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    10 NEW BUSINESS | JUNI 2015

    W arum lohnt es sich, in Gold zu investieren?Ich glaube, wir sind alle Teil eines großen monetären Experiments, dessen Ausgang ungewiss ist. Wenn man sich die perma­ nenten Interventionen der Notenbanken ansieht, dann wissen weder die Notenbanken selbst noch die besten Ökonomen, wie die Geschichte ausgehen wird. In Zeiten solcher monetären Experimente hat es immer Sinn ge­

    macht, Gold zu halten. Wir müssen uns vor Augen halten, dass wir derzeit eine globalisierte Nullzinspolitik erleben. Es hat noch nie in der Geschichte der Menschheit eine Phase gegeben, in der so viele Länder Nullzinsen hatten und die Renditen für Staatsanleihen im negativen Terrain waren. In diesem großen Geldexperiment ist es meiner

    Meinung nach empfehlenswert, Gold zu halten. Gold hat sich als monetäres Gut im Laufe der Zeit einfach durch­ gesetzt, da man es – anders als Geld – nicht beliebig vermehren kann. Der Goldbestand wächst jedes Jahr nur um 1,5 Prozent. Wenn man das mit unseren beliebig vermehrbaren Papiergeldwährungen vergleicht, zeigt das natürlich eine Knappheit an. In den letzten Jahren wurden die Geldmengen hingegen im Schnitt zwischen

    acht und zwölf Prozent ausgeweitet. Es wird behauptet, dass Gold hoch speku- lativ und hoch volatil sei. Können Sie die Argumente der „Goldgegner“ nachvoll- ziehen? Nein, sie stimmen einfach nicht. Gold ist in Relation zu Aktien oder zu Roh­ stoffen weitaus weniger volatil. Aus Sicht der letzten vier Dekaden hatten wir eine Volatilität, sprich Schwan­ kungsbreite, von 15 Prozent. Bei Aktien liegen wir etwa bei 19 Prozent, bei Rohstoffen deutlich darüber. Ich sehe mich jetzt nicht als radikalen Goldfun­ damentalisten, und davon gibt es viele. Aber ich glaube, es macht im Portfolio­ kontext einfach Sinn. Gold hat eine leicht negative Korrelation zu Anleihen, es hat praktisch keine Korrelation zu Aktien, eine negative zum US­Dollar, und es performt immer dann gut, wenn die Aktienmärkte krachen. Wenn es wirklich scheppert, dann performt Gold am besten. In Phasen wie 2008/09 hat sich Gold prächtig entwickelt und wirkte im Portfolio wie ein Airbag.

    Es ist also tatsächlich die viel gerühmte Krisenwährung? Ich würde es eher als die ultimative Währung bezeich­ nen. Nicht umsonst halten alle große Notenbanken einen Großteil ihrer Reserven in Gold. Und sie verkau­ fen nicht, sondern stocken sogar auf. Die wissen schon, warum sie das tun. Auf der anderen Seite ist es eben

    Ronald Stöferle

    ist Geschäfts-

    führer der

    Incrementum

    AG.

    Ronald Stöferle ist Investment-Manager der Incrementum AG mit Sitz in Liechtenstein. In NEW BUSINESS spricht er über Gold als eine Wertanlage, die im Portfolio „einfach Sinn macht“. „... wie ein Airbag im Portfolio.“

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    JUNI 2015 | NEW BUSINESS 11

    Der Goldbe-

    stand wächst

    jedes Jahr nur

    um 1,5 Prozent.

    eine Währung, die sich im Laufe der Jahrhunderte durch­ gesetzt hat. Bis 1971 hatten alle Währungen eine Gold­ deckung. Danach kam eine Entfesselung des Währungs­ bzw. Finanzsystems. Das ist im historischen Kontext eine relativ kurze Phase, in der wir keine Golddeckung haben. Aber wenn jemand vor 100 Jahren gesagt hätte, dass wir einmal komplett ungedeckte Währungen ha­ ben werden und die Notenbanken nach Gutdünken die Geldmengen bestimmen, dann hätte damals schon jeder gesagt, das kann nicht funktionieren. Da werden die Menschen kein Vertrauen haben. Deswegen braucht es immer Gold, um eine gewisse Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu schaffen. Das ist ein wesentlicher Punkt, da Gold gern mit Leuten assoziiert wird, die auf den Weltuntergang und eine Hyperinflation hoffen.

    Aber ist Gold nicht zuletzt stark gefallen? Es heißt immer, der Goldpreis sei im letzten Jahr so stark gefallen. Das stimmt eigentlich nicht. Der Goldpreis wird in US­Dollar gemessen, weil das die Referenzwäh­ rung ist. Aber für unsere Kunden ist der Europreis wesentlich wichtiger. Im letzten Jahr ist der Goldpreis auf Eurobasis um elf Prozent gestiegen. Auch seit Jah­ resbeginn ist Gold auf Eurobasis um zehn Prozent ge­ stiegen. Gold hat sich zuletzt sehr gut entwickelt, vor allem im Zuge der Euroabwertung. Es ist eigentlich skurril, sich hierzulande Gold auf Dol­ larebene anzuschauen, weil das ja nicht relevant ist. Wir verdienen unser Geld in Euro und investieren es auch in Euro. Insofern rate ich, auf den Europreis zu schauen.

