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  • Vom Autor des Weltbestsellers

    »Die purpurnen Flüsse«

    Mathieu Durey, Polizist bei der Kripo in Paris, ist einem mysteriösen Fall auf der Spur, einer ebenso

    erschreckenden wie merkwürdigen Mordserie. 2CS˓GQAFCÍ1WK@MJCÍXGCPCLÍBGCÍ1AF?SNJcRXCÍBCQÍ

    Verbrechens, und alle mutmaßlichen Mörder haben eines gemeinsam: Sie waren schon einmal tot, sind

    aus dem Koma ins Leben zurückgekehrt ...

    »Jean-Christophe Grangé führt seine Leser wieder mitten in die Thrillerhölle.« Bild am Sonntag

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    Zurück mehr.« Le Figaro

  • Das Herz der Hölle

  • Der Autor

    Jean-Christophe Grangé, 1961 in Paris geboren, arbeitet als freier Journalist für »Paris-Match«, »Gala«, »Sunday Times«, »Observer«, »El Pais«, »Spiegel« und »Stern«. Seine abenteuerlichen Reportagen führten Grange zu den Eskimos, den Pygmäen, den Tuareg und in die Mongolei.

  • Jean-Christophe Grangé

    Das Herz der Hölle

    Roman

    Aus dem Französischen von Thorsten Schmidt

  • Besuchen Sie uns im Internet www.weltbild.de

    Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild GmbH & Co. KG, Werner-von-Siemens-Straße 1, 86159 Augsburg

    Copyright der Originalausgabe © 2007 by Éditions Albin Michel Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2007 by Bastei Lübbe AG, Köln

    Übersetzung: Thorsten Schmidt Umschlaggestaltung: Johannes Frick, Neusäß

    Umschlagmotiv: © Johannes Frick, Neusäß unter Verwendung von Shutterstock-Motiven

    Satz: Datagroup int. SRL, Timisoara Gesamtherstellung: GGP Media GmbH, Pößneck

    Printed in the EU ISBN 978-3-95973-391-5

    2020 2019 2018 2017 Die letzte Jahreszahl gibt die aktuelle Lizenzausgabe an.

    Die französische Originalausgabe erschien 2007 unter dem Titel Le Serment des Limbes.

  • Für Laurence und unsere Kinder

  • TEIL 1

    Mathieu

  • 9

    KAPITEL 1

    »Zwischen Leben und Tod.« Eric Svendsen hatte eine Schwäche für Floskeln. Ich hasste ihn

    dafür, jedenfalls heute. Ein Gerichtsmediziner sollte sich auf einen klaren, präzisen Bericht beschränken – basta. Aber der Schwede konnte nicht anders: Er war ein hoffnungsloser Phrasendre- scher ...

    »Luc wird entweder jetzt aufwachen«, fuhr er fort, »oder gar nicht mehr. Sein Körper funktioniert, aber sein Bewusstsein ist an einem toten Punkt. Er schwebt zwischen zwei Welten.«

    Ich saß im Wartezimmer der Intensivstation. Svendsen stand im Gegenlicht. Ich fragte ihn:

    »Wo ist es eigentlich passiert?« »In seinem Landhaus in der Nähe von Chartres.« »Weshalb wurde er hierher verlegt?« »Das Krankenhaus in Chartres ist für so schwere Notfälle nicht

    ausgerüstet.« »Warum wurde er ausgerechnet hierher, ins Hôtel-Dieu, ge-

    bracht?« »Weil alle verletzten Polizisten hier behandelt werden.« Ich rutschte auf meinem Stuhl nach hinten. Ein Schwimmer bei

    den Olympischen Spielen, bereit zum Kopfsprung. Mir wurde übel von dem Geruch der Desinfektionsmittel, der durch die geschlos- sene Doppeltür drang und sich mit der Hitze vermischte. Alle mög- lichen Fragen schwirrten mir durch den Kopf:

    »Wer hat ihn gefunden?« »Der Gärtner. Er hat ihn im Fluss entdeckt, in der Nähe des Hau-

    ses, und ihn in letzter Minute aus dem Wasser gezogen. Um 8 Uhr

  • 10

    morgens. Zufällig war ein Notarztwagen in der Nähe. Sie sind ge- rade noch rechtzeitig gekommen.«

    Ich stellte mir den Schauplatz vor. Das Haus in Vernay, die Ra- senfläche mit den angrenzenden Feldern, den hinter üppigem Grün verborgenen Fluss, das dichte Unterholz am anderen Ufer. Wie viele Wochenenden hatte ich dort verbracht ...? Ich sprach das verbotene Wort aus:

    »Wer hat von Selbstmord gesprochen?« »Die Rettungssanitäter. Sie haben es in ihrem Bericht geschrie-

    ben.« »Wieso kann es kein Unfall gewesen sein?« »Der Körper war mit Gewichten beschwert.« Ich blickte auf. Svendsen breitete zum Zeichen seiner Ratlosigkeit

    die Arme aus. Im Gegenlicht wirkte er wie ein Scherenschnitt. Ein hagerer Körper und fülliges krauses Haar, rund wie eine Mistel- beere.

    »Luc trug an der Hüfte mit Draht befestigte Brocken von Beton- steinen. Eine Art Bleigürtel, wie ihn Taucher benutzen.«

    »Könnte es nicht Mord sein?« »Red keinen Stuss, Mat. Dann hätte man ihn sicher mit drei Ku-

    geln im Bauch gefunden. Aber es gibt keinerlei Hinweise auf Ge- waltanwendung. Er hat sich ertränkt, daran gibt es nichts zu deu- teln.«

    Ich dachte an Virginia Woolf, die sich ihre Taschen mit Steinen vollgestopft hatte, bevor sie sich in Sussex, in England, in einem Fluss ertränkt hatte. Svendsen hatte recht. Der Schauplatz der Tat ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Jeder andere Polizist hätte sich mit seiner Dienstwaffe eine Kugel in den Kopf gejagt. Luc aber hatte Sinn für Rituale – und für heilige Stätten. Vernay, für des- sen Erwerb, Restaurierung und Einrichtung er sich krummgelegt hatte. Ein perfektes Refugium.

