Ueber das Vorkommen von Wasserstoffhyperoxyd im menschlichen Körper

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    12-Aug-2016

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  • 2. Auf Physiologic und Pathologic beztigliche. 24~5

    beinahe bis zur Verniehtung ab. Seh0nbe in bemerkte aueh, dass der frisehe Harn schon sehwaeh fluoreseirt und ferner, dass eine verdiinnte AlbuminlSsun~" durch 15ngeres Stehen an der Luft diese optisehe Eigen- schaft in ziemlieh hohem Grade ertangt.

    Eine /~hnliche Beobaehtung habe ieh vor einigen Jahren an einem Urin gemaeht, der yon einem an Pneumonie leidenden Patienten am 9. und 10. Tage entleert wurde, l~Iedieinalrath Deetz yon Homburg sehrieb mir dabei: ,,Infiltration der reehten Lunge yon oben bis unten, Temperatur vermindert, Patient nimmt Extr. opii aquos, gr. 1 auf ~VI Wasser. Harnmenge yon 24 St. 900 CC," Dieser Urin, der ziemlieh stark gef~rbt war, abet sauer reagirte, wurde zur quantitativen Be- stimmung des Kreatinins mit Chlorealeiuml0sung und Kalkmileh ausge- fitllt, das Filtrat im Wasserbade verdunstet und der Rt~ekstand mit starkem Alkohol ausgezogen. Als diese alkoholisehe L0sung sp~ttcr zur FNlung des Kreatinins mit ~/~ CC. einer neutralen ChlorzinklSsung versetzt wurde, trat sogleieh eine tiberaus starke Fluoreseenz yon tier smaragdgranem Liehte auf, die sieh woehenlang hielt, sp~ter verschwand. Ieh babe derzeit nieht vers/tumt Herrn Professor Gre iss , Lehrer der Physik am hiesigen Realgymnasium, yon diesem h0ehst merkwt~rdigen Ham mitzutheilen. Urin, den Patient an sp~teren Tagen der Krankheit entleerte, zeigte naeh gleieher Behandlung aueh noeh FIuoreseenz, obgleieh sehw~tcher, zuletzt am 23. und 27. Tage der Krankheit war die Fluo- rescenz nieht mehr zu beobaehten.

    Ueber alas Vorkommen yon Wasserstoffhyperoxyd im mensch- lichen Khrper. Schhnbe in (Journ f. pr. Chem. Bd. 92~ pag. 168) hat sich auch yon dem Vorkommen des Wasserstoffhyperoxyds im Urin ~iberzeugt. Trhpfelt man zu etwa 200 Grin. friseh gelassenen Harns so viel Indigol0sung, dass das Gemiseh eine deutlich gr~ine F~rbung zeigt, und theilt man nun dasselbe in 2 gleiche Theile, zu einer der- selben 15--20 Tropfen verdt~nnter Eisenvitriollhsung f~gend, so wird diese Harnportion bald heller gr~in oder br~unliehgelb crseheinen. Diese Farbenver~nderung riihrt selbstversthndlieh yon einer theilweisen oder g~nzlicben Zerst0rung der Indigotinctur her, wahrend dagegen die eisensalzfreie Hfilfte ihre anf~ngliehe grfine Fhrbung noeh immer zeigt. (Siehe diese Zeitsehrift Bd. 1. p. 12.) L~sst man in 30 bis 40 Grin. frischen Ham 8--12 Trot~fen durch Wasserstoffschwefel genau entf~rbtc Indigotinetur fallen, so wird das Gemiseh anfangs sieh nieht bl/~uen, diess aber beim ZuNgen einiger Tropfen EisenvitriollSsung safort thun. Erstgenanntes Reagens erh~lt man nach Sch0nbe in , wenn man

  • 246 Bericht: Specielle analy~ische ~ethoden.

