Ueber den Stickstoffgehalt organischer Substanzen

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    06-Jun-2016

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  • 31 2 Stickstoffgehalt organischer Substanaen.

    siekeit das Salz in las lanzenden, kurzen, vierseitiSen,

    lost sich ziemlich reichlich in dasser , nicht in Weingeist, dis Losung besitzt einen schwach schrumpfenden rnelal- lischen Geschmack. Die Zusammensetzung ist diese :

    mit zwei oder mehr f - lac f en be renzten Saulen. Dassalz

    63,OO Saure 31,50 Zinkoxyd 5,50 Wasser

    1CO. Wenn dagegen die nach diesem Resultale zur wech-

    selseitigen Zerselzung erforderlichen Mengen neulrales para- citronensaures Nalron und schwefelsaures Zink zuvor in der gerade zur Losung nolhigen Mcnge Wasser gelost u n d die Mischung in einem offenen, mehr hohen als weiten Cylinderglase einige Zeit der Ruhe uberlassen wird, so scheidet sich ein Salz in Gestalt einer durchsichtigen wasserhaltigen Gallecte aus, welche sich auswaschen Iasst, und beim Austrocknen an der Luft krystallinisch wird, und es besteht aus 94,2 Saure, 12,s Zinkoxyd, 64,0 Wasser.

    B.

    Ueber den Stickstoffgelialt organischer Substanzen. F. L. W i n ck I e r bemerkte, dass 8 Monale lang gela-

    gerter 1851er Wein 4 Proc. Alkohol verloren. seinen Essig- sauregehalt eingebusst, den Gehalt an Para.Citronensaure unverandert beibehalten und uber kohlensaures Iiali ab-

    ezogen, buttersaures Kali hinlerliess, also Buttersaure statt 8er fruheren Essigsaure enthielt. Daraus schloss er auf den Stickstoffgehalt des Weins. Die Erfahrung bestatigte diesen Schluss. Bei der Destillation des durch Abdam- pfen von Wein erhaltenen Ruckstandes uber ein gleiches Gewicht Aetzkalk ward ein stark basisch reagirendes, slick- stoffreiches Destillat erhalten, welches nach anderweitigen Resultaten in Verbindung rnit andern Bestandtheilen das sogenannte Bouquet des Weins ausmacht, welches man bisher nur durch den Geruch und Geschmack nachzuwei- sen, aber nicht zu isoliren vermochte.

    Man erhalt diese Verbindung, wenn man 2-3 Pfund Traubenwein im Wasserbade zur dunnen Syrupsconsistenz verdunstet, den Ruckstand in 3-4 Unzen destillirtem Was- ser aufnimmt und rnit dieser Mischung die gleiche Gewichts- menge in einer geraumigen tubulirten Retorte berindlichen, groblich gepulverten Aetzkalk ubergiesst., nacbdm zuvor eine geraumige, rnit Sicherheitsrohre versehene Vorlage luft- dicht angepasst, die Sicherheitsrohre mit Wasser abge-

  • Stickstoffgehalt organischer Substansen. 31 3

    sperrt und die Vorlage ab ekuhlt ist. Man siehl dann in

    kunstliche Erwarmung; sie tritt oft sturmisch ein, es de- stillirt eine fluchtige, sehr leicht bewegliche Fliissigkeit uber, die stark basisch reagirt und einen eigenthiimlichen, sehr angenehmen Geruch besilzt. Die Verbindung lasst sich durch Sauren vollstandig neutralisiren und die Losung des neutralen Salzes besitzt den Geruch des der verwen- deten Weinsorte eigenthumlichen Bouquets in hohem Grade. Dr. W i nck 1 e r versuchte in dem Kalkriickstande die Saure aufzufinden, welche hier als Zersetzungsproduct vorhanden sein musste. Deshalb ward der Kalkruckstand nach dern Erkalten mit .destillirtem Wasser ausgezogen. das Piltrat eingeengt und mit der erforderlichen Menge sauren sehwe- felsauren Kalis der Deslillation unterworfen. Das Destillat war eine Saure, welche mit der Base neutralisirt ein neu- trales Salz bildete, dessen Geruch p a u mit dem des Bouquets des verwendeten Weins ubereinslimmte , das Bouquet des Weins darstellt.

