Von der Idiotie der Masse zur Intelligenz der Menge: Die Macht der Netzwerkökonomie

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    05-Apr-2015

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  • Von der Idiotie der Masse zur Intelligenz der Menge: Die Macht der Netzwerkkonomie
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  • Internet ist dezentral, schwer kontrollierbar Anarchistisches Potential Herrschaftsfreier Diskurs Kontrollverlust - Soziale Haut Normative Regeln der Gesellschaft Katz und Maus-Spiel: Staat reagiert auf jeden Impuls des Netzes mit neuen Regulierungen Zensursula-Debatte, Netzsperren, Aufhebung der Netzneutralitt, Vorratsdatenspeicherung, Urheberrecht Netz reagiert mit neuen Formen subversiver Unterwanderung: Verbot von thepiratebay.org (Filesharing) fhrte zur Grndung der Piratenpartei in Schweden Einzug ins Europaparlament
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  • Die Basis fr den Erfolg des Web 2.0 ist technisch determiniert. Eric Knorr, Chefredakteur von InfoWorld prgte den Begriff im Dezember 2003. Tim OReilly bewirkte dann spter mit der ersten Web 2.0-Konferenz den medialen Durchbruch. Horward Rheingold hat den Wandel der Netzkultur bereits 2002 in seinem Artikel Smart Mobs Die Macht der mobilen Vielen vorweggenommen.
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  • Die Konvergenz der Technologien bewirkt neue Formen der Kommunikation. Ortungsfhige drahtlose Organizer, Drahtlos- Netzwerke und zu Computerverbnden zusammengeschlossene Kollektive haben eines gemeinsam: Sie befhigen Menschen, auf neue Arten und in unterschiedlichen Situationen gemeinsam zu agieren. Die Killerapplikationen von morgen werden nicht Hardware oder Software sein, sondern soziale Praktiken. Die technische Infrastruktur verndert Unternehmen, Gemeinschaften und Mrkte, so Rheingold vor acht Jahren.
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  • Jaron Lanier: Digitaler Maoismus Der Internet-Pionier prgte den Begriff der virtuellen Realitt und beschwor die Gratiskultur. Nun sieht er, wie Kreative ausgebeutet werden. Lanier verwirft mittlerweile die Schwarmintelligenz und spricht vom digitalen Mob.
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  • Wer dem Schwarmgeist eine hhere Intelligenz, eigene Ideen, ja sogar eine berlegene Meinung zuweist, wrde irren. Eine solche Denkweise hat in der Geschichte schon mehrfach zu sozialen und politischen Verheerungen gefhrt. Mir bereitet die Vision Sorgen, nur das groe Ganze, das Kollektiv sei real und wichtig nicht aber der einzelne Mensch. Das war der Fehler in allen totalitren Ideologien, vom Nazi-Regime ber Pol Pot bis zu den Islamisten, so die Kritik von Lanier.
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  • Das offene Netz werde als Projektionsflche fr Aufklrungsutopien verwendet. Die Netzwerk-Struktur zerschlage die historisch gewachsenen Hierarchien. Bolz zweifelt an der schnen neuen Cyberwelt. Er zweifelt an der Idee des Internets als Medium der radikaldemokratischen Kollaboration. Auch das Netz wrde immer deutlicher aristokratische Strukturen zeigen. Es besttige sich das Pareto- Gesetz der 80/20-Verteilung. Das ist ein Effekt, der sich berall dort einstellt, wo Menschen aus einer Flle von Mglichkeiten whlen knnen, fhrt Bolz aus. Vielfalt + Wahlfreiheit = Ungleichheit. 20 Prozent aller Knoten ziehen 80 Prozent aller Links auf sich. Deshalb bekomme man auch im Web eine Wirtschaft der Stars.
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  • Der Soziologe Robert K. Merton spricht in diesem Zusammenhang vom Matthus-Effekt: Wer hat, dem wird gegeben. Oder wie es der Millionr Gunter Sachs etwas deftiger ausdrckte. Der Teufel scheit immer auf den grten Haufen.Matthus-Effekt Netzwerktheoretiker Albert-Lszl BarabsiNetzwerktheoretiker Albert-Lszl Barabsi spricht sogar von einer vollstndigen Abwesenheit von Demokratie, Fairness und egalitren Werten im Internet. Privilegierte Anlaufstellen im Netz, Quasimonopol von Google
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  • Computertechnik und die sinkende Autorit t der Experten Mit der Computerkommunikation wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identitt mehr besteht. Wer etwas eingibt, wei nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autoritt der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert und ersetzt durch Unbekanntheit der Quelle. Ebenso entfllt die Mglichkeit, die Absicht einer Mitteilung zu erkennen und daraus Verdacht zu nhren oder sonstige Schlsse zu ziehen, die zur Annahme oder Ablehnung der Kommunikation fhren knnten. Die moderne Computertechnik greift auch die Autoritt der Experten an. Fast jeder hat mittlerweile die Mglichkeit, die Aussagen von Wissenschaftlern, Journalisten, Unternehmern oder Politikern am eigenen Computer zu berprfen.