    Der Gerichtsmediziner legte mir die Hand auf die Schulter.

  • 11

    »Er ist nicht der erste Polizist, der Selbstmord begeht. Ihr bewegt euch am Rand des Abgrunds und ...«

    Wieder Floskeln. Ich hörte nicht mehr hin und dachte an die Sta- tistiken. Im Vorjahr hatten sich in Frankreich fast einhundert Poli- zisten erschossen. Seine berufliche Laufbahn mit Selbstmord zu be- enden schien gang und gäbe.

    Im Flur war es noch dunkler geworden. Äthergeruch, drückende Hitze. Wann hatte ich zum letzten Mal mit Luc gesprochen? Seit wie vielen Monaten hatten wir nichts mehr voneinander gehört? Ich sah Svendsen an.

    »Und du, was machst du hier?« Er zuckte mit den Schultern. »Sie hatten mir eine Leiche gebracht. Einen Einbrecher, Schlaganfall

    während eines Einbruchs. Die Typen, die ihn brachten, kamen vom Hôtel-Dieu und haben mir von Luc erzählt. Ich habe alles stehen und liegen lassen und bin hergekommen. Meine Klienten können warten.«

    Seine Worte riefen mir die Stimme von Foucault, meinem Grup- penleiter, in Erinnerung, der mich vor einer Stunde angerufen hatte: »Luc hat Schluss gemacht!«

    Die Migräne in meinem Kopf wurde stärker. Ich musterte Svendsen genauer. Ohne weißen Kittel kam er mir

    unwirklich vor. Doch er war es, kein Zweifel: Seine kleine Haken- nase und seine kneiferähnliche Brille waren unverwechselbar. Ein Pathologe an Lucs Bett ... Er würde ihm Unglück bringen.

    Die Doppeltür am Eingang der Station ging auf. Ein untersetzter Arzt in einem zerknitterten grünen Kittel tauchte auf. Ich erkannte ihn sofort: Christophe Bourgeois, Anästhesist und Intensivmedizi- ner. Vor zwei Jahren hatte er versucht, einen psychopathischen Zu- hälter zu retten, der bei einer Razzia im 18. Arrondissement, in der Rue Custine, in die Menge geschossen hatte. Der Mann hatte zwei Polizisten niedergestreckt, bevor eine Kugel vom Kaliber .45 sein Rückgrat durchschlug – eine Kugel aus meiner Pistole.

  • 12

    Ich stand auf und ging Christophe entgegen. Er runzelte die Stirn.

    »Sie kommen mir bekannt vor.« »Mathieu Durey, Commandant bei der Mordkommission. Der

    Fall Benzani im März 2000. Ein Ganove, der niedergeschossen wurde und hier verstarb. Letztes Jahr haben wir uns vor dem Ge- richt in Créteil wiedergesehen, wo der Prozess in Abwesenheit statt- fand.«

    Der Mann machte eine Geste, die besagte: »Ich begegne so vielen Leuten ...« Er hatte dichtes weißes Haar, ein beeindruckender, vita- ler Mann. Er sah zur Intensivstation hinüber.

    »Sind Sie wegen des Polizisten da, der im Koma liegt?« »Luc Soubeyras ist mein bester Freund.« Er verzog das Gesicht, als bedeute das noch mehr Ärger. »Wird er überleben?« Der Arzt öffnete das Band seines Kittels in seinem Rücken. »Es ist ein Wunder, dass sein Herz wieder schlägt«, sagte er

    schnaufend. »Als man ihn aus dem Wasser zog, war er tot.« »Was wollen Sie damit sagen?« »Klinisch tot. Wäre das Wasser nicht so kalt gewesen, hätte man

    nichts mehr für ihn tun können. Aber durch die Unterkühlung war die Durchblutung des Körpers schwächer. Die Notärzte in Chartres haben unglaubliche Geistesgegenwart bewiesen und das Unmögli- che versucht, indem sie sein Blut künstlich erwärmten. Und das Un- mögliche hat funktioniert. Eine echte Auferstehung.«

    »Was haben sie getan?« Svendsen, der näher gekommen war, schaltete sich ein: »Ich erkläre es dir.« Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Der Arzt sah auf seine

    Uhr. »Ich habe jetzt wirklich keine Zeit.« Ich explodierte:

  • 13

    »Mein bester Freund liegt hier nebenan. Also nehmen Sie sich die Zeit gefälligst!«

    »Verzeihen Sie«, sagte der Doktor lächelnd. »Die Diagnose ist noch nicht abgeschlossen. Wir müssen noch herausfinden, wie tief sein Koma ist.«

    »Wie steht es mit seinen Körperfunktionen?« »Die Vitalfunktionen sind wieder normal, aber wir können

    nichts tun, um ihn aus dem Koma aufzuwecken  ... Und falls er aufwacht, können wir nicht vorhersagen, in welchem Zustand. Al- les hängt von den Hirnverletzungen ab. Unser Freund hatte die Schwelle des Todes überschritten, verstehen Sie? Die Sauerstoff- versorgung war eine Zeit lang unterbrochen, was zweifellos Schä- den verursacht hat.«

    »Gibt es nicht verschied