befrwortet und die vermittelten Inhalte an den unmittelbaren (und kurzfristigen) Bedrfnissen der Wirtschaft orientieren will. Hier wird das traditionelle brgerliche Bildungs-ideal mit humanistischem Anspruch zunehmend durch wirtschaftlich verwertbares, natur- und betriebswirtschaftliches Wissen abgelst. Daraus folgt die Tendenz, allgemeine soziale und kulturelle Dimensionen und Fcher wie etwa Musik, Kunst oder Sozialkunde zu vernachlssigen. Prinzipiell wird die Leistung und Leistungsfhigkeit des Einzelnen in den Vordergrund gestellt, anstelle eines breiten Bildungszugangs setzt man auf Elitenfrderung und Exzellenz-Initiativen, denen grozgig Mittel gewhrt werden. Vertreter des wirtschaftsliberalen Lagers etwa in der FDP oder den Industrieverbnden fordern noch immer eine weitere Ausdifferenzierung des Bil- dungssystems in Spitzenangebote und Breitenversorgung, die flchendeckende Wiederein- fhrung von Studiengebhren, die Verkrzung der Ausbildungs