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Schubiger Mit Augen wie Bob Marley Mit Stucki · PDF file Legende Bob Marley. So wurde aus Nikola zuerst «Bob», dann «Boby». Diese Bezeichnung be-hielt er auch bei seinem Wechsel

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    Sport

    Mantel Musterseite Donnerstag, 29. August 2019

    Roland Jauch

    Sie spielen Fussball. Das ist noch immer die beliebteste Sportart bei Handballern, wenn es ums Aufwärmen vor dem Training geht. Nikola Marinovic aber macht sich abseits des Gesche- hens in der Zürcher Saalsport- halle alleine warm. Natürlich. Der Mann sieht nicht nur wegen des grauen Bartes älter aus als der Rest. Er ist es auch. Da muss er seinen Körper doch anders auf die Belastungen vorbereiten.

    Weit gefehlt. «Ich liebe Fuss- ball, ich bin eigentlich immer da- bei», widerspricht Marinovic. An jenem Tag hats ihn ein bisschen in der Wade gezwickt, «da macht es so kurz vor dem Meister- schaftsstart keinen Sinn, etwas zu riskieren». Seit 1996 steht er in den höchsten Ligen in Jugos- lawien, Serbien, Österreich, Deutschland und der Schweiz im Tor, am Sonntag beginnt eine weitere Saison für ihn. Mit GC Amicitia trifft er im ersten Spiel zuhause auf Suhr Aarau. Drei Tage nach seinem 43. Geburts- tag. Die Dressnummer 76 ist sein Jahrgang.

    «Mein Körper sagt mir noch im- mer, dass es funktioniert, ich fühle mich gar nicht wie 43», er- klärt der Mann aus Belgrad, der seit 2004 den österreichischen Pass besitzt. Vom Altersrekord im Fussball ist er noch einiges entfernt. Der Ägypter Essam El- Hadary stand an der WM 2018 in Russland als 45-Jähriger noch im Tor. «Wenn du über eine starke Technik verfügst, kannst du im Handball lange ein guter Goalie sein», meint Marinovic. Und sein Rüstzeug ist exzellent, gelernt hat er bei Zlatan Arnautovic, der als einer der besten Goalies Ex- Jugoslawiens gilt.

    Und dann steht er bereits da «Dazu ist Handball auf die eine Seite zwar sehr kompliziert, auf die andere Seite aber auch ein- fach.» Je mehr Erfahrung er habe, desto mehr könne er das Spiel le- sen, spüren, was ablaufen wird. Und dann passiert genau das, worüber sich schon so mancher Schütze gewundert hat: Eigent- lich wäre die Ecke frei, er wirft dorthin – aber der Routinier steht schon da und pariert den Wurf. Dazu benötigt der Goalie keine jugendlichen Reflexe. Sei- ne Intuition ersetzt die vielleicht geringere Schnelligkeit.

    Das Spiel liest er seit Jahren nicht als «Nikola», «Niko» oder «Nik». Seine Kollegen rufen ihn «Boby». Bei Marinovics Wechsel nach Wetzlar 2011 spielte dort mit Nikolai Weber schon ein Goalie mit ähnlichem Vornamen. Rückraumschütze Philipp Mül- ler war sich nach zweiwöchiger Suche nach einem Übernamen sicher: Der Neue hat ganz ähnli- che Augen wie die Reggae-

    Legende Bob Marley. So wurde aus Nikola zuerst «Bob», dann «Boby». Diese Bezeichnung be- hielt er auch bei seinem Wechsel 2015 nach Schaffhausen bei, wo schon einige Nikolas im Team standen.

    Die Brille als Markenzeichen Seit den Wetzlar-Zeiten blicken die Bob-Marley-Augen im Match und Training durch eine Brille. Marinovic benötigt sie nicht als Sehhilfe, sondern als Schutz. «Als wir gegen den Abstieg kämpften, wollte ich trotz einer Verletzung im Gesicht spielen. Die Club-Ärzte rieten mir davon ab», erinnert sich Marinovic an die Saison 2011/12. «Da ging ich zum Doktor der deutschen Eis- hockey-Nationalmannschaft. Der gab mir grünes Licht, riet mir aber, mich mit einer Brille zu schützen.» Fündig wurde er im Unihockey. Mit einem Sportarti- kelhersteller aus der Floorball- branche schloss Marinovic gar einen Vertrag ab. Seit dann ist die Brille sein Markenzeichen.

    «Boby ist einer, der die Qua- lität hat, einem Team Konstanz zu geben», sagt sein aktueller Trainer Arno Ehret. Der Goalie agiert manchmal als väterlicher Ratgeber, doch er kann auch sehr emotional sein. Noch immer packt ihn das Spiel. Dass er in Schaffhausen nach zwei Jahren eigentlich nur noch Torhüter- trainer hätte sein sollen, wurm- te ihn daher ziemlich. Er war froh, dass 2018 ein Anruf aus Zü- rich kam.

    Schlusspunkt. Oder? GC Amicitia erlaubte es ihm auch anfangs letzter Saison, erneut in die Bundesliga einzutauchen. Nach Ausfall des Wetzlarer Stammtorhüters liehen die Zür- cher «Boby» bis Weihnachten an seinen früheren Verein aus. Dies es grössere Schaufenster ermög- lichte es ihm, mit Österreichs Na- tionalteam noch einmal an einer WM teilzunehmen. Nur fünf Ös- terreicher haben mehr Länder- spiele absolviert als Marinovic mit seinen 169. Seinen letzten Auftritt hatte er am 15. Januar 2019 – gegen den nachmaligen Weltmeister Dänemark. Er kam für einen Penalty aufs Feld. Ihm stand mit Mikkel Hansen der ak- tuell weltbeste Spieler gegen- über. Es gab kein Happy End. Hansen gewann das Duell, Dä- nemark die Partie.