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  • Netzwerkgesellschaft versus Ziegelsteindiktatur Man knnte es mit dem Long Tail-Effekt beschreiben. Es gibt viele Nischen, wo es entsprechend viele 80/20-Verteilungen gibt. In der einen ist man der Star und in der anderen mehr oder weniger der stumme Konsument und Beobachter. 20 Prozent von was? Das kommentierte ein Leser meines Blogs: Im Unterschied zur alten Welt kann sich jede Spezialgruppe mit wenig Technik und Geld ihr Forum aufbauen. Wenn dann 20 Prozent der 10 weltweit verteilten Liebhaber von blau-rosa Weinbergschnecken die Aufmerksamkeit in dieser Gemeinschaft auf sich konzentrieren, ist doch alles in Ordnung. In einer anderen Gruppe gehren die beiden wieder nur zu den 80 Prozent Konsumenten. Neu ist eigentlich nur der stndige Rollenwechsel.
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  • Es gibt keine festgefgte 80/20-Aufteilung. Die wichtigen Portale, Blogs oder Internet-Stars sind wie Sternschnuppen. Sie leuchten hell fr kurze Zeit und verglhen sehr schnell. Gestern: MySpace Heute: Facebook Morgen:???
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  • Die ffentliche Meinung ist nicht mehr die verffentlichte Meinung Warum die Kanzlerin mit dem Internet hadert
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  • Selbst in den 20 Jahren, in denen ich selbst in der Politik aktiv bin, hat sich das politische Geschft noch einmal erheblich beschleunigt! Nachrichten werden heute sehr viel schneller alt. Die Vielzahl der Medien, vom Internet bis zu den zahlreichen Fernsehsendern, verlangt von Politikern ein immer schnelleres Reagieren. Frher, als es nur zwei Fernsehsender gab, gab es allein schon eine deutlich geringere Anzahl von Nachrichtensendungen, von anderen Formaten mal ganz abgesehen. Die Menschen unterhielten sich morgens am Arbeitsplatz ber die gleichen Themen. Heute wird es durch die Vielzahl der Informationskanle, und besonders durch das Internet, immer schwieriger, ein Gesamtmeinungsbild zu erkennen. Durch diesen sehr groen technischen Wandel sei es schwerer geworden, alle Menschen, alle Generationen zu erreichen, denn diese nutzen die einzelnen Medien mittlerweile sehr unterschiedlich. Erkenntnis der CDU-Politikerin: Es gibt nicht mehr nur eine ffentlichkeit, sondern viele ffentlichkeiten, die ganz verschieden angesprochen werden mssen.
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  • In diesem Buch werden nicht nur die wichtigsten Erkenntnisse aus der Meinungsforschung zur ffentlichen Meinung prsentiert, sondern ein historischer Abriss von der Antike bis in unsere Tage. Kurzgefasst kann man sagen, dass die Massenmedien die treibende Kraft bei der Bildung von ffentlicher Meinung waren. In der Regel folgte das Meinungsklima dem Medientenor. Nur in Ausnahmefllen wich die Mehrheitsmeinung der Bevlkerung vom Medientenor ab: Noelle-Neumann bezeichnet das als doppeltes Meinungsklima.
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  • Der Soziologe Luhmann spricht von Aufmerksamkeitsregeln. Er vermutet, dass das politische System, soweit es auf ffentlicher Meinung beruht, gar nicht ber Entscheidungsregeln, sondern ber Aufmerksamkeitsregeln integriert wird, durch die Regeln also, die bestimmen, was auf den Tisch kommt und was nicht. Die Strukturierung der Aufmerksamkeit erfolge durch die Massenmedien. Thematisierung im Prozess der ffentlichen Meinung vollzog sich nach der Agenda-Setting-Funktion der klassischen Medien.
