Stress in der Ausbildungstaetigkeit - .Einfhrung: Stress und berforderung im Beruf Stress ist ein

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  • 7.4.12 Stress in der Ausbildert�tigkeit – Ansatzpunkte f�r Ausbilder

    Inhalt

    Seite

    l Einf�hrung: Stress und �berforderung im Beruf . . . . . . . . . . 3

    l Stress – was ist das? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

    l Die besondere Situation der Ausbilder und Ausbilderinnen . (Fortsetzung siehe n�chste Seite)

    Der Autoren:

    Mathias Hofmann, Dr. Gerlind Pracht und Louisa Reisert sind im Team KOMPASS der SHS CONSULT GmbH aktiv im Stressmanagement bei F�h- rungskr�ften, Mitarbeitern und Teams.

    Mathias Hofmann ist Dipl.-P�dagoge und Master of Business Consulting, zer- tifizierter Coach (EASC) und Berater (FPI). Von 1994 bis 2002 Aufbau und Lei- tung der Drogenberatung e. V. in Lippe, seit 2002 gesch�ftsf�hrender Gesell- schafter der SHS CONSULT GmbH in Bielefeld; er verantwortet das Projekt KOMPASS zur Implementierung von Stressmanagement in sechs Jobcentern in Ostwestfalen Lippe 2012 bis 2014.

    Dr. Gerlind Pracht, promovierte Arbeits- und Organisationspsychologin M.A. mit gesundheitspsychologischem Thema (Stressbew�ltigung durch Blended Training – Entwicklung und Evaluation eines ressourcenorientierten Online- Coachings), ist selbstbst�ndige Unternehmensberaterin und zertifizierte Traine- rin, insbesondere f�r Stressmanagement, seit 2008 und wissenschaftliche Mit- arbeiterin der FernUniversit�t Hagen.

    Louisa Reisert, Dipl. Soziologin, zertifizierte Trainerin, ist Mitarbeiterin der SHS CONSULT GmbH im Projekt KOMPASS und bietet u. a. Seminare zu Stressma- nagement f�r Mitarbeiter, Ausbilder und F�hrungskr�fte an.

    Anschrift: SHS CONSULT GmbH, August-Bebel-Straße 58, 33602 Bielefeld, Tel.: 05 21/32 99 50 00, www.shs-consult.de; buero@shs-consult.de

    Stress in der Ausbildert�tigkeit 7.4.12

    Ausbilder-Handbuch 153. Erg.-Lfg. – November 2013 Seite 1

    DWD/AHB, 153. EL/Ausgabe #6683 24.09.2013, 13:51 Uhr – st – S:/3D/dwd/1952/El_153/6683_dwd_1952_abh_153.3d [S. 137/160] 1 6683_7-4-12.ps

  • Inhalt (Fortsetzung)

    l Ausbilder-Schulungen zum Stressmanagement . . . . . . . . . . 2 Modul: „Stessoren identifizieren“ 2 Modul: „Jeder reagiert anders“: Pers�nliche Konstitu-

    tion erkennen 2 Modul: „Mein pers�nliches Stressmanagement“: Neue

    Verhaltensm�glichkeiten in besonders belasteten Situationen in der Ausbildung entwickeln

    l Ausblick: Einsamkeit macht Stress – Betriebliches Stress- management als nachhaltiger L�sungsansatz. . . . . . . . . . . .

    l Literatur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

    7.4.12 Stress in der Ausbildert�tigkeit

    Seite 2 Ausbilder-Handbuch

    153. Erg.-Lfg. – November 2013

    DWD/AHB, 153. EL/Ausgabe #6683 24.09.2013, 13:51 Uhr – st – S:/3D/dwd/1952/El_153/6683_dwd_1952_abh_153.3d [S. 138/160] 1 6683_7-4-12.ps

  • Einf�hrung: Stress und �berforderung im Beruf

    Stress ist ein aktuelles Thema unserer Tage. Es ist so om- nipr�sent, dass man schon von einer Modewelle reden mag. In den auflagenstarken Magazinen, in Fachmagazi- nen wie beispielsweise in den einschl�gigen Fachzeit- schriften des Personal- und Gesundheitswesens werden hierzu regelm�ßig Beitr�ge ver�ffentlicht.