    Bei vergleichenden Versuchen mit verschiedenen Trau- benweinsorten wurde uberall dieselbe Verbindung erhalten, aber von verschiedenem Geruch und Geschmack ; alle waren stickstoffhaltig. Der Verf. schliesst daraus, rlass der Slick- stoff einen wcsentlichen Bestandtheil des Weins ausmache und bestimmt die Ursache jener merkwurdigen chemischen Metamorphose sei, welche beim Iangeren Aufbewahren des Weins a u f dem Lager bernerkt und mit dem Ausdruck uveredelnu der Weine bezeichnet werde.

    Der Verf. meint, dass nun auch die letzte im Wein enthaltene chemische Verbindung, welche bisher noch un- bekannt war, nachgewiesen sei, so dass man den Wein als ein organisches Ganzes ansehen musse.

    Es la5 nun daran, behuf einer Theorie der Wein- gahrung Analogien auszumitteln, also den Slickstoffgehalt in andern durch die Weingahrung hervorgegangenen Pro- ducten nachzuweisen. Dazu ward das Bier gewahlt. Das- selbe wurde wie der Wein im Wasserbade abgedunstet, mit destillirtem Wasser verdunnt, uber Aetzkalk destillirt und ein stark basisch reagirendes, ammoniakalisches, nach Bier a n d Hopfen riechendes Destillat erhalten. Ein die- sem Destillate ganz leiches ward durch Destillation gut

    leitung der Gahrung benutzte Bierhefe gab durch Behand- lung mit Kalk keine Spur der stickstoffhaltigen Verbindung, diese geht also bei der Biergahrun in der That in das

    kraftiges Nahrungsmittel.

    kurzer Zeit die Hydratbil (? u n g erfolgen, und zwar ohne

    ausgewaschener Bier fl efe mit Kalk erhalten. Die zur Ein-

    Bier uber; das Bier ist stickstoffha 7 tig und dadurch ein

  • 314 Slickstoffgehalt organiscker Substanzen.

    Bei der weinigen Gahrung vieler zuckerhalligen Frucht- safte erfolgt die Gahrung be1 geeigneter Temperatur ohne Zusatz von Ferment, die erforderliche Menge findet sich in den Saflen. und dieses Verbalten der zuckerhaltigen %fie bielet eine hochst interessante Analo ie ihrer Ver-

    unter allen Verhaltnissen die Ausgangsproducte der che- mischen Metamorphose im Vegetationsprocesse; derselbe wird durch diesen Gegensatz hervorgerufen. unterhalten und zu Ende gefuhrt. Bierdurch ist die Wechselwirkung dsr Stoffe bei der Weingahrung h8chsl einfach erklart. Die slickstoffhallige Verbindung leilet unter den bekarinten begunstigenden Verhaltnissen der geeigneten Temperalur, Verdunnung der zuckerhaltigen Safte ein, geht in das Gahrungsproduct uber, nimmt die Slelle des die chemisohe Conslilution des Zuckers bedingenden Wassers ein, bewirkt dadurch Spahung der Zuckeratome: in Weingeist und Koh- lensaure j die eingetretene stickstoffhaltige Verbindung fin- det sich in der vergohrenen Plussigkeit in einer bestimm- ten chemischen Reziehung zu den iibrigen Bestandtheilen vor, das Gahsungsproduct ist ein organisches Ganzes.

