Ulla Hahn - Heller Wahnsinn

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    26-Dec-2015

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Ulla Hahn - Heller WahnsinnGedichtinterpretation

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Ulla Hahn Heller Wahnsinn (Gedichtinterpretation)Ulla Hahn (*1946): Heller WahnsinnDie Liebe ist kein Engelchen mit Flgeln,

kein dicker Sugling der mit Pfeilchen schiet;

die Liebe ist ein Engel von vielen,

die Gottes Rache aus dem Himmel stie

als sie wie er sein wollte: schn und

grausam blind und allmchtig, nicht

von dieser Welt zeigt sie seither

in immer neuen Bildern das Gesicht

des Wrgeengels der nach seiner Peitsche

die Herzen tanzen lsst bis er zuletzt

die Taumelnden Gefallenen zu fllen

den Fu auf ihre armen Kehlen setzt,

und dort verharrt, sich auf dem Absatz

wendet sorgfltig, ohne Eile, hin und her.

Mitunter soll es glcken zu entkommen

der Freispruch heit: ICH LIEBE DICH NICHT MEHR!!!Ulla Hahn ist eine der wichtigste deutsche zeitgenssische Dichterin und Erzhlerin. Ihre Gedichte, fr welche den Hlderlin-Preis genommen hat, drken meistens die verschiedene Arten und Gefhle der Liebe aus. Das Gefhl des Warten auf den Geliebte, die Sehnsucht, die Traurigkeit nach einer Trennung u.a. werden aus der Perspektive einer Frau geschildert. Der grte Teil ihrer Werke basieren auf zwei Themen: grausame Liebe und die Nachkriegszeit. Auch in ihrem Gedicht Heller Wahnsinn wird dieses Thema der grausamen Liebe entwickelt. Das Gedicht schildert ein bitteres Bild die Liebe, wie alle irdische Dinge, ist nicht vollkommen und nicht ewig.

Die ersten zwei versen errinern uns die klassische Bilde der Liebe, die wie ein schnes Engelchen als Symbol fr die Schnheit und Ewigkeit der Liebe dargestellt wurde. Der dicker Sugling der mit Pfeilchen schiet verwiest auf Eros, der griechische Gott. Das lyrische Ich ironisiert die beide Figuren und die klasische Meinugen ber Liebe. Diminutive wie Engelchen und Pfeilchen unterstreichen die Ironie gegenber diese kindische Vision. Aber nicht im Geringsten war Eros fr die Antiken unschuldig. In sein Werk Antigona spricht Sophocles ber einen bsen und rachschtigen Gott, der unsere Kpfen stehlt. Diese Vision stimmt mit der Perspektive aus dem Gedicht das lyrische Ich beschreibt die Liebe als rachschtiger Engel (merken sie, Engel und nich Engelchen). Das biblische Bild der gefallenen Engel sugeriert noch einmal die Unreinheit. Die Liebe gehrt zur Erde und nicht zum Himmel. Die Menschen erhofften immer an die himmlische Liebe aber ihre Erwartungen sind nicht realistisch.

In der zweiten Strophe finden wir andere Klischees ber die Liebe, die allmchtig vorgestellt wird (nach den Wrtern des Heiliges Apostel Paulus). Die Menschen lieben mit den Herzen und nicht mit den Augen, sodass Eros blind dargestellt wird. Die Blindheit, der Mangel an Licht sugeriert etwas nicht realistisch. Es gibt hier einen Gegensatz wieso kann die Liebe allmchtig sein, ob sie blind ist? Der moderne Mensch glaubt nicht mehr in der Allmchtikgeit der Liebe. Die klassische Vision ber die Liebe ist nur eine schne Illusion, die in Wahrheit oft Schmerz, Leid und Angst bedeutet. Sie qalt die Menschen mit ihren verschiedenen Gesichte. Sie lassen die Menschen nicht in Ruhe. Das lyrische Ich versucht eine hnlichkeit zwischen Gott und Liebe, nach moderner Perspektive. Friedrich Nietzsche verkndete den Tod des Gottes. Beginnend mit Renaissance, hat man ber Deus otiosus gesprochen. Der Gott ist irgendwie blind, er hat sich aus der Welt entfernt, er interresiert sich nicht mehr fr das Schicksal der Menschen. Die Liebe entuscht ebenfalls den modernen Mensch. Es fhlt in diese Versen die Verzweiflung des lyrischen Ich, weil die Liebe so viele Gesichte hat. Vielleicht fragt sich das lyrische Ich ber das wahre Gesicht der Liebe.