    Stichwort Blase: Sehen Sie da eine drohende Gefahr? Wenn man sich Gold in Relation zu anderen Finanz­ anlagen anschaut, kann man das getrost ausschließen. Die ganz große Blase sind aktuell Staatsanleihen, die

    teilweise negative Renditen aufweisen. Seit 2007 ist der weltweite Schuldenstand um 40 Prozent gestiegen. Anleihen stellen stets ein Schuldverhältnis dar. Kredit stammt vom lateinischen Wort „credere“, was so viel wie „glauben“ bedeutet. Insofern ist das Vertrauensver­ hältnis zwischen Schuldner und Gläubiger sehr wichtig. Hier sehe ich im Moment zahlreiche Maßnahmen, die nicht unbedingt vertrauensbildend sind. Insofern stel­ le ich das Chance­Risiko­Profil von Anleihen doch stark infrage. Bei Gold ist dies anders, es gibt hier keinerlei Gläubigerbeziehung. Gold ist 100­prozentiger Besitz. Vergleicht man das Finanzvermögen, sind im Moment auch nur 0,6 Prozent des globalen Finanzvermögens in Gold allokiert. Da kann man wirklich nicht von einer Blase sprechen. Wenn ich mich für Gold als Wertanlage interessiere, welche Risiken sollte ich kennen? Das schlechteste Umfeld für den Goldpreis ist Disinfla­ tion, also eine rücklaufende Inflationsrate. Seit 2011 kennen wir Disinflation. Aber ich würde auch sagen, dass stark steigende Zinsen ein Problem für den Gold­ preis wären. Das ist wie ein Damoklesschwert, das über dem Goldpreis schwebt. Jeder rechnet mit der Zins­ erhebung in den USA. Jeder fragt: Kommt sie früher, kommt sie später? Im Endeffekt kommt sie wahrschein­ lich gar nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein wirklicher Zinserhebungszyklus aufgrund der Überschuldung – nicht nur der Staaten, sondern auch der Unternehmen und der Privaten – kommen wird. Jeder verschuldet sich auf Teufel komm raus, das wird bei der Sanktionierung der Sparer auch gewünscht. Eigentlich ist man ja ein Depp, wenn man das Geld am Sparbuch liegen hat. Sparen, also Konsumverzicht, ist die Basis für Wohlstand. Wir können uns nicht reich

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    12 NEW BUSINESS | JUNI 2015

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    konsumieren. Deswegen wird unsere Sparkultur derzeit auf den Kopf gestellt, das hat massive Konsequenzen. Da werden Bubbles aufgeblasen. Jeder verschuldet sich aufgrund der niedrigen Zinsen über beide Ohren. Das bedeutet, dass wir alle wesentlich anfälliger werden, was steigende Zinsen betrifft, und je stärker ich ver­ schuldet bin, desto fragiler ist die Geschichte und desto weniger halte ich steigende Zinsen für möglich. Dieses Thema wird in den USA gespielt, wo die amerikanische Notenbank ein bisschen mit einer kleinen Zinserhebung flirtet, aber meiner Meinung nach wird kein großer Zinserhebungszyklus kommen.

    Eignet sich Gold auch schon zur Anlage für kleine Beträge? Auf jeden Fall. Es ist eine Mär, dass Gold nur etwas für große Anleger ist. Es lässt sich auch nicht pauschal beantworten, wie hoch der Anteil von Gold im Anlage­ portfolio sein soll. Ich sage gern „Hope for the best but prepare for the worst“. Eine Feuerversicherung schließt man auch ab, bevor das Haus abgebrannt ist. Das Schönste, was pas­ sieren kann, ist, dass ich das Gold einmal meinen Kin­ dern weitergebe und sagen kann, dass ich es nie ge­ braucht habe. MW

    INFO-BOX In Gold we trust Ronald Stöferle hat Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft an der Wiener Wirtschaftsuniversität und in den USA studiert. Er war Analyst für Gold und Öl bei der Erste Group. Seit 2013 ist Stöferle Mitglied der Geschäftsführung des eigentümergeführten, FMA- lizensierten Anlage- und Vermögensverwaltungsunter- nehmens Incrementum AG. Zu den Kernkompetenzen des Unternehmens mit Sitz in Liechtenstein zählt das Management von Investmentfonds.

    Am 25. Juni präsentiert der Analyst ge- meinsam mit Partner Mark J. Valek zum bereits neunten Mal den Spezialreport „In Gold we trust“. Die umfangreiche Goldstudie gilt in Fachkreisen als viel- beachtet, wurde bereits vom „Economist“ zitiert und zuletzt vom „Wall Street Jour- nal“ als „Goldstandard aller Goldstudien“ geadelt. Gemeinsam haben Stöferle und Valek das Buch „Österreichische Schule für Anleger“ veröffentlicht. www.incrementum.li

    Gold dient zur

    langfristigen

    Absicherung

    des Vermögens.