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  • Merkel sprt, dass diese alten Regeln nicht mehr gelten. Das doppelte Meinungsklima wird wohl bald die Regel und nicht mehr die Ausnahme sein. Soziale Kettenreaktionen im Netz! Neue digitale ffentlichkeit: Hier sind die Medien, dort die Menschen diese Differenz kann man nicht mehr ziehen.
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  • Die Angebote im Web 2.0 sind digitale Netzmedien, deren gemeinschaftlicher Gebrauch sie als brauchbare Medien erst erzeugt, so Stefan Mnker in seinem Buch Emergenz digitaler ffentlichkeiten. Die Inhalte werden von vielen Millionen Nutzern in der ganzen Welt zusammengetragen, bewertet und geordnet. Das Internet ist eben das, was seine Nutzer aus ihm machen. Soweit eine Definition fr Gnter! Klassische Medien produzieren etwas, ohne die Rezipienten zu fragen. Sie senden und drucken, egal ob wir uns das anschauen oder lesen. Youtube sendet nur, wenn ich klicke und auch nur das, womit Nutzer die Seite bestcken.
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  • Facebook und die Netzwerk-Logik Wer sich auf Facebook mit anderen verbindet, ist fortan auch eingebunden in die sozialen Interaktionen seiner Facebook-Freunde eingebunden = Mark Granovetter- Theorie der schwachen und starken sozialen Bindungen Mit den engeren Kontakten kommuniziere ich ber E-Mail, Skype, Telefon die ffentliche Kommunikation in sozialen Netzwerken zielt auf die entfernteren Bekanntschaften und auf die anonyme Gemeinschaft aller anderen Mitglieder.
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  • Onliner, die sich in Netzgemeinschaften organisieren sind keineswegs lichtscheue Elemente oder Bildschirmjunkies, die sich hinter ihren Monitoren verkriechen eingebettet von Pizzakartons Sie verbringen ihre Zeit im Netz nicht auf Kosten der Pflege von Offlinekontakten, sondern auf Kosten ihres Konsums von klassischen Massenmedien Onliner sind in der Regel sozial hochkompetente, kommunikationsfreudige und engagierte Menschen
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  • Onliner publizieren Texte, Bilder, Filme und Musik eigne und fremde Produktionen MashUp Rekombination bestehender digitaler Inhalte zu neuen Werken Es blht die knstlerische Collage und filmische Montage auf es entsteht sogar avantgardistische Kunst Aushebelung der Masseneffekte es regiert nicht Menge und Quote Netz ist zufallsgesteuert und interessengeleitet
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  • Im Netz hat man Erfolg, wenn man die Bedrfnisse und Vorlieben anderer Nutzer am besten trifft Experimentierfeld Musik als Beispiel Plattenlabel kalkulieren nach den Charterfolgen Independent Bands ohne Chancen Im Netz kaum Produktionskosten Beispiel britische Band Arctic Monkeys Hier liegt die eigentliche Gefahr der Musikindustrie, nicht illegale Distribution ber Filesharing- Netze
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  • Strker werdender Trend: Vernetzte Verbraucher Sie offenbaren ihre Vorlieben und Erfahrungen, sie verffentlichen ihren Einkaufszettel. Wenn es berhaupt noch eine Werbebotschaft gibt, auf die zu achten sich lohnt, schallt sie aus dem Lager der vernetzten Verbraucher. Mrkte schaffen keine Konversation, sondern Konversation schafft Mrkte! Cluetrain-Manifest!
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  • Blippy
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  • Neue Konsumentengeneration hilft nicht nur sich selbst, sondern auch anderen! Service zieht aus dem Call Center raus und wird immer strker ber das Internet gesteuert Egal, ob es die Anbieter so wollen oder nicht Verbraucher bei der Selbstbedienung untersttzen
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  • Web 2.0 bietet Geschftsmodell fr die ausgefallensten Gter und Dienstleistungen Long Tail es frdert heterogene Mrkte Und zum Schluss muss wieder einmal der olle Goethe das Rtsel der kollektiven Intelligenz lsen: Man spricht immer von Originalitt, allein was will das sagen! Wenn ich sagen knnte, was ich alles groen Vorgngern und Mitlebenden schuldig geworden bin, so bliebe nicht viel brig.
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  • Oder doch lieber die alten Griechen: Web 2.0 als Agora als ffentlicher Marktplatz. Die Netzwelt wirkt vor allem durch die permanente Korrektur ihrer Wissensprojekte ber die ffentliche Diskussion und Disputation. Das zeichnete die antike ffentlichkeit aus. Es sind allerdings keine elitren Zirkel wie in der Antike oder in der Gelehrtenrepublik des 18. Jahrhunderts.

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