    Stress ist offensichtlich einerseits „in“, es geh�rt zu einer er- folgreichen Berufst�tigkeit, besondere Herausforderungen in zu knapp bemessener Zeit zu meistern und �berlastet zu sein. Andererseits ist Stress „out“, denn niemand mag sich nachsa- gen lassen, dass er oder sie Workaholic ist und nicht auch Zeit f�r Familie, Entspannung und Fitness findet. Ein Dilemma, bei dem es zum Stress wird, stressfrei und erfolgreich zu wirken.

    Die Beschleunigung der Arbeitsvorg�nge, Prozessoptimie- rungen und Arbeitsverdichtung sind im Zivilisations- und In- dustrialisierungsprozess unsere Begleiter. Dies ist kein neues Ph�nomen, denn bereits Seneca besch�ftigte sich zu Beginn unserer Zeitrechnung mit dem Thema der zu knapp verf�gba- ren Zeit und der ewig gehetzten Zeitgenossen [19]. Der Be- griff „Stress“ im Sinne von �berforderung wird im Zusam- menhang mit Berufst�tigkeit und Folgeerkrankungen seit Mit- te des 20. Jahrhunderts verwendet, die spezifischen, insbesondere Herz-Erkrankungen von Managern waren ein Ausl�ser [9].

    Es ist schwer objektivierbar, inwieweit sich das Tempo der In- novationen und Ver�nderungen im Berufsleben st�ndig er- h�ht (vgl. [11], 219 f.). Offensichtlich erfordert die Ver�nde- rung der Kommunikationstechnologie mit Mobiltelefonie, In- ternet, E-Mail, Videokonferenzen und Social Networks in den vergangenen 30 Jahren eine hohe kulturelle Anpassungsleis- tung. Der Begriff der „digital natives“ f�r die Generation der nach 1980 Geborenen [15] weist darauf hin, dass die heutige technischen M�glichkeiten und Interaktionsmuster je nach

    Thema Stress: „in“ und „out“

    Begriff „Stress“ im Sinne von �berforderung

    Tempo der Innovationen und Ver�nde- rungen im Berufsleben

    Stress in der Ausbildert�tigkeit 7.4.12

    Ausbilder-Handbuch 153. Erg.-Lfg. – November 2013 Seite 3

    DWD/AHB, 153. EL/Ausgabe #6683 24.09.2013, 13:51 Uhr – st – S:/3D/dwd/1952/El_153/6683_dwd_1952_abh_153.3d [S. 139/160] 1 6683_7-4-12.ps

  • Alter sehr verschieden erlebt werden, f�r �ltere als Herausfor- derung und Anpassungsbedarf, f�r J�ngere als selbstver- st�ndliches Interaktionsmuster. Wo sich generationale und funktionale Differenz entsprechen, also in der Schule, der Ausbildung oder der Hochschule, sind die J�ngeren den �l- teren in diesem Thema voraus, kulturelle Ver�nderungen in der Kommunikation und im Umgang miteinander werden deutlich und k�nnen Konflikte hervorbringen. Die �lteren Aus- bilder m�ssen sich zum einen die neuen Kommunikationsge- wohnheiten aneignen – und sind zum anderen gefordert, der j�ngeren Generation die sozialen Anforderungen der betrieb- lichen Arbeit nahezubringen.

    Gleichzeitig f�hrt der durch aktuellen demografischen Wan- del ausgel�ster Fachkr�ftemangel aus der Sicht der Betriebe zu einer abnehmenden Basisqualifikation der Schulabg�nger, die eine Ausbildung beginnen. Im Vergleich zu fr�heren Jahr- g�ngen geringere Schreib-, Rechen-, vor allem aber auch So- zialkompetenzen erfordern eine intensivere Betreuung durch die Ausbilder und eine Anpassung der betrieblichen Ausbil- dung durch Erg�nzungskurse etc. (vgl. [4]). Die geforderte Anpassungsleistung bedeutet selbstverst�ndlich auch eine h�here Belastung f�r die Auszubildenden, auch hier nehmen die Stressoren zu.