Die dritte Strophe betont die unglckliche Gefhle aus der zweiten Strophe. Die beiden Strophe beschreiben die Brutalitt der Liebe, aber die Leiden werden jetzt physikalisch. Es wird durch Metaphern die Unruhigkeit einer unvollendeten Liebe sugeriert. Der Wrgenengel mit Peitsche hnelt sich mehr mit einem Teufel, der die Herzen der Menschen nicht in Ruhe lassen. In der Bibel wurde der Wrgenengel zum Tten asugesendet. Die Herzen wird personifiziert, sie tanzen unabhngig von der Personen die gehren. In die Wrter Decartes, das Herz hat seine eigene Vernunft, die der Verstand nicht kennt. Es wird eine unterdrckende Liebe ausgedruckt, eine Liebe die den Fu auf ihre armen Kehlen setzt. Die Liebe nimmt den Menschen die Luft zum atmen.

In der letzten Strophe sucht man die Moglichkeit zur Enfliehung. Das lyrische Ich will nur aus diesem Qual entkommen und nicht mehr lieben. Die Alliteration hin und her zeigt das nicht so leicht zu verwirklichen. Hin und her wendet sich der Mensch ohne Chance zur Entkommen weil die Liebe in userer Seele aufgebaut wird. Der Mensch wird praktisch gezwungen, an eine bittere Enttuschung jeder Liebesgeschichte zu glauben.Die langsame, langjhrige Leiden zwingen den Mensch auszugeben. Der Freispruch wre Ich liebe dich nicht mehr, aber wie ist das mglich? Jedenfalls wird dieser grogeschriebene Freispruch wie einen Schrei dargestellt. Das lyrische Ich will nicht mehr lieben.

Aus der Sicht der Prosodie ist das Gedicht in vier Strophen und vier Versen geteilt. Die Strophen haben Kreuzreim. Die Sprache ist einfach und gemein (Merkmal der moderne Dichtung). Die Versen werden in einer modernen Technik getrennt (Enjambement) mehrere Versen bilden einen Satz. Diese moderne Trennung bietet starke akustische Wirkungen. Fernen fhren Enjambements zu Mehrdeutigkeit durch Trennung von Sinnzusammenhngen. Es wird, durch die Verwendung von mehreren Jamben, eine melancholische Atmosphre eingesetzt.

Die Ironie und berraschung aus dem Titel ist auch eine moderne Technik. Der Ausdruck Heller Wahnsinn verwirrt zunchst den Leser, der wahrscheinlichste etwas positives sich einbildete. Damit will die Verfasserin des Gedichts einen berraschungseffekt beim Lesen erreichen.

Als Schlussfolgerung, das Gedicht Heller Wahnsinn erzeugt eine Entmythisierung der Liebe. Die Liebe ist schn, aber einigermaen grausam. Die Freuden flechten mit den Enttuschungen zusammen, als im allgemeinen in unserer Welt geschieht. Die Liebe gehrt zur Erde und nicht zum Himmel, das ist die Warnmeldung dieses Gedichts.

Kritische Hinweise1. Ulla Hahn - Heller Wahnsinn. Online unter: http://wikis.zum.de/kas/Ulla_Hahn_-_Heller_Wahnsinn [09.05.2014] 2. Ulla Hahn Leben und Werk. Online unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Ulla_Hahn [09.05.2014] Ulla Hahn Heller Wahnsinn (Gedichtinterpretation) 3