    Dr. W i n ck 1 e r macht noch einige Bemerkungen uber das merkwurdige Verhallen des Aetzkalks, Jass diesel die Rildung der basischen Verbindung bewirkt, wie dieso Base bei der Weingahrung, durch Enlziehuns von Constitutions- wasser, die Spaltung der Bestandtheile, ist Folge der Hydratbildung ; dass der Kalk auf vegelabilische Auszuge ganz analog wirkt, wie das Ferment auf zuckerhaltige Lo- sungen, ohne dass dadurch. wie bei der Einwirkung von Kalihydrat auf organische Verbindungen (bei hoher Tem- peratur), eine anderweitige Zersetzung, eine ganzliche Zer- storung der organischen Verbindung slalt findet.

    Diese Beobachlungen verdienen alle Aufmerksamkeit. Dr. W i n c k l e r hat seine Untersuchungen uber die durch Einwirkung des Aetzkalks auf organische Substanzen sich bildenden stickstoffhaltigen Basen und entsprechenden Sau- ren ausgedehnt auf die wasserigen Auszuge von Mutter- korn, Lowenzahn, Quekenwurzel, Klatschrose, Chamille, Pfeffermunze und einige andere. Ganz so wie gegen vege- labilische Stoffe verhalt sich der Kalk unler Mitwirkung von Wasser auch gegen thierische Flussigkeiten und Ge- hilde. Die Zersetzungsproducte sind dem des ersteren ganz analog. Wenn z. B. eine Gewichtsmenge tunquinen- sischer Moschus mit deslillirtem Wasser abgerieben und die Losung mit der gleichen Gewichtsmenge Aekkalk der Destillalion unter"worfen wird, so erhalt man ein farbloses,

    wendung im Vegetationsprocesse. Basen un ! Sauren sind

  • Am ygdalin. 315

    stark basisch reagirendes Destillat von nur entfernt am- moniakalischem, aber ausserst durchdringendern feinem Moschusgemch ; durch Destillation des wasserigen Aus- zuoes des Kalkriickstandes mit saurern schwefelsaurern Ka?i wird die entsprechende Saure erhalten. Vereinigt man diese mit der zuvor erhaltenen Base, so wird eine neutrale Flussigkeit erhalten, deren Geruch genau mit dem des verwendetea Mosehus ii bereisstimmt. (Jahrb. f. prakl. Pharm Bd. 25. p . 65.) B.

    Amygda lin. W i ck e unterwarf, seine Untersuchungen uber das Vor-

    kommen des Am gdalins [dies. Arch. 8.71. p. 319) fortsetzend, die Knospen ud Rinden von Sorbuv aucuparica, S. hybrida, Amelanchier vulgaris, Cofoneaster vulgaris und Prunus Padus der Destillation und riifte das Destillat auf Blausaure. Es geschah dies im R erbste, urn BU ermitteln, ob das Amygdalin erst durch den. Vegetationsprocess gebildet, oder vielleicht als Reservestoff schon im Herhst abgelagert werde. Das Ersebniss sprach fur die lelzte Alternative und es verhalt sich also in dieser Beziehung das Arnyg- dalin analog dem Starkemehl, rnit dem 2s noch die Eigen- thumlichkeit theilt, dass es wahrend der Wachsthums- periode abnimmt. Es hat den Anscliein, als wenn das Amygdalin bei den Amyedaleen und Pomaceen an der Zellenbildung sich betheilige. eine Vermuthung. die auch darin einen Stiitzpunct hat, dass das Amygdalin in den Fruchtkernen der genannten beiden Pflanzengru pen sich angehauft findet. Beim Vergleich der geringen Jenge der Knospen, die im Herbste verwandt waren mit der vie1 grosseren Menge der jungen Triebe, worauf sich die fru- heren Mitlheilungen bezogen und bei Abschatzung der Mengen der in beidea Fallen in der Destillation enthalte- nen Blausaure wird die ausges rochene Vermuthung fast

    von Prunus Padus eine vie1 grossere Menge atherischen Oels im Herbste, ats bei der ersten Untersuchung bemerkt war. (Ann. der Chem. u. Pharvn. Bd. 81. p . 241-243.)

    zur Gewissheit. Narnentlich ent R ielten Rinde und Knospen G.

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