    Wasser, welches mit Indigotinctur bis zur Undurchsichtigkeit tief ge- blaut ist~ mit etwas Salzsaure versetzt und darauf unter Umrfihren so lange von einer LSsung eines mehrfach geschwefelten alkalischen Me- talles zufiigt, bis das Gemisch vSllig entbl~tut erscheint. Hat man zur Bereitung dieses Reagens nicht mehr gel0ste Sehwefelleber angewendet~ als genau zur Entblituung der Indigotinctur erforderlieh ist, so wird diese farblose Fltissigkeit durch Wasser, welches nur Spuren yon Wasscr- stoffhyperoxyd enthiilt, noch deutlich und augenblieklich gebl~ut werden, sobald man dem Gemiseh einige Tropfen verdi~nnter EisenvitriollSsung zuftigt. Hierbei ist jedoch zu bemerken, dass die unter diesen Um- st~nden anf~nglieh eingetretene Bl~uung wieder verschwindet, falls das Wasser mehr Wasserstoffhype:roxyd enth~tlt, als zur Zersetzung des in der entfiirbten Indigol6sung vorhandenen Wasserstoffschwefels n0thig ist. Aus den oben genannten R'eactionen des Urins - - ZerstSrung der In- digotinctur und Bl~tuung der gleichen durch Wasserstoffsehwefel ent- f~rbten L(~sung unter Mitwirkung eines Eisenoxydulsalzes - - ersieht man, dass hier Oxydationswirkungen vorliegen, die das Wasserstoff- hyperoxyd kennzeichnen~ so dass S ehSnbe in yon dem Vorkommen ~usserst geringer )/iengen letztgenannten KSrpers im Harn tiberzeugt ist. Zur Best~ttigtmg dieser seiner.Ansicht ftihrte SchSnbe in noch folgenden Versuch aus. Bekanntlich wird H0~ (lurch SOs sofort zu Wasser reducirt, und wenn die vorhin erw~hnten Reactionen des Harns yon kleinen Mengen Wasserstoffhyperoxyd herrfihren, so wird derselbe mit entsprechend kleinen Quantit~ten SO~ vermischt, besagte Wirkungen nicht mehr hervorbringen k(innen, was in der That auch der Fall ist. SchSnbe in stellte sieh eine Fltissigkeit ktinstlich her, die die vorhin genannten Harnreactionen auf das genaueste nachahmt und in dernur ~tusserst geringe ~engen Wasserstoffhyperoxyd vorhanden sind. Ver- mengt man eine hOehst verdtinnte L(Ssung yon Wasserstoffhyperoxyd (Wasser, welches einige Secunden mit amalgamirtem Zink und Imft gesehtittelt ist) mit einer hinreichend grossen Menge gelSsten harn- sauren Kalis oder qNatrons, so ist das Gemisch nicht mehr f~thig, unter Beihtilfe eines Eisenoxydulsalzes den Jodkaliumkleister zu-bl~tuen (jod- bindende Kraft des harnsauren Salzes), wohl aber zeigt dasselbe das VermSgen, wie der Harn Jodst~rke oder Jodwasser zu entf~rben. Das gleiche Gemiseh vermag jedoch unter Mitwirkung der Eisenvitriol- 15sung sowohl das gelOste Indigoblau Z u .zerstSren, als aueh die durch den Wasserstoffschwefel entflirbte Indigotinetur zu bl~tuen, und kaum bedarf es der Angabe, dass die schweflige Saure besagtem ktinstliehen Gemisch die F/ihigkeit entzieht, die genannten Reactionen zu bewirken.

  • 2. Auf Physiologic und Pathologic bezt'igliche. 24:7

    Selbstredend gibt diese Reaetionen das Wasserstoffhyperoxyd und es l~sst sigh wohl nieht daran zweifeln, dams auch der frisehe Ham die gleiehen Reaetionen vermSge seines ItO~-Gehaltes hervorbringt. - - So- bald der Itarn anf~ingt sich zu tr~iben und nitrithaltig zu werden, ver- sehwindet das darin zuerst enthaltene Wasserstoffhyperoxyd.- Nach diesen und den vorstehenden Versuehen sind nun die hauptsi~ehliehsten Ver~nderungen, welche der ttarn w~thrend seiuer s. g. G~ihrung er- leidet, naeh S e h ~ n b ei n folgende :.

    1. Versehwinden seines Gehalts an Wasserstoffhyperoxyd, was ohne Zweifel die Oxydation irgend eines anderen Harnbestandtheils zur Folge hat.

    2. Auftreten :!oilzartiger Materien, welehe sofort reducirend auf das im Itarn enthaltene Nitrat einwirken~ dasselbe erst in Nitrit verwan- wandeln und dann auch dieses Salz v611ig zerst6ren, wodurch selbst- verst~tndlieh auch die reducirenden Pilzmaterieu eine ehemische Ver- ~ndemng erleiden mt~ssen.

    3. Umsetzung des Harnstoffs in kohlensaures Ammon unter Auf- nahme yon Wasser und Bildung einer fluoreseirenden Materie.

    Uebergang ~er Abietins~ure in den H~arn. Da ~ber die Auf- nahme und Ver~nderung harzartiger Stoffe in der Blutbahn bis jetzt nichts Bestimmtes bekannt ist, so stellte Ma ly mit dem yon ibm aus dem Colophonium dargestellten krystallisirten, Abietins~ure genannten Product einige Versuche an (Journ. f. pr. Chemic Bd. 92 pag. 8). Als M a ly am Abend etwa 1/~ Grin. Abietins~ture nahm, wurde der Morgenharn, dessen saure Reaction und sonstige Eigenschaften keine Aenderung erlitten hatte, mit Minerals~ure deutlieh trtibe; nach 24 Stunden hatten sich Itarns~urekrystalle (scheinbar etwas mehr als ge- wShnlieh) abgesetzt, ohue dass sich die Trt~bung ge~indert h~tte, die aber sogleich verschwaud, so wie Alkobol zugesetz t wurde. Beim Kochen blieb der Harn klar. Nach Ma ly rtihrt diese Trtibung ~-on in den Uriu abergegangenem abietinsaurem Natron her, das auf S~ure- Zusatz die Abietins~ure in der unter diesen Umst~tnden gewShnlichen Form abscheidet. Eiu Kaninchen bekam Mittags 1--11/s Grin. Abie- tins~ture; der Harn bis zmn folgenden Morgen gesammelt, war fast klar und schwach alkaliseh. Nach dem Filtriren zeigte er folgende Reactionen: Beim Koehen trat Ausscheidung ~,on phosphorsaureu Erden ein, die abet linch dem Erkalten ~vieder verschwanden. Auf Zusatz yon Salpeters~ture oder Salzsgure entstand ein weisslich-gelblicher, sieh nicht absetzender

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