    ! Neben der allgemeinen subjektiv empfundenen Zunahmevon Belastungen in der Arbeitswelt sind also Ausbilder wie Auszubildende besonders von Stress bedroht.

    Mit der Zunahme der Aufmerksamkeit f�r psychische Erkran- kungen in der Arbeitswelt nehmen die Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen seit Jahren zu, insbesonde- re im Zusammenhang mit Stress und empfundener �berlas- tung (vgl. [2], [3], [23]).

    Im Vergleich zu R�ckenleiden und anderen Beschwernissen, die in der Arbeitswelt auftreten oder auff�llig werden, ist Stress aber noch nicht im ernsthaften allt�glichen Dialog an- gekommen. Manche erleben sich im Dauerstress und f�hlen

    Azubis: H�he- re Belastung durch fehlende Basisqualifi- kationen

    Zunahme von Krankschrei- bungen aufgrund psychischer Diagnosen Gesundheits- management und Stressma- nagement

    7.4.12 Stress in der Ausbildert�tigkeit

    Seite 4 Ausbilder-Handbuch

    153. Erg.-Lfg. – November 2013

    DWD/AHB, 153. EL/Ausgabe #6683 24.09.2013, 13:51 Uhr – st – S:/3D/dwd/1952/El_153/6683_dwd_1952_abh_153.3d [S. 140/160] 1 6683_7-4-12.ps

  • sich mit ihren Beschwerden nicht ernstgenommen. Andere erkranken ernsthaft an Stressfolgen wie „Burnout“, ohne je �ber Stress geklagt bzw. ihre �berforderung wahrgenommen zu haben. Falls Kollegen mit medizinisch diagnostiziertem Ersch�pfungszustand l�nger ausfallen, herrscht eher Betrof- fenheit und Unsicherheit bei Kolleginnen und Kollegen, ein normaler Umgang mit R�ckkehrern ist noch lange nicht ein- ge�bt. Mit der Verbreitung des betrieblichen Gesundheitsma- nagements und der Diskussion um Unternehmenskultur als Bindungsinstrument in Zeiten des Fachkr�ftemangels wird Stressmanagement zunehmend ein ernstzunehmendes In- strument betrieblicher Personalentwicklung.

    Speziell die Ausbilder nehmen hier eine Schl�sselfunktion ein:

    l Sie haben eine Vorbilldfunktion f�r die Auszubildenden im eigenen Umgang mit Belastungen und Stress,

    l ihnen kommt die Hauptaufgabe der Integration der jungen Generation in das Arbeitsleben zu, seit jeher eine stressige Situation, die sich durch den Kulturwandel versch�rft,

    l die Qualifikation und soziale Kompetenz der Auszubilden- den nimmt anscheinend ab, was Ausbilder durch beson- dere Maßnahmen und pers�nliches Engagement ausglei- chen.

    Der Umgang mit Stress und Belastung f�r Auszubildende so- wie gezieltes Stressmanagement sind in Unternehmen wie Siemens, MAN Truck & Bus oder Bayern LB als Soft Skills zum expliziten Ausbildungsthema geworden ([18], S. 43). An diesen m�chte der vorliegende Beitrag ankn�pfen und prak- tische Anleitung f�r Ausbilderinnen und Ausbilder geben.

    Schl�ssel- funktion des Ausbilders

    Stress in der Ausbildert�tigkeit 7.4.12

    Ausbilder-Handbuch 153. Erg.-Lfg. – November 2013 Seite 5

    DWD/AHB, 153. EL/Ausgabe #6683 24.09.2013, 13:51 Uhr – st – S:/3D/dwd/1952/El_153/6683_dwd_1952_abh_153.3d [S. 141/160] 1 6683_7-4-12.ps

  • Stress – w