    Im April wurde Marinovic aus dem Nationalteam verabschie- det. «Ich habe mal einen Schluss- punkt gesetzt.» So wie er das sagt, ist klar, dass der Schluss- punkt kein endgültiger sein muss. So wie er auch jetzt nicht verkündet, dass dies seine letzte Saison im Tor sein wird. «Ich ge- niesse meine Rolle als Handball- spieler.» Aber bereit für die Zeit danach ist er. Marinovic besuch- te bereits diverse Trainerkurse, arbeitet im Zürcher Nachwuchs zweimal pro Woche als Goalie- trainer und einmal bei seinem früheren Club in Bregenz. Seit vier Jahren wohnt er mit seiner Frau und den zwei Töchtern in Lindau am Bodensee. Von seiner Basis aus kann er nach dieser Saison nach Süddeutschland, nach Österreich oder in die Schweiz reisen. Unterwegs in Sa- chen Handball.

    Mit Augen wie Bob Marley Handball Nikola Marinovic wird heute bereits 43 Jahre alt, aber er fühlt sich noch immer jung genug, um eine weitere Saison im Tor von GC Amicitia Zürich zu stehen.

    Schritt für Schritt nach vorne: GC Amicitia hofft auf mehr Leben in der Halle – und das Playoff

    Zweimal in Folge kämpfte GC Amicitia ums Überleben in der Nationalliga A. Im Frühjahr 2018 gelang das – nach einem 0:2-Rückstand in der Playout-Se- rie – mit einem 3:2 über Endingen, 2019 mit einem 3:1 über Gossau. Genauso wichtig wie der Klassen- erhalt war, dass die neue Führung um Präsident Philip Hohl die Finanzen in den Griff bekam. Die Zürcher schlossen die Saison mit einem leichten Gewinn ab, und konnten dank neuen Sponsoren das Budget von 650 000 Franken auf 850 000 steigern.

    «Schritt für Schritt nach vorne», sagt Hohl. Die Mannschaft hat an Stabilität gewonnen, seit Arno Ehret sie im Januar übernommen

    hat. Und wenn das Team komplett ist, weist es durchaus Format genug auf, um unter die besten acht zu kommen. Das heisst: GC Amicitia würde im Playoff spielen.

    Doch die Zürcher starten nicht ohne personelle Sorgen. Links- händer Manuel Frietsch, letzte Sai- son Topskorer, ist gesundheitlich angeschlagen, es würde erstau- nen, käme er bereits im Septem- ber zum Einsatz. Auch der neue weissrussische Kreisläufer Michail Schyla ist nicht ganz fit. Dafür kehrt nach schwerer Armverlet- zung Rückraumschütze Max Dannmeyer ins Team zurück. Der Tscheche Jakub Szymanski wurde als Regisseur aus Bern geholt. Als zweiten Kreisläufer präsentieren

    die Zürcher mit Ismael Bela einen jungen Spanier.

    In der Saalsporthalle wird optisch einiges anders sein. Der VIP-Bereich wurde erweitert. Man kann sich eine Stunde vor Spiel- beginn für ein Dreigangmenü an einen Tisch setzen. «Es soll wieder Leben in die Halle kom- men», erhofft sich Hohl. Zur Politik der kleinen Schritte gehört auch: Ab Januar gehören dem Club die Gastronomierechte am Hallen- kiosk. (jch)

    NLA. 1. Runde. Heute: Pfadi Winterthur - BSV Bern. – Samstag: RTV Basel - St. Otmar St. Gallen, Kadetten Schaffhausen - Wacker Thun, TV Endingen - Kriens-Luzern. – Sonntag: GC Amicitia Zürich - HSC Suhr Aarau (16.00, Saalsporthalle).

    Es war ein alter Sommer, und Schubiger klammerte sich daran fest wie Wicki Joel am Gestöss vom Stucki Christian. Den ganzen eidgenössischen Sonntag vor dem TV-Gerät hatte er mit der Suche nach einer Destination für die Herbstferien verbracht. Auch wenn der August noch nicht vorbei und alles andere als kalt war, sehnte er sich nach mehr Wärme. Die Flugscham wies ihm den Weg nach Italien, doch die Toskana genügte im Okto- ber längst nicht mehr, Latium musste es mindestens sein, besser noch Kampanien, Basili- kata oder gleich Kalabrien, wenn nicht sogar Sizilien.

    Dem Klimawandel konnte Schubiger die Schuld an sei- nem vorherbstlichen Blues schlecht geben, also schob er alles auf die Grosswetterlage im Fussball. Liverpool, Napoli, Dortmund waren allesamt so souverän gestartet, dass die Vizemeistertitel erneut in Griffweite lagen, und selbst der Ligaerhalt des FC Zürich schien noch im Bereich des Möglichen. Aber seit dem unübertreffli- chen Champions-League-Tri- umph vom 1. Juni wurden die Tage für Schubiger doch un- erbittlich kürzer.

    Die Weitsicht der kleinsten Schubigerin, für die jeder Tag ausserhalb der Badi schon ein willkommener Vorbote der Weihnachtszeit und ihres bald darauf folgenden Geburtstags war, ging ihm leider ab. Und Eishockey war noch nicht. So blieb Schubiger an diesem Sonntag nur der Blick zum Schwinget in Zug, wo Wicki Joel im Sägemehl liegend zu einem jubelnden Stucki Chris- tian hochsah, dem die Erkennt- nis auch bald kommen würde: Von hier aus kann es nur noch südwärts gehen.

    [email protected]

    Schubiger

    Mit Stucki nach Süden

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